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Überraschendes China: Die Erfolge einer Ökodiktatur

29.06.2012 | 18:43 |  von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Kaum vorstellbar, aber China ist inzwischen das Land mit den weltweit höchsten Ausgaben für den Klimaschutz.

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In der von Autos völlig verstopften Stadt ist es diesig, die Luft riecht nach Schwefel – und das bei stickigen 30 Grad. Die US-Botschaft, die Messungen über die Feinstaubwerte vornimmt, meldet regelmäßig: „hazardous“ – gefährlich. Und dennoch: Wer sich in diesen Tagen in Peking aufhält, mag es zwar kaum glauben, aber es gibt kein Land, das so viel Geld für den Klimaschutz ausgibt wie China.

Zwar hat die Volksrepublik im vergangenen Jahr 720 Millionen Tonnen mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen als 2010. Das sind noch einmal 9,3 Prozent mehr als 2011. Und China hat damit die USA endgültig als weltgrößter Emittent von klimaschädlichem CO2 abgelöst.

Aber auch Fatik Birol, der Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur, bestätigt: Was China über einen so kurzen Zeitraum an Verbesserung der Energieeffizienz und der Bereitstellung an sauberer Energie geleistet habe, zahle sich für die globale Umwelt jetzt schon aus.

 

Größtes Solarkraftwerk der Welt

Tatsächlich hat China 2011 rund 52 Milliarden US-Dollar für den Ausbau von regenerativer Energie und Energieeffizienz ausgegeben – eine Milliarde mehr als die USA. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 17 Prozent. Das reicht zwar bei Weitem nicht aus. Denn bei Wachstumsraten von zehn Prozent und mehr steigt der CO2-Ausstoß noch sehr viel rasanter. Und wenn man sich ansieht, dass der Anteil regenerativer Energie immer noch gerade bei 1,5 Prozent liegt, ist das längst nicht genug. Aber China holt auf. Und auch das hat die Internationale Energieagentur ermittelt: Hätte der Staat nicht so stark eingegriffen, läge der Ausstoß um mehr als 1,5 Milliarden Tonnen höher.

Erste Erfolge der chinesischen Umweltpolitik lassen sich bereits besichtigen. In Goldmud, in der westchinesischen Provinz Qinghai am Rande des tibetischen Hochplateaus, haben chinesische Solarfirmen das derzeit größte Solarkraftwerk der Welt errichtet. Zwei Gigawatt Strom soll die Anlage schon bald produzieren können. Das entspricht der Leistung von einem Atomkraftwerk.

Auch Greenpeace erkennt die Bemühungen der chinesischen Führung an. „China hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Fortschritte erzielt”, sagt Li Yan vom Greenpeace-Büro in Peking. Und tatsächlich: So sehr die westlichen Solarhersteller derzeit über die chinesische Billigkonkurrenz fluchen. Sie hat dazu beigetragen, dass sich nun selbst Menschen in ärmeren Ländern die Installation dieser Anlagen leisten können. „Aus klimapolitischer Sicht ist das eine gute Entwicklung“, sagt Li und verweist darauf, dass sich in China inzwischen auch der größte Markt für Windkraftanlagen entwickelt hat.

Der Club of Rome, ein Zusammenschluss renommierter Unternehmer, Wissenschaftler und Ökonomen, der schon in den Siebzigerjahren auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen hat, glaubt nach einer von ihm verfassten Studie gar, dass die Einparteiendiktatur in China den Klimawandel sehr viel besser in den Griff bekommen werde als westliche Demokratien. Denn in China sei der Markt dazu da, politische Entscheidungen auszuführen und nicht umgekehrt.

