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China: Der Wolkenkratzer der Rekorde

28.06.2012 | 18:23 |  Aus Changsha berichtet FELIX LEE (Die Presse)

Mitten in einer chinesischen Provinzhauptstadt soll mit 838 Metern das höchste Gebäude der Welt entstehen, und zwar in sieben Monaten. Vielen Bürgern ist das Ungetüm allerdings nicht geheuer.

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Das größte Restaurant der Welt steht bereits in Changsha. Der reichste Chinese der Welt lebt ebenfalls in der Sieben-Millionen-Metropole. Nun soll die Hauptstadt der südchinesischen Provinz Hunan demnächst den höchsten Wolkenkratzer der Welt erhalten – und als wäre das nicht genug auch noch in Rekordgeschwindigkeit.

Das chinesische Bauunternehmen Broad Sustainable Building (BSB) will das Gebäude innerhalb von nur sieben Monaten errichten. Mit 838 Metern wäre der „Sky City“-Wolkenkratzer – so soll der Koloss heißen – zehn Meter höher als der Burj Khalifa in Dubai, das derzeit höchste Gebäude der Welt.

174.000 Menschen sollen auf 220 Stockwerken den Turm von Changsha bewohnen und mehr als eine Million Quadratmeter nutzen. 104 Aufzüge sind geplant, zudem ein Hotel, eine Schule, eine Klinik, selbstverständlich Büros, Geschäfte und Restaurants. Alleine das Erdgeschoss soll 17.000 Quadratmeter umfassen. Geht es nach dem Willen von BSB, wird es mit dem Bau bereits im kommenden Herbst losgehen.

 

Hochbau kommt vor dem Fall

Vielen Bürgern von Changsha ist dieses Gebäude nicht geheuer. „Ich werde bestimmt nicht als Erste nach oben fahren“, sagt eine 27-jährige Passantin in der Innenstadt. Ein anderer bezweifelt überhaupt den Sinn eines solchen „Größenwahns“. Das Wetter in Changsha sei die meiste Zeit viel zu diesig, so der 54-Jährige. „Wir werden die Turmspitze eh nie zu Gesicht bekommen.“

Hochbau kommt vor dem Fall, warnen auch die Analysten von Barclays Capital. Sie haben bereits Anfang des Jahres in ihrem jährlich erscheinenden Wolkenkratzer-Index davor gewarnt, dass es zwischen dem Bau immer höherer Gebäude und einem nahenden Finanzcrash einen engen Zusammenhang gebe. Ihre Begründung: Ein Boom bei diesen teuren Bauwerken weise darauf hin, dass eine große Menge an Kapital fehlinvestiert werde – und daher ein wirtschaftlicher Einbruch bevorstehe.

Die Chinesen planen allein in den kommenden fünf Jahren 80 neue Superwolkenkratzer mit mehr als 240 Metern Höhe. Tatsächlich sind die Preise auf den chinesischen Immobilienmärkten zuletzt deutlich gefallen, im Mai den neunten Monat in Folge.

 

200.000 Tonnen Stahl

Die Baufirma BSB, die sich in China vor allem mit der Herstellung von Klimaanlagen einen Namen gemacht hat, will mehr als 200.000 Tonnen Stahl verbauen. Zu 95 Prozent verwendet man vorgefertigte Teile, die dann auf dem Bau nur noch zusammengefügt werden müssen. Auf diese Weise will die Firma pro Tag gleich mehrere Stockwerke errichten. Man hat bereits gute Erfahrung damit gemacht: Ein 15-stöckiges Bauwerk brachte sie in nur einer Woche fertig. Für ein Gebäude mit 30 Stockwerken brauchten sie 15 Tage. Zum Vergleich: Für den Burj Khalifa benötigten die Bauherren in Dubai mehr als fünf Jahre.

BSB kündigte zudem an, dass der neue Wolkenkratzer besonders umweltfreundlich ausfallen werde. Das Bauwerk werde nur ein Fünftel der Energie verbrauchen, die Gebäude in dieser Größe sonst benötigen. Die Baufirma will das gesamte Gebäude mit LED-Leuchten ausstatten, die Fenster sind vierfach verglast, die Wände speziell isoliert. Zudem werden die Aufzüge mit einer Anlage ausgestattet, die beim Bremsen Energie zurückgewinnt. „Das Projekt wird nicht nur das höchste Gebäude der Welt, sondern auch das energieeffizienteste“, verkündete man stolz.

 

Burj Khalifa doppelt so teuer

Der Preis hingegen fällt verhältnismäßig niedrig aus: Die Entwickler rechnen mit Kosten von umgerechnet rund 500 Millionen Euro. Der Burj Khalifa kostete mehr als das Doppelte.

Der neue Wolkenkratzer von Changsha erzürnt allerdings nicht nur die Stadtoberen von Dubai, sondern auch die von Shanghai. Mit dem 632 Meter hohen Shanghai Tower wollten sie eigentlich Chinas höchsten Wolkenkratzer errichten. Nun könnte er übertroffen werden, noch bevor er überhaupt vollendet ist. Die Fertigstellung ist erst für 2014 vorgesehen.

Die Stadtverwaltung von Changsha hat für „Sky City“ bereits grünes Licht gegeben. Nun steht aber noch die Genehmigung der Zentralregierung in Peking aus. Und da könnte es sein, dass die Shanghai-Fraktion einflussreicher ist als die von Changsha.

