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Razzia bei belgischen Bischöfen für Vatikan "unerhört"

27.06.2010 | 17:52 |   (DiePresse.com)

Die Ermittler haben die Bischöfe neun Stunden lang festgesetzt, Unterlagen beschlagnahmt und zwei Gräber von Kardinälen aufgebrochen. Papst Benedikt sprach von einem "traurigen Moment".

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Eine Razzia in der belgischen Erzdiözese Mechelen-Brüssel sorgt für Verstimmung zwischen dem Vatikan und Belgien. Grund sei die Suche nach Beweismaterial in einem Missbrauchsfall, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jean-Marc Meilleur. Der Vatikan bezeichnete die Vorgangsweise als "unerhört": Papst Benedikt XVI. hat den belgischen Bischöfen seine Solidarität angesichts des "verwunderlichen und beklagenswerten" Vorgehens der staatlichen Justiz bekundet. In einer Botschaft an den Brüsseler Erzbischof Andre-Joseph Leonard vom Sonntag bezeichnete er die Untersuchungen in der Kathedrale von Mechelen und am Sitz der zur Vollversammlung zusammengetreten Bischofskonferenz als "traurigen Moment". Zugleich stellte er klar, dass die Kirche mit aller Entschiedenheit für eine Aufklärung aller Missbrauchsfälle eintrete.

Benedikt XVI. wörtlich: "Viele Male habe ich selbst unterstrichen, dass solche schweren Vorfälle von der zivilen und von der kirchlichen Ordnung behandelt werden müssen - im Respekt der gegenseitigen Besonderheiten und der Autonomie. In dem Sinne erwarte ich, dass die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt, in Garantie der fundamentalen Rechte der Personen und Institutionen, im Respekt gegenüber den Opfern, und in einer vorurteilsfreien Anerkennung aller, die hier zusammenarbeiten. Und unter Verzicht auf alles, was die ihnen zugewiesenen ehrenwerten Aufgaben verdunkelt."

Am vergangenen Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft im Zuge von Ermittlungen in Missbrauchsfällen die in Brüssel versammelten Bischöfe für neun Stunden festgesetzt. Zudem wurden ihre Handys und vertrauliche Unterlagen beschlagnahmt und in der Krypta der Kathedrale die Gräber von zwei Kardinälen aufgebrochen. Der Fernsehsender VRT berichtete, auch bei der von der Kirche eingesetzten Unabhängigen Missbrauchskommission habe es eine Durchsuchung gegeben. Auch dort seien Akten beschlagnahmt worden.

Botschafter in Vatikan einbestellt

In einer Stellungnahme vom Freitag hatte der Vatikan betonte, dass die Kirche den Missbrauch von Minderjährigen durch Kirchenmitarbeiter aufs Schärfste verurteile und bei der Aufklärung zur Zusammenarbeit mit der staatlichen Justiz bereit sei. Die Form der Untersuchung und insbesondere die Zerstörung von Gräbern betrachte man jedoch als schwerwiegend. Der belgische Vatikanbotschafter war am gleichen Tag in den Vatikan einbestellt worden.

Es ist nicht die erste diplomatische Verstimmung zwischen dem Vatikan und Belgien. Im Frühjahr 2009 hatte sich der Heilige Stuhl in scharfer Form gegen eine Kritik der belgischen Regierung an Äußerungen von Papst Benedikt XVI. über Kondome gewandt. Das Staatssekretariat bekundete damals sein Bedauern darüber, dass das Parlament in Brüssel den Papst auf der Grundlage einer "aus dem Zusammenhang gerissenen und verkürzt wiedergegebenen" Interview-Aussage kritisiert hatte. Auf seinem Flug nach Kamerun hatte Benedikt XVI. erklärt, Aids sei nicht mit der Verteilung von Kondomen zu überwinden. Notwendig sei, die Verantwortung in Fragen der Sexualität zu stärken.

(Ag./Red.)

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100 Kommentare
 
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0 0

war/ist Duitreaux katholisch?


Gast: Denkanstoß
29.06.2010 07:45
7 2

mit Ihrem KIRCHENBEITRAG unterstützen Sie die KATHOLISCHE KIRCHE ideell und finanziell – SIE SIND dadurch MITVERANTWORTLICH an ihren VERBRECHEN




mit Ihrem KIRCHENBEITRAG unterstützen Sie das Mißbrauchssystem



KATHOLISCHE KIRCHE ideell und finanziell



SIE SIND dadurch MITVERANTWORTLICH an ihren VERBRECHEN





Lavater
29.06.2010 06:52
4 1

Auf dem Heldentor steht "Justitia regnorum fundamentum" (die Gerechtigkeit ist das Fundament der Reiche)

Was in Wien am Heldentor steht, wird in Belgien verwirklicht.

