Kirche stellt Salzburger Domprediger dienstfrei

Der Priester hat mit einer Frau wiederholt Sex gehabt. Die Diözese hat ihn auf seinen Wunsch dienstfrei gestellt und ein Verfahren eingeleitet. Der Domprediger gibt eine sexuelle Beziehung zu, streitet aber Missbrauch ab.

Missbrauchsvorwurf Salzburger Domprediger tritt
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Missbrauchsvorwurf Salzburger Domprediger tritt
Archivbild: Salzburger Dom – (c) APA (Helmut Fohringer)

Die Affäre um angeblichen Missbrauch hat nun dienstrechtliche Konsequenzen für den Salzburger Domprediger Peter Hofer: Die Erzdiözese Salzburg hat ihn mit sofortiger Wirkung dienstfrei gestellt. Betroffen davon ist sowohl seine Tätigkeit als Pfarrprovisor von St. Jakob am Thurn, sein priesterliches Wirken im Salzburger Dom, "aber auch alle anderen priesterlichen Funktionen". Für die Pfarre St. Jakob werde ein Ersatzpriester gesucht, sagte Generalvikar Hansjörg Hofer. Außerdem leitet die Erzdiözese ein kirchenrechtliches Verfahren ein. Im Falle eines Schuldspruchs werde Hofer vom Dienst suspendiert.

"Aufgrund vieler Gespräche und glaubwürdiger neuer Informationen, die das Erzbischöfliche Ordinariat zuletzt noch gestern Abend erhielt, sieht sich die Erzdiözese gezwungen zu handeln", heißt es in der Erklärung. "Die Wahrheit muss zum Tragen kommen", sagte Erzbischof Alois Kothgasser, der seine tiefe Betroffenheit äußerte.

Priester wollte sich zurückziehen

Davor hat der Domprediger den Antrag gestellt, dass seine priesterlichen Ämter bis zu Klärung des Falles ruhend gestellt werden. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten soll Klarheit bringen, schlugen Hofer und dessen Anwalt Fritz Müller am Freitag bei einem Pressegespräch vor. Mit diesem Schritt solle möglicher Schaden für die Kirche abgewendet und der Druck auf die Beteiligten geringer werden. Für St. Jakob werde ein Ersatzpriester gesucht, kündigte Generalvikar Hansjörg Hofer an.

Eine heute 47-Jährige hatte behauptet, sie sei in den 80er Jahren von Hofer, der damals die Stadtpfarre Nonntal geleitet hat, Hunderte Male vergewaltigt worden. Hofer erklärte, die Beziehung habe sich 1985 und 1986 intensiviert, da sei es auch zu einigen sexuellen Kontakten gekommen. Er habe sie aber nie zum Sex gezwungen und ihr nie Gewalt angetan, betonte der Geistliche. "Diese Dinge gehören für mich zu den groben Verfehlungen eines anderen Menschen gegenüber. Es war eine völlig unkomplizierte, offene, fröhliche Freundschaft. Unsere Beziehung war von meinem Standpunkt aus so, dass ich ihr nicht wehtun hätte können."

Was passiert sei, sei deshalb nicht in Ordnung gewesen, da er seine Funktion als Priester überschritten habe, "obwohl ich damals nicht der zuständige Priester der Frau war", gestand Hofer ein. Als sie 1986 ihren Ehemann kennenlernte, habe sich die Beziehung einvernehmlich auf ein freundschaftliches Verhältnis reduziert. Er habe die Familie pastoral begleitet, die Trauung vorgenommen und ihre zwei Kinder getauft.

Hoffen auf Gutachten

Da nun Aussage gegen Aussage steht und ein gerichtliches Verfahren laut dem Anwalt des Geistlichen wegen Verjährung nicht möglich sei, hoffen Hofer und Müller auf das Zustandekommen eines Glaubwürdigkeitsgutachtens durch einen gerichtlich beeideten Sachverständigen. Das Gutachten sei die einzige Chance, dass die Wahrheit ans Tageslicht komme, ob man den Vorwürfen "glauben kann oder nicht", sagte Rechtsanwalt Fritz Müller. "Stimmt das, oder ist das eine Wahnvorstellung", nahm er auf die Anschuldigungen der Salzburgerin Bezug.

Das Gutachten könne aber nur dann erstellt werden, wenn sich die 47-Jährige bereiterkläre, daran mitzuarbeiten, erläuterte der Advokat. Die Expertise soll dann der Klasnic-Kommission und der Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg vorgelegt werden. Warum die Vorwürfe erst nach mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich auftauchten, könne womöglich mit der schweren Erkrankung der Frau und mit Problemen in der Familie zu tun haben, mutmaßten der Geistliche und sein Anwalt. Von einer Verleumdungsklage sehe man aber wegen des bedauernswerten Gesundheitszustandes der Frau ab, sagte Müller. "Mein Mandant bedauert es sehr, dass es ihr sehr schlecht geht."

15.000 Euro für Krebstherapie

Der Geistliche erfuhr von den Vorwürfen eigenen Angaben zufolge erstmals im Jahr 2007. Zwei Jahre später wandte sich die Betroffene an die Salzburger und Wiener Ombudsstelle. Danach habe sie von ihm 25.000 Euro gefordert, aus Mitleid habe Hofer 5000 Euro und später 10.000 Euro für die Krebstherapie als einmaligen Betrag angeboten, vorausgesetzt, sie erhebe keine Missbrauchsvorwürfe mehr, erläuterte Rechtsanwalt Müller. Am Ende der Gespräche mit der Klasnic-Kommission im Mai 2010 sei ihm mitgeteilt worden, dass sie monatlich 650 Euro für Therapiekosten erhalte, die vom Kirchenfonds refundiert werden.

Hofer selbst möchte sich nach den Turbulenzen erst einmal "erholen und ein bisschen untertauchen und meine Mitte und Ruhe finden", wie er bei der Pressekonferenz sagte. Er dürfe auf Anfrage aber weiterhin eine Messe halten oder eine Taufe vornehmen. "Die priesterlichen Aufgaben bleiben bestehen, aber nicht die amtlichen Aufgaben im Dom und in St. Jakob am Thurn."

(APA)

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