London/J.k. Ein knappes Jahr nach den gewalttätigen Ausschreitungen und Plünderungen in London und weiteren englischen Großstädten fürchtet die englische Polizei, dass sich ähnliche Szenen jederzeit wiederholen könnten – und die Beamten der Situation wieder nicht gewachsen wären. Dies ist das Ergebnis der bislang größten Studie zum Thema, erstellt von der „London School of Economics“ in Zusammenarbeit mit dem „Guardian“.
In anonymen Interviews erklärte eine große Mehrheit der 130 befragten Polizisten, die während der vier Tage andauernden Krawalle im Dienst waren, sie rechneten jederzeit mit neuen Ausschreitungen. „Kommen schlechte wirtschaftliche Zeiten, Hitze und ein weiterer Anlass zusammen, könnte es wieder so weit sein“, wird ein hochrangiger Polizeibeamter zitiert. „Ich glaube, seit August hat sich nichts verändert. Anders ist nur, dass sich viele Leute gedacht haben: Krawalle machen Spaß.“ Auch wenn damals mehr als 3000 Menschen verhaftet und zu teilweise drakonischen Haftstrafen verurteilt wurden, seien viele Randalierer ungestraft davongekommen.
Wie sicher ist Olympia?
Laut Studie waren die Polizisten von der Gewaltbereitschaft der Randalierer und vom Tempo überrascht, mit dem die Ausschreitungen innerhalb weniger Stunden eskalierten. Sie hatten im Londoner Stadtteil Tottenham mit der friedlichen Demonstration wegen des (immer noch ungeklärten) Todes eines mutmaßlichen Gangsterbosses begonnen.
Die Polizeigewerkschaft warnte, dass die Beamten ähnlichen Situationen künftig noch weniger gewachsen wären. Denn die Cameron-Regierung will bis 2015 ein Fünftel der Ausgaben für die Polizei einsparen. Nach dem ebenfalls gestern veröffentlichten Bericht der Polizeiaufsichtsbehörde gefährden die Einsparungen schon jetzt den „effektiven Dienst“, etwa bei der Londoner „Metropolitan Police“. Diese steht indes vor ihrem nächsten Mammuteinsatz: den Olympischen Spielen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

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