Ort/D.n. Helmut Schüllers Ankündigung liest sich für Kardinal Christoph Schönborn wohl als Drohung: „Wir werden unsere Anliegen unermüdlich immer wieder vorbringen.“ Das sagt er im Gespräch mit der „Presse“ zu den Motiven für ein neues Protestschreiben mit alten Forderungen der Pfarrerinitiative, das am Freitag publiziert wurde.
Darin wird das Kirchengesetz im Zusammenhang mit dem Zölibat als Voraussetzung für die Priesterweihe als „unbiblisch“ bezeichnet. Wörtlich heißt es in dem fünf Punkte und fünf Neins umfassenden „Protest für eine glaubwürdige Kirche“: „Wir sagen Nein zur Zusammenlegung oder Auflösung der Pfarren, wenn sich keine Pfarrer mehr finden. Hier wird der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen. Das Gesetz ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt.“ Damit wendet sich die Pfarrerinitiative frontal gegen die geplante Strukturreform, die Kardinal Schönborn für die gesamte Erzdiözese Wien plant und für den 10.Bezirk begonnen hat.
Nein zu Homosexuellenurteil
Schüller: „Wir wollen den Pfarrern Mut machen, Nein zu sagen, bei einer Strategie, die zu Lasten der Gemeinden geht.“ Für Wien hat der Erzbischof das Zusammenlegen von Pfarren angeordnet. In Favoriten gelten 4000 Katholiken als Mindestgröße.
„Unbiblisch“ ist für Schüller auch der Umgang mit Geschiedenen, die geheiratet haben. Und mit allen, die mit gleichgeschlechtlichen Partnern leben. Wenn diese Treue anstrebten, müsse die katholische Kirche weg von einer Verurteilung. Schüller ist Sprecher der Pfarrerinitiative, die mittlerweile auf 383 Priester und 66 Diakone angewachsen ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)
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