08.11.2009 11:09 | Meine Presse Merkliste0

Das große "ß" kommt

22.05.2007 | 16:28 |   (DiePresse.com)

Bislang exisitert das scharfe S nur als Kleinbuchstabe, aber das soll sich bald ändern. Jetzt machen sich Schriftdesigner darüber Gendaken, wie das große "ß" aussehen soll.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bei der Rechtschreibreform drohte ihm das schmachvolle Aus. Aber es überlebte - wenn auch als minderwertiges Mitglied der Buchstabenfamilie an den Rand des Alphabets gedrängt: das kleine scharfe S ("ß"). Dennoch ist es aus der deutschen Sprache nicht wegzudenken, insbesondere aus dem Österreichischen. Wer will schon Spass haben statt Spaß?

Der Niedergang des scharfen S muss Mitleid erregt haben, denn inzwischen legen sich mächtige Fürsprecher ins Zeug, damit das "ß" groß herauskommt. Das Deutsche Institut für Normierung (DIN) bemängelt, dass dem "ß" eine Variante für die Großschreibung fehlt.

Die Internationale Standardisierungs-Organisation ISO hat den deutschen Vorstoß der DIN-Leute nun wohlwollend aufgenommen. Das scharfe S soll endlich auch als Großbuchstabe in den internationalen Schriftzeichenkatalog aufgenommen werden. Die deutschen Bundesregierung hat schon im vergangenen September ihren Segen erteilt.

Nach 130 Jahren endlich groß

In einigen Monaten wird dem großen "ß" voraussichtlich ein fester Platz im Zeichensatz ISO-10646 zugewiesen. Damit wäre ein fast 130-jähriger Einsatz für ein großes "ß" doch noch gewonnen.

In den 1950er Jahren zierte das große "ß" bereits den GROßEN DUDEN der DDR. "Aber das ist wieder eingeschlafen", berichtet der Leipziger Typograph Andreas Stötzner. Die eklatante Lücke im Normenkatalog musste bei jedem systematischen Geist Unbehagen auslösen: Bisher gibt es 100.000 verschiedene Schriftzeichen. Auch die Schrift längst ausgestorbener Sprachen ist international standardisiert und normiert, nicht aber ein großes "ß".

Sprachverwirrung: Großes "ß" fehlt

"Das 'ß' ist beileibe kein Exot", rechtfertigt Cord Wischhöfer vom Deutschen Institut für Normierung (DIN) die Bemühungen. Trotz der Krücke "aus 'ß' wird in Großschreibung SS" kommt es zu Sprach- und Sinnverwirrung: War bei der MASSE die Masse gemeint oder waren es die Maße?

Besonders in Namen stellt sich das Problem. Es soll sogar schon Steuerzahler gegeben haben, die die Forderungen des Finanzamts an ESSER oder PREUSS mit dem Hinweis zerrissen, man heiße schließlich Eßer oder Preuß. Die behördliche Großschreibung der Nachnamen birgt somit eine gefährliche Unschärfe, die endlich entschärft wäre. "Deswegen sind schon Prozesse geführt worden", berichtet Stötzner. Schließlich behalf man sich damit, dass um der Eindeutigkeit willen auch in der Großschreibung das "ß" verwendet werden darf.

Nun zerbrechen sich Schrift-Designer den Kopf darüber, wie das große "ß" aussehen könnte. In der von Stötzner herausgegebenen Fachzeitschrift "Signa" sind die Bemühungen der Graphologen bis ins Detail dokumentiert. Das große "ß" sollte dem kleinen Bruder ähnlich sein und nicht mit dem großen B verwechselt werden. Mit mehreren Varianten für gängige Schriftarten haben die Designer das Problem elegant durch unterschiedlich große Bögen und eine unten offene Type gelöst. Allein: In der Handschrift sieht das große "ß" dem versalen B doch wieder zum Verwechseln ähnlich.

