Christen weltweit in Bedrängnis

04.01.2012 | 18:17 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Besonders in islamischen Ländern haben Andersgläubige ein schweres Leben. Unter den neuen Regierungen im Nahen Osten könnte sich dieser Trend noch verstärken.

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Wien. Am Neujahrstag wurden die Bewohner der nordnigerianischen Stadt Maiduguri vom Lärm rollender Panzer geweckt. Durch die Straßen patrouillierten schwer bewaffnete Soldaten. Präsident Goodluck Jonathan hatte sich angesichts der immer häufigeren tödlichen Angriffe auf Christen vor allem im Norden des Landes nicht mehr anders zu helfen gewusst, als in Maiduguri, dem Zentrum der islamistischen Sekte Boko Haram, militärisch Präsenz zu zeigen. Erst zu Weihnachten hatten die Extremisten bei Anschlägen gegen Kirchen mehr als 40 Menschen getötet. Aus Angst vor weiteren Attentaten hatten zahlreiche Kirchen daraufhin die Neujahrsgottesdienste abgesagt.

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Bei mindestens 300 nigerianischen Christen hat die international tätige NGO Open Doors gesicherte Informationen, dass sie zwischen November 2010 und Oktober 2011 Opfer religiös motivierter Gewalt wurden. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer, die auf etwa das Fünffache geschätzt wird.

Dass Nigeria beim aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors trotzdem nur Rang 13 belegt, liegt schlicht an den im Vergleich günstigeren rechtlichen Rahmenbedingungen, wie Markus Rode, Leiter des deutschen Zweigs der Organisation, im Gespräch mit der „Presse“ erklärt: „In Nigeria gibt es keine Staatsreligion, Christen können ihre Religion im Prinzip frei ausüben, im muslimisch dominierten Norden allerdings nur mehr sehr eingeschränkt.“ In anderen Ländern ist die Verfolgung von Christen – beziehungsweise in islamischen Ländern überhaupt von „Ungläubigen“ – institutionell verankert, etwa im Iran oder auf den Malediven. Open Doors bewertet die Situation in solchen Ländern deshalb negativer.


Nordkorea ist der negative Spitzenreiter, und das schon seit zehn Jahren: Wenn es in dem stalinistischen Land, dessen Hauptstadt Pjöngjang wegen seiner vielen Kirchen einst „Jerusalem des Ostens“ genannt wurde, heißt „Der ewige Vater ist immer bei uns“, bezieht sich das mitnichten auf einen Gott, sondern auf den als gottgleich verehrten, 1994 verstorbenen Staatsgründer Kim Il-sung.

Da Informationen aus dem abgeschotteten Land nur spärlich fließen, ist die Zahl der verbliebenen Christen äußerst unklar. Die Schätzungen von Open Doors liegen zwischen 200.000 und 400.000. Offiziell gilt zwar Religionsfreiheit, doch habe man bis zu 70.000 Christen derzeit in Arbeitslagern weggesperrt, heißt es im aktuellen Bericht der NGO.

Grafik: Die Presse

Grafik: Die Presse


Afghanistan, auf Platz zwei des Rankings, hat wie Nordkorea eine festgeschriebene Religionsfreiheit. Diese beinhaltet jedoch nicht die Freiheit, den Glauben zu wechseln – mit dramatischen Folgen für jene afghanischen Christen, die vor ihrer Konversion Muslime waren. Laut der Scharia, die im afghanischen Rechtssystem eine starke Stellung hat, ist der „Abfall vom Glauben“ mit dem Tod zu bestrafen. International bekannt wurde 2006 der Fall des Afghanen Abdul Rahman. Sein eigener Vater hatte ihn bei den Behörden angezeigt, ihm drohte die Todesstrafe. Nach internationalen diplomatischen Interventionen wurde Abdul Rahman schließlich freigelassen – man hatte ihn kurzerhand für unzurechnungsfähig erklärt. Wegen des massiven sozialen Drucks sah er sich gezwungen, ins Exil zu gehen.

Saudiarabien, ein wichtiger Verbündeter des Westens im arabischen Raum, gehört als Land der heiligen Stätten des Islam zu den stärksten Unterdrückern der Religionsfreiheit und damit auch der Christen: Auf Apostasie steht hier ebenfalls die Todesstrafe, unter dem christenfeindlichen Klima haben besonders Gastarbeiter, etwa aus den Philippinen, zu leiden. Immerhin sind ihnen Gottesdienste im privaten Raum erlaubt.

