Bei einem schweren Unwetter in den USA sind mindestens dreizehn Menschen ums Leben gekommen. Die heftigen Gewitterstürme im Osten des Landes haben außerdem Millionen Amerikaner von der Stromversorgung abgeschnitten. Hinzu kommt noch eine Hitzewelle von bis zu 40 Grad. In der Hauptstadt Washington sowie den Bundesstaaten Ohio, Virginia und West Virginia wurde der Notstand ausgerufen. Entspannung war nicht in Sicht: Meteorologen warnten vor weiteren Unwettern, auch mit Abkühlung sei vorerst nicht zu rechnen. Bis die meisten Amerikaner wieder Strom haben, dürften Tage vergehen. Gewitterstürme knickten zwischen Indiana und New Jersey zahlreiche Strommasten wie Streichhölzer um. In Ohio und Virginia beschrieben Versorger die Schäden als katastrophal.
Allein im Großraum Washington, wo die Unwetter am heftigsten wüteten, waren rund 1,5 Millionen Haushalte betroffen. Bewohner sprachen von einer der schwersten Unwetter seit Jahren. I
Notstand ausgerufen
In Washington und den Bundesstaaten Ohio, West Virginia, Virginia und Maryland wurde der Notstand ausgerufen. Virginias Gouverneur Robert McDonnell sprach von einer "sehr gefährlichen Situation" für seinen Staat. Sein Kollege Martin O'Malley in Maryland nannte das Unwetter ein "historisches Ereignis". Präsident Barack Obama sagte Bundeshilfe zu. Teilweise halfen Mitglieder der Nationalgarde bei den Räumarbeiten, an manchen Orten wurden Eis und gekühlte Getränke so knapp, dass aus entfernten Regionen Nachschub angeliefert werden musste.
Die Stürme hatten sich am Freitagvormittag nahe Chicago in Illinois entwickelt und erreichten Spitzengeschwindigkeiten von fast 150 Stundenkilometern. Hunderte Straßen waren durch umgestürzte Bäume blockiert, Läden blieben dunkel und so viele Tankstellen dicht, dass es teilweise schwer war, an Benzin heranzukommen. In Washington und anderen Orten wurden Kinos zum Abkühlen geöffnet und vor allem Kranke aufgerufen, sich möglichst in kühleren Kellerräumen aufzuhalten.
Auch der Zugverkehr war betroffen. So ging zwischen Washington und Philadelphia bis zum Samstagnachmittag nichts mehr. In West Virginia saßen rund 230 Passagiere 20 Stunden in einem - allerdings gut gekühlten - Zug fest: Nach Medienberichten war er auf den Schienen vorn und hinten von umgestürzten Bäumen eingekeilt.
Fünf der 13 Todesfälle gab es "Washington Post" zufolge in der Washingtoner Region. Demnach wurden zwei ältere Frauen von Bäumen erschlagen, die auf die Dächer ihrer Häuser fielen. Zwei Menschen starben in ihren Autos ebenfalls durch umstürzende Bäume, ein Mann erlitt einen tödlichen Stromschlag. In New Jersey kamen laut dem Sender CNN zwei Cousins im Alter von zwei und sieben Jahren beim Campen ums Leben: Sie wurden in ihrem Zelt zerquetscht, als eine Pinie wie ein Streichholz umknickte.
"Ein verdammt heißer Tag"
"Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte ein Bewohner in Bethesda vor den Toren der US-Hauptstadt. "Ohne Klimaanlage - das wird ein verdammt heißer Tag", fügte er lächelnd hinzu. Zeitweise sprach der TV-Sender CNN von über vier Millionen Haushalten ohne Strom.
Die Gewitterstürme reichten von den Bundesstaaten Indiana bis New Jersey - insgesamt fegte der nächtliche Sturm innerhalb weniger Stunden über neun Staaten hinweg. Die Stürme erreichten Spitzengeschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometer.
Hoffnungsschimmer in Colorado
Dagegen gibt es in den Waldbrand-Regionen im westlichen Bundesstaat Colorado einen ersten Hoffnungsschimmer: Hier erleichtern sinkende Temperaturen den Kampf gegen die Flammen. "Unsere Mannschaften machen Fortschritte, 25 Prozent der Feuer sind unter Kontrolle", sagte Tom Tidwell vom US-Forest Service am Samstag. Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden.
US-Präsident Barack Obama sprach den Menschen am Freitag (Ortszeit) Mut zu. "Wenn Naturkatastrophen dieser Art zuschlagen, steht Amerika zusammen", sagte er in einem evakuierten Wohngebiet in Colorado Springs. Niedergebrannte Häuser und völlig ausgebrannte Autos säumten seinen Weg durch das Katastrophengebiet. "Die Zerstörung ist enorm", meinte Obama.
(Ag.)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?