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Missbrauch? Rom spricht Domprediger frei

02.02.2012 | 18:25 |  CLAUDIA LAGLER (Die Presse)

Der frühere Universitätsprofessor und Domprediger Peter Hofer wird am Aschermittwoch nach einem Jahr Dienstfreistellung wieder seine Pfarre übernehmen. Ihm ist sexueller Missbrauch vorgeworfen worden.

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Salzburg. Knapp ein Jahr nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen ihn hat der ehemalige Domprediger und Pfarrprovisor von St. Jakob am Thurn, Peter Hofer, am Donnerstag erlösende Post bekommen: Erzbischof Alois Kothgasser teilte ihm mit, dass Rom die Vorwürfe gegen den 68-Jährigen ausführlich geprüft, aber keinen Anlass für ein kanonisches Strafverfahren gefunden hat. Die Glaubenskongregation in Rom hat die Akten, die das Salzburger Diözesan- und Metropolitangericht im Sommer an den Vatikan übermittelt hatte, ausführlich untersucht und den Priester entlastet.

 

Pfarrer gab sexuelle Beziehung zu

„Die Glaubenskongregation stellt fest, dass gegen Peter Hofer kein kanonisches Strafverfahren eingeleitet wird“, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der Erzdiözese. Mit Beginn der Fastenzeit darf Hofer daher seine Pfarre wieder übernehmen, teilte der Erzbischof mit. „Ich war mir immer sicher, dass so entschieden wird. Aber ich bin schon sehr erleichtert“, sagte der emeritierte Universitätsprofessor am Donnerstag im Gespräch mit der „Presse“. Er freue sich, seine Pfarre wieder zu übernehmen. „Die Gemeinde ist immer hinter mir gestanden und hat mich unterstützt. Ich bin froh, dass ich sie wieder übernehmen kann, bis ich dann in ein paar Jahren in Pension gehe.“

Hofer hat am 11. März 2011 sein Amt ruhend gestellt, nachdem eine mittlerweile 48-jährige Salzburgerin ihm vorgeworfen hatte, sie als damals noch Minderjährige in den 1980er-Jahren mehrfach vergewaltigt zu haben. Hofer gab zwar eine sexuelle Beziehung mit der Frau zu, bestritt aber stets, dass es zu sexuellem Missbrauch gekommen war. Es sei eine unkomplizierte und schöne Beziehung im gegenseitigen Einverständnis gewesen, er habe ihr nie Gewalt angetan. Auch später, als die Frau ihren Mann kennengelernt und Kinder bekommen habe, sei man freundschaftlich verbunden gewesen, betonte Hofer stets.

Das ist allerdings eine Sicht der Dinge, die die Salzburgerin, die schwer erkrankt ist, nicht teilt. Sie wurde von der Klasnic-Kommission als Opfer anerkannt und erhielt eine Entschädigung zugesprochen. Hofer gab schließlich bei einem Psychologen mit Einverständnis der Betroffenen ein Glaubwürdigkeitsgutachten in Auftrag, um den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen festzustellen. Das erste Gutachten von Salvatore Giacomuzzi aus Innsbruck belastete Hofer. Der Psychologe kam zum Schluss, dass die Frau glaubwürdig und aussagefähig ist. Zwei weitere von Hofer in Auftrag gegebene Gutachten wiederum zerpflückten die Ergebnisse aus Innsbruck.

Für den Anwalt des mutmaßlichen Opfers hat die kirchliche Entscheidung „keinen Wert“, wie der Wiener Advokat Nikolaus Bauer am Donnerstag sagte. „Weder meine Mandantin noch ich sind von Rom gehört worden.“ Die Salzburgerin sei von kirchlicher Seite auch nicht begutachtet worden. Der Anwalt fordert von Hofer 30.000 Euro an Therapie und Heilungskosten. Ein Zivilprozess, um das Geld einzuklagen, steht nun im Raum.

 

Künftig keine Predigten im Dom

Für Hofer ist die Sache damit abgeschlossen: „Subjektiv empfindet die Frau das so. Warum sie es so empfindet, kann ich nicht sagen.“ Er hoffe, dass die Sache nun ausgestanden sei.

In der Pfarre wird Hofer seinen Dienst am Aschermittwoch wieder aufnehmen, im Dom wird er allerdings nicht mehr predigen.

Auf einen Blick

Peter Hofer ist emeritierter Universitätsprofessor und Domprediger in Salzburg. Der Geistliche hatte in den 1980er-Jahren eine sexuelle Beziehung zu einer Frau, die er nicht abstreitet. Als diese ihm aber vorwarf, er habe sie mehrfach vergewaltigt, hat er sein Amt als Pfarrprovisor von St.Jakob/Thurn ruhend gestellt. Nun wurde bekannt, dass gegen ihn kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet wird. Er kehrt in die Pfarre zurück. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)

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7 Kommentare
Sebifredi
03.02.2012 17:23
0 2

Also ich wünsche Herrn DR. Hofer alles, alles Gute zu seinem neuen Anfang als Seelsorger!

Und auf einen neuen Brief vom Cornelius an den lieben Peter verzichtet die Presse vielleicht dieses Mal?!

Gast: 1. Parteiloser
03.02.2012 12:34
6 0

Irdische Verbrechen gegen die Menschenrechte interessieren den Klerus kaum!

Für irdische Verbr.echen erklärt man sich selber einfach nicht zuständig und kann so auch diese Verbr.echen besser schützen. Diese Kirche, also auch der Klerus, hat über Dekaden die Täter systematisch geschützt, damit auch weitere Verbr.echen erst möglich gemacht und wurde daher zu einem Mittäter mit einem erheblichen Anteil an der Verantwortung.

Es ist dieses Desinteresse an Menschen und deren Leid, welches zusammen mit den systematischen Schutz der Täter, diese Verbr.echen immer schon gefördert hat und noch immer fördert. Es scheint so zu sein, dass der Glaube dazu benützt wird um systematische Verbr.echen gegen die Menschenrechte, und auch Kindern, begehen zu können.

Die Staatlichkeit, also die Gesetzgebung und die Justiz des irdischen Lebens, die lassen diese grausigen Vorgänge auch noch zu.

Es ist ein unglaubliches Versagen der Entscheidungsträger gegenüber Menschen aber auch gegenüber der Institution Kirche, weil diese ja genau dadurch immer mehr geschädigt wird.

Gott muss diese Kirche schon lange verlassen haben, die gesamte Gesellschaft offensichtlich aber auch, weil ja nicht nur die Kirche von den grausigen Vorgängen betroffen ist.

Gast: werbistdu
03.02.2012 01:28
2 6

Ist leider nichts geworden

mit einer saftigen Gehaltsaufbesserung.
Muß die Dame doch wieder arbeiten gehen.
Die Geschichte war von Anfang an faul....

Gast: romulus und remus
02.02.2012 21:19
1 0

Völlig belanglos

was die da machen.Entscheiden wird die Gemeinde,gegebenenfalls mit Austritten.
Jeder Verein darf seine Mitglieder vergraulen.

Gast: Harald K, 1040 Wien
02.02.2012 20:39
16 2

das Problem der Kirche ist

solange sich die kranke Einstellung zu Sexualität nicht ändert, werden immer wieder komische Sachen „passieren“

Gast: b754
02.02.2012 20:22
10 4

wer hat was anders erwartet

das opfer wird als psychisch krank darggestellt und der täter macht munter weiter

Gast: Gast AO
02.02.2012 19:02
15 1

Missbrauch? Rom spricht Domprediger frei



Wer hätte das gedacht…?