Auch für Tastatur

Außerdem müssen auch die Tastaturen-Hersteller eines Tages bereit sein, das "ß" aus seinem Schattendasein unter dem Fragezeichen zu erlösen und zu einer eigenen Taste auf der deutschen Tastatur zu verhelfen, wie es dem dann vollwertigen 27. Buchstaben des Alphabets gebührt - die Umlaute nicht mitgezählt.

Wenn es für mehr Klarheit sorge, wie bei der Großschreibung von Eigennamen, dann sei eine Aufnahme des großen "ß" in den ISO-Zeichensatz sinnvoll, hieß es im Österreichischen Normungsinstitut. Derzeit ist im heimischen amtlichen Regelwerk nur die Ausweichung auf "SS" festgelegt. (Ag./Red.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Gast: Marcus
26.07.2009 10:32
0 0

-

Der Artikel ist zwar schon alt aber trotzdem:

Ich denke, dass die deutsche Sprache momentan die einzige Sprache ist die ein ß verwendet, also warum sollten wir nicht stolz auf dieses tolle Eszett sein?! Da zeigt sich doch mal wieder, dass wie was besonderes sind. Und auch wenn es nicht immer notwendig ist...

A: wem schadet es denn?
B: in vielen sprachen gibt es auch unnötige zeichen wie z.B. im englischen den Apostroph. Notwendig ist er nicht oder das dänische Ö (O mit einem strich durch) oder auch unser Ö.
C: Es beugt Namensverwechslungen vor, sieht toll aus und bringt geld!

Wir brauchen das große ß als vollwertigen buchstaben in unserem Alphabet. VIVA LA ESZETT

Gast: mrkrauhs
25.06.2008 14:23
0 0

Entwürfe für ein großes, scharfes S gibt es schon längst

und ich finde nicht, dass man es, so leicht verwechselt.
http://tinyurl.com/679pcy

Tastaturkürzel, gibt es unter linux, auch schon dafür.

alt gr + shift + ß

unicode position: U+1E9E
HTML dezimal: ẞ

Gast: Psychadelix
22.05.2007 18:43
0 0

Wofür?

Also ganz ehrlich... ich finde ein großes ß unnötig. Soweit ich weiß fängt kein Nomen mit dem Buchstaben ß an und bei großgeschriebenen Eigennamen kann man immer noch auch das kleingeschriebene ß ausweichen. Meiner Meinung nach würde ein großes ß nur unnötige Umstände machen (z.B. eben genannte Umstellung der PC-Tastaturen).

Antworten Gast: Niederländer
16.06.2009 16:24
0 0

Re: Wofür?

Ich denke das mit der Tastatur sollte kein Problem sein, da man z.B. [STRG] oder [ALT] + [SHIFT] + [ß] oder [ALT Gr] + [TASTENKOBINATION AUF DEM NUMPAD]

MfG Tim B.
__________________________________

http://www.gegen-die-tierquaelerei.de.ki

Antworten Gast: Südafrikaner
26.05.2007 13:45
0 0

Re: Wofür?

Man braucht im Österreichischen eigentlich ohnehin kein scharfes S weil bei uns das s nicht wie im (Bundes-)Deutschen auch für den Laut [z] steht.

Würde man die Länge der Vokale anzeigen, könnte man sich des scharfen S und einiger Doppelkonsonanten bequem entledigen. Im gleichen Aufwasch könnte man die Rechtschreibung logisch neu ordnen und mit dem jetzigen Chaos schlussmachen.

Persönlich finde ich es grauenhaft innerhalb von Grossbuchstaben das scharfe S zu benutzen. Man schreibt zwei grosse S und gut is'. Etwaige Bedeutungsunterschiede sollten für Normalbürger aus dem Kontext erschliessbar sein.

0 0

Re: Re: Wofür?

