Schwuler im Pfarrgemeinderat? Kardinal prüft

21.03.2012 | 18:59 |   (DiePresse.com)

Ein Homosexueller, der in eingetragener Partnerschaft lebt, wurde von 94 Prozent gewählt. Nach Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein.

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WIEN/D. N. Kardinal Christoph Schönborn als Troubleshooter einer 102-Seelen-Gemeinde im Weinviertel: Aus Kärnten, wo die Bischöfe tagen, muss er telefonische Anweisungen wegen der Pfarrgemeinderatswahl in der kleinsten Gemeinde seiner Erzdiözese geben. Was passiert ist? Mit 94 Prozent wurde ein junger Mann gewählt, der in eingetragener Partnerschaft mit einem Mann lebt.

Nach den Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein. Schönborn lässt den Fall prüfen. Pfarrer Gerhard Swierzek wartet auf den Entscheid. Er betont, dem jungen Mann dankbar für das Engagement im Kirchenchor zu sein.

Dechant George van Horick: „Wenn wir die Erlaubnis für Leute als Kandidaten haben, die geschieden und wieder verheiratet sind, können wir Menschen, die homosexuell veranlagt sind und das leben, eine Kandidatur nicht verwehren."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22. März 2012)

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46 Kommentare
 
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Gast: theo sbg
23.03.2012 14:54
8

Scheinheilig

Die Kirche sollte endlich ihr Verhalten ändern! Nicht nur gegenüber Homosexuellen, sondern generell!
Warum sollten sich Menschen, die sich an den eigentlichen Werten der Kirche orientieren (Liebe, Treue, Nachsicht, Nächstenliebe) nicht auch in ihr und für sie arbeiten dürfen? Nur weil sie sich zu den "falschen" Menschen hingezogen fühlen?
Warum werden ehrliche, engagierte Menschen wegen so etwas ausgeschlossen, während Wirtschaftskriminelle, Pädophile, Vergewaltiger weitgehend unbehelligt bleiben?
Diese Scheinheiligkeit regt sicher nicht nur mich als engagierte Christin auf!

Doppelmoral?

Ich denke, dass sich die Kirchenleitung ein Urteil über diesen Fall schon lange verwirkt hat. In den eigenen Reihen Homosexuelle in höhere Ämter zu holen und diese unter Druck zu setzen und bei einem gewählten PGR die Mitarbeit zu verbieten kann ich nur als Doppelmoral sehen. Da kommt noch das jahrzehntelange Verhalten gegenüber Pädophilen, die nur versetzt wurden, dazu. Dass der junge Mann das Vertrauen der Menschen hat, wurde bewiesen. Hätte er sich nicht geoutet bzw. seine Partnerschaft eingetragen, wäre es in Ordnung? Kennen wir das nicht schon zur Genüge?

Gast: catholos
22.03.2012 21:53
2

Dazulernen

Was hat die SOHO (und die SP generell) mit der Kirche zu tun, dass sie sich da aufregen?

Ich denke nicht, dass der junge Mann deshalb nicht im Pfarrgemeinderat erwünscht ist, weil er homosexuell ist- eher deshalb, weil er in einer von der Kirche nicht anerkannten sexuellen Beziehung lebt. Kandidaten, die in heterosexueller "wilder Ehe" leben, werden wahrscheinlich genauso behandelt (müssten es zumindest nach geltendem Kirchenrecht, soweit ich informiert bin). Pfarrgemeinderäte sind Mitarbeiter und Repräsentanten der Kirche und sollten daher einen entsprechenden Lebenswandel führen.

Bevor sich die Kirchenobrigkeit über solche Angelegenheiten aufregt, sollte sie sich allerdings lieber um die Missbrauchs- und sonstigen Skandale der letzten Zeit kümmern, die einiges mehr an Leid (und an Imageverlust) bewirkt haben.

Die katholische "Volkskirche" in Mitteleuropa ist in Auflösung begroffen. Ich denke, dass Rom in Sachen Sexualmoral und Kirchenrecht einiges ändern muss, um eine neue "Kirche des Volkes" zu werden.

Eine Religion ist keine Demokratie und es gibt gewisse Leitsätze, die nicht geändert werden können, da sich die Theologie sonst selbst ad absurdum führt. Aber viele Regeln können und müssen geändert werden, um dem Menschen heute eine geistliche Heimat geben zu können. Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen hat ja auch noch niemandem geschadet.

Gast: jiokla
22.03.2012 20:50
3

Es gibt keine beliebige Ausübung "ihrer" Religion

Zur Ausübung einer Religion muß man einerseits kein Pfarrgemeinderat sein und anderseits könnten Mitglieder, die öffentlich eine andere Lehre vertreten oder öffentlich sich zu einem Verhalten bekennen, das gegen die Grundsätze dieser Religion verstößt auch von dieser ausgeschlossen werden.

13

Von Gesalbten und Demokraten

1) Wenn ein Pater sich an Kindern vergeht, passiert fast gar nichts.
2) Wenn ein Homosexueller Pfarrgemeinderat wird, gehen die Wogen hoch.
Der 1. bestellt und der 2. gewählt.
Quo vadis?

Gast: Von der Rolle
22.03.2012 20:12
17

Toleranz

Toleranz ist leider nciht die Stärke mancher "frommer" Christen.

Vielleicht sollte sich die Kirche nicht so sehr auf die Sexualität versteifen.

Wenn ein Pfarrgemeinderat in anderen Bereichen sich gegen ein christliches Verhalten entscheidet wie z.B. Betrug, Gier, Unterschlagung, weltweite Ausbeutung und Lüge, so spielt dies weit weniger ein Rolle.

Gast: Lächerlich
22.03.2012 20:10
1

Denn sie wissen nicht mehr was sie tun sollen

Menschenrechte setzen sich endlich durch, es hat sich herumgesprochen, dass Hl. Vater kein rotes Telefon zum Herrgott hat - und endlich wissen es die Menschen, dass alle (auch Pfarrer, Kardinäle und sogar der HEILIGE Vater) regelmäßig aufs Klo müssen - Warum noch aufregen über einen Machtapparat, der seine Heiligkeit auf einen zuständigen "Beamtenapparat" im Jenseits aufbaut. Letztendlich kommt das Verhalten und die Argumentation der Heiligen Röm. kath. Kirche einem Possenspiel gleich, dass seinesgleichen sucht! Auf jeden Fall positiv ist zu vermerken, dass man seine Meinung ungestraft kundtun darf im Gegensatz zu unseren muslemischen Glaubensgeknechteten - also da find' ich doch die RK-Kirche einen wahren Kindergarten dagegen ...

Gast: Estelle
22.03.2012 20:00
1

???

Reines Theater, das alles! Eine bewußt inszenierte Wahl, damit es wirbelt! Das eigentliche Opfer ist wirklich der junge Mann - nicht weil er (was ja im Vorhinein klar definiert war durch das Kirchenrecht) kein Pfarrgemeinderat sein kann, sondern weil er durch den Wirbel auf seinen aktuellen Lebensstil in freiheitsberaubender Weise festgelegt wird. Die sexuelle Orientierung ist doch nur ein Aspekt der Person, ein zentraler, aber nicht der einzige.

Antworten Gast: Dunkelrot vor Lachen
22.03.2012 20:16
16

Re: ???

Stimme Ihnen zu - und was noch zu bemerken wäre: nach den Hardliner-Regeln der Kirche dürfen ja auch keine Pilleneinnehmerinnen, keine Kondombenutzer, und überhaupt keiner der aus Lust Sex betreibt, keine Geschiedenen und schon gar keine ach so bösen Wiederverheirateten und keine die nicht ausschließlich zum Zwecke der Zeugung eines Kindes Sex haben dieses "hochheilige" Ehrenamt eines Pfarrgemeinderates ausüben - da diese (also wir alle) doch zu sündig!!

Meine Güte.

Als Nächstes regt sich ein weibliches Pfarrgemeinderatsmitglied auf, dass Frauen in der katholischen Kirche Menschen zweiter Klasse sind oder was?

Gast: ROTFRONT
22.03.2012 14:21
2

Pfarrgemeinderat? - HALLO!!!!! Was soll DER können? (Ausser uns den B... runterrutschen und uns viel Geld kosten)?

Wenn man den abschafft, dann können die Betweiberl wieder Socken flicken und Schals stricken und die Wirtschaft zaht wieder an!

Antworten Gast: Dunkelrot vor Lachen
22.03.2012 20:22
3

Re: Pfarrgemeinderat? - HALLO!!!!! Was soll DER können? (Ausser uns den B... runterrutschen und uns viel Geld kosten)?

soweit ich zu wissen glaube (?!?) ist ein Pfarrgemeinderat doch ehrenamtlich tätig ... also Geld wird's nicht kosten - aber ansonsten ist man ja eigentlich gezwungen "linientreu" , kuschend und duckend zu agieren ... da wäre der mutige Mann ja sowieso vermutlich fehl am Platz...

Gast: Nach den Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein
22.03.2012 13:33
3

Ein Homosexueller, der in eingetragener Partnerschaft lebt, wurde von 94 Prozent gewählt.

Wenn er schwul ist, ist er in der kath. Kirche wohl am besten aufgehoben, außer es gibt Zickenkrieg weil ein Priester oder Kardinal eifersüchtig wird...

Gast: tc_t
22.03.2012 11:58
19

stellt sich die frage

was den pfarrer (oder andere geistliche) mehr stört, das schwulsein oder die geschlossen lebenspartnerschaft!

Gast: ulpas
22.03.2012 10:04
2

Schönborn als Troubleshooter?

Würde Schönborn so handeln, wie vor einiger Zeit, als sogar einer seiner hohen Mitarbeiter wegen eines homosexuellen Vorfalls, wo dieser dann nicht nur als Priester weiter tätig war, sondern sogar in seiner höheren Stellung.Also da kann der Weinviertler Neo-Pfarrgemeinderat sicher auch bleiben.

Die ganze Angelegenheit hat aber eher was von Schüllers Initiative an sich, denn so naiv kann ja keiner sein, wenn fortlaufend in den Medien berichtet wird, was die Kirche von solchen eheähnlichen Partnerschaften hält und dann jemand auch noch einen Gemeindevorstandsjob annimmt.
Dem Schüller als medialen Netzwerker würde ich eine solche Provokation auch zutrauen.

Re: Schönborn als Troubleshooter?

Nur zur Aktualisierung: Inzwischen ist er aus dieser höheren Stellung abberufen. Schönborns Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen.

Antworten Antworten Gast: gillip
22.03.2012 21:23
0

Hier mahlten sie viel zu langsam, um eine

ehrliche Konsequenz nach außen (und innen) anzuzeigen, denn nun kommt es viel mehr einer Verabschiedung in den Ruhestand gleich. Ein Amtsträger, der in dieser Funktion nach so einer Affäre jahrelang weiter Andere "beaufsichitigt", statt zumindest in dieser höher gestellten Position unverzüglich suspendiert zu werden, ist alles andere als glaubwürdig und kann auch nicht mit Langsam- Mahlerei gerechtfertigt werden. Wenn er nach einer gewissen Strafpause weiter als einfacher Priester wirkt, mag das ok sein, aber bitte doch nicht als höherer Amtsträger, der Visitationsaufgaben hat?!

Re: Hier mahlten sie viel zu langsam, um eine

1. Er ist kein höherer "Amtsträger" mehr, hat also auch keine Visitationsaufgaben

2. Er ist nicht in den Ruhestand verabschiedet worden.

Gast: _warum_
22.03.2012 10:02
19

stell dir mal vor...

...alle schwulen müssten die kriche verlassen.

gäbe es dann genügend pfarrer, bischöfe, kardinäle...oder gar einen papst?

Ein Problem

für die Amtskirche, hingegen kein Problem die langjährigen Mißbrauchsfälle, die ohne Medien, noch heute im tiefen katholischen Keller verborgen geblieben wären!

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?


Würde die Kirche tatsächlich gegen Homosexuelle vorgehen, hätte sie ein noch größeres Personalproblem.

"Mit 94 Prozent wurde ein junger Mann gewählt, der in eingetragener Partnerschaft mit einem Mann lebt".
Ist der andere eingetragene Mann zufällig Priester?

"Nach den Kirchenregeln dürfte er kein Kandidat sein".
Man könnte ihn allerdings auch einfach in eine andere Gemeinde versetzen
und sagen es war nichts.

Gast: Kibietz
22.03.2012 08:23
15

Als Priester hätte er keine Probleme...........

und schon gar keine mit Ratzi & Co

Kirchen aller Konfessionen = HEUCHLER


Re: Kirchen aller Konfessionen = HEUCHLER

Seelenfängerei / Heuchlerei

Gast: eine Frage dazu
22.03.2012 07:48
27

Und was sagt das Gesetz?

Es gibt doch Gesetze, die einen vor Willkür schützen. Wenn mich etwa ein Arbeitgeber kündigt oder mobbt, weil ich geschieden oder schwul bin, dann ist er dran. Soll das bei der Kirche anders sein?

Re: Und was sagt das Gesetz?

wichtiger wäre: was sagt gott dazu?

 
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