Gespräch mit Pfarrerinitiative geplatzt

11.05.2012 | 16:52 |  DIETMAR NEUWIRTH (DiePresse.com)

Kardinal Schönborn hat Schüller & Co. kurzfristig eingeladen - und ebenso kurzfristig wieder ausgeladen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Christoph Schönborn hat schon entspanntere Tage erlebt. Weniger wegen der Firm-, Priesterweihe und der Visitationstermine, die sich bis zum Sommer drängen. Der Primas Austriae sieht sich vom Vatikan und von österreichischen Kreisen, die sich gern als romtreu bezeichnen, unter Druck gesetzt. Der Grund hat einen nicht unbekannten Namen: Schüller. Helmut Schüller.

Wie ein mit jedem Tag länger werdender Schatten liegt die Pfarrerinitiative über der bisher makellosen Kirchenkarriere Schönborns. Rom erwartet nicht nur, dass der Kardinal in Wien einen internationalen Flächenbrand verhindert. Rom erwartet auch, dass der lokale Brand völlig gelöscht wird. Wie genau das der Ortsbischof anstellen soll, ist dessen Sache. In heiklen Fragen verzichtet der Vatikan gern auf seinen ihm sonst oft vorgeworfenen Zentralismus.

Schönborn selbst kennt auch keine erfolgversprechende Strategie gegen die Initiative von 340 Pfarrern und 76 Diakonen, die mit ihrem vollen Namen für Reformen der katholischen Kirche einstehen. Und die mit dem „Aufruf zum Ungehorsam" im Vorjahr den Bogen nach dem Geschmack Roms weit überspannt haben. Nach der (relativ sanften) Schelte der ungehorsamen Kleriker durch Papst Benedikt XVI. bei einer großen Messfeier am Gründonnerstag im Petersdom hat Schönborn nun einen Befreiungsschlag versucht. Kurzfristig wollte er ein Treffen des Vorstandes der Pfarrerinitiative, der aus elf erfahrenen Seelsorgern besteht, mit mehreren Bischöfen aus Österreich arrangieren. Das ist nicht nichts.

Die schriftliche Einladung stand, mehrere Termine wurden ausgetauscht. Von den Mitgliedern des Vorstandes sahen lediglich drei die Möglichkeit, kurzfristig nach Wien zu kommen. Immerhin sind die Herren in der Seelsorge engagiert. Das Verschieben einer Hochzeit oder einer Erstkommunion selbst wegen eines Termins beim Bischof lässt sich eher schwer argumentieren. Aus dem Episkopat sollten neben Schönborn Metropolit Erzbischof Alois Kothgasser aus Salzburg und aus Wien Weihbischof Stephan Turnovszky teilnehmen. Allein: So plötzlich wie der Termin angekündigt war, kam die Absage. Kothgasser sei wegen einer Firmung unabkömmlich, heißt es. Seither ist die Kommunikation zwischen Stephansplatz/Rotenturmstraße und Probstdorf, der Gemeinde Helmut Schüllers, wieder eingestellt. Bis zum nächsten Mal?

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12. Mai 2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

49 Kommentare
 
12
Gast: Montserrat und Gaudí
14.05.2012 15:15
0 0

Thomismus alleine genügt nicht zum Führen=Flöhezirkusbändigen einer unfolgsamen Multikulti-Erzdiözese

Empfehlenswert für Ihre Eminenz, unseren hochwürdigsten Herrn Kardinal, wäre z.B. das berufsbegleitende "Program for Leadership Development" an der nahezu kircheneigenen da dem „Opus Dei“ zugehörigen "IESE Business School" in Barcelona um den Schnäppchenpreis von 25.500 Euro:

http://www.iese.edu/en/ExecutiveEducation/GeneralManagementPrograms/pld/home.asp

Denn die hohe Kunst des Leaderships kann erlernt werden. Dort in angenehmster Atmosphäre noch dazu.

Ihre Eminenz, der Herr Kardinal, könnte dann als erfolgreicher Schüller-Dompteur glänzen und damit sogar in die Wiener Kirchengeschichte eingehen.

Ohne adäquates Leadership-Voodoo gilt jedoch sogar das handzahme, duckmäuserisch-konservative Kirchenpublikum der Erzdiözese Wien bei den ernsten Kardinälen im dogmatischen Vatikan als zu progressiv, säkular-atheistisch und renitent. Allerdings die diskreten höheren Weihen des IESE-Zaubercocktails könnten Wunder wirken…und aus einem Theologen einen Neues, noch Ungeahntes entstehen lassenden transformativen, vielleicht sogar ein wenig charismatischen Leader machen.