 

Leichte Verbesserungen in China

Neun der zehn vordersten Plätze belegen islamisch dominierte Länder. Dies spiegelt einen Trend der vergangenen 20 Jahre wider: „Die Verfolgung hat sich von der kommunistischen Welt in die islamische verlagert“, sagt Open-Doors-Chef Rode. Das Problem bestehe sowohl auf institutioneller als auch auf gesellschaftlicher Ebene: Im islamisch dominierten Norden Nigerias etwa sei die Akzeptanz von Gewalt gegen Christen deutlich gestiegen: „Zum Teil führen muslimische Bewohner die Extremisten sogar zu Häusern und Geschäften von Christen.“

Vom Arabischen Frühling erwartet sich Rode wenig, ganz im Gegenteil: „Der Ruck in Richtung Islamisierung hat sich verstärkt.“ Das sei jetzt schon spürbar, und werde nach den Siegen islamistischer Parteien bei demokratischen Wahlen noch zunehmen. Ägyptens Kopten, die am Tahrir-Platz Hand in Hand mit den Muslimbrüdern Diktator Mubarak wegdemonstrierten, werden sich womöglich schon bald um die Früchte der Revolution betrogen fühlen.

Einen leichten Hoffnungsschimmer sieht Rode hingegen im Falle Chinas: „Durch die wirtschaftliche Öffnung ist der Druck auf das Regime in Sachen Religionsfreiheit größer geworden.“ Dadurch habe sich zumindest das Gesamtbild verbessert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2012)

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44 Kommentare
 
12
Gast: Na und?
05.01.2012 06:24
19 5

Christenverfolgung in Österreich

Ja, das gibt es. Man hat das anläßlich des Papstbesuches beobachtet.

Unter dem Deckmantel der Freiheit haben zB die Jungen Sozialisten gegen den Papst demonstriert. Damit aber haben die Sozen wieder einmal bewiesen, was sie wirklich von Freiheit halten.

Auch so manches widerliche Plakat war da zu sehen, absolut unter der Gürtellinie.

Eine etwas gewagte ueberschrift!.............

wenn europa, amerika und australien wegfaellt, kann man schwerlich von 'weltweit' sprechen - 'die presse' sollte auf solche reisserischen mittel verzichten.................

Re: Eine etwas gewagte ueberschrift!.............

Was solls? Die "Presse" muss das so allgemein formulieren, denn die Tatsachen sind zu wenig pc.

Gast: Garst
05.01.2012 00:19
5 4

Ich bin mit einer Chinesin verheiratet

a)

China würde über "Druck" vom Westen nur lachen

b)

China hat nichts, aber absolut gar nichts gegen Christen (Ich habe sogar in China geheiratet als bekennender Katholik)

c)

In China essen sie Katzen und Hunde!

Chinesen

China hat nichts, aber absolut gar nichts gegen Christen

solang er einer der staatlich gelenkten offiziellen Kirchen angehört.

Gast: Ösi
04.01.2012 17:31
8 33

Jaja, und dann bitte sag uns einer wieviel ein Christ in Nordkorea oder in Afghanistan dafür zahlen muss, dass ihn ein Religionsfanatiker als unschuldigen Säugling zwangsgetauft hat!

In Österreich werden die Christen finanziell bewertbar verfolgt, Und zwar von der Kirche!
Wieviel Milliarden verdient der Vatikan mit dieser Verfolgung?
Selbstverständlich steuerfrei!

so long
Ösenpower

Antworten Gast: werbistdu
04.01.2012 23:36
15 5

Re: Jaja, und dann bitte sag uns einer wieviel ein Christ in Nordkorea oder in Afghanistan dafür zahlen muss, dass ihn ein Religionsfanatiker als unschuldigen Säugling zwangsgetauft hat!

Bist du schon wieder zurück aus Nordkorea ?
Die Linke Gehirnwäsche wirkt bei dir unglaublich

Antworten Antworten Gast: biersauer
11.01.2012 11:36
1 0

Re: Re: Jaja, und dann bitte sag uns einer wieviel ein Christ in Nordkorea oder in Afghanistan dafür zahlen muss, dass ihn ein Religionsfanatiker als unschuldigen Säugling zwangsgetauft hat!

...beiderlei, Islamen und Christen vergehen sich an Unmündigen!

6 5

Diktaturen und dritte Weltländer...

Natürlich muss Gewalt und Verfolgung an der Religion liegen, denn immerhin gehts den Leute dort doch super.