Und unsere "nur" Sprüche werden auch in den USA in die Tat umgesetzt:

Meldung orf.at:

Bundesgericht: Vatikan als Arbeitgeber verantwortlich
Ein Bundesrichter hatte festgestellt, dass der Vatikan in dem konkreten Fall als Arbeitgeber die Verantwortung trage, und die Immunität des Heiligen Stuhls aufgehoben. Dagegen hatte der Vatikan Berufung eingelegt - die der Oberste Gerichtshof nun durch Nichtannahme des Falls faktisch ablehnte.

Antworten Gast: Gast
29.06.2010 08:04
4 0

Auch konservative Zeitungen, wie die etwa die Neue Zürcher Zeitung berichten darüber. Die Presse, die sich im Naheverhältnis der katholischen Kirche befindet, nicht…




„Als Arbeitgeber mitverantwortlich


Ein Bundesrichter hatte festgestellt, dass der Vatikan in dem konkreten Fall als Arbeitgeber die Verantwortung trage, und die Immunität des Heiligen Stuhls aufgehoben. Dagegen hatte der Vatikan Berufung eingelegt – die der Oberste Gerichtshof nun durch Nichtannahme des Falls faktisch ablehnte.“


http://www.nzz.ch/nachrichten/international/vatikan_kann_in_den_usa_juristisch_belangt_werden_1.6295654.html




Antworten Antworten Lavater
29.06.2010 17:07
3 1

Re: Auch konservative Zeitungen, wie die etwa die Neue Zürcher Zeitung berichten darüber. Die Presse, die sich im Naheverhältnis der katholischen Kirche befindet, nicht…

Die genauen Eigentumsverhältnisse der Presse kenne ich nicht, hab aber einmal gelesen, dass sie schon zum Zeitungsimperium der "Kleinen Zeitung" gehört. Inhaber des "Kleinen Zeitung" Imperiums ist die Kirche.

Gast: mysterium
28.06.2010 23:49
2 7

Was müssen sie denn vertuschen, die Belgier.

Ihre Staatsverschuldung, ihre Korruption, ihren Zerfall?

Da ist ein Feind außen natürlich sehr praktisch.

Antworten Gast: dein Spiegel
29.06.2010 00:21
6 2

Was muss sie denn vertuschen, die röm.-kath. Kirche.

Ihre Missbräuche, Ihre Vertuschung, Ihre Verleumdung?
Da ist ein Feind von außen (etwa die Justiz, die ihre Arbeit tut) sehr praktisch.

Antworten Antworten Gast: mysterium
29.06.2010 15:10
1 3

Re: Was muss sie denn vertuschen, die röm.-kath. Kirche.

Nicht die katholische Kirche vertuscht, die belgische Regierung.

Es wird noch alles aufscheinen, der Zeitpunkt ist nah.

Gast: Gast
28.06.2010 23:38
9 0

„Die Kirche habe das Recht, sich selbst zu organisieren - doch seien Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs Sache der Justiz“




Frau Justizminister Bandion-Ortner, was sagen Sie dazu?




Antworten Gast: Bandion-Ortner
29.06.2010 07:46
2 0

mir wurscht


Luzius
28.06.2010 17:11
7 3

gegen eine derart mächtige Institution

scheint solange es keine wirklich funktionierende kirchliche Trennung in sämtlichen Ländern gibt, kein Kraut gewachsen.
Irgendwie erinnert das aber auch an hiesige politische Mächte, deren man schwer bis gar nicht habhaft werden wird können.

Tom93
28.06.2010 17:02
9 5

das macht bestimmt einen guten eindruck

die staatsanwaltschaft ermittelt und prompt stellt die kirchliche mißbrauchskommission ihre arbeit "aus protest" ein. na toll.

Gast: Heiner23
28.06.2010 16:21
8 3

Wo Verdacht auf kriminelles Handeln besteht

müssen StA und Polizei ermitteln. Das giltfür normale Kriminelle und auch für jene hinter Kirchenmauern .... schliesslich gilt das Strafrecht für alle gleich!

Cuchulainn
28.06.2010 16:07
7 13

Der verrottete belgische Staat

hat im Fall des Kindermörders Marc Doutroux dessen Hintermänner gedeckt und dessen Strafverfolgung lange vereitelt.

27 tote Ermittler und Zeugen sprechen eine beredte Sprache.

In heiligen Gräbern zu wühlen, fällt diesen Schurken dagegen nicht schwer.

Antworten Gast: Udo Ado
28.06.2010 16:22
10 7

in den "heiligen Gräbern"

liegen die übelsten Verbrecher unserer Zeit.

Antworten Antworten Gast: radius
28.06.2010 22:53
2 4

Re: in den

Sie wissen nicht, wovon Sie reden.

ambart47
28.06.2010 11:56
18 7

Ein Bravo den belgischen Behörden!

