Kirche begräbt nun auch Ausgetretene

28.02.2012 | 18:12 |   (Die Presse)

Die Bischofskonferenz erlaubt Priestern, auch das Begräbnis von Verstorbenen zu leiten, die die Kirche verlassen haben, wenn die Angehörigen dies wünschen. Das geht aus dem aktuellen Amtsblatt hervor.

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Wien/Gr. Katholische Priester dürfen ab sofort auch für aus der Kirche Ausgetretene ein Begräbnis feiern – wenn das im Einzelfall „im Sinn des Verstorbenen“ gewesen wäre oder er das zumindest nicht explizit ausgeschlossen hat. Das geht aus dem aktuellen Amtsblatt der österreichischen Bischofskonferenz hervor, das „Richtlinien für das Begräbnis von Verstorbenen, die aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten sind“ enthält.

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Formalisierung gängiger Praxis

Mit dieser Maßnahme, die die Bischöfe schon im November beschlossen, aber erst jetzt veröffentlicht haben, gibt die Kirche konkrete Regeln für etwas vor, das in vielen Pfarren längst gängige Praxis war: „Oft erfahren Angehörige etwa nach dem Todesfall erstmals, dass der Verstorbene ausgetreten war“, sagt Paul Wuthe, Pressesprecher der Bischofskonferenz – in solchen Fällen hätten Pfarrer auch bisher schon die Möglichkeit gehabt (und genutzt), mit den Hinterbliebenen einen Trauergottesdienst abzuhalten.

Und eben für solche Vorgänge, die bisher in einem Graubereich stattgefunden haben, sollen in Zukunft klare Regeln gelten. In den Richtlinien unterscheidet die Kirche drei Situationen.

Wenn der Verstorbene noch selbst zu Lebzeiten oder im Testament zum Ausdruck gebracht hat, dass er wieder zur Kirche gehören will – in den Richtlinien lässt die Formulierung „ein Zeichen der Zugehörigkeit“ breiten Interpretationsspielraum –, „soll ein ortsübliches kirchliches Begräbnis gehalten werden“, wobei der Pfarrer oder Diakon die Feier leitet.

Für Ausgetretene, die ein kirchliches Begräbnis zwar nicht gewünscht, aber auch nicht ausgeschlossen haben, kann eine abgespeckte Zeremonie stattfinden: Die Begräbnisfeier mit Priester, Diakon oder Begräbnisleiter soll demnach nur in der Aufbahrungshalle und am Grab stattfinden – eine Aufbahrung in der Kirche ist in diesem Fall nicht vorgesehen.

Wenn der Verstorbene dagegen ein kirchliches Begräbnis ausgeschlossen hat, kann auf Ansuchen der Angehörigen trotzdem ein Priester am Begräbnis teilnehmen: Er soll sich den Richtlinien zufolge dann ohne liturgische Gewänder mit den Hinterbliebenen in den Trauerzug einreihen und zuvor den Sarg bei der Aufbahrung mit Weihwasser besprengen – „der Priester stellt sich so in die Reihe jener, die des Verstorbenen gedenken“, heißt es im Amtsblatt.

„Vorgesehen sind die Richtlinien vor allem, um Angehörige besser beim Abschied von dem Verstorbenen begleiten zu können“, erklärt Wuthe. Vor der Entscheidung, in welchem Ausmaß die Kirche in das Begräbnis eingebunden sein soll, soll jedenfalls ein Gespräch mit den Hinterbliebenen stattfinden – die letzte Entscheidung liege jedenfalls bei dem Priester, der eine dem konkreten Fall entsprechende Beteiligung wählen soll.

 

Keine Vorbildwirkung

Die Zustimmung des Vatikan habe man für die neue Regelung nicht eingeholt, sagt Wuthe: „Das war nicht notwendig, weil es einerseits nur um eine Frage der Seelsorge geht, nicht um eine Glaubensfrage.“ Und andererseits stelle sich die Frage nach ausgetretenen Verstorbenen nur in jenen wenigen Ländern, in denen die Religionszugehörigkeit so formalisiert sei – wie Österreich und Deutschland.

Rückschlüsse auf andere Zeremonien – etwa die Frage nach einer kirchlichen Hochzeit für Ausgetretene – lasse die neue Richtlinie aber nicht zu, so Wuthe. Während das Begräbnis vor allem Seelsorge für Angehörige sei, ginge es dabei um Sakramente – und die seien Katholiken vorbehalten.

Auf einen Blick

Die Bischofskonferenz hat Richtlinien aufgestellt, nach denen Priester Begräbnisfeiern für Verstorbene halten dürfen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Bedingungen sind etwa, dass der Verstorbene ein kirchliches Begräbnis nicht dezidiert ausgeschlossen hat und dass die Angehörigen eines wünschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2012)

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70 Kommentare
 
12

Da möcht ich wirklich kein Pfarrer sein!

Man stelle sich das praktisch vor, was glauben Sie in welche Zwickmühle so ein kleiner Landpfarrer da kommen kann? Da werden ihm die Mächtigen des Dorfes ordentlich zusetzen und ihn zum Schermausträger degradieren wenn die kirchliche Obrigkeit ihn allein im Regen stehen läßt!

Gast: zoffer
29.02.2012 15:38
3

unnötig

wer will schon ein katholisches begräbnis nachdem er ausgetreten ist?

Gast: hope pope
29.02.2012 12:50
1

Kirche begräbt nun auch Ausgetretene

wäre auch irgendwie unchristlich
sie weiterhin überirdisch verrotten
zu lassen.

Begräbnis-Feier - der ist gut!

Bei vielen Christen gibt es da sicher was zu feiern!

Da werden die Nachfahren glücklich sein, dass ...

Gast: Lutz Berger
29.02.2012 11:05
1

Beisetzung

Kirchenaustritte erfolgen in der Regel nicht, um der Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuern zu entgehen, sondern wegen Verweltlichung der "Kirche" oder Konversion zu einer anderen Religion, zu der auch der Atheismus gehört.
Auch ein Atheist glaubt nur.
Wie steht es in der Bibel so schön :"Der Glaube wurde in ihr nicht mehr gefunden !!"
Wer ausgetreten ist, hat seine Entscheidung gegen die "Kirche" getroffen und wenn er nicht zum Atheismus konvertierte, genügt ein schlichtes Gebet bei der Beisetzung.
Bei einem erklärten Atheisten erübrigt sich selbst das.
Große Grabreden sollten ohnehin verboten werden; denn es wird allgemein nirgends soviel gelogen wie bei Grabreden !!!


Antworten Gast: Ismail
02.03.2012 10:57
0

Geld liegen lassen

die Kirche hat bei der hohen Austrittsanzahl erkannt wo noch Geld zu holen ist bevor es sich alternative Dienstleister (private Prediger, Ex-Pfarrer u.s.w.) holen. Die lassen eben auch kein Geld liegen.

Re: Beisetzung

Und woran glaubt der Atheist nur?
An den Nicht -Gott?

Mir geht's besser:
Ich glaube, dass es Gott und Götter sehr wohl gibt - na ja, eigentlich bin ich sogar davon überzeugt und glaube es nicht nur!

Aber: Alle diese Götter werden von Menschen erschaffen, nach deren Ebenbild und Bedürfnissen! Deshalb gibt es so viele Götter. Kein Tier oder Pflanze braucht Gott oder Religion, kein Löwe tötet im Namen Gottes. Es gibt kein einziges authentisches Schriftstück von ihm selbst - obwohl er der Sage nach bei den Christen sogar leiblich unter uns weilte!

Gäb es den Schöpfergott, könnte er sich selber wohl um seine Konkurrenz kümmern und nicht die ganze Menschheit Jahrtausende hindurch für seine dubiosen Zwecke missbrauchen. Außerdem, was hätte er von den Anbetungen?

Katholisches Begräbnis für Ausgetretene


nennt man dann aber Himmelfahrtskommando.

Gast: himmlisch
29.02.2012 09:40
3

Katholische Priester dürfen ab sofort auch für aus der Kirche Ausgetretene ein Begräbnis feiern

finde ich gut und wer es absolut nicht will soll es testamentarisch festlegen lassen

Re: Katholische Priester dürfen ab sofort auch für aus der Kirche Ausgetretene ein Begräbnis feiern

ihre auffassung ist unlogisch.

1.)
ein kirchenaustritt
entspricht eindeutiger willenskundgebung
dass der/die ausgetretene die glaubensgemeinschaft verliess:

um ihr _definitiv_ nicht mehr anzugehören.
andernfalls wäre der mensch zu seinen lebzeiten ja wieder eingetreten...

2.)
es ist also absurd noch weiter reichende
forderungen in "definitiver" art (letztwillige verfügung aka testament)
hinterher zu schieben.

3.)
ich halte es für bedenklich
wenn ignoriert wird
dass ein verstorbener zu lebzeiten seinen austritt vollzog und man ihm beim letzten geleit -wo er sich nicht mehr dagegen wehren kann- dennoch den priester aufdrängt.

Antworten Antworten Gast: himmlisch
29.02.2012 14:02
0

Re: Re: Katholische Priester dürfen ab sofort auch für aus der Kirche Ausgetretene ein Begräbnis feiern

bekanntlich gibt es sieben sakramtente und die heißen:

taufe

firmung

kommunion

beichte

krankensalbung

ehe

priesterweihe

und von den 7 sakramenten haben die meisten ausgetretenen leute
die taufe, firmung, kommunion, beichte und sogar die ehe hinter sich und dann verlassen bzw. treten sie aus der kirche aus. wie können diese leute das rückgängig machen?

Gast: seliger .-)
29.02.2012 09:10
5

Das Christentum hat die röm.kath. Kirche ja schon sehr lange begraben.



Kirche begräbt nun auch Ausgetretene

hoffentlich erst, wenn sie schon tot sind.

Antworten Gast: odin C.
29.02.2012 09:04
5

Re: Kirche begräbt nun auch Ausgetretene

Na, gewisse Kreise in der Kirche würden ja sehr gerne die lebenden Ausgetretenen lebendig begraben, aber heute haben sie nicht mehr die Macht dazu.

ein zeichen der zugehörigkeit

ist ganz einfach eine ordentliche spende an die kirche.

aber das ist ja nichts neues, das haben viele pfarren auch schon jetzt so gehalten!

geld stinkt nicht!

Ich

vermisse die gendergerechte Schreibweise im Artikel. Oder sterben nur Männer? Was ist mit den Frauen, warum wird nicht, wie sonst überall, darauf sie Bezug genommen. Wenn man sogar die Bundeshymne gendergerecht ummodeln kann, sollte man auch beim Sterben fair bleiben.

Antworten Gast: EKO
29.02.2012 09:43
3

Ganz recht!

KirchInne begräbt nun auch AusgetretenIne.

Hätte ich nur Ihre Sorgen und das Geld von Rothschild

Re: Ich

Gendergestörte Generation

Kirche ?

Na Gottseidank werden wir jetzt alle begraben !!
Können doch nicht alle ausgestopft werden oder ?

Gast: Sopranos
28.02.2012 23:56
9

Kirche begräbt nun auch Ausgetretene???...

......ich hoffe aber schon, dass die Kirche wartet bis sie tot sind, oder ???

Re: Kirche begräbt nun auch Ausgetretene???...

Was willst denn damit sagen, oder ist das deine Art von Humor?

manche Überschriften in der Presse

sind nun mal ein aufgelegter Elfer.

Antworten Antworten Antworten Gast: himmlisch
29.02.2012 09:38
1

Re: manche Überschriften in der Presse und postings...

zum lachen.......die tränen rollen....

Re: Re: manche Überschriften in der Presse und postings...

Eine Leich ist nicht zum Lachen sondern zum Feiern!
Zum Begräbnisfeiern, siehe Artikel.

Gast: wassolls
28.02.2012 23:29
4

hoffe keine Religionslügen wenns mal soweit ist

hoffe nicht das irgendjemand etwas religiöses im Bezug auf mich verlautbart wenn ich in der Kiste liege, kein Gottgebrabschl....

und das wird nicht eingehalten wenns die Angehörigen nicht wollen, da will sich die Kirche wieder einbringen in den Trauerzug um "präsent" zu sein für die Trauergäste und die durch den Tod gebarene Mysterische Aura für ihre eigenen Zwecke ausnutzen um auch weiterhin als "Instanz Gottes" zu gelten und wenns auch nur gefühlt ist.

Gibt auch inspirierende Atheistische Trauerredner die das genauso gut wenn nicht sogar besser machen und auch viel näher an der Zeit sind in der wir leben.

Wen gehöhren eigentlich die Gräber bei Kirchen?
Wenn da ein Familiengrab ist und ein ausgetretener sirbt gibts da auch restriktionen? falls ja sofort der Kirche enteignen

Re: hoffe keine Religionslügen wenns mal soweit ist

Vielleicht erkundigen Sie sich bei Ihrer Pfarre über alle Ihre Fragen.

 
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