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Dalai Lama beendet bisher längsten Österreich-Besuch

27.05.2012 | 13:56 |   (DiePresse.com)

Der Dalai Lama traf bei seinem Besuch österreichische Politiker und Kardinal Schönborn und plädierte für den Schutz der Kultur Tibets.

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Nach insgesamt neun Tagen in Österreich hat der Dalai Lama am Sonntag seinen bisher längsten Besuch in der Alpenrepublik beendet. Bereits in der vergangenen Woche besuchte er Kärnten und Salzburg, am Wochenende stand dann die Hauptstadt auf dem Programm. Aus China kam ein offizieller Protest, das Außenministerium in Wien reagierte gelassen.

Vor rund 10.000 Besuchern sprach der "Ozean des Wissens", so die deutsche Übersetzung für Dalai Lama, am Freitag in der Wiener Stadthalle über Werte in modernen Gesellschaft. Bei einer Solidaritätskundgebung für Tibet am Samstag am Heldenplatz bat der 76-Jährige um Unterstützung für den Schutz der tibetischen Kultur. Neben den öffentlichen Terminen standen auch Treffen mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) sowie Kardinal Christoph Schönborn und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) auf dem Programm.

Religion "Teil der Lösung"

Religionen müssten konstruktiv zusammenleben, so der Tenor der Gespräche. Denn alle Religionen hätten die gleiche Botschaft und würden trotz der Unterschiede das gleiche Ziel verfolgen: "Mehr Mitgefühl, Liebe und Toleranz zu ermöglichen", sagte der Dalai Lama nach dem Treffen mit Schönborn. Religion solle außerdem nicht als "Problem" sondern als "Teil der Lösung" gesehen werden, hieß es auch nach dem Treffen mit Kurz. Aber auch Menschenrechte und die Situation in Tibet wurden diskutiert. Mit dem Treffen wolle er ein "klares politisches Signal für Menschenrechte, für Gewaltfreiheit, für den Dialog" und "gegen Unterdrückung" senden, erklärte Faymann.

Die Gespräche mit Faymann und Spindelegger stießen China, das sich Tibet 1950 durch eine Invasion einverleibt hatte, sauer auf. In einem offiziellen Protest aus Peking hieß es am Samstag, die Treffen stellten eine "schwere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas" dar. Ungeachtet mehrmaliger Drohungen seitens Chinas habe Österreich diese Treffen organisiert. "Die chinesische Seite bringt die äußerste Unzufriedenheit zum Ausdruck und ist entschieden dagegen. Das chinesische Außenministerium und die chinesische Botschaft in Österreich werden in Peking und Wien ernsthafte Demarchen führen." Anfang der Woche hatte der Botschafter in Wien, Shi Mingde, jegliche Kontakte heimischer Politiker mit dem tibetischen Oberhaupt als "nicht nützlich" bezeichnet.

Wille zum Dialog

Im Außenministerium sah man die Kritik gelassen. Weil es sich um den Besuch eines Religionsführers handle, sei kein Widerspruch zur österreichischen Diplomatie gegenüber China gegeben. Österreichs Ein-China-Politik sei weiter aufrecht, betonte auch Bundespräsident Heinz Fischer im Interview mit dem "Kurier". Er selbst traf den Dalai Lama nicht, stellte aber klar: "Ich habe nie gesagt, dass ich keinen Termin frei habe. Das ist frei erfunden".

Der Dalai Lama selbst bekräftigte am Freitag seinen Willen zum Dialog mit Peking. Dieser liegt seit Jänner 2010 auf Eis. Er trete für eine Lösung mit "gegenseitigen Nutzen für Tibet und China" ein, sagte der Friedensnobelpreisträger. Bei dem Vortrag in der Stadthalle trug er seine Idee des "Jahrhunderts des Friedens" vor. Die Gewalt heutzutage sei ein "Versäumnis des vergangenen Jahrhunderts", Terrorismus nur einer der Auswüchse dessen, erklärte der Dalai Lama.

"Win-Win-Situation"

Lobsang Sangay, Premier der Exilregierung Tibets, sprach sich ebenfalls für eine "Win-Win-Situation" mit Peking aus. Tibet strebe eine "echte Autonomie innerhalb der chinesischen Verfassung" an, versicherte er und fügte hinzu, dass seine Regierung jedenfalls die chinesischen Interessen und die Souveränität der Volksrepublik respektieren wolle. "Unser Tag wird kommen", zeigte sich Sangay überzeugt. Seine Hoffnungen auf Lösung der Tibet-Frage setzt der ehemalige Harvard-Professor in eine Ablöse der jetzigen chinesischen Hardliner-Politikergarde.

Im Rahmen einer Europäischen Solidaritätskundgebung für Tibet am Samstagnachmittag auf dem Wiener Heldenplatz bedankte sich der Exil-Premier bei den österreichischen Politikern für ihre Bereitschaft, den Dalai Lama zu treffen. Dies sende ein Signal nach Peking, denn die "Besatzung ist inakzeptabel" und die "Unterdrückung unerträglich". Frankreichs Ex-Außenminister Bernard Kouchner brachte in seiner Rede sein Unverständnis über Behauptungen seitens China zum Ausdruck, Tibeter seien gewalttätig und deren Selbstverbrennungen "terroristische Akte". Dies sei "mehr als lächerlich".

Schutz tibetischer Kultur

Die Forderungen der Kundgebung, die von internationalen Tibet-Organisationen veranstaltet wurde, richteten sich insbesondere an die Europäische Union. Eine EU-Delegation solle nach Tibet reisen, um die Lage dort zu untersuchen. Außerdem möchten die Aktivisten das neue Amt eines EU-Sonderkoordinators in Brüssel sehen.

