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Ein Papst steht Rede und Antwort

22.11.2010 | 18:25 |  VON PAUL KREINER (Rom) (Die Presse)

Vorab hat es schon Schlagzeilen geliefert, heute kommt das Interview Peter Seewalds heraus. Was Benedikt XVI. über Missbrauch, die Regensburger Rede und die Piusbrüder zu sagen hat.

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Natürlich, es lässt sich hervorragend als Sensation vermarkten: Noch kein Papst habe ein Interview gegeben, heißt es in den Werbetexten des Herder-Verlags. Erst jetzt ist ein Münchener Journalist, Peter Seewald, derart nahe an Benedikt XVI. herangekommen, jetzt müssten – so ließe sich folgern – auch die Äußerungen sensationell sein. Benedikts Offenheit beruht auf dem Vertrauen, das er zu Seewald hat (siehe Porträt), mit dem er bereits als Kardinal zwei Interviewbände publiziert hat. Seewalds Ansatz bestand darin, einen geheimnisvollen, als erzkonservativ verschrienen Buhmann in seiner wahren Gestalt vorzustellen.

Seit fünf Jahren ist Ratzinger nun Papst; er redet vor der großen Öffentlichkeit, seine eigenen Bücher verkaufen sich bestens; das „Geheimnisvolle“ ist verschwunden. Wozu also auch noch ein Interview?

Vorab: Das Denken Joseph Ratzingers unterscheidet sich praktisch nicht vom Denken Benedikts XVI. Neues erfährt man über den „privaten“ Papst: Zum Beispiel, dass er abends manchmal einen Film auf DVD anschaut, „gern Don Camillo und Peppone“, und dass er den vom Leibarzt verordneten Hometrainer in der Ecke stehen lässt: „Im Moment brauche ich das Gott sei Dank nicht.“ Wahre Freude und „ein ganzes Konzert von Tröstungen“ erlebt dieser Papst, wenn er „beim Lesen der Kirchenväter das Schöne des Glaubens aufleuchten“ sieht oder sich mit dem spätantiken Augustinus und dem mittelalterlichen Thomas von Aquin „befreundet“ fühlt.

In diese Welt hinein explodierte jener „Vulkankrater, aus dem plötzlich eine gewaltige Schmutzwolke herauskam, die alles verdunkelte“: der Skandal des sexuellen Missbrauchs. „Das musste man erst einmal verkraften.“ Benedikt weicht den Fragen dazu nicht aus, überlegt, ob er als Papst – angesichts der Schweigevorwürfe – nicht doch noch mehr hätte reden sollen. Sicher, sagt er, habe es in den Medien „eine Freude gegeben, die Kirche bloßzustellen“, aber das habe nur geschehen können, „weil in der Kirche das Böse war“.

 

„Super-GAU mit Williamson“

Nachdenklich antwortet Benedikt auch auf die Fragen zu den Lefebvre-Bischöfen. Deren Exkommunizierung sei kirchenrechtlich zwingend gewesen, sie hätten dem Papst ja „uneingeschränkten Gehorsam“ versprochen: „Im Nachhinein ist man immer klüger.“ Benedikt kritisiert in diesem Zusammenhang das „Versagen unserer Pressearbeit“ und räumt unumwunden den „Super-GAU mit Williamson“ ein, dem Lefebvre-Bischof also, der den Holocaust leugnete. Der Vatikan hätte das wissen können, aber „leider hat niemand bei uns im Internet nachgeschaut“.

Benedikt kehrt auch zu seinem Lieblingsthema zurück, zur „Diktatur des Relativismus“. Er befürchtet, dass diese „neue Religion“ die „Toleranz im Namen der Toleranz abschafft“. „Gerade das Christentum sieht sich einem Intoleranzdruck ausgesetzt, der es zunächst lächerlich macht – als einem verkehrten, falschen Denken zugehörig – und ihm dann im Namen einer scheinbaren Vernünftigkeit den Atemraum wegnehmen will.“ Ein Beispiel: „Wenn man im Namen der Nichtdiskriminierung die katholische Kirche zwingen will, ihre Position zur Homosexualität oder zum Frauenpriestertum zu ändern, dann heißt das, dass sie nicht mehr ihre eigene Identität leben darf, und dass man stattdessen eine abstrakte Negativreligion zu einem tyrannischen Maßstab macht. Das ist dann anscheinend die Freiheit – allein schon deshalb, weil es die Befreiung vom Bisherigen ist.“