Es ist hoch an der Zeit, den bisher so Privilegierten zu zeigen, daß auch sie nur ganz gewöhnliche Staatsbürger sind, die vor dem Gesetz genauso zu behandeln sind wie "ganz normale" Bürger!
Damit wird hoffentlich langfristig auch das Image dieser Leute erschüttert, das sie noch immer bei manchen leichtgläubigen und bigotten Einfaltspinseln haben: Priester seien unfehlbar und gottgleich ...

Gast: BeobachterIninin
28.06.2010 11:53
6 9

Dutroux laufen lasse, Kardina verhaften

Belgien zeigt sein Gesicht (normalerweise in einer ungewaschenen Unterhose versteckt).
Die belgisierung der EU war ja auch deren Untergang.

Antworten Gast: Eduard12
28.06.2010 14:37
8 4

Re: Dutroux laufen lasse, Kardina verhaften

Falsch.
Dutroux wurde ebenso verhaftet.

Antworten Antworten Gast: radius
28.06.2010 22:55
2 4

Re: Re: Dutroux laufen lasse, Kardina verhaften

Aber erst als das ganze belgische Volk auf der Straße war.

Lavater
28.06.2010 11:33
9 4

Auch die Kirche steht unter den staatlichen Gesetzen ...

Eine Wahrheit, die banal ist, in der Praxis jedoch noch vielfach umgesetzt werden muss.

Beweinen sollte die Kirche in Rom nicht die Hausdurchsuchungen in Belgien, sondern das, was zu den Hausdurchsuchungen geführt hat.

Das wären ehrliche Tränen.

In Österreich sind die Staatsanwälte leider weisungsgebunden. Untersuchungen sind also nur möglich bei einem "placet" des Justizministeriums. Und heikle Untersuchungen werden offenbar innerhalb der Koalition abgestimmt oder gleich kirchlichen Gremien übergeben. Solange unsere Politiker noch katholisch sind, hat die Kirche noch Schonzeit.

Manus manum lavat. Die Kirche leistet hier auch ihr Scherflein. Statt Politiker, die sich für die Abtreibung einsetzen, sofort und ohne Pardon zu exkommunizieren, wird mit diesen bestens zusammengearbeitet. Und feierliche Requiems für Politiker mit unchristlichem Lebenswandel sind eine Selbverständlichkeit.

Tu mir nichts, ich tu dir nichts, ist die Devise.

So vermeidet man "belgische" Hausdurchsuchungen.


Peregrin
28.06.2010 11:19
3 7

Details II

... Dieser "Katechismus" sorgte '97/98 fuer einen Skandal, als Eltern sich darueber beschwerten und, da vom Episkopat mit Hilfe der Medien laecherlich gemacht, eine internationale Kampagne gegen dieses Machwerk starteten, das mit Hilfe auslaendischer Kardinaele und des Vatikans schliesslich aus dem Verkehr gezogen wurde. Der Mann, der seit den 70ern bis 2010 seine schuetzende Hand ueber den belgischen Kirchensumpf hielt, war Kardinal Daneels, ein Modernist durch und durch, Homofreund, Zoelibatsgegner usw., und daher ein Liebling der liberalen Medien. Daher wohl auch das Schweigen im Blaetterwald ueber diesen unglaublichen Fall.

Antworten Peregrin
28.06.2010 14:09
1 5

Re: Details II

"Danneels", Entschuldigung. Der erwaehnte Bischof ist Msgr. Vangheluwe, siehe auch hier http://www.brusselsjournal.com/node/4471

Peregrin
28.06.2010 11:08
4 7

Ein paar Details

... die die "Presse" komischerweise weglaesst: Es geht um Ermittlungen gegen einen Bischof (!), der mittlerweile in ein paar Hundert (!) Faelle von Kindesmissbrauch persoenlich verwickelt ist. Derselbe Bischof war in den 90ern fuer die Redaktion eines "Katechismus" verantwortlich, der auch "Aufklaerungsmaterial" enthaelt und dazu gezeichnete Kleinkinder abbildet, die in Sprechblasen kundtun, wie gut es ihnen tue, wenn man sie hier und dort betatsche.

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Zwei Gräber von Kardinälen

wurden "aufgebrochen".
Man beachte die Formulierung, nicht geöffnet, sondern aufgebrochen.

Das sind die feinen Nuancen der "Presse", wenns um klerikale Themen geht.

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Re: Zwei Gräber von Kardinälen

Die feinen Nuancen der Presse in der selbsternannten "Wertegemeinschaft" erkennt man daran, daß sie nicht nachfragt, aus welchem Grund die Totenruhe gestört wurde.

 
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