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Kirchenstaat blockt Ermittlungen gegen Vatikanbank ab

11.06.2012 | 18:08 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Die Staatsanwaltschaft Rom will einen Geldwäscheverdacht gegen die päpstliche Hausbank, das sogenannte „Institut für Religiöse Werke“ (IOR), klären. Doch der Vatikan wehrt sich gegen eine "Einmischung".

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Rom. Keine Schnüffeleien! Mit einer ebenso knappen wie entschiedenen Erklärung will der Vatikan verhindern, dass italienische Staatsanwälte intensiver gegen die päpstliche Hausbank, das sogenannte „Institut für Religiöse Werke“ (IOR), ermitteln. Man sei ein souveräner Staat, dessen international garantierte Rechte eingehalten werden müssten, stellt der Vatikan fest.

Die Angst kommt nicht von ungefähr. Den italienischen Ermittlern nämlich hat sich eine einzigartige Informationsquelle aufgetan: Bei einer Durchsuchung von Haus und Büro des gefeuerten IOR-Chefs Ettore Gotti Tedeschi sind den Staatsanwälten 47 Ordner mit Material in die Hände gefallen, unter anderem ein etwa 200-seitiges Dossier, in dem der frustrierte Banker sein Wissen aus dem Inneren der Vatikanbank zusammengefasst hatte. Mit diesem Papier wollte Gotti Tedeschi sich gegen seine Entlassung vor drei Wochen wehren; es sollte an den Papst und – „für den Fall, dass mir etwas zustößt“ – an einen Zeitungsjournalisten gehen.

Die Staatsanwaltschaft Rom hofft nun, dank dieser Aufzeichnungen einige Schwarzgeldaffären klären zu können. Im Zuge der Ermittlungen hat sie bereits einmal 23 Mio. Euro der Vatikanbank beschlagnahmt: Herkunft und Zweck dieser Gelder seien nach den internationalen Regeln gegen Geldwäsche nicht hinreichend belegt, hieß es damals, im September 2010. Um größeren Imageschaden abzuwenden, eilte Gotti Tedeschi seinerzeit zur römischen Staatsanwaltschaft. Er wollte für Transparenz sorgen, eventuell auch über geheimnisumwitterte anonyme Konten beim IOR reden. Genützt hat es nicht viel: Die Millionen blieben zehn Monate gesperrt. Italien gab sie erst frei, als der Vatikan sich ein strenges Gesetz gegen Geldwäsche auferlegte.

Gotti Tedeschi aber begann damals, in Ungnade zu fallen. Die Chefpolitiker im Vatikanstaat nahmen es ihm übel, dass er so freimütig mit den Ermittlern eines anderen Staates zusammengearbeitet hatte.

 

Millionen vor Steuerfahndung versteckt

Der Vatikan konnte damals aber auch nicht so tun, als sei nichts gewesen. Und so feuerte er Angelo Balducci, der den honorigen Titel eines „Ehrenmanns Seiner Heiligkeit“ trug. Oberster Berater des Vatikans in Immobilien- und Anlagefragen und gleichzeitig Chef der italienischen Behörde für alle staatlichen Aufträge, hatte Balducci mit römischen Bauunternehmern gekungelt und – den Ermittlungen nach – etliche Millionen vor den italienischen Steuerfahndern bei der Vatikanbank versteckt.

Gotti Tedeschi behauptet, er habe Licht in das düstere Kontenwesen bringen wollen, sei aber von IOR-internen „Feinden“ blockiert worden. Hingegen wiederholt der Vatikan, der Bankpräsident sei gefeuert worden, weil er als Chef versagt habe: „Transparenz liegt dem Heiligen Stuhl am Herzen.“

Gleichzeitig sind wieder einmal drei interne Briefe an die Öffentlichkeit gelangt. Darin bekunden Mitglieder des IOR-Verwaltungsrats ihre Besorgnis über den Zustand der Vatikanbank. So schreibt der frühere Generalbevollmächtigte der Deutschen Bank und heutige Interimspräsident des IOR, Ronaldo Hermann Schmitz, die Situation habe sich „derart verschlimmert, dass ich eine unmittelbare Gefahr befürchte“. Gotti Tedeschi sei als IOR-Präsident „ungeeignet, das Institut in so schwierigen Zeiten zu führen“, schreibt ein anderes Vorstandsmitglied, der Amerikaner Carl Anderson. Bemerkenswert, dass beide ihren Präsidenten nicht anklagen, die Bank in diese Situation gebracht zu haben; sie sagen nur, er sei ihr nicht gewachsen. Wer die Schuldigen sind, bleibt offen.

 

Maulwürfe graben weiter

Beispielhaft für die Schlammschlacht, die im Vatikan tobt, ist die Veröffentlichung des dritten Briefs. In ihm befindet ein Psychiater, Gotti Tedeschi sei „egozentrisch, narzisstisch, teils von der Wirklichkeit abgehoben“ und leide an einer „psychopathologischen Störung“. Zu dieser Analyse ist der Psychiater nicht bei einer Untersuchung gekommen, sondern nach einem Weihnachtsempfang, bei dem er neben Gotti Tedeschi saß.

Eins ist sicher: Der Schmuggel dieser Briefe nach draußen kann nicht auf das Konto von Paolo Gabriele gehen. Benedikts Butler schmachtet seit drei Wochen in einer Zelle der Vatikan-Gendarmerie; jene Maulwürfe aber, die Dokumente klauen und sie den Medien zuspielen, sind weiter aktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2012)

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24 Kommentare

Geldwäsche im Vatikan?

"Dem Du die Sünden nachläßt, dem sind sie nachgelassen. ...................."

Soweit zum Verständnis der Geldwäsche.

Gast: Darum wurde gelöscht.
15.06.2012 00:04
0 0

Allen Religionslehren gemeinsames göttliches Gebot ist, sein Leben in Bescheidenheit, Demut und Nächstenliebe zu führen

“Wir brennen wahrhaftig vor Geldgier, und indem wir gegen das Geld wettern,
füllen wir unsere Krüge mit Gold, und nichts ist uns genug!“
Sophronius Eusebius Hieronymus,
4Jhdt nach dem Juden Jesu, Kirchenvater, Heiliger, Gelehrter und Theologe der alten Kirche. Einer der vier spätantiken Kirchenlehrer des Abendlandes.

Sollen wir jetzt überrascht sein?


Was sagte Papst Benedikt XVI.?

Das Übel und die Sünde kommt aus dem Inneren der Kirche und des Menschen. Warum sollte der Widersacher vor den Toren des Vatikans gerade in diesem Bereich des Mammons Halt machen?

5 0

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Unterstützung von kriminellen Organisationen, usw.

Das muss man verstehen.

Gott braucht nun einmal Geld,
um auch hier bei uns auf der Erde Macht ausüben zu können.

Auf ewig in einem Luftschloß abzuhängen,
ist langweilig und schlecht für das Ego.

Hier bei uns geht die Party ab.

Sex, Drugs and Rock'N'Roll,
baby. :D

11 1

die rk kirche hat halt mit christentum

nichts zu tun, das heilige getue dient einzig als aushängschild und zur vertuschung bösartigster gaunereien und verbrechen!

leider werden das die noch vorhandenen mitglieder dieser kirche nicht begreifen wollen!

jedenfalls muss in österreich eine totale trennung kirche staat endlich realisiert werden und die förderung dieser kirche mit milliareden steuergeldern eingestellt werden.

Und wenn es dann der ehrenwerten Gesellschaft zu heiß wird,

hängt dann halt wieder einer, die Taschen randvoll mit Ziegelsteinen, unter einer Brücke. Wenn die Schwellenmenge an Geld einmal überschritten ist, gibt es wohl keinen Unterschied mehr zwischen Gut und Böse... ;-)

10 2

Die katholische Kirche

wohl mittlerweile eine kriminelle Organisation?

6 0

Re: Die katholische Kirche

wieso mittlerweile?

2 0

Re: Die katholische Kirche

Genau mittlerweile. :D

Gast: tc_t
12.06.2012 07:53
1 0

na klar.... und jetzt mal raten wieso


Gast: Thinker
12.06.2012 01:54
1 0

Heiliger als den Papst

Vom Vatikan ist bekannt dass es viel, sehr viel Geld besitzt. Trotzdem betteln sie jeden Sonntag um Geld, damit sie noch mehr generieren können. Papst Johannes Paul I wollte die Bank auflösen und das Geld unter den armen verteilen, doch wie lange lebte er? Mit dem Geld den die Bank besitzt und das Gold das jeder auf sich trägt, könnte man sicher vielen Meschen helfen. Soll doch der Papst in ein armes Land der dritten Welt gehen und dort Geld verteilen oder ein paar Tonnen Lebensmittel mitnehmen und verteilen, das wäre ein gutes Beispiel von Liebe und nicht Wasser predigen und Wein trinken! Können Sie sich vorstellen WAS im Vatikan täglich gegessen wird? Einfaches Essen etwa? Nur schon die Schuhe des Paptes kosten ein Vermögen, schauen Sie nach! Echte Vorbilder gibt's leider sehr wenige, leider.

Gast: _gast_
11.06.2012 22:07
12 1

und diese unmoralischen Intreganten

wollen die Priester der Pfarrerinitiative zum Schweigen bringen :o(

Antworten Gast: nur mehr ein Zyniker wenn ich sehe was in der Kirche passiert
12.06.2012 07:31
5 0

Re: und diese unmoralischen Intreganten


fordern von der Pfarrerinitiative G E H O R S A M !!!

Gast: kein Realitätsverweigerer
11.06.2012 21:26
12 0

Die Realität übertrifft

die Fantasie des Dan Brown

Seit Wochen berichten die Zeitungen laufend über die Vorgänge im Vatikan während Die Presse die Vorfälle todzuschweigen versucht. Wenn es Berichte gibt versucht man „genehm“ zu berichten (letzter Artikel am 05.06. „Vatikan beklagt „organisierte Angriffe“ auf den Vatikan“). Worüber Die Presse nicht berichtet – Qualitätszeitungen aber schon:


„Vatileaks“ Ein Papst sieht schwarz (09.06.2012)
http://www.faz.net/aktuell/politik/portraets-personalien/vatileaks-ein-papst-sieht-schwarz-11778384.html

„Die ersten Veröffentlichungen der gestohlenen Texte legten nahe, Anhänger des Papstes wollten Bertone als korrupten und schwachen Verwalter der Kirche bloßstellen. In den Dokumenten war es um die (scheiternden) Bemühungen gegangen, die Vatikanbank transparent zu machen; Bertone ist der Chef im Kardinalsrat der Bankaufsicht. Es waren Vorwürfe veröffentlicht worden, nach denen sich Bertone auch einem transparenten Haushalt der Vatikanstadt widersetze.“


Gotti Tedeschi – Papst-Banker fürchtet um sein Leben (10.06.2012)
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/gotti-tedeschi-papst-banker-fuerchtet-um-sein-leben/6732256.html

„Wie italienische Medien berichten, hat Tedeschi seitenlange Schreiben an den Papst vorbereitet, in dem der ehemalige Santander-Banker die Missstände in dem Finanzinstitut des Vatikans beschreibt. Danach sollen sowohl Politiker als auch streitbare Vermittler und Strohmänner der organisierten Kriminalität chiffrierte Konten bei dem Institut für Religiöse Werke haben […]

Nach eigenen Aussagen soll Gotti Tedeschi um sein Leben fürchten. […] Nach der Darstellung des entlassenen IOR-Präsidenten sollen seine Probleme beim IOR begonnen haben, als er Fragen nach den Namen hinter den Nummernkonten stellte.“




Anmerkung: Die Presse ist im Besitz der Kirche




Antworten Gast: Peter M.
11.06.2012 22:02
6 0

Re: Seit Wochen berichten die Zeitungen laufend über die Vorgänge im Vatikan während Die Presse die Vorfälle todzuschweigen versucht. Wenn es Berichte gibt versucht man „genehm“ zu berichten (letzter Artikel am 05.06. „Vatikan beklagt „organisierte Angriffe“ auf den Vatikan“). Worüber Die Presse nicht berichtet – Qualitätszeitungen aber schon:

Ja, Die Presse ist im Besitz der Kirche, kritische Artikel über die Amtskirche sind spärlich gesät und verschwinden oft schnell im Archiv, aber dieser Artikel ist eine positive Ausnahme.

Dennoch – danke für die Links, gute Hintergrundinformation!

Gast: Heavenleaks
05.06.2012 11:35
32 4

Vatikan beklagt "organisierte Angriffe" auf den Papst

Möglicherweise steckt der empörte Heilige Geist dahinter.

0 0

Re: Vatikan beklagt "organisierte Angriffe" auf den Papst

Ich glaube, dass selbst der Heilige Geist zu schwach ist, um mit dem "Ungeist" im Vatikan aufzuräumen!

Gast: wassolls
05.06.2012 10:26
28 3

der Vatikan organisiert Angriffe auf die Menschen seit 2000 Jahren

Zeit dieser superreichen Gesellschaft den Einfluß abzudrehen, sehe deren Zukunft ohnehin eher in der dritten Welt da jeder mit ein bischen Hausverstand und Bildung deren Doktrin nicht mehr unterstützt.

Gast: Kibietz
05.06.2012 08:43
28 1

Hihihihi! Auch dorten ein arabischer Frühling?

Kommt auch im Gottesstaat eine Demokratie?

Gast: =EHM=
05.06.2012 07:49
19 1

Der arme Mann

selbst Gott steht ihm nicht mehr bei!

1 14

Re: Der arme Mann

woher weißt du das?

Antworten Gast: gast lupo
05.06.2012 08:06
11 2

Re: Der arme Mann

Vielleicht springt ja der "heilige Geist" ein ;-)