Gleichzeitig ist dieser Papst nicht einer, der die Kirche vor der Moderne abschirmen will: „Wenn diese nur aus Negativem aufgebaut wäre, könnte sie nicht lange bestehen.“ Die Kirche müsse sich auch fragen: „Wo hat der Säkularismus recht?“ Und seine eigene Aufgabe sieht er in der Vermittlung von Glaube und Vernunft: „Wenn der liebe Gott schon einen Professor zum Papst machte...“

Benedikt will mit neuen geistigen Aufbrüchen – die „Bürokratie“ der sogenannten Volkskirche sei „verbraucht und müde“ – hinein in die „sich zersetzende Gesellschaft des Abendlandes“; die „großen Worte“ der Glaubenslehre müssten für eine gewandelte Welt neu übersetzt werden, das sei „erst im Anlaufen, aber noch nicht wirklich geglückt“.

 

Überrascht von eigener politischer Rolle

Letztlich münden alle, auch die kirchen- und selbstkritischen Worte Benedikts in eine positive Bilanz. Gutes sei in vielem Schlechten aufgeleuchtet, sagt er. Bei seiner „streng akademisch konzipierten“ Regensburger Rede beispielsweise – jener mit dem fatalen Zitat, dass „Mohammed nur Schlechtes gebracht“ habe – sei er sich „nicht bewusst gewesen, dass man eine Papstrede nicht akademisch, sondern politisch liest“, aber letztlich sei daraus ein „großräumiges und intensives Dialogverhältnis“ mit dem Islam entstanden – durch die Initiative islamischer Gelehrter allerdings, wie er auch einräumt.

Und dann die Sache mit den Kondomen. Sie hat das Buch schon vorab werbewirksam bekannter gemacht als ihm gut tat. Der Kern der kirchlichen Lehre ist unangetastet geblieben (siehe nebenstehenden Artikel). Aber immerhin hat der Papst durchblicken lassen, dass Kondome auch einen anderen Zweck haben können als den der Empfängnisverhütung, dass sie unter Umständen die Verbreitung von Aids bremsen könnten. In „begründeten Einzelfällen“ also könnten sie erlaubt sein, deutet Benedikt an. Aber viel mehr lässt er offen, und Seewald fragt – wie an so manchen Stellen – lieber zu wenig nach als zu viel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2010)

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37 Kommentare
 
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papa benedetto, ..toleranz im namen der toleranz..

zölibat abschaffen, homosexualität als "von gott gegeben" anerkennen, kondome "heiligsprechen", retten millionen menschenleben,.... und frauenpriester in die gemeinden.

ansonsten wird die "katholische amtskirche" ob ihrer pathologisch anmutenden identität weiter an glaubwürdigkeit verlieren.

amen

5 0

weiter an Glaubwürdigkeit verlieren

WAS sollte da verloren werden?

Der Zölibat ist eine frei gewählte Lebensform -

wieso so intolerant?

Re: Der Zölibat ist eine frei gewählte Lebensform -


....von jungen unerfahrenen männern, erst später wird vielen von ihnen die tragweite dieser "freien entscheidung" bewußt, und danach beginnen die probleme.

seelenqual ohne ende bis hin zu schwerwiegenden verfehlungen aller art, auch menschzersetzend, entwürdigende selbstpeinigungen bis hin zur totalen resignation und psychosen vielfältigster natur.

das will gott nicht !

Antworten Gast: glaube
23.11.2010 21:13
4 8

Re: papa benedetto, ..toleranz im namen der toleranz..

wenn das geschieht trete ich aus

Antworten Antworten Gast: ausgetretener
24.11.2010 08:49
6 1

Re: Re: papa benedetto, ..toleranz im namen der toleranz..

Und ich wieder ein.
Damit verliert der Papst kein Schäfchen, und die Welt wird besser. ;)

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
25.11.2010 19:02
1 0

Re: Re: Re: papa benedetto, ..toleranz im namen der toleranz..


Da bist Du nicht alleine!

Das Problem ist, dass diese Kirche so jenseits von Gut und Böse ist, dass sie nur mehr Spinner anzieht, die dafür umso lauter sind. Die Meisten tragen das nicht mehr mit. Irgendwann reichts dann und sie gehen!


Ich bewundere Leute...

...die den Papst wegen dem Buch verurteilen. Haben sie es denn alle gelesen, sodass sie zu ihren Leerzeilen reichen Postings kommen?

Aber wer will denn schon zuhören was der Papst wirklich sagt. Viel schöner ist es doch gegen den Papst zu hetzten. Also, bloß das Buch nicht lesen und fest weiter posten.

