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Wiener Bub auf Nordseeinsel verschollen

03.07.2012 | 15:08 |   (DiePresse.com)

Seit Tagen läuft auf Amrum eine verzweifelte Suche nach dem zehnjährigen Sebastian. Die Polizei schließt einen Unfall aus.

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[Berlin/Gau] Amrum ist eine kleine, friedliche Nordseeinsel, voller Heidekraut, Dünen und Wald. Das lauteste Geräusch ist meist das Gekreisch der Möwen, das spektakulärste Ereignis der Sonnenuntergang. Doch seit einigen Tagen ist alles anders: Eine Wiener Familie, die auf der Insel südlich von Sylt ihren Urlaub verbringt, vermisst ihren Sohn. Der zehnjährige Sebastian ist spurlos verschwunden. Ausgedehnte Suchaktionen blieben bislang ohne Erfolg.

Am Sonntagabend spielte der blond gelockte Bub auf dem „Piratenschiff", einem Abenteuerspielplatz. Als er bis sechs Uhr abends nicht zurückkam, wollten ihn seine Eltern holen - er war fort. Nach einer Stunde gaben sie eine Vermisstmeldung auf, kurz darauf begann eine groß angelegte Suchaktion. Seitdem wurde jeder Winkel der nur sechs Kilometer langen und zweieinhalb Kilometer breiten Insel durchkämmt, zusammen mit dem Wattenmeer und der offenen See rundum. Feuerwehr, die Wasserpolizei, zwei Hubschrauber und Suchhunde waren im Einsatz - vergeblich. Sogar nach frisch gegrabenen Löchern im Sand wurde Ausschau gehalten. Am Dienstag gingen dann 50 Einsatzkräfte die Holzbohlenwege ab, die sich kilometerlang durch die Dünen ziehen. Auch unter den Stegen wurde gesucht. Am heutigen Mittwoch soll die Suche weitergehen.

Ein Fall für „Aktenzeichen XY"

Ein Unfall ist laut Polizei fast ausgeschlossen. Bis zum Meer hätte Sebastian 20 Minuten gebraucht, und der Strand ist völlig ungefährlich: Selbst bei Flut reicht das Wasser nur bis zu den Knien. Ob Unglück oder Verbrechen: Vergleichbare Fälle hat es auf Amrum noch nie gegeben. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Sebastian irgendwie ans Festland gelangt ist, auch wenn die Überprüfung der Fährverbindungen ohne Ergebnis blieb. Die Polizei hat deshalb Fotos des österreichischen Buben ins Internet gestellt. Sie wünscht sich, dass „alle Ausschau halten". Am Mittwochabend wird sein Fall bei „Aktenzeichen XY ungelöst" beschrieben. Die Urlauber sind aufgerufen, Fotos abzuliefern, die sie an Sonntag im Umfeld des Spielplatzes gemacht haben.

Anhaltspunkte erhoffte sich die Polizei von anderen Kindern, mit denen Sebastian am „Piratenschiff" gespielt hatte. Einer hat sich am Dienstag gemeldet. Doch dieser Lukas sagte aus, dass er schon vor Sebastian gegen halb fünf nach Hause ging. Allerdings sei da noch ein dritter blonder Bub gewesen.

Sebastian ging um fünf kurz ins nahe Ferienhaus seiner Eltern und seiner zwölfjährigen Schwester. Er bat seinen Vater, noch etwas länger spielen zu dürfen, und lief zurück zu seinem Gefährten. Nach ihm sucht nun die Polizei. „Vielleicht hat Sebastian dem Kind erzählt, was er noch vorhatte, oder dass er jemand kennen gelernt hat", sagt eine Polizeisprecherin. „Wir greifen nach jedem Hinweis, der irgendwie helfen kann".

 

(APA)

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