Salzburg. Auch wenn das Durchschnittsalter der Teilnehmer jenseits der 50 lag: Es war die bisher jüngste und mit rund 500 Teilnehmern auch die am besten besuchte Pastoraltagung, die an diesem Wochenende im Bildungszentrum St.Virgil zu Ende gegangen ist.
„Jugend geht ab“ lautete das Thema, welches das Österreichische Pastoralinstitut für die Bildungsveranstaltung gewählt hat. Ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt, denn: „Die Jugend ist Gegenwart und nicht erst Zukunft“, sagte der Kärntner Bischof Alois Schwarz.
Wie weit die Lebenswelten junger Menschen von jenen der katholischen Kirche oft entfernt sind, veranschaulichte der Jugendforscher Manfred Zentner: „Wir leben im Zeitalter der Individualisierung. Der Materialismus erlebt eine Renaissance.“ Die jungen Menschen definierten sich über Szenen und Lebensstile, über bestimmte Marken, Musik oder Symbole. Es gebe Bindungsängste, man wechsle rasch von einer Szene zur nächsten.
„In diesem Kontext wird Kirche von vielen Jugendlichen als alt, langweilig und dominant empfunden“, sagt Hildegard Wustmans, Professorin für Pastoraltheologie und Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, im Gespräch mit der „Presse“. Manche hätten das Gefühl, dass sie sich in einer Welt, die Wert auf Äußeres legt, mit der Kirche nicht sehen lassen könnten. Es gebe Jugendliche, die in ihrer Schulklasse nicht sagen, dass sie sich für Religion interessieren, weil sie nicht uncool sein wollen.
Ihr Rat an die Kirche: „Sie muss Neues wagen.“ Die katholische Kirche sei schließlich auch historisch gesehen eine Expertin für „Eventisierung“ und Rituale. Diese müssten nur noch zeitgemäß gestaltet werden. In Jugendkirchen oder beim Weltjugendtag („Das war eine riesengroße Party.“) gelinge das gut. Es funktioniere aber auch im Kleinen: Indem man einen Gruppenraum in der Pfarre nicht als „Kellerloch“ mit staubigen Gummibäumen und abgewetzten Sofas vom Flohmarkt belasse, sondern modern umgestalte. „Wir konkurrieren heute mit coolen Lounges“, meinte Wustmans.
Internet als Schlüssel?
Wenn es für die Jugendlichen wichtig sei, ständig online zu sein, müsse man im Internet etwas anbieten. Es spreche nichts dagegen, einen Firmunterricht zum Teil auch über Facebook anzubieten. Es gehe aber auch um den Mut in der Kirche, mit extrovertierten und schrägen Menschen zusammenzuarbeiten. Und man dürfe nicht warten, dass die Jugendlichen von selbst kämen. „Wenn die jungen Leute nicht im Pfarrheim, sondern an der Bushaltestelle sind, müssen wir uns überlegen, was wir an der Bushaltestelle anbieten können“, so Wustmans. „Die Kirche muss in neuen Räumen auch ihre Autorität riskieren. Aber wenn sie es nicht versucht, dann hat sie von vorneherein verloren.“
„Gläubig, aber nicht religiös.“ Laut der Wiener Religionssoziologin Regina Polak ist unter Österreichs Jugendlichen der Glaube an Gott durchaus vorhanden, war zuletzt mit 69 Prozent höher als Anfang der 1990er. Was nach Ansicht der Expertin zurückgeht, ist die religiöse Praxis.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)
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