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Missbrauch: Aussitzen wäre Todsünde

20.06.2010 | 18:36 |  DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Österreichs Bischöfe versammeln sich am Montag. Sie wollen (endlich) strengere Regeln im Kampf gegen sexuelle Gewalt absegnen.

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Von Johannes Paul II. wird erzählt, er habe sich in seinen besten Zeiten über die Ergebnisse wichtiger Fußballspiele selbst während Messfeiern mit einem diskret zugesteckten Zettel informieren lassen. Von den österreichischen Bischöfen ist Derartiges nicht überliefert. Sie sitzen von heute, Montag, bis Mittwoch in Mariazell. Dass nebenher der Fernseher läuft, gilt als extrem unwahrscheinlich. Zu ernst ist auch das Thema der Konferenz – die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Um dennoch einen Bezug zum scheinbar alles beherrschenden Fußball in Zeiten der Weltmeisterschaft herzustellen: Die Bischöfe müssen den Ball, der auf dem Elfmeterpunkt liegt, jetzt auch einnetzen. Soll heißen: Sie müssen das umfangreiche „Regiebuch“, mit dem sexuelle Gewalt durch Priester, Ordensleute, Erzieher, Gruppenleiter verhindert oder verfolgt werden soll, jetzt ohne Abstriche beschließen und dann vor allem ohne Kompromisse umsetzen.

Denn das ist eine der Lehren der Causa Groër: In den 1990er-Jahren wurden Ombudsstellen geschaffen. Nur gab es weder für Ausstattung noch für Vorgehen im Verdachtsfall Standards. So sehr die Reaktionen der Bischöfe, angeführt von Kardinal Schönborn, auf das Bekanntwerden hunderter Fälle Vorbildcharakter haben, so sehr müssen sie, wenn das öffentliche Interesse eingeschlafen ist, ihre Anstrengungen fortsetzen. Alles andere käme – um von der Fußballer- endlich in die Kirchenterminologie zu wechseln – wohl einer Todsünde gleich.


dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2010)

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5 Kommentare
Gast: Helmut Hauer
22.06.2010 07:06
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Nächstes Problem steht vor der Tür

Die hw. Herren mögen nicht vergessen dass das Problem der "Priesterlebensgefährtinnen" und Priesterkinder bald anstehen wird. Es gab Ratschläge zur Abtreibung, etc.
Auch hier bestehen viele offene Wunden bei Frauen und Priesterkindern. Der Bericht von Ch. Schüller im ORF hat dies bereits angedeutet ...

Tom93
21.06.2010 15:46
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schweigen ist für brave katholiken gold

die ganzen katholischen fanatiker halten eh nicht den kindesmißbrauch durch priester für das problem, sondern die tatsache, dass darüber berichtet wird! wenn nur alle brav schweigen würden, dann würde dieses bösen themen weggehen, und alles wäre gut.

oder anders gesagt: nicht dei kindesmißbrauchende priester sind für die braven schäfchen schuld am ansehensverlust der kath. kirche, sondern leute, die darüber berichten, so wie sie , herr neuwirth. darum werden sie ja als anti-christ diffamiert!

Tom93
21.06.2010 15:43
0 0

die katholische kirche macht seit 2000 jahren nichts anderes

wieso soll aussitzen bitte auf einmal nicht die lösung sein? hauptsache aus den schlagzeilen kommen und schwamm drüber! die braven schäfchen werdens schon schlucken. die machen immer alles brav mit. und wer kritisiert ist halt ein schlechter christ und schlechter kathoik, so einfach ist das.

Thonet H.
21.06.2010 09:23
1 1

Es ist nicht die Hauptaufgabe der Bischöfe

sich mit Kriminellen in den eigenen Reihen zu beschäftigen, sondern die Hauptaufgabe gilt der Prävention und das heißt bei der katholischen Kirche, sicherzustellen, dass einer wieder im Mittelpunkt allen Bemühens steht: Jesus Christus und damit Glaube, Hoffnung und Liebe!

Die Tendenz in der Vergangenheit war die Priester als religiöse Sozialarbeiter zu sehen, mit funktionellen Verpflichtungen in der "Amtskirche".

Heute ist Umkehr und Reue gefragt, nicht nur bei den Priestern, sondern bei allen Menschen guten Willens, damit die Kraft Gottes im Hl. Geist wirken kann.

Dann ist Aufbruch möglich und erstarrt nicht in Selbstmitleid, das im Anschuldigen und Verurteilen der anderen endet.

Antworten diogenes
22.06.2010 12:44
0 0

Re: Es ist nicht die Hauptaufgabe der Bischöfe

Im Mittelpunkt sollen die 10 Gebote Gottes stehen.
Und die Amtskirche soll zuerst mit den Missetätern in ihren Reihen aufräumen und jenen die an die Grundregeln nicht glauben den Sessel vor die Tür stellen.
Erst dann werden die Gläubigen daran glauben, dass die Kirche ihre Gebote auch ernst meint (und nicht aus pastoralen, humanitären - und wie der Schwachsinn sonst noch heissen mag -) Gründen Krummes gerade sein lässt.