Gespräch mit Pfarrerinitiative geplatzt

Kardinal Schönborn hat Schüller & Co. kurzfristig eingeladen - und ebenso kurzfristig wieder ausgeladen.

Christoph Schönborn
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Christoph Schönborn
(c) REUTERS (Herwig Prammer)

Christoph Schönborn hat schon entspanntere Tage erlebt. Weniger wegen der Firm-, Priesterweihe und der Visitationstermine, die sich bis zum Sommer drängen. Der Primas Austriae sieht sich vom Vatikan und von österreichischen Kreisen, die sich gern als romtreu bezeichnen, unter Druck gesetzt. Der Grund hat einen nicht unbekannten Namen: Schüller. Helmut Schüller.

Wie ein mit jedem Tag länger werdender Schatten liegt die Pfarrerinitiative über der bisher makellosen Kirchenkarriere Schönborns. Rom erwartet nicht nur, dass der Kardinal in Wien einen internationalen Flächenbrand verhindert. Rom erwartet auch, dass der lokale Brand völlig gelöscht wird. Wie genau das der Ortsbischof anstellen soll, ist dessen Sache. In heiklen Fragen verzichtet der Vatikan gern auf seinen ihm sonst oft vorgeworfenen Zentralismus.

Schönborn selbst kennt auch keine erfolgversprechende Strategie gegen die Initiative von 340 Pfarrern und 76 Diakonen, die mit ihrem vollen Namen für Reformen der katholischen Kirche einstehen. Und die mit dem „Aufruf zum Ungehorsam" im Vorjahr den Bogen nach dem Geschmack Roms weit überspannt haben. Nach der (relativ sanften) Schelte der ungehorsamen Kleriker durch Papst Benedikt XVI. bei einer großen Messfeier am Gründonnerstag im Petersdom hat Schönborn nun einen Befreiungsschlag versucht. Kurzfristig wollte er ein Treffen des Vorstandes der Pfarrerinitiative, der aus elf erfahrenen Seelsorgern besteht, mit mehreren Bischöfen aus Österreich arrangieren. Das ist nicht nichts.

Die schriftliche Einladung stand, mehrere Termine wurden ausgetauscht. Von den Mitgliedern des Vorstandes sahen lediglich drei die Möglichkeit, kurzfristig nach Wien zu kommen. Immerhin sind die Herren in der Seelsorge engagiert. Das Verschieben einer Hochzeit oder einer Erstkommunion selbst wegen eines Termins beim Bischof lässt sich eher schwer argumentieren. Aus dem Episkopat sollten neben Schönborn Metropolit Erzbischof Alois Kothgasser aus Salzburg und aus Wien Weihbischof Stephan Turnovszky teilnehmen. Allein: So plötzlich wie der Termin angekündigt war, kam die Absage. Kothgasser sei wegen einer Firmung unabkömmlich, heißt es. Seither ist die Kommunikation zwischen Stephansplatz/Rotenturmstraße und Probstdorf, der Gemeinde Helmut Schüllers, wieder eingestellt. Bis zum nächsten Mal?

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12. Mai 2012)

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