@Kyniker: Soll ich auch ein paar Leerzeichen einfügen?

Gast: yamo
23.11.2010 09:48
3 0

Die Diktatur des Relativismus

ist keine. Er muss sich ja nicht allem anschliessen was andere in ihrer freien Meinungsäusserung bekannt geben.

Gast: DKD
23.11.2010 08:27
0 0


Antworten Gast: ...
23.11.2010 12:14
0 0

Re: Wirklich spannend ..

Ja, das ist wirklich spannend! Auch weitere Schlussfolgerungen aus dem "angeboren" kann man da sofort ziehen, etwa, dass Menschen die durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind, a priori kein Lebensrecht haben.

9 4

Welche Gotteslästerung!!!

Gott hat nichts mit diesem Vatikan und seinen Dienern zu tun!!! Die Kirche, vor allem dieser Papst, kann sich jede Belehrung ersparen. Diese Einrichtung ist weit entfernt von jeder Moral, Liebe und Ehrlichkeit! Und die selbsternannten „Gottesdiener“ machen aber schon NICHTS IM SINNE GOTTES! GOTT WIRD NIEMAND IN EINER KIRCHE ODER EINEM TEMPEL FINDEN!!!

"...Hinweg mit allen Gebeten, hinweg mit allen Feiertagen, da ein jeder Tag ein
wahrer Tag des Herrn ist, und hinweg mit allem Priestertume! Denn ein jeder Mensch, der Gott erkennt und Ihn über alles liebt und Seinen Willen tut, ist ein wahrer und rechter Priester und ist dadurch auch ein rechter Lehrer, so er seinen Nebenmenschen eben diese Lehre gibt, die er von Mir empfangen hat... "

"...Sie veranstalteten auch weite Wallfahrten zu den außerordentlichen und besonderen Götzengnadenbildern, und so sie dort ankamen, verrichteten sie allerlei dümmstes Bußwerk und spendeten dem Götzen große und oft ganz ansehnliche Opfer; damit war freilich den Götzenpriestern sehr geholfen, nur den dummen Wallfahrern niemals. Also derartige allgemeine Gebete und Bitten werden von Mir aus niemals erhört!..."

"...Wahrlich, sage Ich euch: Wer immer mit gewissen besseren Kleidern angetan Mich um etwas bitten wird, der wird auch niemals erhört werden – und noch weniger irgendein Priester in seinen dummen, verbrämten Zaubermänteln und Röcken!..."

Grosses Evangelium Johannes (Neuoffenbarung)

Antworten Gast: Exegetes
23.11.2010 22:55
0 0

Re: Welche Gotteslästerung!!!

Jakob Lorber, Grazer Prophet im 19. Jahrhundert, hatte interessante, meist akustische Halluzinationen über zwei Jahrzehnt lang, schrieb sie auf oder diktierte sie Freunden.
Die römisch-katholische Kirche hat keine Freude damit, obschon sie stark auch auf Halluzinationen fusst, die der "Apostel" Paulus hatte und zu einer eigenen Lehre "Jesu Christi" ausbaute, welche mit dem, was Jesus lehrte nur mehr teilweise etwas zu tun hat.

Es gibt auch atheistische Fundis -

sind genauso beschränkt wie die religiösen
Fundis!

Antworten Gast: erleuchteter
23.11.2010 21:11
1 0

Re: Welche Gotteslästerung!!!

in diesem fall überweisen sie mir bitte all ihr geld da der wahre gott(ala) zu mir sprach und ich die mittel brauche um sie zur reinheit zu führen


Grüß Gott!



Herr … Sie sind mit der Bezahlung ihres Kirchen-Beitrages schon lange im Rückstand. Ihr Rückstand für … beträgt … Euro, der Betrag für … ist mit Euro … vorgemerkt.

Wir müssen die Sache nun unserem Rechtsreferat übergeben.

Nutzen Sie daher die Möglichkeit der „Entschuldung“. Bitte folgen Sie unserem Angebot und handeln Sie in den nächsten 4 Wochen. Uns liegt vor allem daran, mit Ihnen in Zukunft ein gemeinsames Einvernehmen über den Kirchen-Beitrag herzustellen. Änderungen oder Wünsche können Sie uns selbverständlich mit dem nebenstehenden Mitteilungsblatt bekannt geben.

Denn wir wollen nicht, dass der Kirchen-Beitrag zum Problem für Sie wird.

