Zu wenig Geld: Wiens Kirchen bröckeln

Erzdiözese Wien bekommt zunehmend Schwierigkeiten, ihre Kirchen und Gebäude zu sanieren. Auch ausbleibende Kirchenbeiträge spielen dabei eine Rolle. Sanierung der Kirchen macht ein Drittel aller Ausgaben aus.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. „Die Objekte werden nicht jünger, die Schwierigkeiten immer größer.“ Um rund 1000 Kirchen und 1500 Profangebäude muss sich Harald Gnilsen kümmern. Und die Zeiten werden für den Bauamtsleiter der Erzdiözese Wien nicht leichter. Denn sein Budget, klagt er, sei seit Jahren gleich geblieben, die Kaufkraft dagegen sei laufend gesunken. Und die wirtschaftliche Unterstützung durch Kirchenbeiträge nehme auch ab.

Zwar heißt es aus der Erzdiözese, dass die Beitragseinnahmen trotz vieler Austritte sogar leicht gestiegen sind – dank professioneller Organisation beim Eintreiben. Doch in den kommenden Jahren würden die Aufgaben um einiges schwieriger zu bewältigen sein. Natürlich auch die Sanierung von Kirchen – die rund ein Drittel aller Ausgaben ausmacht. Österreichweit sind rund 140 Millionen Euro nur für Baulast veranschlagt, die Erzdiözese Wien gibt jährlich an die 26 Millionen dafür aus.

Die derzeit größten Sorgenkinder sind die Ziegelkirchen, die um die Jahrhundertwende vor allem in den Außenbezirken errichtet wurden. Die Pfarrkirche Breitensee im 14.Bezirk hat etwa seit knapp sieben Jahren keine Turmspitze mehr. Ein Gerüst, das die Kirche lange umgab, musste wieder abgebaut werden, weil es selbst schon baufällig wurde. Derzeit laufen Berechnungen, was eine Vollsanierung kosten würde.

Seit Jahren eingerüstet, weil Mauerteile zu Boden stürzen, ist auch die Kirche Maria vom Siege im 15.Bezirk. Die geschätzten Sanierungskosten von zehn Millionen Euro ließen sich noch nicht aufstellen. Eine Schenkung an die serbisch-orthodoxe Gemeinde scheiterte am Denkmalschutz.

 

Geschenk für Orthodoxe

Gerade in der Abgabe von Gebäuden an andere christliche Konfessionen, die den Platz nötiger brauchen, sucht die Erzdiözese derzeit ihr Heil. Unter anderem auch in der Pfarre Neulerchenfeld, die der serbisch-orthodoxen Gemeinde überlassen werden soll. Allein, noch tobt ein Streit darüber mit der katholischen Gemeinde, die ihre Pfarre nicht aufgeben will.

Undenkbar ist in der Erzdiözese eine Variante, die in anderen Ländern schon zur Anwendung kam – die Umwandlung von Kirchen zu Kinos, Einkaufszentren und dergleichen. Dem zuletzt diskutierten Vorschlag, eine Kultursteuer nach italienischem Vorbild einzuheben und damit Kirchensanierungen zu finanzieren, hält Sprecher Michael Prüller für diskussionswürdig. „Man muss sich fragen, wer das kulturelle Erbe Österreichs erhalten soll.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2012)

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