"Sensationsfund": Neue Waldseemüller-Karte entdeckt

03.07.2012 | 08:06 |   (DiePresse.com)

Die Globuskarte ist kleiner und jünger als die berühmte drei Quadratmeter große Weltkarte des Kartographen Martin Waldseemüller. Sie wurde in München gefunden und dürfte aus dem Jahr 1507 stammen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

In der Münchner Universitätsbibliothek haben Forscher ein bisher unbekanntes Exemplar der Waldseemüller-Weltkarte gefunden. Zwei Forscherinnen entdeckten die wertvolle, rund 500 Jahre alte Karte zufällig in einem unscheinbaren Bibliothekseinband aus dem 19. Jahrhundert - zwischen zwei Drucken zur Geometrie. "Wir haben einen Sensationsfund gemacht", sagt Bibliotheksdirektor Klaus-Rainer Brintzinger.

Waldseemüller als "Taufpate" Amerikas

Es handelt sich um eine etwas jüngere und kleinere Globuskarte des Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller (1470 - 1522), dessen drei Quadratmeter große Weltkarte berühmt geworden ist. Sie gilt als "Geburtsurkunde" Amerikas, weil der neu entdeckte Kontinent dort erstmals unter der Bezeichnung "America" auftaucht. Waldseemüller gilt als "Taufpate". Bei der Namensgebung hat er sich allerdings geirrt. Er hielt den Seefahrer Amerigo Vespucci für den Entdecker des Kontinentes, nicht Christoph Kolumbus.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übergab die große Weltkarte Waldseemüllers im Jahr 2007 in Washington an die USA. Die Karte war damals genau 500 Jahre alt. Heute steht sie auf der Weltdokumentenliste der UNESCO und ist in der Library of Congress in Washington zu sehen.

Neuer Fund vermutlich aus dem Jahr 1507

Von den kleineren Globuskarten waren bis zum Münchner Fund vor wenigen Tagen weltweit nur vier Exemplare bekannt, eins davon wurde 2005 im Auktionshaus Christie's für umgerechnet mehr als 800.000 Euro versteigert. Die Münchner Karte unterscheidet sich nach Angaben von Sven Kuttner, der in der Uni-Bibliothek die Abteilung "Altes Buch" leitet, von den bekannten Exemplaren. Ihre Herkunft sei nicht vollständig geklärt, sie sei aber vermutlich einige Zeit nach dem Erstdruck aus dem Jahr 1507 entstanden.

Vor mehr als 200 Jahren sei das Exemplar dann vermutlich versehentlich in den Geometrie-Band mit Drucken aus dem frühen 16. Jahrhundert eingebunden worden. Die Bibliothekare hätten die Bedeutung der Karte damals nicht erkannt, sagte Kuttner. Der Band versank "im Dornröschenschlaf" der Bibliothek an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Bis jetzt. Kuttner sagte: "Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen Fund dieser Dimension nicht mehr gegeben."

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare

Wenns zu gut ist um wahr zu sein...

... ist es nicht wahr.

Die Chance, dass es sich um eine Fälschung handelt, ist enorm!

Ich bin erleichtert!

Solange keine "America"-Karte vor 1493 gefunden wird ist die Welt noch in Ordnung. Ich bin richtig erleichtert ;-)!

Alle Karten

die nach der Erfindung des Sextanten
gemacht wurden,sind abgesehen von
der Genauigkeit,sagen wir einmal ok !


Wetter

  • Aktuelle Werte von
    06:00
    Wien
    12°
    Steiermark
    10°
    Oberösterreich
    10°
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    12°
    Kärnten
    10°
    Vorarlberg
    10°
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden