26.05.2012 03:05 | Meine Presse Merkliste 0

Irische TV-Doku: Vatikan schützte Pädophile

17.01.2011 | 20:33 |   (DiePresse.com)

Der Vatikan soll sich direkt in die Untersuchungen von Missbrauchsfällen eingemischt und die irischen Bischöfe unter Druck gesetzt haben. Das will das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit Briefen belegen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Vatikan soll sich laut einer neuen Dokumentation in den 1990er-Jahren direkt in Untersuchungen der Irischen Bischofskonferenz zu Missbrauchsfällen eingeschaltet und Anzeigen gegen pädophile Priester verhindert haben, meldet Kathpress. Die Sendung von Irlands öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt RTE berichtet über einen Brief aus dem Jahr 1997. Darin seien die irischen Bischöfe angehalten worden, Missbrauchstäter nicht der Polizei zu übergeben.

Laut Vorausmeldung der RTE vom Montag enthält dieser Brief eine Drohung, dass sich Rom auf die Seite der Angeklagten stellen werde, falls die Bischöfe ihre 1996 erstellten Kinderschutzrichtlinien ("Green Book Guidelines on Child Protection") durchsetzten und sich ein betroffener Priester an den Vatikan wende. Damit, so urteilt der Sender, habe Rom "die Interessen der Priester über die der Kinder gestellt". Näher bezeichnet sind die betreffenden Stellen im "Vatikan" beziehungsweise in "Rom" nicht.

Kloster statt Amtsenthebung

Die Tageszeitung "Irish Examiner" berichtete, der Vatikan habe sich zudem mindestens zweimal direkt in die Untersuchungen der Bischöfe eingeschaltet und Versuche unterbunden, Missbrauchstäter aus dem Amt zu entfernen.

Einer dieser Fälle wurde laut Bericht im Dezember bekannt, nachdem der Oberste Gerichtshof ein zensiertes Kapitel des "Murphy Reports", der öffentlichen Untersuchung über die Missbrauchsfälle in der Erzdiözese Dublin, freigab. Demnach hob der Vatikan die Entscheidung der irischen Bischöfe auf, den pädophilen Priester Tony Walsh zu entlassen. Stattdessen habe Rom auf einer zehnjährigen Versetzung in ein Kloster bestanden.

Ein irischer Erzbischof, dessen Name in der Dokumentation nicht genannt wird, habe daraufhin mit seinem Rücktritt gedroht. Walsh habe danach ein weiteres Kind missbraucht, dessen Mutter ebenfalls in der Dokumentation zu Wort komme. Sie weise Rom darin eine direkte Verantwortung für die Tat zu.

Der Vorsitzende der Laienorganisation "Voice of the Faithful", Bryan Maguire, der selbst Missbrauchsopfer ist, sagte in der Sendung, der vatikanische Brief ändere seine gesamte Wahrnehmung des Skandals. Er wird mit den Worten zitiert: "Der Brief taucht die Reaktion der Bischöfe sicher in ein ganz anderes Licht als zuvor und legt die Schuld direkt vor die Türen des Vatikan." Es gehe nicht mehr nur um pädophile Priester und Bischöfe, die sie deckten, "sondern um ein ganzes System, das die Taten dieser Priester und Bischöfe möglich machte", so der Sprecher.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

17 Kommentare
Kyniker
18.01.2011 19:14
2 0

@ „Einer dieser Fälle wurde laut Bericht im Dezember bekannt, nachdem der Oberste Gerichtshof ein zensiertes Kapitel des „Murphy Reports“…“






in Österreich gibt es keinen „Murphy Report“ des Staates – hierzulande gibt es die Frau Justizminister, die Vertreter der Täter zu Kaffee und Kuchen einläd, um mit ihnen über die Opfer zu plaudern…





Anmerkung: dieser Kommentar wurde heute um 08:02 gepostet, wurde jedoch zensuriert, da er von einem Mitarbeiter der Presse-Online als „anstößig“ oder „beleidigend“ empfunden wurde.




Gast: porto5
18.01.2011 12:48
3 0

Näher bezeichnet?

Der Täter ist doch bekannt. Es handelt sich um einen gewissen J. Ratzinger, der als Präfekt der Glaubenskongregation direkt für die Vertuschung sorgte. Sämtlich Fälle gingen über seinen Schreibtisch. Und jetzt heuchelt der feine Herr als Papst Entsetzen und Mitleid. In jedem Rechtsstaat werden derartige Taten als Beihilfe angeklagt und auch verurteilt. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass Ratzinger im Herbst vor dem Deutschen Bundestag auftritt.

Gast: Ösi
18.01.2011 12:24
1 0

"Vatikan schützte Pädophile"

Ich möchte mal wissen wer auf die unverfrorene Idee kommt, dass sie "schützTE".
Glaubt vielleicht irgendeiner, dass jetzt die Kirche anders handelt bzw. nichthandelt?
Irgendwie voreilig und aus den Fingern gesogen diese Erkenntnis.....

nix zu tanken!
Ösenpower

Gast: David-Anselm
18.01.2011 10:43
1 0

Schluss mit Nazisteuer

Hitlers Regime schuf 1939 das Kirchenbeitragsgesetz. Wenn schon die Kirchenaustritte mit der Nazizeit verglichen werden (vom Bischof), dann bitte auch die Kirchensteuer recherchieren und kommentieren. Warum also fordert kaum ein Journalist das Ende dieser fiesen Steuer?

Beispiel gefällig: Eine mehrfache Mutter, 48, lebt auf dem Land, lässt sich scheiden und steht mit nichts da (sucht neue Wohnung, Job...), arbeitet schließlich am Fließband, verdient 7 Euro die Stunde und soll 160 Euro Obolus an die Kirchenbeitragsstelle Braunau entrichten!

Sie bittet um Nachlass, erklärt ihre Situation und wird abgewiesen.

Das ist ein absolutes NOGO!!!! Wer in dieser Kirche noch Ohren hat der höre.

Antworten Gast: Ösi
18.01.2011 12:28
0 1

Re: Schluss mit Kirchen"beitrag"

Würde sie den Kirchenbeitrag nicht zahlen, dann wären dafür Sozialversicherung und Steuer fällig!
Wie wir alle wissen wird ja der Kirchenbeitrag SV-mäßig und steuerlich berücksichtigt; kostet dem Ösenreicher also nicht wirklich viel!
Sollte wie in Deutschland sowieso als Kultursteuer eingehoben werden, damit sich die Konfessionslosen auch was vom Fiskus und von der Sozialversicherung holen können, so wie die Tabernakelkatholen!

nix zu tanken!
Ösenpower

Gast: gast
18.01.2011 10:22
2 0

Das wäre ein Musterfall für den Mafiaparagrafen

manche sind eben gleicher.

josephXY
18.01.2011 09:40
3 0

nebenbei bemerkt

gab es in Irland bis die 1970er Jahre Buchzensur,
die von der Kirche ins Leben gerufen wurde.
Ebenso wie die Kirche massiv die militanten
katholischen Gruppen gegen Empfängnisver-
hütung (Kondome, Pille) mobilisiert. Dies alles
parallel zu den wirklich massiven Skandalen
die sich in den katholischen Heimen, usw.
abspielten.
http://newswhip.ie/national-2/irelands-censorship-board-will-list-no-banned-books-for-first-time-in-new-year

Sinnigerweise hat es die Kirche dabei
unterlassen bestimmte Kirchenkritiker erst
gar nicht zu erwähnen. Eine Autorin, der diese
Ehre (und damit verbundene Aufmerksamkeit
gebührt hätte, ist Uta Ranke Heinemann:
'Eunuchen für das Himmelreich', eine
Darstellung wie die katholischen Sexualmoral
zustande kam, wer die Moraltheologen waren
und was sie dabei dachten. Fazit: wenn etwas
skandalös ist, dann diese Moral. Und zwar ganz
grundsätzlich.
http://www.amazon.de/Eunuchen-Himmelreich-Katholische-Kirche-Sexualit%C3%A4t/dp/3453165055/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1295339870&sr=1-2

Kyniker
18.01.2011 08:03
7 0

@ „Es gehe nicht mehr nur um pädophile Priester und Bischöfe, die sie deckten, „sondern um ein ganzes System, das die Taten dieser Priester und Bischöfe möglich machte““






ja was kann denn die Kirche für die Missbräuche von „Einzeltätern“…?






Antworten Gast: Mensch mit Gewissen
18.01.2011 08:23
3 0

Re: @ „Es gehe nicht mehr nur um pädophile Priester und Bischöfe, die sie deckten, „sondern um ein ganzes System, das die Taten dieser Priester und Bischöfe möglich machte““


www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html


Kyniker
18.01.2011 08:02
6 0

@ „Der Vatikan soll sich laut einer neuen Dokumentation in den 1990er-Jahren direkt in Untersuchungen der Irischen Bischofskonferenz zu Missbrauchsfällen eingeschaltet und Anzeigen gegen pädophile Priester verhindert haben, meldet Kathpress“






und wer war in den 1997 „der Vatikan“ der die Anzeigen und Kinderschutzrichtlinien verhindert hat – nicht etwa der Papst, der sicher von nichts wusste…?






ADAXL
18.01.2011 05:14
5 0

Skandal

Wenn das stimmt, wäre es ein Skandal erste Güte. Ein direkter Eingriff des Vatikans für einen mutmaßlichen Verbrecher schreit nach einer gründlichen Säkularisierung.

Antworten Gast: Joringel
20.01.2011 10:14
0 0

Re: Skandal

Es stimmt nicht. Der Bericht der Presse ist grob irreführend.

Der Vatikan hat nicht die Auslieferung des Täters an die Justiz verhindert, sondern dessen Rekurs in einem kanonischen Verfahren aufgrund von Formfehlern des zuständigen Bischofs stattgegeben, der die Entfernung aus dem Klerikerstand betrieb, unter der Bedingung, dass sich der Betreffende für 10 Jahre in ein Kloster begäbe.
Der Brief des apostolischen Nuntius erinnert die irischen Bischöfe insbesondere daran, die Regularien des kanonischen Verfahrens künftig genau zu beachten, um es solchen Täteu ermöglichen, eine erfolgreiche Berufung gegen die Entscheidung eines Bischofs in Rom durchzusetzen.
Der betreffende Täter saß zu der Zeit schon nicht mehr in einem Kloster, sondern im Gefängnis.


Gast: pratersternderl
18.01.2011 04:44
2 0

www.kirchenaustritt.at

Abstossender gehts nicht mehr..

0 0

Eine gute Info Seite


Antworten Gast: gast
18.01.2011 09:41
0 0

Re: www.kirchenaustritt.at

besser gehts nicht mehr...

Gast: gast
17.01.2011 22:07
3 0

Die Kirchenaustrittszahlen haben schon ihre Gründe

und der Vatikan tut alles in seiner Macht um sie jedes Jahr zu steigern.