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Schwuler Pfarrgemeinderat: Kein Aus

23.03.2012 | 19:19 |  DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Er werde die Kandidatur nicht zurückziehen, sagt Pfarrgemeinderat Florian Stangl zur „Presse“. Kardinal Schönborn führt die Gespräche mit den „ungehorsamen“ Pfarrern fort.

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Stützenhofen/Wien. Verhärtete Fronten vor dem Gespräch heute, Samstag, zwischen Kardinal Christoph Schönborn und einem gewählten Pfarrgemeinderat, der bekennender Homosexueller ist. Florian Stangl kündigt im Gespräch mit der „Presse“ an, er werde seine Kandidatur nicht zurückziehen. Ein derartiger Verzicht wäre für Schönborn die eleganteste Lösung des Konflikts gewesen.

„Ich werde von mir aus nicht auf die Kandidatur für den Pfarrgemeinderat verzichten. Ich werde nur dann nicht Pfarrgemeinderat, wenn es kirchenrechtlich absolut nicht geht.“ Dies erklärte Stangl am Freitag. Der 26-Jährige lebt mit einem Mann in eingetragener Partnerschaft.

Im Umfeld Schönborns wird argumentiert, laut geltender Pfarrgemeinderatsordnung hätte er in Stützenhofen (Niederösterreich) für die Wahl gar nicht aufgestellt werden dürfen. Stangl hat zu den tagelangen öffentlichen Diskussionen bisher geschwiegen. Jetzt sagt er: „Die Diskussion ist für mich sehr unwirklich. Ich hätte nie gedacht, dass das Thema so viele interessiert.“ Er habe seit dem Publikwerden der Causa viel Zuspruch für seine Haltung erhalten.

Ob er denkt, als Homosexueller von der katholischen Kirche ausreichend ernst genommen zu werden? Stangl: „Ich fühle mich schon ernst genommen, sonst würde es nicht das Gespräch mit dem Herrn Kardinal geben.“

Einen Gegensatz zwischen seiner Lebensform und der Lehre der Kirche sieht Stangl ausdrücklich nicht: „Ich fühle mich der Lehre der Kirche verpflichtet. Forderungen nach Keuschheit zu stellen, ist aber relativ fern von der Lebensrealität. Wie viele Menschen leben keusch?“ Damit nimmt er Bezug auf den Weltkatechismus, der vor 20 Jahren unter Federführung Schönborns erstellt wurde. Darin werden Homosexuellen Respekt und Achtung zugesagt. Aber es wird ihnen auch Keuschheit abverlangt.

 

Ungehorsam: Kurie für Gespräche

Stützenhofen/Wien. Während das Gespräch mit Florian Stangl also noch ansteht, werden hinter den Kulissen mit der Pfarrerinitiative bereits seit einiger Zeit Gespräche geführt: „Es ist eine Situation, die durchaus in Bewegung ist“, sagte Kardinal Schönborn am Freitag bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz. Auch mit der Kurie in Rom hätten die österreichischen Bischöfe vereinbart, dass die Gespräche mit den Pfarrern fortgesetzt würden, die mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ für Aufsehen gesorgt hatten.

Eine „Pattsituation“ mit jeweils festgelegten Positionen stellte der Kardinal jedenfalls in Abrede – die Pfarrerinitiative habe schließlich einen „modifizierten Text“ mit ihren Forderungen veröffentlicht.

Schönborn verwies am Freitag auch auf den Hirtenbrief des Grazer Bischofs Egon Kapellari: Darin habe dieser versichert, alles Mögliche zu tun, um Reformen fordernde Katholiken „im großen Schiff“ der Kirche zu halten. Es dürfe aber niemand unrechtmäßig das Steuerruder der Kirche ergreifen. Die Bischöfe würden hinter dem Schreiben stehen, so Schönborn.

 

Missbrauch: Vieles verschwiegen

Auch die neu aufgekommenen Missbrauchs-Verdachtsfälle im Stift Kremsmünster in Oberösterreich sowie im Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau sind zur Sprache gekommen. Für Schönborn seien die neuen Vorwürfe „bestürzend“. Es handle sich um „massive Vorwürfe“, die „sehr betroffen“ machten, sagte der Erzbischof. Die katholische Kirche sowie betroffene Einrichtungen seien für „volle Aufklärung“.