Die laut Polizeiangaben rund 2500 Teilnehmer der Veranstaltung rief der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, zum Schutz der "einzigartigen" tibetischen Kultur auf. Beim Buddhismus handle es sich um eine "Kultur des Friedens, der Gewaltlosigkeit, der Ehrlichkeit und des Mitgefühls", so der 76-Jährige, der seine politische Funktion im vergangenen Jahr zurücklegte.

Beziehung zu Heinrich Harrer

 

Österreich spielte im Leben des Dalai Lama von jeher eine große Rolle. Allen voran wurde der Bergsteiger Heinrich Harrer für ihn zur Bezugspersonen. Der 2006 verstorbene Harrer verbrachte "Sieben Jahre in Tibet" (so auch das gleichnamige Buch und der Film) und fungierte als Berater, Erzieher und schließlich Freund des 14. Dalai Lama. Zeit seines Lebens musste sich der Kärntner für seine NS-Vergangenheit - er war NSDAP- und SS-Mitglied - rechtfertigen, rund um seinen Tod gab es jedoch wenige kritische Stimmen.

Der Dalai Lama sagte in Klagenfurt, Harrer habe ihn gelehrt, "was Demokratie ist". Der Autor des Buches "Zwischen Hitler und Himalaya. Die Gedächtnislücken des Heinrich Harrer", Gerald Lehner, kritisierte in diesem Zusammenhang die Berichterstattung über den Dalai Lama-Besuch in Österreich. Westliche Medien würden ihm "unkritisch auf den Leim" gehen. Der Umgang des tibetischen Oberhauptes mit der europäischen Vergangenheit sei "fragwürdig".

 

(APA)

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11 Kommentare

... am Freitag in der Wiener Stadthalle über Werte in modernen Gesellschaft?

... viele (außer Schönborn) seiner Heiligkeit lauschten:
.
"Werte in der modernen Gesellschaft" sind für einen, welcher seinen Geistlichen Thron hinter dem Mond weiß, ein sehr pikantes Thema, auch wenn der "Ozean des Wissens" sehr bescheidenen Ausmaße zeigt!

Das, was dieser Mensch immer wieder zum Thema Religion sagt

ist absolut richtig und trifft wirklich für alle Religionen bzw. Kulturen zu. Es geht eben um den Kern, Inhalt der Lehren und gar nicht um Riten, Traditionen, Gottesdienstrituale .....

Die Chinesen, die in ihrer Kulturrevolution (fast)alles ihrer früheren hochstehenden Kultur (Dank Kommunismus, Stalinismus und spez. Mao´s Dung) der Verrohung des Volkes vernichtet haben, fehlt natürlich jeglicher Nerv für Kultur anderer Völker und Politik gar Machtpolitik ist mit sensiblen, feinen Themen wir Religion und Kultur gar nicht vereinbar - insb. dann nicht, wenn man Angst hat, daß die Friedfertigen "Macht" gewinnen könnten. Geistlose Tiere fürchten sich vor Gepenstern --- wie lustig.

Re: Das, was dieser Mensch immer wieder zum Thema Religion sagt

Die CHINESEN haben für die Kulter der Menschheit VIEL mehr geleistet

als diese hinterwäldlerisch-tibetanischen Mönche!

Re: Re: Das, was dieser Mensch immer wieder zum Thema Religion sagt

So, so, haben sie das ??? Und wieso vernichteten sie dann ihre eigene, alte Kultur so umfassend ? --- Das, was jetzt im kommunistisch-maoistischen China an kulturellen Zuckungen stattfindet hat doch wohl mit Kultur im althergrbrachten und vor allem positiven Sinne nichts zu tun.

Kommunistisch-sozialistische "Kulturen" haben nichts den Menschen veredelndes an sich und in diesem Sinne auch nichts Positives, das den Menschen vom Animalischen abhebt.

Vielleicht aber sollte man erst einmal klären, was man unter "Kultur" ( zum Wohle des Menschen ) verstanden sehen möchte.

Re: Re: Re: Das, was dieser Mensch immer wieder zum Thema Religion sagt

Der kulturelle Rückschritt mit dem Maoismus und seiner kommunistischen"Kulturrevolution"

war ein westlicher Import des europäischen Marxismus

und ist schon lange überwunden.

Aber welche Kultur haben die Tibeter zu bieten?

Ranzige Yak-Butter im Tee und Gebetsfahnen im Wind?

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Titelfoto

Intelligent Zwillingsdesign!

Re: Titelfoto

Aber aqui ... Sie lassen nach ..... das ist alles ???

Gast: vor dem arlberg
27.05.2012 16:38
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Filiale Frastanz

Wundert mich, dass er die Filiale in Frastanz nicht besucht hat. Wo doch der Hr. Spieler so ein Multi-Kulti-Typ ist (solange es nach seinem Willen geschieht !). Oder geht's ihm wie dem Hubert: ist ihm Vorarlberg "too small"?

Antworten Gast: Sir Galahead
27.05.2012 22:16
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Re: Filiale Frastanz

Es ist bekannt, dass der Dalai Lama die Shugden Sekte ausgeschlosssen hat aus der Gemeinschaft des tibetischen Buddhismus, wogegen diese auch vehement demonstrieren.
Also wird er die Zweigstelle der Shugden Anhänger in Vorarlberg wohl kaum mit seiner Gegenwart "beehren wollen."

Da schaut !

Die Fekter,much besser aus ;D

Gast: uburoi
27.05.2012 16:02
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drei engel für tscharly!

schwarmintelligenz in ihrer vollsten blüte!.