Nehmt uns den Wohlstand und bald werden auch wir wieder im Namen des Herren andere berauben und uns bereichern.
Wohlstand tötet Religion, wer den Terror und Fanatismus beenden will muss den Menschen Brot geben.

Gast: Quoting facts
04.01.2012 12:31
8 45

Fragen über Fragen...

Das christliche Frankreich hat Millionen von Muslimen in Nordafrika auf dem Gewissen. Die christliche USA sind für grausame Folter und gewissenloses Morden im muslimischen Iraq bekannt. Das christliche England stand schon immer für Raubrittertum und Ausbeutung.

Das christliche Portugal plünderte über Jahrhunderte hinweg die Goldreserven der Ureinwohner Brasiliens. Das christliche Spanien hat Millionen von Indianerleben auf dem Gewissen.

Woher kommt der Reichtum der christlichen Nationen? Sind diese wirklich Opfer oder Täter?

Antworten Gast: schlÄchter
05.01.2012 10:10
13 5

Re: Fragen über Fragen...

sg quopting facts!
gerade der islam wurde jahrhundertelang mit dem schwert und massiven konvertierungsdruck auf die minderheiten (abgewerteter dhimmistatus) verbreitet. der reichtumn und die wissenschaftlichen fortschritte des islamischenkulturraumes sind ebenso aus der übernahme christl-jüdischer und hinduistischer (zb mathematik- "arabische"zahlen) entstanden.

man kann es auch so sehen:
der rückstand, die heutige armut der nichtchristl. nationen-speziell der islamischen beruht vor allem auf einer versteinerung der koran-auslegung und dem vorrang religiöser vorschriften gegenüber der wissenschaft. die aufklärung und damit verbundene koexistenz bzw. das überwinden rein religiöser versteinerter dogmen fehlt?

mfg
s.

Antworten Gast: ein paar Fragen
04.01.2012 23:38
10 5

Frankreich

ist ein laizistischer, kein christlicher Staat.
"Millionen von Muslimen in Nordafrika auf dem Gewissen" - haben Sie Quellen für diese Zahlen?

Im Irak lebt(e) auch eine christliche Minderheit. Und was ist mit der jüdischen Bevölkerung passiert?

Nebenfrage: Wie wurde der Islam ab dem 7. Jh von der arabischen Halbinsel ausgehend verbreitet?

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
05.01.2012 13:32
7 2

Re: Frankreich

sg eine paar fragen!
übersehen sie dabei aber bitte nicht, dass säkularität und laizismus sich in ihrer form, wie wir sie heute verstehen, praktisch nur in christl. geprägten staaten entstanden sind und funktionieren: das christentum in seiner eigentlichen bostschaft-auch wenn es oft genug von den kirchen verweltlicht wurde - ermöglicht im gegensatz etwa zum islam eben eine trennung kirche-staat (jesus sprach von seinem reich im jenseits und verlanget: gebt dem kaiser was dem kaiser gehört und gott was gott - völlig anderst aber der ismaische ansatz von dine we-daula-vorrang göttlichen rechts vor menschengemachten).
unser säkularismus udn der laizismus sind daher ausgeburt-oder sogar eine rückbesinnung - auf die christl. urbotschaft und daher typisch für unseren westl-christl geprägten kulturraum - mit abstrichen auch jüdisch-sirael.

mfg
s.

mfg
s.

12 4

Re: Fragen über Fragen...

Und was hat das jetzt mit Nordkorea und Saudi-Arabien zu tun?

Re: Fragen über Fragen...

Selbst wenn es so wäre: Erstens setzen sie ein Geschichtswissen voraus, das wohl der "kleine Mann" weder in Nordkorea noch im Sudan oder sonstwo hat.
Zweitens rechtfertigt ein Unrecht kein Unrecht. Folgt man ihrer Argumentation, hätte Frankreich allen Grund, über Italien herzufallen - schließlich war Cäser ein übler Ursupator, der in Gallien enormen Schaden anrichtete.
Sie beweisen nur, dass der Islam rückwärtsgewandt und kooperationsunfähig ist.

Re: Fragen über Fragen...

Na,wo sind den Sie dagegengelaufen,tut's Kopferl eh noch weh?

Antworten Gast: Na und?
04.01.2012 15:34
27 8

Jetzt muß ich Sie was fragen:

Wie sind die Muslime eigentlich die Herren über Nordafrika geworden?

Wie war das mit Spanien, dem Balkan und dem Nahen Osten?

