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Pfarrer-Umfrage: "Bedrohlicher Reformstau" in Kirche

07.11.2011 | 17:38 |  von DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Eine deutliche Mehrheit der Priester stärkt Helmut Schüller den Rücken. Sieben von zehn hegen zumindest Sympathien. Die Bischöfe beraten über Strategien im Umgang mit dem „Aufruf zum Ungehorsam“.

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Die Rufe nach Reformen in der katholischen Kirche werden unüberhörbar. Zumindest in Österreich. Jetzt stimmen auch die einfachen Pfarrer, die die Seelsorge der 5,5 Millionen Katholiken des Landes tragen, in den Chor ein. Sieben von zehn Pfarrern (72 Prozent) sympathisieren mit dem „Aufruf zum Ungehorsam“ Helmut Schüllers – ohne in allen Punkten voll zuzustimmen. 68 Prozent sind der Meinung, in der katholischen Kirche gebe es einen „bedrohlichen Reformstau“. Das sind die markantesten Ergebnisse einer Studie des Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner.

Sie basiert auf einer GfK-Umfrage unter 500 Pfarrern und wurde von der ORF-Abteilung Religion in Auftrag gegeben. Die Veröffentlichung der Ergebnisse platzt in die am Montag begonnene Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. Bis Donnerstag soll in der Landeshauptstadt Salzburg über die Vorbereitungen auf die Pfarrgemeinderatswahlen 2012 beraten werden – und über eine akkordierte Reaktion des österreichischen Episkopats auf die Pfarrerinitiative. Dabei müssen die Bischöfe eine Gratwanderung vollziehen. Denn die in der Bewegung engagierten Priester erfreuen sich regional, Sprecher Helmut Schüller auch überregional, großer Beliebtheit. Ein „Aufruf zum Ungehorsam“ darf aber aus römischer Sicht nicht ohne Sanktion bleiben. Dazu kommen nun die Ergebnisse der Umfrage, die Schüller massiv den Rücken stärken. Und Kardinal Christoph Schönborn noch mehr in Bedrängnis bringen.

Fast jeder Dritte (31 Prozent) Pfarrer unterstützt laut der Studie Inhalt und Form des Aufrufs uneingeschränkt. Nur 28 Prozent erweisen sich als entschiedene Gegner. „Nur“ deshalb, weil die Reformbewegung Pfarrerinitiative in ihrem Siebenpunkteprogramm aus dem heurigen Juni Positionen vertritt, die in eklatantem Widerspruch zur Linie des Vatikans stehen. Die Mitglieder, aktuell ungefähr 370 Pfarrer und Diakone, verpflichten sich unter anderem dazu, das bestehende Predigtverbot für Laien zu missachten und die Kommunion gegebenenfalls auch Ausgetretenen zu spenden; gleichzeitig fordern sie die Weihe von Frauen zu Priestern.

Mehrheit für Priesterinnen

In der neuen Umfrage stimmen 55 Prozent der Pfarrer der Formulierung zu, die Forderung, Frauen zu kirchlichen Ämtern zuzulassen, stehe im Einklang mit dem Evangelium. Eine ähnlich hohe Zustimmung für Priesterinnen war bereits im Jahr 2010 bei einer anderen Umfrage Zulehners unter Pfarrern erhoben worden. 53 Prozent lehnen die Aussage ab, die Forderung, Frauen zu kirchlichen Ämtern zuzulassen, komme „lediglich dem Zeitgeist“ entgegen.

Dass Pfarrer die Notwendigkeit zu Reformen sehen, lässt sich auch aus anderen Zahlen ableiten: Zwar meinen 39 Prozent, eine „dramatisch tiefe Kluft“ zwischen der aktuellen Lebenssituation der Menschen von heute und dem Evangelium ausmachen zu können. Fast doppelt so hoch, nämlich 67 Prozent, ist der Wert aber, wenn nach einer derartigen Kluft zwischen der modernen Kultur und der katholischen Kirche gefragt wird. Am deutlichsten ist die Ablehnung der römischen Vorgaben beim Sakramentenempfang Geschiedener, die staatlich neu geheiratet haben. 86 Prozent befürworten die Praxis, nach einem Gespräch die Betroffenen wieder zuzulassen.

Wie sehr sich Helmut Schüllers Forderungen im Mainstream der katholischen Pfarrer Österreichs bewegen, macht auch die 60-prozentige Zustimmung zu einer anderen vorgegebenen Aussage deutlich: Die Ankündigung, dass Geistliche nicht mehr nur Wünsche äußern, sondern praktisch handeln, verhelfe der Kirche zu mehr Glaubwürdigkeit. Und wie sieht es mit der Meinung zu Sanktionen für den „Aufruf zum Ungehorsam“ aus, die anfangs von Kardinal Christoph Schönborn zumindest nicht ausgeschlossen wurden? Lediglich zwölf Prozent der Pfarrer sprechen sich dafür aus, Unterstützer aus dem Amt zu entlassen.