Gast: 42
12.05.2012 18:27
11 1

Erleichterndes Gefühl,

diesem konkordatsgemäss mit Steuergeld gemästeten Wahnderzirkus nicht mehr zugerechnet werden zu können...

Antworten Gast: surio
12.05.2012 19:34
0 7

keine Sorge, es ist nicht dein Steuergeld

sondern unseres, das wir dazu hergeben und deines geht in andere Zeltaktivitäten

Re: keine Sorge, es ist nicht dein Steuergeld

es geht nicht nur um die kirchensteuer - sondern um steuergelder von allen

Gast: Gast.Gast
12.05.2012 16:31
3 10

kein Zwang

Zur Erinnerung, es gibt keinen Zwang der röm.kath Kirche anzugehören, das ist eine Kirche bei der man freiwillig und mit Überzeugung bleibt. Wenn die Überzeugung in Richtung Protestantismus geht, so ist der Weg frei und niemandem versperrt. Warum jammert niemand über verschiedene evangelische Glaubensgemeinschaften, es gibt deren über tausende. So ein verbissenes fokussieren auf die Kirche bestätigt doch nur, sie alleine wird als echt anerkannt.

Antworten Gast: Augustinus
12.05.2012 18:25
8 1

es gibt ja auch keinerlei Zwang,

der röm. kath. Kirche beitreten zu müssen. Jeder Aufnahmekandidat kann sich das vorher genauestens überlegen, alle Für und Wider abwägen und sich schließlich dann doch zu einem Beitritt entschließen, nicht wahr? - Und dann sind wir aufgewacht!

Re: es gibt ja auch keinerlei Zwang,

wer bitte zwingt hier jemanden der katholischen Kirche beizutreten?das kann wirklich jeder für sich entscheiden. Sollten die Eltern eine gewisse Zeit Druck machen, so lernt man in dieser Zeit auch Geschichte und Kirchengeschichte, hat ein paar schöne Geste und dann ist man erwachsen und kann gehen, wenn man will.
Daher kann ich auch bei längerem Nachdenken keinen Zwang entdecken, außer natürlich man ist umbedingt auf einen Job im Kirchenumfeld versessen!

na, wird er halt

einen weisel aus rom bekommen haben, und schwupps dreht er 180 grad, dieser windbeutel. genauso verrottet wie die politik ist eben auch der klerus.

Gast: wassolls
12.05.2012 14:53
4 1

jemand sollte die Verklagen

ist ja im Anti-Diskriminierungsgesetz geregelt das Jobs wie zb Priester auch von Frauen getätigt werden können, dann noch die Steuerbefreiungen

Gibts hier zweierlei Maß für die Katholobonzen?
(Welches über unserer Gesetzgebung steht)

Was ist mit Trennung von Staat und Religion?

1 0

Primas Austriae

Soweit ich weiß, gibt es keinen "Primas Austriae". Der Erzbischof von Salzburg führt den (mittlerweile) Ehrentitel "Primas Germaniae". Er hat als "Legatus natus" auch eine Sonderstellung.

Antworten Gast: Ungeist
12.05.2012 15:12
1 1

gemeint ist sicherlich der "Primus Austriae",

und Schönborn wirkt ja so wie Österreichs klerikaler Musterschüler. ("Streber, Streber!!")

Antworten Antworten Gast: Kiebitz
12.05.2012 16:28
1 0

"Primus Austriae"

gibt es nicht.

Austria catholica divisa est in partes tres.

Kirchenprovinz Wien,
Kirchenprovinz Salzburg,
Mehrerau (direkt Rom unterstellt).

Zusätzlich gibt es einen Militärbischof.

Schönborn folgte dem weiland Diözesanbischof Johann Weber von Graz-Seckau in der Funktion des Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz.

Antworten Antworten Antworten Gast: ruperti
12.05.2012 17:38
1 0

Kleine Anmerkung: Salzburg steht immer vor Wien, da die Salzburger Metropolie 1000 Jahre älter ist! ;-)


Antworten Gast: Su Nuraxi
12.05.2012 14:50
0 0

Re: Primas Austriae

Warum diese Unsicherheit ("Soweit ich weiß ...")? Es ist so, wie Sie schreiben. Es gibt keinen "Primas Austriae". Man hört/liest im Zusammenhang mit Schönborn auch oft den Ausdruck "Oberhaupt der österreichischen Katholiken" o.ä. Das ist genauso ein Blödsinn. Er ist (Erz-)Bischof von Wien, mehr nicht. Die anderen Bischöfe sind ihm nicht unterstellt, und er hat auch nicht das Recht, sich in die Belange anderer Diözesen einzumischen.

