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Missbrauchsopfer kritisieren Papst-Seligsprechung

29.04.2011 | 14:24 |   (DiePresse.com)

Johannes Paul II. sei "intolerant und unwillig zum Dialog" gewesen, sein Umgang mit kirchlichem Missbrauch sei ein "kolossales Versagen", kritisieren Missbrauchsopfer und der Theologe Hans Küng.

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Kurz vor der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am kommenden Sonntag melden sich Kritiker zu Wort. Der Tübinger Theologe Hans Küng kritisierte, der frühere Papst tauge nicht zum Vorbild für katholische Gläubige. Mehrere Organisationen von Missbrauchsopfern schlossen sich der Kritik an, darunter die österreichische Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt.

Johannes Paul habe "ein autoritäres Lehramt ausgeübt, er hat die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt", sagte der Kirchenkritiker gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Diese dunklen Seiten seien im Seligsprechungsprozess unberücksichtigt geblieben. Johannes Paul II. sei "intolerant und unwillig zum Dialog" gewesen.

Der Theologe äußerte scharfe Kritik am Vorgehen von Papst Benedikt XVI., der die Seligsprechung in Rekordzeit vorangetrieben hatte: "Der Nachfolger spricht den Vorgänger selig? Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben." Wie ein absolutistischer Fürst habe Benedikt XVI. das eigene Kirchenrecht gebrochen, um Johannes Paul im Hauruck-Verfahren seligsprechen zu können.

"Kolossales Versagen"

"Wenn man an das Leid unzähliger Kinder denkt, deren Täter durch die Vertuschungsaktionen der katholischen Glaubenskongregation - hervorgegangen aus der 'Heiligen Inquisition' - vor Verfolgung geschützt wurden und werden, und wie die Kirche diese geschändeten Kinder behandelt, so scheint diese Seligsprechung weltfremd und absurd", kritisierte auch Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt.

Kritik kam auch vom US-amerikanischen Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (SNAP). "Wenn fehlbare Menschen wie Johannes Paul II. seliggesprochen wird, damit er sich nicht nur wie früher als heilig ansprechen sondern auch anbeten lassen kann, dann ist offensichtlich Irrsinn vorhanden", sagte Eva Nowatschek, die Sprecherin der von SNAP-Austria. "Die große Show um Johannes Paul II. soll ablenken vom kolossalen Versagen im Umgang mit sexualisierter Gewalt und Misshandlung gegenüber unschuldigen Kindern. Der frühere Papst hat von vielen grausamen Verbrechen an wehrlosen Kindern gewusst, doch die Täter geschützt und weiter gewährenlassen."

"Sexualisierte Gewalt ist tief in der Kultur und Praxis der katholischen Priester und Bischöfe verwurzelt, sogar noch tiefer verwurzelt, weil Johannes Paul II. jahrzehntelang Misshandlungen im Wesentlichen tolerierte", erklärte die Präsidentin und Gründerin der US-amerikanischen Organisation für Opfer von sexualisierter Gewalt und Missbrauch durch Priester (SJAP), Barbara Blaine.

"Kirche sollte Opfern helfen"

"Nicht nur für mich persönlich, sondern weltweit für viele Opfer, die als Mädchen und Buben in der Amtszeit von Papst Johannes Paul II. missbraucht wurden, ist diese Seligsprechung Salz in ihre tiefen, noch immer frischen Wunden", erklärte Norbert Denef, Vorsitzender des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt der Wochenzeitung "Die Zeit". "Anstatt einen toten Papst seligzusprechen, sollte die Kirche den Opfern helfen", forderte Denef.

Ein Skandal um sexuellen Missbrauch durch Geistliche vor allem in Irland und Deutschland hatte im vergangenen Jahr die katholische Kirche erschüttert. Papst Benedikt XVI. reagierte mit einem Ruf nach Durchgreifen, Transparenz und vorbeugenden Strategien.

Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte erstmals im März 2000 im Petersdom die Sünden der "Söhne der Kirche" in zwei Jahrtausenden bereut und bedauert. 2002 hatte der polnische Pontifex angesichts sich häufender Nachrichten aus den USA über sexuellen Missbrauch in der Kirche angeordnet, dass solche Fälle stets und umgehend dem Vatikan gemeldet werden müssen.

(APA)

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474 Kommentare
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Gast: richard28
25.09.2011 20:47
0 0

Aber immerhin...


Aber immerhin, Johannes Paul II hat, als es ihm gesundheitlich noch gut ging, seine Ansprachen in Polen nicht völlig teilnahmslos und die Sätze falsch betonend vom Zettel gelesen..

Wahre Nächstenliebe

"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

Jesus von Nazareth

"Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

Silvio Gesell

"The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion."

