Salzburg. Knapp ein Jahr nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen ihn hat der ehemalige Domprediger und Pfarrprovisor von St. Jakob am Thurn, Peter Hofer, am Donnerstag erlösende Post bekommen: Erzbischof Alois Kothgasser teilte ihm mit, dass Rom die Vorwürfe gegen den 68-Jährigen ausführlich geprüft, aber keinen Anlass für ein kanonisches Strafverfahren gefunden hat. Die Glaubenskongregation in Rom hat die Akten, die das Salzburger Diözesan- und Metropolitangericht im Sommer an den Vatikan übermittelt hatte, ausführlich untersucht und den Priester entlastet.
Pfarrer gab sexuelle Beziehung zu
„Die Glaubenskongregation stellt fest, dass gegen Peter Hofer kein kanonisches Strafverfahren eingeleitet wird“, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der Erzdiözese. Mit Beginn der Fastenzeit darf Hofer daher seine Pfarre wieder übernehmen, teilte der Erzbischof mit. „Ich war mir immer sicher, dass so entschieden wird. Aber ich bin schon sehr erleichtert“, sagte der emeritierte Universitätsprofessor am Donnerstag im Gespräch mit der „Presse“. Er freue sich, seine Pfarre wieder zu übernehmen. „Die Gemeinde ist immer hinter mir gestanden und hat mich unterstützt. Ich bin froh, dass ich sie wieder übernehmen kann, bis ich dann in ein paar Jahren in Pension gehe.“
Hofer hat am 11. März 2011 sein Amt ruhend gestellt, nachdem eine mittlerweile 48-jährige Salzburgerin ihm vorgeworfen hatte, sie als damals noch Minderjährige in den 1980er-Jahren mehrfach vergewaltigt zu haben. Hofer gab zwar eine sexuelle Beziehung mit der Frau zu, bestritt aber stets, dass es zu sexuellem Missbrauch gekommen war. Es sei eine unkomplizierte und schöne Beziehung im gegenseitigen Einverständnis gewesen, er habe ihr nie Gewalt angetan. Auch später, als die Frau ihren Mann kennengelernt und Kinder bekommen habe, sei man freundschaftlich verbunden gewesen, betonte Hofer stets.
Das ist allerdings eine Sicht der Dinge, die die Salzburgerin, die schwer erkrankt ist, nicht teilt. Sie wurde von der Klasnic-Kommission als Opfer anerkannt und erhielt eine Entschädigung zugesprochen. Hofer gab schließlich bei einem Psychologen mit Einverständnis der Betroffenen ein Glaubwürdigkeitsgutachten in Auftrag, um den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen festzustellen. Das erste Gutachten von Salvatore Giacomuzzi aus Innsbruck belastete Hofer. Der Psychologe kam zum Schluss, dass die Frau glaubwürdig und aussagefähig ist. Zwei weitere von Hofer in Auftrag gegebene Gutachten wiederum zerpflückten die Ergebnisse aus Innsbruck.
Für den Anwalt des mutmaßlichen Opfers hat die kirchliche Entscheidung „keinen Wert“, wie der Wiener Advokat Nikolaus Bauer am Donnerstag sagte. „Weder meine Mandantin noch ich sind von Rom gehört worden.“ Die Salzburgerin sei von kirchlicher Seite auch nicht begutachtet worden. Der Anwalt fordert von Hofer 30.000 Euro an Therapie und Heilungskosten. Ein Zivilprozess, um das Geld einzuklagen, steht nun im Raum.
Künftig keine Predigten im Dom
Für Hofer ist die Sache damit abgeschlossen: „Subjektiv empfindet die Frau das so. Warum sie es so empfindet, kann ich nicht sagen.“ Er hoffe, dass die Sache nun ausgestanden sei.
In der Pfarre wird Hofer seinen Dienst am Aschermittwoch wieder aufnehmen, im Dom wird er allerdings nicht mehr predigen.
Peter Hofer ist emeritierter Universitätsprofessor und Domprediger in Salzburg. Der Geistliche hatte in den 1980er-Jahren eine sexuelle Beziehung zu einer Frau, die er nicht abstreitet. Als diese ihm aber vorwarf, er habe sie mehrfach vergewaltigt, hat er sein Amt als Pfarrprovisor von St.Jakob/Thurn ruhend gestellt. Nun wurde bekannt, dass gegen ihn kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet wird. Er kehrt in die Pfarre zurück. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)
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