Schönborn gestand abermals ein, dass in Zusammenhang mit Missbrauchsfällen vieles verschwiegen worden sei. Allerdings gebe es zu manchen Fällen keine Unterlagen mehr, auch mutmaßliche „Täter reden nicht mehr“. Zugleich rief Schönborn auf, sich bei der Klasnic-Kommission zu melden, wobei es unerheblich sei, ob Fälle verjährt seien oder nicht.

Indessen steht fest, wie das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene „Jahr des Glaubens“ anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober in Österreich beginnen soll: mit geöffneten Kirchentüren.

Auf einen Blick

Pfarrgemeinderat. Der neu gewählte Pfarrgemeinderat Florian Stangl lebt in einer eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann. Laut Pfarrgemeinderatsordnung hätte er sich nicht aufstellen lassen können, heißt es innerkirchlich. Heute, Samstag, findet ein Gespräch zwischen Stangl und Kardinal Christoph Schönborn statt. Stangl wird dabei seine Kandidatur nicht zurückziehen, sagt er der „Presse“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)

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44 Kommentare
 
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Gast: nina blum
24.03.2012 15:01
0 2

das "schwul" ist wohl nicht gerade die edelste Ausdrucksweise. Und ausserdem gar nicht erwiesen

Nur weil er in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, muss er ja nich "schwul" sein.
Darauf würden ja wirklich nur die einfachsten Geister kommen.

Was für ein trauriges Schauspiel!

Er wurde doch mit großer Mehrheit (!) von der christlichen Basis in den PGR gewählt.

Das heißt: Kaum jemand im Ort findet sein Engagement abwegig oder anstößig, im Gegensatz zu den katholischen Kirchenrechtlern.

Zum Vergleich:
In Hallein bewarb sich vor einigen Jahren ein evangelischer Pfarrer um die dortige freie Stelle; jeder wusste, dass er eine Lebensgemeinschaft mit einem Mann hat, und die Pfarrgemeinde hat sich damals nach dem üblichen Hearing doch für diesen Kandidaten entschieden.

Von einer derartigen Offenheit und Mitbestimmung können Katholiken nur träumen!

Antworten Gast: traurig
24.03.2012 17:21
1 3

Re: Was für ein trauriges Schauspiel!

dann ab zu den evangelischen, oder?! traurige argumentation....

Die sorgen von stuetzenhofen...

moechte ich haben ...............

18 1

@ „Im Umfeld Schönborns wird argumentiert, laut geltender Pfarrgemeinderatsordnung hätte er in Stützenhofen (Niederösterreich) für die Wahl gar nicht aufgestellt werden dürfen“






vielleicht sollte sich der Herr Kardinal gedanken über sein Umfeld machen…






18 0

@ „Auch die neu aufgekommenen Missbrauchs-Verdachtsfälle im Stift Kremsmünster in Oberösterreich sowie im Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau sind zur Sprache gekommen. Für Schönborn seien die neuen Vorwürfe „bestürzend“






Manche finden den unreifen Umgang der Kirche mit Sexualität „bestürzend“…






3 0

„bestürzend“

Finde ich auch - aber weil die Mißbräuche geschehen sind, und nicht, weil sie an die Öffentlichkeit gekommen sind (was wohl für Schönborn "bestürzend" ist).

18 0

@ „Schönborn verwies am Freitag auch auf den Hirtenbrief des Grazer Bischofs Egon Kapellari: Darin habe dieser versichert, alles Mögliche zu tun, um Reformen fordernde Katholiken „im großen Schiff“ der Kirche zu halten“






das kann der Herr Kardinal ja bei dem mit 94 % gewählten Pfarrgemeinderat unter Beweis stellen…






4 0

Zählt Homophilie auch zum Intelligent Design seiner Eminenz?

Wird Schönborn das Unintelligent Design auch noch erfinden? Oder ist es eine Bessenheit durch böse Dämonen. Dann wäre natürlich der Exorzist der Erzdiözese zuständig. Was macht man aber, wenn der Besessene sich nicht für besessen sonder für normal erklärt? Und kompliziert wird es natürlich thgeologisch allemal. Denn sündigen ist etwas ganz persönliches. Wenn der Herr Pfarrgemeinderat der vollen ehrlichen Überzeugung ist, dass gemeinsames liebevolles Abonanieren gottgefällig ist, dann ist es auch keine Sünde und ist daher auch nicht zu beichten! Wie wäre es mit einem einem katholischen Gesundheitsbeirat? Ist Homopihilie eine behandelbare und behandelswerte Krankheit. Ein Fall für kartholische Theopsychologen.