Arthur C. Clarke

Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden:

http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html


Sebifredi
03.05.2011 11:20
0 0

War doch ein tollesn Fest-und niemand wurde gezwungen, nach Rom zu fahren oder ín den Fernseher zu glotzen!

Und wie lange die Geheilten geheilt bleiben, das wird sich zeigen.Glauben heißt zwar , nichts wissen, aber auch, dein Glaube hat dir geholfen.Also kann jeder wählen, was ihm entspricht.

Kyniker
02.05.2011 21:06
10 0

@ „Einige Gläubige riefen dabei wie schon bei Tod des aus Polen stammenden Papstes im Jahr 2005 "Santo Subito"“






wenn die Rufe der Reformer auch so schnell vom Vatikan erhört würden…






Kyniker
02.05.2011 21:05
11 0

@ „Damit ein Seliger zum Heiligen werden kann, muss noch ein zweites Wunder vorliegen, das sich erst nach der Seligsprechung zugetragen hat. Das sei "in einigen Jahren" möglich, sagte der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.“






Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, besser bekannt für seine Aussage des „Geschwätz des Augenblicks“ als die Ausmaße der Missbrauchsfälle publik wurden…






Antworten Gast: Wahrheitssucher
04.05.2011 03:22
0 0

Re: @ Kyniker

Falsch!
Das war nicht der jetzige Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, sondern der frühere Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano.
Si tacuisses ...

Kyniker
02.05.2011 21:05
9 0

@ „Für die Seligsprechung wurde die Heilung der französische Nonne Marie Simon-Pierre als Wunder anerkannt. Sie war nach eigenen Angaben durch ein Gebet an den verstorbenen Johannes Paul II. von der Parkinson-Krankheit geheilt worden.“






vielleicht sollten die Gläubigen auch um ein Wunder für die Genesung der Kirche beten…






Antworten Gast: Christ
02.05.2011 22:08
4 0

Re: @ „Für die Seligsprechung wurde die Heilung der französische Nonne Marie Simon-Pierre als Wunder anerkannt. Sie war nach eigenen Angaben durch ein Gebet an den verstorbenen Johannes Paul II. von der Parkinson-Krankheit geheilt worden.“

Da gebe ich Ihnen absolut recht.

Gast: gast gast
02.05.2011 17:29
4 2

die nonnen mußten alle einen kopftuchschleier tragen

wo bleibt da der aufschrei der drei bier fraktion

Antworten Gast: think
02.05.2011 22:09
1 2

Re: die nonnen mußten alle einen kopftuchschleier tragen

Eine Nonne sitzt aber nicht im Supermarkt bei der Kassa, oder?

Gast: L.W.
02.05.2011 15:42
1 6

Alleine schon diese verächtliche Überschrift...

... lässt entweder auf einen beinhart ausgeuferten Kampf um Leser gegen die alte Wirkungsstätte des Herrn F. oder auf ein schwerst gestörten Verhältnis zu unseren Wurzeln schließen.

Wahrscheinlich beides.

Oder würde die Presse über den alljährlichen Mekkarummel zu titulieren wagen "Alter Stein lockt mehr als eine Million Pilger an" ?

Definitiv nein, denn da wäre das grün-rosa-lila Hoserl sofort voll aus Angst vor dem "Zorn" der Rauschebärte.

Schöne Helden, diese sogenannten Redakteure... Hauptsache man kann sich immer schön fremdschämen.

Antworten Gast: think
02.05.2011 22:12
0 5

Re: Alleine schon diese verächtliche Überschrift...

Stimmt!
Beim Islam kuschen.
Beim Christentum hinhacken.
Verlogener Haufen!

Antworten Antworten Gast: L.W.
03.05.2011 09:20
0 1

Re: Re: Alleine schon diese verächtliche Überschrift...


Klar, da trauen sich diese traurigen Gestalten, sonst siehe oben.

wbieber
02.05.2011 15:07
1 2

Selig sei er

Papst Johannes Paul II. ist selig gesprochen worden. Für viele Millionen Christen weltweit war er Vorbild und Bezugspunkt; ein Popstar der Religion. Sein Credo ist auch politisch relevant: Sei ehrlich zu dir selbst, schiele nicht auf den Beifall der anderen:
http://bit.ly/mK6xUl

krenroo
02.05.2011 13:34
0 2

JP2 statt 1-Mai-Aufmarsch


Ich finde es cool, dass die Seligsprechung ausgerechnet an einem Sozi-Tag, den 1ten Mai stattfand.

Ein nochmaliges Dankeschön an JP2!