Gesendet wird der Beitrag zur Studie am Dienstag um 22.30 Uhr in „kreuz und quer“ (ORF2). Das Buch zur Studie Zulehners, das derzeit beim Schwabenverlag in Druck ist, soll im Jänner erscheinen („Aufruf zum Ungehorsam – Taten, nicht Worte reformieren die Kirche“). Und am Freitag dieser Woche erfolgt die Pressekonferenz zur Studie. Kardinal Schönborn will über die Beschlüsse der Bischofskonferenz informieren. Auch hinsichtlich des „Aufrufs zum Ungehorsam“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2011)

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246 Kommentare
 
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Gast: Kibietz
13.11.2011 23:51
1 0

Und zum Ende der Pressekonferenz hat er sicher gesagt...

"So, jetzt gehen wir alle einen Döner essen, vergelts Gott!"

Gast: bi scho
13.11.2011 20:46
4 1

Talente vergeuden

Im heutigen Sonntagsevangelium ist von den Talenten die Rede.

Vergeuden nicht auch die Bischöfe ihre Talente, indem sie die Weite und Offenheit des Christentums nicht zulassen und äußerst schlechte Führungsqualitäten an den Tag legen?

Gast: fex
13.11.2011 19:44
2 4

Hans Peter Hurka, Chef der Plattform „Wir sind Kirche“. „Die Menschen werden sich abwenden oder ihren eigenen Glauben leben.“

entlarfend ... nicht wahr!!
Die Antichristen zeigen ihr wahres Gesicht; Gott sei Dank, dass unsere glaubenstreuen, der Lehre Christi verbundenen Bischöfe standfest bleiben. An die, die keine Ahnung mehr haben, was Kirche wirklich ist und ihren eigenen Glauben leben wollen - nicht einige wenige Wölfe im Schafspelz (manche sogar mit Priesterweihe) -, hört endlich auf euer Gewissen und zieht die Konsequenzen, die Eurem Glaubensverständnis entspricht.
fxe

Re: Hans Peter Hurka, Chef der Plattform „Wir sind Kirche“. „Die Menschen werden sich abwenden oder ihren eigenen Glauben leben.“

Ich befürchte, Sie haben noch keine wirklichen "Antichristen" kennen gelernt, wenn Sie diesen Ausdruck schon bei ihren Glaubensbrüdern verwenden wollen...

Antworten Antworten Gast: Liftup
17.11.2011 07:49
0 0

Re: Re: Hans Peter Hurka, Chef der Plattform „Wir sind Kirche“. „Die Menschen werden sich abwenden oder ihren eigenen Glauben leben.“

Solche die Wahres und Falsches vermischen sind weit gefährlicher für die Kirche als klar positionierte Feinde.

Gast: Hugo Portwish
13.11.2011 14:33
0 0

Eh klar,

dass die warmherzigen Brüder keine Frauen in der Kirchenorganisation wollen.

Die sind ja nur was für Heteros.

Antworten Gast: FAZ
21.11.2011 23:48
0 0

Re: Eh klar,

ich wundere mich schon öfter, warum man in der "Qualitätszeitschrift" Presse so ohne weiteres billige Kommentare über "warme Brüder ... in den Kirchenorganisationen" schreiben kann, ein kritischer Kommentar dazu aber sofort gelöscht wird. Kirchenfreundliche Kommentare werden gerne gelöscht.

Antworten Gast: FAZ
21.11.2011 23:11
0 0

Re: Eh klar,

Haben Sie persönliche Erfahrungen, dass Sie alles so genau wissen. Bitte erzählen Sie weiter...

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kein wunder!

so konsequent und glaubwürdig, wie pf. pucher die nachfolge jesu lebt, ist das für ihn logisch...
es freut mich, dass er auch dazu steht.

Gast: gottgläubiger
13.11.2011 13:34
3 0

herr schönborn hebt die kirchliche identität hoch und vertschüsst sich eindeutig so von gott.


pfarrerinitiative vertschüsst sich von der “kirche“ und hebt gott hoch.
und so soll es auch sein.

denn gott hätte nie gewollt - was die kirche so alles an geboten fordert – sind unmenschliche forderungen - und haben weder mit gott noch mit liebe zu tun.

es scheint, herrn schönborn dürfte der gesamte kirchenmissbrauch nicht berühren, die leeren kirchen auch nicht.

er tun so weiter wie bisher reden, reden.

und beim nächsten kirchenskandal reden wir weiter.

man versteckt sich in der kirche, das ist nicht im sinne gottes.

kirchliche machtinstrumente sind nicht im sinne von gott, sondern dienen nur der kirche und nicht den menschen.

eigentlich nur reden, reden - leere worte - wieder wird nichts geändert.

Antworten Gast: Liftup
14.11.2011 01:37
0 2

Re: herr schönborn hebt die kirchliche identität hoch und vertschüsst sich eindeutig so von gott.

Katholiken glauben, dass Jesus Christus mit dem Heiligen Geist und Gott Vater der Dreieine Gott ist und von daher sehen sie die die Forderungen von Jesus Christus als Gebote. Jesus hat sehr viel gefordert und dazu auch die Erklärungen gegeben. Zu den Aposteln die bei ihm verblieben, nachdem ihn aus nämlichen Grund die meisten verlassen hatten sagte er: "wollt auch ihr gehen?"

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der hat ja realitätsverlust

der schönborn.

sind ja nur 2/3 der priester die den fordeungen positiv gegenüberstehen.

na da werden wir uns nicht bewegen - warum denn auch?

Re: der hat ja realitätsverlust

Ach, Sie glauben, dass das Ergebnis der vom österr. Propaganda- und Volksverdummungfunk in Auftrag gegebene Zulehnerwerk stimmt???

Gast: nina blum
12.11.2011 17:55
1 1

Ich bräuchte noch schnell mal...

die Atorisierung Jesu für die Ausübung eines Kardinalamts. Oder die einen Bischofs und so....

Wegen dem "Lebensweg Jesu" , verstehts???

Re: Ich bräuchte noch schnell mal...

Was wollen's denn von diesem Jesus? Der war ja nicht einmal Monsignore.

Antworten Gast: fgon
12.11.2011 20:09
0 0

dazu brauchts keiner Autorisierung, weil der

Papst sich seinen Personen, von denen er beraten werden wählen kann, wie er will.

Antworten Gast: pseudotembo
12.11.2011 19:07
0 0

Re: Ich bräuchte noch schnell mal...

Nein, ich versteh gar nix. Bitte noch einmal auf Deutsch!

Gast: Kibietz
12.11.2011 17:15
1 0

"Katholische Kirche" - was ist denn das?????

Braucht die jetzt auch einen Rettungsschirm?

1 1

Re: "Katholische Kirche" - was ist denn das?????

jaaa...die leitung will nicht sehen, wie es den priestern und dem volk geht...

Gast: sub specie aeternitatis
12.11.2011 16:49
7 0

schweres erbe...

Die Gegenreformation hat den Österreichern einerseits Antipathie gegen den Protestantismus eingebläut, andererseits ist dabei aber auch eine unterschwellige Aggression gegen die katholische Obrigkeit entstanden. Das Erbe der Habsburger, an dem wir bis heute würgen....Zeigt sich in vielen Bereichen, auch in der aktuellen Kirchendebatte!

Würde man unter Katholiken eine 'Blindverkostung' in Kirchenfragen veranstalten, käme wohl heraus, dass die Meisten wie Calvinisten oder Lutheraner fühlen. Aber nur so lange man ihnen nicht sagt, dass sie dann 'evangelisch' sind ;-)

Gast: schön bor
12.11.2011 16:40
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Priesterkinder

Der Priestermangel wäre auf einenSchlag behoben, wenn die Kinder von Priestern mittels Geburtsrecht automatisch Priester wären.

Antworten Gast: Jahrlan
12.11.2011 20:15
1 0

Schlimmer könnts nicht kommen, war übrigens

sogar der Grund, als dies im Mittelalter öfters vorkam, dass das Volk, anders wie heute, für den Zölibat war.

Gast: domvikar angerer
12.11.2011 16:30
2 2

Angst und Religion

Die Herrn Bischöfe haben Angst vor der Veränderung und verwechseln Stillstand mit Glauben.

Ist die Angst nicht eine besondere Form des Unglaubens?

Antworten Gast: Daba
12.11.2011 20:20
1 3

Wenn, dann ist Ungehorsam der Unglaube


Gast: Pfafferl
12.11.2011 13:47
0 6

So a Schmarrn

wieviel Kinder hat eigentlich der Schönborn.
So ein verlogener Haufen.
Der Kardinal König hat ja auch Kinder ghabt, deswegen war der auch einigermassen normal.

Gast: frustrierter_katholik
12.11.2011 12:41
2 1

Schoenborn ist der Faymann der katholischen Kirche


Wo ist Schoenborns Leistung? Wo die seiner Bischofskollegen? Allesamt nur mittelmaessige Verwalter. Fuer geistige Fuehrerschaft fehlt es diesen Leuten zuerst an Mut und Verstand.

Kinderschaender ausserhalb der Gerichte, saeumige Steuerzahler in den Gerichten.
Offenbar fehlt es auch an Moral.

Kraeutler ist ein Bischof. Aber dieser Haufen von minder talentierten und feigen Versagern?

 
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