Mit freundlichen Grüßen




Re: Grüß Gott!

und was hat der Kirchenbeitrag mit dem Buch zu tun?
Man kann ja gerne das Angebot der Kirche annehmen, dann ist der Kirchenbeitrag auch nicht umsonst.
Wenn man Mitglied eines Fussballvereins ist, zahlt man ja auch seinen Mitgliedsbeitrag. Wenn man sich nicht dafür interessiert, ist das auch seine Sache.

Re: Grüß Gott!

Wunsch:

Kirchenbeitrag = 0
Dann trete ich auch wieder der Kirche bei. Alles andere ist absolut inakzeptabel.

Gast: Anna
22.11.2010 22:38
3 3

Ein Papst steht Rede und Antwort?

zumindest STEHT was, und wenn`s eine Rede und eine Antwort ist!

Gast: dörfli
22.11.2010 21:23
1 9

Es stellt sich mir schon die Frage

warum es bei immer den gleichen Postern gestattet ist, dass sie mit zig-Leerzeilen die unheimliche Wichtigkeit ihrer Postings herausstellen könne, während andere die dasselbe Verfahren anwenden zensuriert werden.
Wenn das Blattlinie ist möge man das bitte wo vermerken, dann spart man anderen viel Zeit.
Würde man ALLE derartigen Postings löschen wäre der Spuk schnell zu Ende.

Antworten Gast: dadings
23.11.2010 12:18
3 7

Re: Es stellt sich mir schon die Frage

Das hier ist ein Kirchenhetzforum. Es kommt nicht auf die Anzahl der Leerzeilen an, sondern auf den vermittelten Inhalt. Hetzen Sie halt auch mit gegen die Kirche, dann darf Ihr Posting auch erscheinen.

Gast: Sozialaanalyse
22.11.2010 21:20
4 9

@Islam Der Islam ist eine Staatsform - da untrennbar Sharia (Staats- und Rechtsform) mit der Religion (Quran) verbunden ist.

Auf ein und demselben Staatsgebiet können unmöglich zwei Staatsformen existieren.

Wo auch immer der Islam sesshaft wurde hat es seit 1500 Jahren nahezu überall in der Welt damit geendet dass die Staatsform des Islam gesiegt hat.

Eine totalitäre Staatsform: Demokratie ist in der Sharia nicht vorgesehen, Minderheitenrechte nur extrem begrenzt. Kein Moslem würde hierorts unter den "Minderheitenrechten" leben wollen die in seinem Herkunftsland für die "die anderen" gelten. Das hier mit zweierlei Maß gemessen wird stört ihn nicht. Er könnte sich hieorts auch nicht als Moslem ansiedeln würde man deren Regeln umgekehrt anwenden.

Eine totalitäre Staatsform die zu Verarmung, Rechtlosigkeit, Unterdrückung und Unbildung der Massen sowie Ausrottung und Vertreibung von Minderheiten führt wie jede totalitäre Staatsform. Man sollte meinen Europa hätte aus seinen sehr, sehr schweren diesbezüglichen Fehlern gelernt.

Es ist ein absoluter Irrtum und tragischer Fehler den Islam rein als eine Religion zu verstehen. Eine Trennung von Staat und Relgion gibt es dort höchstens kurzzeitig. Was die Rechte und den Lebensstandard der Massen und der Minderheiten angeht: ein tödlicher Fehler.
Wie nahezu täglich in vielen islamischen Ländern zu beobachten wo ein Großteil der Einwohner in Armut dahindarbt und die Frauen unterdrückt und Minderheiten (mindestens) vertrieben werden, wenn nicht ermordet.

Ob man das bei uns rechtzeitig begreift wird sich weisen.

Re: @Islam Der Islam ist eine Staatsform - da untrennbar Sharia (Staats- und Rechtsform) mit der Religion (Quran) verbunden ist.

islamofaschismus sagt man kurz dazu.

Antworten Gast: gast
23.11.2010 16:09
3 1

Re: @Islam Der Islam ist eine Staatsform - da untrennbar Sharia (Staats- und Rechtsform) mit der Religion (Quran) verbunden ist.

islam, judentum, christliche kirche, ....alle haben leider etwas gemeinsam...einmischung und das staat im staat prinzip, da sich keine der religionen einer weltlichen regierung unterordnen will.

Sie wollen beispiele aus der katholischen kirche?: fragen sie sich mal, wieso trotz bekanntsein der täternamen, die kirche für sich die auslieferung der geistlichen straftäter entscheiden kann......nur so am rande^^

 
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