Kanada: Spott über falsches Ahornblatt

25.01.2013 | 17:16 |   (Die Presse)

Auf den neuen Dollarnoten des Landes firmiert statt des typisch kanadischen Ahornblatts eines einer norwegischen Ahorngattung, haben Botaniker herausgefunden. Das sei ziemlich traurig, so die Wissenschaftler.

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Ottawa/BRA. Mit ihren neuen Dollarnoten hat Kanadas Notenbank viel Ärger. Erst musste sie Kritik einstecken, weil die synthetischen Polymerscheine von vielen Automaten nicht angenommen werden. Und jetzt setzt es Prügel von Botanikern: Die neuen 20-, 50- und 100-Dollar-Noten zeigten nämlich nicht die kanadische Version des Nationalsymbols Ahornblatt, sondern das Blatt eines „Eindringlings“: des norwegischen Ahorns.

„Es ist ziemlich traurig“, sagt Julian Starr, Botanikprofessor an der Universität Ottawa. Zudem sei es nicht zum ersten Mal passiert, dass Kanada seine Symbole „nicht richtig hinbekommen“ habe.

Die Noten (Foto) sind seit November im Umlauf. Darauf gehört neben dem Bild von Staatsoberhaupt Queen Elizabeth II. natürlich das Ahornblatt, das auch die Nationalflagge ziert. Zunächst nahm an dem Blatt niemand Anstoß, bis Botaniker die Verwechslung aufdeckten: Das Blatt, rügt Starr, stamme von einem norwegischen Ahorn, der im 19. Jh. in Amerika eingeführt wurde und im Osten Kanadas, dem Zentrum der Ahornsirupindustrie, in Konkurrenz zu indigenen Sorten trat, vor allem dem Zuckerahorn. Während dessen Blätter aber drei „Lappen“ haben, hat die norwegische Variante fünf.

Kein Platz für „Immigranten“

Die Nationalbank entgegnet, das Blatt sei eine „stilisierte Mischung“ mehrerer Ahornsorten in Kanada und repräsentiere keine spezielle Spezies. Die norwegische Spezies verdränge einheimische Gattungen und sollte auf Kanadas Währung keinen Platz haben, sagt indes Sean Blaney, Botaniker im „Atlantic Canada Conservation Data Centre“. So eine Verwechslung sei schon oft passiert, etwa auf Logos von Sportveranstaltungen.

Die Erklärung der Bank, es sei bloß eine Stilisierung, nimmt Blaney ihr nicht ab. Das sehe nach einer „nachträglichen Erklärung“ aus. Im Internet kursieren andere Theorien: Vermutlich sei der Notendesigner einfach auf die Straße gegangen und habe ein Blatt aufgehoben. Und weil so viele Norweger-Ahornbäume im Lande seien, habe er ein solches Blatt erwischt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2013)

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2 Kommentare

Botaniker kritisieren, dass es sich dabei um den norwegischen Ahorn handelt.

Die Sorgen hätte ich gern!

Re: Botaniker kritisieren, dass es sich dabei um den norwegischen Ahorn handelt.

Der schaut aber wirklich anders aus. Links auf dem abgebildeten Schein ist der europaeische, rechts, stilisiert, der echte.

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