0 3

Fern von Lebensrealität ??

Als ob die "Lebensrealität" nun das Entscheidungskriterium ist. Wenn das, was Menschen alltäglich tun schon als das Richtige angesehen wird, dann hätte es weder Jesus bedurft noch bedarf es heute einer Ethik, weil ja ohnehin die Lebensrealität immer das Richtige ist. In einer solchen beliebigen Welt würde es dann erst richtig schwierig zu leben.

Gast: MFischer
23.03.2012 23:14
29 2

Es ist zum SPEIBEN!

Ich bin bekennender Katholik, glaube aber nicht an die Allmacht der Kirche. Ich bin ins Schottengymnasium in Wien gegangen, und habe die Patres dort zum Größten Teil als weltoffene Herren kennenlernen dürfen. Mein damaliger Klassenkollege ist derzeit Abt des Schottenstiftes. Auch er ist einfach - EIN MENSCH!

Was da passiert mit einem engagierten jungen Mann, der sich in der heutigen Zeit noch immer für die Amtskirche engagieren will, ist einfach ein Skandal. Wenn er Lepra oder TBC hätte, würde ich das noch irgendwie verstehen. Aber SO?!!!

Das entspricht nicht der Lehre Christi, sondern stützt sich nur auf die erst viel später entstandenen Kirchengesetze, die die röm.kath. Kirche eigentlich nur zur Unterdrückung des "einfachen" Volkes erfunden hat.

Dass selbst in der heutigen Zeit noch immer gewisse Kirchenführer glauben, mit den Mitteln des Mittelalters operieren zu können, ist an sich schon mehr als verwunderlich und verwerflich.

Aber genauso, wie man anscheinend einen völlig überflüssigen Semmering Basistunnel nicht verhindern kann (wobei man das Geld weiß Gott besser verwenden könnte), so schwer scheint es zu sein, höhere kirchliche Würdenträger davon zu überzeugen, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben.

Ich halte mich norwalerweise von allen Postings fern, aber jetzt ist mir halt der Kragen geplatzt.


3 2

Re: Es ist zum SPEIBEN!

Sie sollten bei den Patres besser aufgepasst haben. Haben sie ihren Katechismus nicht gelernt, oder legen Sie nach persönlichen Gusto die Glaubenslehre aus? Wenn dem so ist, dann sollten Sie die Kirche verlassen!
Bitte nicht von Liberalität und ähnlichem in "Glaubensfragen" schwärmen? Da gibt es ganz klare Regeln!

das bodenpersonal

von unserem herrgot ist ein horror -

Gast: justerix
23.03.2012 21:56
3 10

durch diese Pfarrgemeinderatswahl hat es

Stützenhofen endlich geschafft einmal in einer anderen Zeitung vorzukommen als in irgendeinem
Bezirksblatt.

wieder einmal hadert das bodenpersonal

und gott sagt noch immer nichts.

Lächerliche Diskussion

Eine Kirche im Sinne Jesu Christi würde jeden, der ein Teil von ihr sein und sogar Verantwortung übernehmen will, mit offenen Armen empfangen.

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Etwas allzu dürfig Ihre Bestimmung

Wenn allein der Wunsch nach Zugehörigkeit und Übernahme von Verantwortung genügt, dann unterstellen Sie, dass Jesus jede Beliebigkeit recht war.

Es geht Jesus aber um Bestimmtheit und nicht um Beliebigkeit des Handelns, andernfalls würde er nicht der Ehebrecherin empfehlen: Geh hin und sündige nicht mehr oder dem Geheilten mahnen: Du bist nun gesund geworden. sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt."

In einer politischen Partei mag es genügen auf irgendeine Weise mitzutun, im Christentum geht es um eine bestimmte Weise und nicht ein selbst bestimmte.

Gast: schlumpfine
23.03.2012 19:54
34 3

kk

ob weiß, schwarz , getupft, grün, gelb, kariert, homosexuell oder heterosexuell... ist doch egal

Warum sollte ein homosexueller Mann nicht ein Amt in einer katholischen Pfarre innehaben? Ich verstehe die gesamte Aufregung nicht.

