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Lange Nacht der Kirchen: "In Rom sitzen ja Menschen"

01.06.2012 | 22:53 |   (DiePresse.com)

Kardinal Schönborn nahm in Hinterbrühl Stellung zu kritischen Themen. Er etzt in der Diskussion mit der Pfarrerinitiative auf "Geduld".

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Die Kirchenreform wird nicht von Hinterbrühl ausgehen. Trotzdem war die dortige Pfarrkirche Freitagabend bis auf den letzten Platz besetzt, als sich Kardinal Christoph Schönborn durchaus kritischen Fragen des Journalisten Heinz Nußbaumer stellen musste. Der Anlass: Die Lange Nacht der Kirchen, bei der 615 Gotteshäuser österreichweit zu Veranstaltungen einluden. Und willig ließ sich der Kardinal auf Themen wie Pfarrerinitiative, homosexuelle Pfarrgemeinderäte und sogar den Dalai Lama ein.

Der Kardinal kommt eine halbe Stunde zu spät, er hatte zuvor einem Gottesdienst im Stephansdom im Rahmen der internationalen Caritas-Konferenz beiwohnen müssen. Das musikalische Programm besänftigt währenddessen die Wartenden, Pfarrer Jakob Mitterhöfer verweist in seiner Begrüßung auf die Tatsache, dass die Lange Nacht der Kirchen auf Initiative Schönborns entstanden sei. Als dieser schließlich kommt, kann er sich aber nicht verkneifen: "Es ist eine lebendige Ortskirche. Überall kommen wir nicht zurecht, aber wir bemühen uns sehr."

Ob er seine Vorgänger beneide, will Nußbaumer als erstes wissen. "Nein, ich habe dazu keinerlei Grund", verweist der Kardinal auf etliche geplagte Wiener Erzbischöfe - egal ob durch Reformation, Haft oder Nazis. Und: "Hat es Kardinal König immer so leicht gehabt?" Als von "verunglückten Bischofsernennungen in den 80ern" die Rede ist, mit denen das "Drama" der katholischen Kirche begonnen haben könnte, meint er nur: "Ich gehöre auch zu diesen Bischöfen." Dass Bischöfe "Delegierte des Papstes" seien, bestreitet Schönborn jedenfalls. Trotzdem spricht er von einem "antirömischen Affekt". "In Rom sitzen ja Menschen, Christen, Katholiken." Und: "Eine Idee wäre für mich schrecklich, eine österreichische Nationalkirche."

Obwohl der Wiener Erzbischof auch "andere Probleme" - etwa die Entwicklungshilfe - sieht, ist er bereit, abermals auf die Pfarrerinitiative einzugehen. Von möglichen Sanktionen spricht er diesmal nicht. Stattdessen sei Geduld "immer angesagt", es brauche "ein gewisses Maß an Klärungen". Schönborns Vorschlag: "Es ist eine Sache der Ehrlichkeit zu sagen, jetzt lassen wir das Wort 'Ungehorsam' einmal weg und stellen die Frage, wie geht es den Pfarrern?" Vor allem das "Wegbröseln" der Kirchgänger sei für die Priester "eine enorme Belastung".

Auch zu einem weiteren "heißen Eisen", den Wirbel um einen homosexuellen Pfarrgemeinderat in Stützenhofen, wird Schönborn abermals befragt. "Ich glaube, die kleinste Gemeinde der Erzdiözese Wien, sie heißt Stützenhofen, wird mich noch lange begleiten", meint der Erzbischof, der seine Entscheidung in dieser Causa als "Nicht-intervenieren" bezeichnet. Dass Gott Mann und Frau aus eindeutigem Grund erschaffen habe, ist der Erzbischof - wie von vielen anderen göttlichen Plänen - immer noch überzeugt, aber: "Niemand von uns erfüllt diesen Masterplan."

(APA)

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34 Kommentare
 
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Wenn Sie diskutieren, dann bitte denken Sie daran, dass es höchst wahrscheinlicher ist, dass es keinen Gott gibt!

Die Annahme, dass es keinen Gott gibt, ist deutlich wahrscheinlicher als die Annhame einer Existenz eines göttlichen Wesens.
So gesehen macht es keinen Sinnen aus einer Kirche oder einer Religionsgemeinschaft auszutreten. Ihr Austritt sollte kein Austritt sein ,sondern der bewußte Eintritt, oder die bewußte Befreiung von erniedrigenden und schuldzuschreibenden Dogmen. Sie sind ohne Erbsünde auf die Welt gekommen. Und selbstverständlich können Sie aus tiefstem Herzen Gutes tun und auch beispielhaft und vorbildhaft ihr Leben gestalten.
Und wenn sie eine Glaubensgemeinschaft in diesem Sinne verlassen, dann brauchen Sie überhaupt keine Glaubensgemeinschaft mehr. Sie sind einfach frei! Niemand und nichts behindert ihr Denken. Aber die Sache hat einen Haken. Sie erkennen auf einmal, dass zwischen den religiösen Ritualen von Stammensschamanen in Entwicklungsländern und den hier gepflogenen Bräuchen, die ja größtenteils nur folkloristisches Mitfeiern sind, kein wesentlicher Unterschied ist.

Das mit dem "intelligent Design" ist wohl nichts für die Amtskirche ...

eher selbsterfülltends Desaster.

Gast: Lieschen Müllers
03.06.2012 06:41
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Nachtrag

Verdutzt, verdutzter..

Gast: Lieschen Müllers
03.06.2012 06:39
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schöne Umschreibung

Nach der Diktion des Kardinals dürfte man nunmehr statt "ich habe gesündigt" sagen: "Tut leid, ich war eben mal nicht ganz im Masterplan" Werde ich demnächst ausprobieren und freue mich schon auf einen verduzten Blick.

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opus dei, qui tollis pecunia mundi, dona nobis partem!


Antworten Gast: Su Nuraxi
02.06.2012 23:38
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Und das hat jetzt genau was mit dem Artikel zu tun?

Oder wolltest du nur ein dümmliches Witzchen anbringen, du Adler mit der falschen Endung? (Dass du dich nämlich "Nordnordostwind" oder "Nordnordosten" nennen willst, kann ich nicht so recht glauben.)

Gast: wielan
02.06.2012 13:33
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Man wäre ja schon froh, wenn Journalisten "kritisch" nicht meist mit "provokant" oder mit einseitig "negativ" konnotieren, sondern als "Unterscheiden-können" verstehen.

Womit die Fähigkeit ausgedrückt wird, Sachverhalte aus verschiedenen Perspektiven betrachten und etwas tiefer in die Materie eindringen zu können. Alles in allem setzt das also nicht nur eine Menge Wissen über einen Gegenstand voraus, sondern auch die Fähigkeit Wesentliches von Unwesentlichen trennen zu können und so zu gehaltvollen Fragen zu gelangen, die wiederum neue Erkenntnisse hervorbringt.

Ob Nußbaumers Fragen nun tatsächlich "kritisch" waren, hängt daher nicht davon ab, ob er die allseits bekannten Dauerfragen stellte.

Gast: M. Wolf
02.06.2012 11:47
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durchaus kritischen Frage des Journalisten Heinz Nußbaumer

Wieviele Wochen vorher musste Nussbaumern seine Fragen
vorlegen und welche wurden storniert?

Antworten Gast: Liftup
03.06.2012 15:03
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Re: durchaus kritischen Frage des Journalisten Heinz Nußbaumer

Nußbaumer ist doch im inner circle, der braucht gar nichts vorlegen sondern kennt seine Aufgaben.

Gast: so kann mans auch sehen
02.06.2012 11:32
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Eigentlich war das aber ...

... das aber ein schönes, offenes und unaufgeregtest Gespräch. Kann schon sein, daß man mit dem Kardinal nicht immer einer Meinung ist - aber eines muß man, oder zumindest ich, ihm lassen: Man nimmt ihm seine Demut und seinen Glauben ab.
Auch wenn ich ihn nicht in dieser Radikalität teile.
Was mich andererseits wundert, ist die Intoleranz derjenigen, die Schönborns Glauben nicht mögen und ihn daher persönlich angreifen. Ist das denn die viel eingeforderte Toleranz?

Mir ist jedenfalls - allein schon von der Form her - ein unaufgeregter Kardinal lieber als ein Dorfpfarrer, der sich von News und Format applaudieren lässt.


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Demut und Glauben

Demut ist in der Tat eine wichtige Tugend, sie bedeutet aber etwas mehr als nur Bescheidenheit und Zurückhaltung oder sich kleinmachen bzw. geringsehen.

Demut hat etwas mit Mut zu tun und auch hier nicht allein mit Mut im Sinne von Tapferkeit, sondern auch im Sinne für etwas "ein Gemüt haben", also eine feste und überzeugte Grundhaltung einnehmen.

Demut umfasst also sowohl persönliche Zurückhaltung und Bescheidenheit, als auch tapfer und mit fester Überzeugung für eine Sache eintreten und sie vertreten.

Ob Schönborn nun der tapfere Streiter ist, also Demuat besitzt, ist nach seinen eigenen Aussagen nicht so sicher, denn für diese Eigenschaft lobt er Papst Benedikt und sieht sich selbst nicht so mutig.

Der Glaube erfordert aber eine solche Demut im Sinne des mutigen und überzeugten Aufnehmens und Eintretens für Gottes Wahrheit.

Um so mehr gilt dies für einen Kardinal, der ja nicht sein Purpurrot deshalb trägt, weil es nett in der Öffentlichkeit zu tragen und anzusehen ist und man damit medienwirksam auffällt, sondern weil es ihn erinnern soll, was der von Herzen demütige Jesus -für sein Eintreten um der Wahrheit willen- auf sich genommen hat und der damit sogar das eigene Leben gering geachtet hat.


Im Rom sitzen Menschen?

Was raucht der Kardinal, dass er aus 2000 Jahren Kirchengeschten solche Träume haben kann?