Der Islam ist mit dem Anspruch der Weltherrschaft verbreitet worden.

Viele christliche Großmächte haben einfach Absatzmärkte und Seewege nach Indien gesucht. Da das Motiv anders gelagert...

8 11

Re: Jetzt muß ich Sie was fragen:

Stimmt die Christen haben nie im Namen Gottes erobert, denn der Gott Europas war immer schon Macht und Geld, für diese Motive lohnt das Schlachten und Erobern!


Antworten Antworten Antworten Gast: Na und?
05.01.2012 06:21
8 5

Geschichte der europ. Großmächte:

Mit der Eroberung Nordafrikas und Kleinasiens war die Seidenstraße als wichtige Handelsstraße für Luxusgüter tot. Zerstört worden ist auch der Handel im Mittelmeer zwischen Byzanz und Italien.

Das alte "Unser Meer" der Römer ist durch eine Teilung in islamische und christliche Sphäre für den Handel uninteressant geworden. Gebraucht hat man neue Seewege nach Indien und in die ganze Welt. Deshalb hat zB Spanien damit angefangen, quasi Seemannsakademien zu gründen.

Nach der Rückeroberung Spaniens ist man dann mit verbesserter Technik darangegangen, Nordafrika von außen Richtung Indien anzusegeln.

Columbus hat das gleich auf dem direkten Seeweg probiert und ist in Amerika gelandet.

Spätestens ab 1750 haben die Europäer weltweit strategisch wichtige Orte besetzt. Damit war es auch möglich, riesige Erdteile zu kolonialisieren, leider auch einhergehend mit Völkermord.

Im Gegenzug haben alle islamischen Länder abgewirtschaftet. Dogmatisch erstarrt sind Erfindungen nicht genutzt worden, das hat Auswirkungen bis heute.

Im Gegenzug haben alle islamischen Länder abgewirtschaftet. Dogmatisch erstarrt sind Erfindungen nicht genutzt worden, das hat Auswirkungen bis heute.

Stimmt. Wenn man nach Saudiarabien oder in die Emirate schaut: Wer baut die modernen Gebäude, wer liefert High-Tech? Deutsche und japanische Firmen. Ich hab noch nie von einer international führenden arabischen Maschinenbaufirma gehört.

Antworten Antworten Antworten Gast: schlÄchter
04.01.2012 17:49
13 7

Re: Re: Jetzt muß ich Sie was fragen:

sg bombur!
na zum glück gab es ja nichtreligiöse erlösungsideologien wie nazionalsozialismus, faschismus und den marxismus/kommunismus...
mfg
s.

6 8

Re: Re: Re: Jetzt muß ich Sie was fragen:

"Gott mit uns" stand auf der Gürtelschnalle jedes deutschen Soldaten.

Und welches der angeführten Regime/ideologien hat den Atheismus als Grund für ihre Greueltaten benutzt?

Re: Fragen über Fragen...

.... blöde analogie.

Antworten Antworten Gast: Quoting facts
04.01.2012 15:47
8 19

Re: Re: Fragen über Fragen...

Blöder Kommentar...

Ich wollte damit hauptsächlich andeuten, dass der Hass nicht von ungefähr kommt...

Sie wissen wohl selbst, dass in der christlichen Expansion Kolonialisierung und Missionierung sehr oft Hand in Hand gingen...

Antworten Antworten Antworten Gast: Geschichtelehrer
04.01.2012 18:54
17 5

Ach ja?

WELCHE isl. Länder wurden denn durch Kolonialisierung "christianisiert"?
Niemand wurde von Briten, Franzosen oder Deutschen in Afrika zur Konversion gezwungen.
Nun - gehen wir ein paar Jahrhunderte weiter zurück - Nordafrika, Teile des Vorderen Orients waren christliche Gebiete - VOR der Islamisierung. Was ist geschehen, dass Christen in Nahost heute nur mehr eine kleine Minderheit sind?


Und welche Sorgen plagen die "Ungehorsamen", "Memorandler" und "Wir sind Kirchler"?

Dass sie für die Sonntagsmesse, an der sich nur mehr ein Bruchteil der "Gläubigen" beteiligen nicht einen Schritt zu viel gehen müssen und der Gender-Wahn endlich in einer ihrer Meinung nach zeitgeistig reformierten Kirche die Kirche total relativieren muss.
Ist das dann ihre Solidarität mit den hunderttausenden verfolgten Christen in der Welt?

 
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