Die katholische Kirche ist so scheinhelig, sie sollte das Keuschheitsgelübte endlich mal aufgeben, ist dieses nicht einmal in der Bibel zu finden, sondern erst im Mittelalter " erfunden" worden. Ah werfen wir nur einen Blick auf die Geschichte : - > sogar Päpste hatten zahlreiche Kinder, also bitte, was soll der Unfug mit der Keuschheit????

Wie viele katholische Priester führen Beziehungen? - > nur weil keiner darüber spricht, oder weil es die Kirche nicht sehen will, heißt es noch lange nicht, dass die Pfarrer sich an das Gelübde auch halten.

Ich würde er viel mehr gutheißen, wenn die Kirche genau so schnell handeln würde, wenn wieder sexuelle Übergriffe an Kindern bekannt werden, diese Leute gehören strafrechtlich verfolgt, und nie wieder in die Nähe von Kindern / einer Pfarrgemeinde gelassen.

Die katholische Kirche sieht langsam aber sicher alt aus, wenn sie nicht mit der Zeit geht. Sie hält verbohrt an Grundsätze fest, die veraltert sind, und von den meisten nicht mehr befolgt werden.

Ich würde den lieben Herren im Vatikan ans Herz legen, ihre sturre Verbohrheit abzulegen und mit der Zeit zu gehen.
Für mich hat die Institution "Kirche" nicht mehr viel mit Glauben zu tun. Leider.

Antworten Gast: Pedro
23.03.2012 20:17
4 21

Re: kk

Nun ist es aber so, daß die Kirche über ihre Entscheidungen selbst bestimmt und einem gewissen Modetrend nicht unbedingt folgen muss. Der Bewerber ist max 80 Jahre auf der Welt, die Kirche besteht seit 2000 Jahren. Und wieviele Trends gab es nicht in jeder Epoche. Dem das nicht passt, was die Kirche macht, der braucht sich nicht aufplustern wie der nette Zeitgenosse da. Klingt sehr pupertär.

Re: Re: kk

dann hätten sie ihn gar nicht zur wahl antreten lassen dürfen. hut ab vor diesem kandidaten, er hat mut bewiesen und er engagiert sich

Re: Re: kk

Auch wenn ich Ihre Argumentation durchaus verstehen kann, ist die Kirche sehr sehr scheinheilig und unglaubwürdig in allem, was das Thema Sexualität betrifft.

Gast: wiffzack1anwiffzack2
23.03.2012 19:28
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zweiter versuch!

ja, wenn der kandidat ein pfarrer oder sogar kardinal wäre, dann tät die homophilität nicht stören! es gibt ja genug davon im klerus.
aber ein nichtgeweihter pfarrgemeinderat ist in der diktatorischen ordnung der kirche eine echte gefahr für das system.
die doppelmoral vom herrn schönborn schreit zum himmel!

Gast: wiffzack1anwiffzack2
23.03.2012 19:09
19 3

vereinsregeln...

wenn man homophil ist, dann hat man bei den katholen nur als kardinal oder erzieher chancen.
diese doppelmoral der oberkleriker ist ja das allerletzte. realitätsverweigerer und menschenverachter! pfui herr schönborn!

Gast: xtreme22
23.03.2012 18:41
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Keine Ahnung hat dieser Fundi-Erzbischof !!!

JESUS würde sich niemals mit so einem mittelalterigen Möchtegern-Bischof abgeben !!!
Man müßte eigentlich dringend die katholische Kirche in RAPE--Church umbenennen!
JESUS würde die vielen Priester, die unsere Kinder vergewaltigen, aus der Kirche jagen !!
Diese katholische Kirche hat überhaupt keinen Zugang zu GOTT !!!

Sorry

aber auch als Nichtkatholik sollte man sachlich und fair bleiben: Wer in einem Verein mitmachen bzw. sogar ein Amt übernehmen will, sollte auch nach den Regeln dieses Vereins beurteilt werden dürfen. Wo ist das Problem? Dass manchen diese Regeln nicht passen? Das ist ihr Recht, es hört aber genau dort auch auf.

Re: Sorry

Kirche ist nicht nur ein Verein.
Da sie sich auf Jesus und seine Lehren beruft, soll sie nun auch danach handeln.

 
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