Antworten Antworten Gast: stuzol
12.05.2012 17:30
0 1

Na, bei Krenn hat er sich ganz schön eingemischt und dessen Absetzung ist ja dann auch gelungen

Wobei der Kern der damaligen Geschichte noch aufklärungsbedürftig wäre, denn abseits von manchen Verschwörungsthesen bleiben Fakten, die aufzuarbeiten wären.

Krenn musste damals gehen, weil auf einem allgemein zugänglichen PC in seinem Diözese -Seminar homoerotische Bilder gefunden wurden und man dann eine große mediale Geschichte daraus machte. Schönborn hat sogar einen Bischofsvikar (!) in seinem Amt belassen, obwohl dem homosexuelle Akte vorgeworfen wurden und er hat bekanntlich nun sogar einen homosexuellen Pfarrgemeindrat inthronisiert.

Mich wundert eher, dass Schönborn nicht längst seinen Rücktritt eingereicht hat.


Antworten Antworten Antworten Gast: Su Nuraxi
12.05.2012 18:55
1 0

Re: Na, bei Krenn hat er sich ganz schön eingemischt und dessen Absetzung ist ja dann auch gelungen

Sorry! Ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Mit "nicht einmischen" meinte ich, dass der Erzbischof von Wien (oder sonst irgend ein Bischof) einem anderen Diözesanbischof keine Weisungen erteilen darf, weil die anderen Diözesanbischöfe nicht seine Untergebenen sind. (Seine Meinung sagen darf er natürlich schon.)
Krenn ist auch nicht von Schönborn abgesetzt worden. Die Empfehlung an Krenn, den Rücktritt einzureichen (nicht die Absetzung!), kam aus Rom. Dort sitzt nämlich der Vorgesetzte aller Diözesanbischöfe weltweit.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Jumasch
12.05.2012 19:37
0 0

als Metropolit hat er bei seinen Suffragbischöfen "Visitationsrecht" und daher ist die Absetzung zwar römisch, aber die Betreibung eine hiesige


Antworten Antworten Antworten Gast: Bischof Krenn
12.05.2012 18:00
0 0

war ein blitzgescheiter, charismatischer Sturschädel,

der so manche (nicht nur) Katholiken zur Weißglut getrieben und andere zu Beifallsstürmen hingerissen hat. Letztendlich glaube ich, hat man ihn mit dieser Geschichte mit dem Priesterseminar gelinkt und abgesägt. An der Geschichte ist nach wie vor etwas faul.

Antworten Antworten Gast: Kiebitz
12.05.2012 16:34
0 0

Metropolit

Die Kompetenzen des Metropoliten einer Kirchenprovinz gegenüber den Diözesanbischöfen seiner Kirchenprovinz sind nicht sehr bedeutsam.
Auch die Kompetenzen von Erzbischöfen und Bischöfen gegenüber Orden sind sehr gering.

Antworten Antworten Gast: Puntius
12.05.2012 15:52
1 0

Wie sprechen Sie

über unseren zukünftigen P.P. Pius XIII. ?!

Gast: mama said know
12.05.2012 13:07
15 0

in der ruhe liegt die kraft daher:

http://www.kirchen-privilegien.at/

Gast: Hallo-du-da
12.05.2012 12:06
3 1

Die-

ser eingebildete, selbstherrliche und undankbare Versager-Haufen sollte schön langsam ernsthaft beginnen, sich sorgen um das tägliche Brot zu machen (denn die Felle (oder Fälle ;-)) schwimmen nur so dahin ....)

2 0

entschiedene Entschlossenheit war

war nie sein Geschäft.

Gast: Petrus der erste
12.05.2012 03:34
5 4

Gott ist tot! Nein stimmt nicht!

Er kann nicht tot sein!

Denn er hat noch nie existiert!


0 0

Re: Gott ist tot! Nein stimmt nicht!

eine im Grunde irrelevante Überlegung,
ausser für die menschliche Psyche

Antworten Antworten Gast: wertfrei
12.05.2012 17:49
6 0

ich halte es da mit der Transaktionsanalyse:

Ich bin ok, du bist ok. Gott ist ok - ich bin ok. Ich lasse ihn in Ruhe und er geht mir nicht auf den Geist. - Das hat er ohnehin noch nie getan, - nur alle jene, die sich im Namen einer Religion auf ihn berufen, - die nerven entsetzlich.

 
12

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    04:00
    Wien
    20°
    Steiermark
    18°
    Oberösterreich
    18°
    Tirol
    16°
    Salzburg
    18°
    Burgenland
    20°
    Kärnten
    18°
    Vorarlberg
    18°
    Niederösterreich
    16°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden