Ein orthodoxer Priester aus der südbulgarischen Stadt Sliwen hat seine Gläubigen dazu aufgerufen, die Teilnehmer der bevorstehenden jährlichen Homosexuellen-Parade in Sofia Ende Juni mit Steinen zu bewerfen. Er bezeichnete dies als "geeignete Variante" für Christen sich gegen die "üble Versammlung" zu wehren und rief damit bei Menschenrechtlern heftige Proteste hervor. Kritik übte der Priester auch an Bürgermeistern und Ministern, welche die Veranstaltung zulassen: Sie gehörten mit einem Mühlenstein um den Hals ins tiefe Meer, so die Empfehlung des Geistlichen, wie die Tageszeitung "Standart" am Donnerstag berichtete.
Die Äußerungen des Priesters sorgten bei Menschenrechtsgruppen prompt für Empörung. Die bulgarische Vertretung des Helskinki-Komitees sah sich gezwungen den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft und der Bischofskonferenz der Bulgarischen orthodoxen Kirche (BOK) zu melden. Man sei beunruhigt über den offenen Aufruf zur Gewalt, der gegen die Gesetze des Landes und die Grundsätze der Kirche verstoße, so das Helsinki-Komitee.
Worte "zu buchstäblich" verstanden?
Das kirchliche Internetportal "dveri.bg" kritisierte dagegen, dass die Menschenrechtler die Worte Janakiews "zu buchstäblich" verstanden hätten, vielmehr hätte der Geistliche das Matthäus Evangelium Kapitel 18 Vers 6 zitiert ("Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlenstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde."). Auch der zuständige Bischof von Sliwen wollte gegenüber der Tageszeitung "Monitor" keine eindeutige Stellung beziehen und erklärte nur in Bezug auf die Homosexualität, er könne sich nicht für etwas aussprechen, wogegen die Bibel ausdrücklich sei.
Jährlich verfasst die Heilige Synode der Bulgarischen Orthodoxen Kirche vor der Gay-Parade in Sofia eine Deklaration, welche die Homosexuellen verurteilt.
(APA)
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