Antworten Gast: Fest-der-Engel
02.05.2011 13:39
5 0

Der 1. Mai ist auch der Tag des hl. Josef - des Arbeiters


Gunki
02.05.2011 13:06
8 2

Der Verein RKK

ist für mich schon deshalb unglaubwürdig, weil er a priori 50 Prozent der Bevölkerung von allen höheren Ämtern ausschliesst, ohne eine wirkliche Begründung dafür zu haben!
Wo gibt's denn sowas? Traurig nur, dass die betroffenen 50 Prozent keinen Aufstand machen und ihr Recht fordern. Wenn die erste Frau Papst wird, geh ich wieder in die Kirche!

Antworten Hans_Dampf
02.05.2011 20:46
4 0

Re: Der Verein RKK

Wenn schon denn schon. die erste schwarze Frau Päpstin...:-)

Antworten Gast: Fest-der-Engel
02.05.2011 13:38
6 1

Ihr Wort in Gottes Ohr ... super coole Ansage

Die Mauern sind noch viel zu dick!

Gast: Fest-der-Engel
02.05.2011 12:34
1 1

Wessen Geistes Kind?

450 Kommentare zu diesem Thema sind eine ganze Menge. Bei allem Respekt vor Gläubigen und Ungläubigen, aber manche Kommentare entspringen schon boshaften Trampel-Federn!

Gast: Fest-der-Engel
02.05.2011 12:29
0 1

Der polnische Chor und das polnische Orchester machen eine tolle, emotional geladene Musik beim heutigen DANKGottesdienst!


DerMike
02.05.2011 11:47
0 0

Eine tolle PR-Aktion der Kirche!

Aber jeder wie er will und glaubt! Die Einen können nicht ohner Gott o.ä., die Anderen nicht ohne Hilfiger .... eine verrückte Welt ist das!

Gast: g1
02.05.2011 10:32
5 0

Angeblich hat der Papst wesentlich dazu beigetragen, dass der Kommunismus in Polen gefallen ist

allerdings habe ich gehört, dass die kleinen christlichen Gemeinden in Polen unter der Herrschaft der kath. Kirche wesentlich stärker verfolgt wurden als unter dem Kommunismus.

ichmeine
02.05.2011 07:11
5 0

lesen, staunen, schmunzeln


Gast: kein Kommunist
01.05.2011 23:24
6 1

@ Johannes Paul II. – der mächtige Mutmacher für die antikommunistischen Kräfte seiner Heimat:


Polen: Drei weitere Bischöfe als Ex-Agenten enttarnt
www.diepresse.at/home/politik/aussenpolitik/113955/index.do

Polen: Sexskandal erschüttert Kirche
http://diepresse.com/home/panorama/welt/288770/index.do

Polen: Kirchen-Spitzelaffäre weitet sich aus
http://diepresse.com/home/panorama/welt/57726/index.do

Der Fall Wielgus: Zeit der Abrechnung
http://diepresse.com/home/meinung/meinungarchiv/107328/index.do

Spitzelaffäre: "Sie haben einen Polen gehenkt"
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/57443/index.do

Affäre um Spitzel-Bischof: "Peinliche Lage für Papst"
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/57442/index.do

Geheimdienst-Affäre: Warschauer Erzbischof tritt zurück
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/57436/index.do





Gast: Glücklich ohne Hormone
01.05.2011 22:25
0 4

@richard 28

Da liegt wohl ein Missverständnis über das Wesen einer Selig- bzw. Heiligsprechung vor. Die Kirche maßt sich gar nichts an, im Gegenteil, in Wirklichkeit ist es das gläubige Volk, das "heilig spricht", nämlich indem eine Verehrung eines im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Dieners Gottes einsetzt. Die Kirche überprüft dann genauestens das Leben der betreffenden Personen, um ggf. den heroischen Tugendgrad festzustellen, das bedeutet, derjenige hat ein untadeliges Leben vor Gott geführt.

Und selbst dann wartet die Kirche noch zu bis auf die Fürsprache des Verstorbenen, der selig oder heilig gesprochen werden soll, ein Wunder geschieht, das als Fingerzeig Gottes gedeutet wird. Nur wenn die selig zu sprechende Person wirklich in der Anschauung Gottes ist (und Heiligkeit ist die Voraussetzung dafür) kann er als Fürbitter ein Wunder erbitten.

Die offizielle Seligsprechung dient dazu, den Seligen als Vorbild für die Gläubigen vorzustellen und zu empfehlen (die meisten sind ja nicht so bekannt wie Johannes Paul II.)

Wenn sich weitere Wunder ereignen und sich die Verehrung ausbreitet (was im Fall von Johannes Paul II. ja ohnehin schon gegeben ist) dann kann eine Heiligsprechung folgen.

 
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