Na, aber wenigstens sollte man es benutzen, wo es vorgeschrieben ist ;o)

Re: Wofür?

darum gehts doch grad, dann "braucht" es jeder - damit lässt sich viel Geld verdienen, und all die Dinge, die neu gedruckt werden müssen...

Schlagzeilen Panorama

  • Fall Kampusch: Ermittlungen gegen Freund des Entführers
    Die Rolle von Ernst H. wird nochmals durchleuchet. Er war ein Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil. Es bestehe der Verdacht, dass H. an der Entführung "unter Umständen beteiligt war", sagt der zuständige Oberstaatsanwalt.
    Schweinegrippe: Ärztekammer wirbt für die Impfung
    Zuerst sollen sich Schwangere und chronisch Kranke sollen sich gegen das H1N1-Virus impfen lassen, sagt die der Chef der Ärztekammer. Später möglichst viele andere.
    Wie das Handy die Welt verändert
    Die Entwicklungsländer erleben eine wahre Telekommunkationsrevolution: Menschen, die nie zuvor Zugang zu einem Telefon hatten, können nun sogar per Handy Bankgeschäfte erledigen und Rechnungen bezahlen.
  • Kalaschnikow: Das Instrument des einfachen Tötens
    Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, Erfinder des berühmten Sturmgewehrs AK-47, feiert kommenden Dienstag seinen 90.Geburtstag. Der greise Konstrukteur sieht sich selbst als Mann des Friedens und der Freundschaft.
    Köln: Grundstein für umstrittene Moschee gelegt
    Die erste repräsentative Moschee in Köln soll in zwei Jahren fertig sein. Das Projekt ist heftig umstritten. Am Rand der feierlichen Grundsteinlegung demonstrierten 60 Rechtsradikale.
    Melange modern: Was Wiener Kaffeehäuser brauchen
    Einst Avantgarde, jetzt Museum? Was Wiener Kaffeehäuser brauchen, um zu überleben. Unter anderem mehr Steckdosen und weniger Respekt vor George Clooney – und vor der Presse. Architekt Gregor Eichinger im Interview.
  • Wien: Der Nazibunker im Gallitzinberg
    Am Westrand von Wien schufen sich die Nazis vor 65 Jahren ein Bunkersystem, das bis heute Anrainer wie Historiker gleichermaßen fasziniert. Eine Ausstellung in Ottakring zeigt nun Tatsachen und Legenden.
    Tirol: Tausende Patienten-Daten weitergegeben
    Die Innsbrucker Uniklinik soll über Jahre 40.000 Datensätze an ein privates Biotechnik-Unternehmen weitergegeben, berichtet "profil". Zuerst habe es keine, dann nur eine schwammige Zustimmungserklärung gegeben.
    Erneut Amoklauf in den USA: Geldnot als Motiv
    Einen Tag nach dem Amoklauf in Texas mit 13 Toten hat in Florida ein hoch verschuldeter Mann hat an seinem Ex-Arbeitsplatz einen Menschen erschossen und fünf verletzt. Drei Stunden später wurde er verhaftet.
  • Wales: Eitler Ganove schickt schöneres Fahndungsfoto
    Eine Zeitung hat in Wales das Porträtfoto eines wegen Einbruchs gesuchten Mannes veröffentlicht. Diesem war die Aufnahme aber zu unvorteilhaft. Er schickte ein neues Bild, das ihn vor einem Polizeiauto zeigt.
    Gedenkfeier: Abschied von der alten Heimat
    Jedes Jahr zu Allerseelen treffen sich die Menschen, die unter den Nazis dem Truppenübungsplatz Allentsteigweichen mussten, zu einer Gedenkfeier. Ein Besuch in Döllersheim.
    Wie ein Provinzscheich Deutschland das Fürchten lehrte
    Der Aufruf eines Scheichs, den Mord an einer Ägypterin zu rächen, hat Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt. Nun hat sich der Imam als islamistischer Wichtigtuer entpuppt.