 

Langfristig hilft nur Umdenken

So weit gehen die Umweltorganisationen dann doch nicht. Chris Chaplin vom World Wide Fund (WWF) verweist auf Länder wie Deutschland, Norwegen und Schweden, die beim Klimaschutz noch sehr viel erfolgreicher seien als die Volksrepublik. Und das seien ja lebendige Demokratien. Um konkrete Erfolge vorweisen zu können, kann die chinesische Regierung vielleicht ad hoc Fabriken schließen und Fahrverbote erteilen, sagt Li Yan von Greenpeace China. Nachhaltig seien diese Maßnahmen aber nicht. Langfristig müssten autoritäre Regime genauso auf ein gesellschaftliches Umdenken setzen wie westliche Demokratien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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12 Kommentare
Gast: Otto F.Krammer
02.07.2012 08:13
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Neueste Nachricht: D.kauft chin. Elektrobusse,..

weil diese eben nicht in Europa erzeugt werden können, da es hier keine Lithiumzellen gibt.
http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1071786
Bei uns sind sie wiederrum Schlusslicht!

alles ist relativ

und wie schauen die Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung aus?


China ein Land der Superlative

Überraschend ist diese Entwicklung in China vor allem für jene, die nach wie vor in ihrem Weltbild: "Der Westen ist modern, gut und hat die besten Ideen und Lösungen, alle anderen Länder beneiden uns" gefangen sind.

China wird uns noch mit vielen Entwicklungen überraschen!

Antworten Gast: erde_
30.06.2012 09:42
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Re: China ein Land der Superlative

nennen sie mir EINE bahnbrechende chinesiche Erfindung seit der Erfindung des Schießpulvers.

Antworten Antworten Gast: Otto F.Krammer
30.06.2012 14:31
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Re: Re: China ein Land der Superlative

Was nützten unsere Erfindungen, wenn sie im Lande nixwert sind und missachtet, dann bei den Chinesen sehr wohl der Wert unserer Erfindungen zum Ausdruck kommt, wie zB. meine Idee des vielpoligen Radnabenmotor, welcher von Walter Toriser auf der Uni entwickel und dann patentiert hier missachtet und von den Chinesen nun millionenfach produziert wird.

Antworten Antworten Gast: Certha FF
30.06.2012 12:03
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Die Schweiz

kann auf keine einzige "bahnbrechende Erfindung" zurückblicken. Aber auf einen vorbildlichen Wohlstand und auf eine führende Demokratie.

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Re: Re: China ein Land der Superlative

na Porzellan halt. Auch schon so einige Zeit her.

Ach ja!

Auch unsere Grünen träumen von ihrer Öko-Diktatur!

CO2-Kontrolle bei der Atmung usw.

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Re: Ach ja!

gute Idee "CO2 Steuer fuers Atmen"

Gast: Otto F.Krammer
29.06.2012 21:08
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Dass China seine Regionalbusse elktrisch betreibt,..

ist weltweit ein Novum und wurde meine Nachricht vor einem Jahr von Skeptikern befetzt.
Was China auf diesem Sektor leistet, zeigen zB. diese 2 nachfolgenden Links über Lithiumbatterien:
http://yingdalithium.en.alibaba.com/product/483230278-212623927/48V18Ah_Rechargeable_High_Rate_LiPO4_Battery_Packs.html

http://kayobattery.en.alibaba.com/product/526684913-210835345/26650_LiFepo4_rechargeable_battery.html

Zum Vergleich ist Wien bei den PV-Anlagen das Schlusslicht mit 5 Watt pro Einwohner, zum Vergleich hat München bereits 500Watt pro Einwohner!

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Der Strom dafür kommt aber auch in China

nicht einfach aus der Steckdose. Es werden reihenweise Atomkraftwerke gebaut oder sowas wie der Drei-Schluchten-Staudamm ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt. Nur weil ein E-Motor im Fahrzeug ist heißt das noch lange nicht daß das besser als ein Verbrenner ist. Die Probleme werden nur woanders hin verlagert.

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Re: Dass China seine Regionalbusse elktrisch betreibt,..

naja wir brauchen das Geld ja für unsere korrupten Politiker, da bleibt nicht mehr viel für Klimaschutz.Da können wir uns sicher mit China messen.