Seit Johannes XXIII sitzen noch weniger Menschen in Rom, sonst würde die Kirche Flagge zeigen, wo sie in Jesu Auftrag dazu aufgerufen hat: Menschenrechte, Frauen in der Kirche, Zölibat, Kinder, Aids, Verhütung ...

Wo ist die Kirche?

Es sind wahrlich die Menschen, die die Kirche ausmachen und mit sicherheit nicht der Vatikan. Wie schon 2000 Jahre bisher.

Antworten Gast: vergilius
02.06.2012 13:35
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Re: Im Rom sitzen Menschen?

und die drei punkterl stehen wohl für abtreibung? die kirche zeigt flagge, aber nicht so wie es der freimaurerisch gesteuerte mainstream sich vorstellt.

Demnach haben Sie weder von der Kirche noch von den Freimaurern eine Ahnung ...

sondern vertiefen sich selbstwissensverliebt in Verschwörungstheorien.

Gesudere.

Damit wir nicht falsch vertehen, ich bin auch gegen Abtreibung.

Antworten Antworten Antworten Gast: Liftup
03.06.2012 06:29
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Re: Demnach haben Sie weder von der Kirche noch von den Freimaurern eine Ahnung ...

Freimaurer sind nun mal ob es passt oder nicht die natürlichen Feinde der röm.kath. Kirche. Sie stehen zu allen wesentlichen Glaubensaussagen quer und wollen selber an einem Tempel nach ihrer Art bauen. Wenn sie doch so tolerant wären die Finger von der Kirche zu lassen, aber gerade da sehen etliche ihr Betätigungsfeld.

Die Finger von DIESER Kirche zu lassen wäre wohl eher ...

ein gesellschaftsrelevanter Auftrag angesichts der dogmatischen, menschenfeindlichen Ausrichtung der Amtskirche in Rom und seinen Hörigen und Abhänigigen. Ich habe "Befreiungsideologie" der mittelamerikanischen Kirche selbst erlebt und weiss, warum der Vatikan mit dem Christentum kaum mehr etwas zu tun hat.

Der Mensch, heute der aufgeklärte, der Menschenrechtskonvention, Kinderrechtskonvention unterworfene, ist gegenstand des christlichen Glaubens. Und dies hat mit den Betonköpfen des Vatikans und der Inquiditatsion des Mittelalters, wie sie dort noch heute lebendig ist, nichts gemein.

Und dabei ist der Kirche jede Verschwörungstheorie recht, ob es die freimaurerische, die jüdische, muslimische oder protestantische ist. Nur, mit Wahrheit hat das nichts zu tun.

Gast: Betonstrukturen
02.06.2012 09:58
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Er etzt in der Diskussion mit der Pfarrerinitiative auf "Geduld".

Wer hat 500 Jahre lang Zeit für diese Geduld??

Gast: die Rache des Journalisten ist das Archiv
02.06.2012 09:00
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ad „heißes Eisen“ und Wirbel um Homosexuellen


Herr Kardinal, ich hätte auch eine Frage:

bereuen Sie es, dass Sie 1997 einen Priester seines Amts enthoben haben, weil er eine Messe für Homosexuelle gelesen hat?


Re: ad „heißes Eisen“ und Wirbel um Homosexuellen

Meines Wissens war das 1999 oder gar im Frühjahr 2000. Tut nichts zur Sache. Mehr Details zu finden in "Abgesetzt durch Schönborn" von Franz Wahala.

Er bereut nichts ...

denn er und sein Bruder sind wahrscheinlich "direkt Betroffene" diese Bannes. Nur dürfen tun sie halt nicht.

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@ „In Rom sitzen ja Menschen“






und was für welche…






Antworten Gast: psychopathen-sucher
02.06.2012 10:49
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Re: @ „In Rom sitzen ja Menschen“

hamma endlich einen gfunden!

Antworten Antworten Gast: skeptisch
02.06.2012 11:52
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Re: Re: @ „In Rom sitzen ja Menschen“

offenbar sitzen viel zu wenige.

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@ „Als von "verunglückten Bischofsernennungen in den 80ern" die Rede ist, mit denen das "Drama" der katholischen Kirche begonnen haben könnte, meint er nur: "Ich gehöre auch zu diesen Bischöfen."“






da hat Kardinal Schönborn recht…






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Um der Wahrheit willen, darf man Schönborn durchaus auch zugute halten, dass er heute all diese Mißbrauchsfälle aufzuarbeiten hat, die bereits weit vor seiner Zeit begangen wurden.



Die überwiegende Zahl der Fälle liegt ja schon bis zu 50 Jahre zurück und da gab es einen anderen Erzbischof und Generalvikar, sowie Äbte deren "Versagen" (soweit sie in allen einzelnen Fällen überhaupt damit befaßt waren) er heute in der Öffentlichkeit zu verantworten hat.


Antworten Antworten Gast: Auf-die-Zehen-Treter
02.06.2012 14:45
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"Die überwiegende Zahl der Fälle liegt ja schon bis zu 50 Jahre zurück und da gab es einen anderen Erzbischof"

Und dieser andere Erzbischof war die meiste Zeit der vielgerühmte, vielgeliebte, hochgepriesene Medienliebling Kardinal König!

 
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