Auf einen Blick

Die südchinesische Metropole Changsha will das höchste Gebäude der Welt errichten. Der 838 Meter hohe Sky-City-Wolkenkratzer soll in nur sieben Monaten Bauzeit entstehen. Er wäre um einige Meter höher als der Burj Khalifa in Dubai, würde allerdings weniger als die Hälfte kosten, wenn die Rechnung der Bauherren aufgeht. In Shanghai ist man über den geplanten Bau nicht erfreut, denn dort ging man bisher davon aus, selbst das höchste Gebäude Chinas zu errichten – mit nur 632 Metern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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10 Kommentare

haben die in China keine freie Landfläche mehr daß sie in die Höhe bauen müssen?


Gast: Blankensteiner Husar
28.06.2012 22:29
9 0

Und in Wien brauchens für den Donaucitytower jetzt schon 3 Jahre und das für nicht mal 230 Meter!!!!!

Das ist wohl das mit Abstand langsamste Hochhäusl der Welt.
Dafür wirds aber eh voll ursuper.

Antworten Gast: dsfsdfdsf
29.06.2012 01:01
2 1

Re: Und in Wien brauchens für den Donaucitytower jetzt schon 3 Jahre und das für nicht mal 230 Meter!!!!!

bei uns wir auch auf wenigen hundert metern autobahn oft monateweise herumgeistochert, von jahrelangen generalsanierungen über ganze teilstrecken will ich gar nicht reden.

in anderen ländern geht sowas binnen tagen oder wochen ... aber wir steuerdeppen müssen halt die baufrmen am leben halten, damit sie brav einen teil ihrer auftragsgelder and politiker, unschuldsvermutungen und freunderl der freunderl lange genug verteilen können.

es gilt wie immer die unschuldsvermutung!!!

Re: Und in Wien brauchens für den Donaucitytower jetzt schon 3 Jahre und das für nicht mal 230 Meter!!!!!

Stimmt! Und für den skylink brauchens 8 (!!!) Jahre, der grad mal 20 Meter hoch ist! In der Zeit bauen sie in Dubai ganze Städtteile!!
Naja...

Antworten Gast: Die Bauzeit
28.06.2012 23:50
0 1

Re: Und in Wien brauchens für den Donaucitytower jetzt schon 3 Jahre und das für nicht mal 230 Meter!!!!!

Die Bauzeit ist durchaus üblich, gab angeblich größere Problem mit den Erdbeben-Dämpfern, für Wien sicher ein hohes Gebäude, International nur insofern von Bedeutung das die Stadt jetzt ihren ersten echten Wolkenkratzer mit ach und krach bekommt.

Ansonsten der Amadeusturm der wäre was wirklich feines, vor allem auf der oberen Schüssel in 320 Meter Höhe schwimmen, mit Blick auf die Stadt durch Wasser und Plexiglas ;-)))

Gast: BobbyBaumeister
28.06.2012 21:27
1 0

"Is China experiencing a property bubble?"

- "Absolutely. A property bubble which I think we have never seen."

http://www.youtube.com/watch?v=pbDeS_mXMnM
min 5.57

Gast: BobbyBaumeister
28.06.2012 21:24
1 0

Gebauter Beweis des erstaunlichen (verwunderlichen) Wachstums Chinas

http://www.youtube.com/watch?v=pbDeS_mXMnM
Minute 1.16 Southern China Mall: Die größte Shopping Mall der Welt wurde dann zur "The not so great mall"

Gast: maniac
28.06.2012 21:20
4 2

War ja klar, dass das minimialistische Denken in Europe derartige Projekte nicht gut findet.

Ich find's voll super! Vorwärts heißt die Devise.

Gast: Lasse mich Überaschen...
28.06.2012 21:04
1 0

Nicht das schlechteste!

Solche Bauten, beenden auf jeden Fall die Stadtflucht in den Speckgürtel, wie wir es in Österreich zur Zeit zur genüge erleben samt der Konsequenz einher Zersiedelung.

Bei aller Begeisterung das daraus etwas werden könnte, die 7 Monate müssen ein Übersetzungsfehler sein, für die Fundamentlegung kann man schon mal 2 Monate getrost verrechnen, bleiben noch 5 Monate, dafür braucht es auch noch den notwendigen Stahl, die Hochöfen sind auf Jahre ausgebucht, selbst China kann da keine Wunder bewirken, und das nächste Problem, Fenster, die Firmen die das können, es ist nicht mal eine Hand voll auf dem Planeten, können nicht über lehre Auftragsbücher klagen, realistischer sind schon 21 Monate für den Rohbau, Schlüsselfertig in 28 Monate, und das ist noch verdammt schnell!

Trotz aller Skepsis, Wohnen in Shanghai, der Turm ist schneller vermietet als aufgebaut, wetten!

Antworten Gast: michlauswienabernichthäupl
29.06.2012 08:32
0 0

Re: Nicht das schlechteste!

also ich habe nichts gegen stadtflucht, mal abgesehen davon, dass ich wien davon nichts mitbekomme.

ich bin gerade auf der suche nach einer neuen mietwohnung und da wird einem schon schwindelig wieviel man für eine nciht geförderte wohnung zahlen muss (selbst in den "schlechteren" bezirken).
bei stadtflucht sollten doch die preise sinken, da das überangebot überwiegt, dem ist in wien aber definitiv nicht so, abgesehen avon ist die zuwanderpolitik in wien ja auch spitze. es wird mir schlecht, wenn ich bei neubauprojekten (gefördert) schon lese, so und soviele wohnugen für migranten.... reserviert. hallo gehts noch? in wien gibts genug leute die eine günstige wohnung suchen, da muss man nichts für migranten reservieren>:(

ich für meinen teil finde, das wien viel mehr solche hochhäuser (dc living, monte verde, hochhaus neue donau) vertragen würde. so ein ausblick ist doch durch nichts zu ersetzen, nur bezahlbar sollte das ganze halt auch sein:(