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Fukushima: Desaster von Menschenhand

05.07.2012 | 18:11 |  von unserer Korrespondentin Angela Köhler (Die Presse)

Schwere Vorwürfe der Untersuchungskommission: Die Atomkatastrophe von Fukushima ist das Ergebnis von skandalösen Sicherheitsmängeln, bewussten Fehlinformationen und Planungschaos.

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Tokio. Jetzt ist es offiziell: Die Atomkatastrophe in Fukushima wäre vermeidbar gewesen – wenn die Betreiberfirma Tepco, die Tokioter Regierung und die staatliche Atomaufsicht anders reagiert hätten. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchungskommission des japanischen Parlaments, die gestern ihren Bericht präsentiert hat. Die Katastrophe vom 11.März 2011 sei zwar von dem Erdbeben und Tsunami ausgelöst worden. Doch die Schäden wären bei einer angemessenen Reaktion weitaus geringer ausgefallen: „Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand.“

So hätten Regierung, Tepco und die Atomaufsicht gewusst, dass das AKW an der nordöstlichen Pazifikküste Japans nicht den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entspreche. Der Unfall wäre demnach „vermeidbar gewesen“. Denn Tepco war bekannt, dass Fukushima ein starkes Erdbeben nicht aushalten würde. Das Unternehmen hat nach der Katastrophe behauptet, nicht die Erderschütterung, sondern der Tsunami sei an dem Unfall schuld gewesen. Dies sei falsch, so die Kommission. Weiterer Vorwurf: Tepco habe seine Mitarbeiter weder ausreichend auf Unfälle vorbereitet noch geschult.

 

Bevölkerung in die Irre geführt

Zudem habe das Krisensystem der Zentralregierung und der Regionalbehörden total versagt. „Es brach Chaos aus, weil die Bevölkerung nicht rechtzeitig und wahrheitsgemäß informiert wurde. Einwohner wurden in Gebiete evakuiert, die dafür ungeeignet waren, weil sie stärker verstrahlt waren als die ursprünglichen Heimatorte.“ In den Tagen nach der Katastrophe hätten die Behörden die Bevölkerung sogar bewusst in die Irre geführt. Damals verließen etwa 160.000Menschen ihre Häuser nahe dem havarierten AKW, meist in die wegen der Windrichtung vermeintlich sicherere Nordostrichtung. Dabei hatten bereits zu diesem Zeitpunkt US-Militärs rund um die zerstörten Meiler die Radioaktivitätswerte im Umkreis gemessen: Die Höchstwerte befanden sich 25 Kilometer nordöstlich von Fukushima. Die Menschen dort waren einer Strahlenbelastung ausgesetzt, die sonst für ein Jahr zulässig ist.

Aber die staatliche Atomaufsicht und das zuständige Ministerium für Wissenschaft und Technik, denen die US-Messdaten übermittelt worden waren, blockierten die Weitergabe. Selbst das Amt des Premierministers, das die Evakuierung koordinierte, wurde nicht informiert. Grund war vermutlich die totale Überforderung und Planlosigkeit der Behörde.

Durch „effektivere Maßnahmen hätten die Auswirkungen deutlich verringert werden können“, stellt der Untersuchungsbericht nun fest, ohne Details zu nennen. Nicht beantwortet wird die Frage, warum Japan die rund 200 Helikopter für Löscharbeiten und Evakuierungsmaßnahmen von den USA abgelehnt hat. Erklärt wird auch nicht, warum Tepco darauf verzichtet hat, mobile Notstromaggregate, von denen zwei Dutzend in der Nähe stationiert waren, zur Kühlung der Reaktoren einzufliegen. Damit wäre die Kernschmelze vermutlich aufzuhalten oder gar zu verhindern gewesen.

 

Nur drei Feuerwehrfahrzeuge

Auch das Notfallsystem entpuppte sich als lächerlich. Drei Feuerwehrfahrzeuge standen für die sechs havarierten Reaktoren bereit, um das kollabierte Notkühlsystem mit frischem Wasser zu versorgen. Eines wurde vom Tsunami mitgerissen, ein anderes steckte in den Trümmern fest.

Chaos, unvorbereitete Mitarbeiter und Desinformation haben zu absurden Reaktionen geführt, wird im Bericht geschildert: Da den Technikern im Moment größter Panik der Strom für die Instrumente im Kontrollraum fehlte, sammelten sie auf dem Firmenparkplatz Autobatterien ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2012)

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64 Kommentare
 
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Gast: Euratom
06.07.2012 23:45
0 0

Ein bisschen Strahlung hat noch niemanden geschadet.


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...

trifft auf jede unternehmung in oesterreich ebenso zu.

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Menschliches Versagen so weit das Auge reicht

Hauptsache die Deutschen haben in ihrer weltweit unvergleichlichen Panik gleich ihre AKWs, die schon lange ohne gröbere Probleme liefen, zugesperrt.

Bezahlen muss wieder das Volk.

Heute gibt es Reaktortypen, die selbst bei Kühlwasserausfall nicht zur Kernschmelze führen.

Antworten Gast: HWQ
17.07.2012 19:18
0 0

Wenn die supergenauen und den Deutschen technisch überlegenen Japaner

die Kernkraft nicht im Griff haben, sollen die Deutschen es besser können? Na Servas, Gute Nacht.

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Re: Menschliches Versagen so weit das Auge reicht

Sie wollen also ein AKW nur dann zusperren, wenn es gröbere Probleme verursacht - also warten auf einen GAU und dann halt "dicht" machen ("dicht" war auch sarkastisch gemeint!).

Antworten Gast: Der apokalyptische Reiter auf einem sibirischen Tiger!
06.07.2012 11:43
1 0

Re: Menschliches Versagen so weit das Auge reicht

Jedes abgedrehte AKW verringert die statistische Wahrscheinlichkeit eines Unfall!

Und was soll der idiotische Hinweis "die schon lange ohne gröbere Probleme liefen", würde eines mit gröberen Problemen gelaufen sein, wäre halb Deutschland jetzt unbewohnbar!!!!

Gast: gast22
06.07.2012 09:20
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test

das ist ein test

Entweder haben alle Zeitungen dieser Welt bis heute gelogen, oder dieser Bericht hat einen fatalen Fehler!

In aller Welt wurde berichtet, dass die Notstromversorgung im Kraftwerk Fukushima nach dem Erdbeben noch fast eine Stunde lang (hier gibt es unterschiedliche Zeitangaben) einwandfrei funktioniert hat, bis die Flutwelle eintraf und alles unter Wasser setzte. Erst dadurch brach das Notkühlsystem zusammen und die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Jetzt soll das auf einmal "falsch" sein? Sind denn alle Zeitungsreporter Lügner oder Idioten? Da muss man doch eher glauben, dass dieser Bericht "falsch" ist!

Japan ist eines der reichsten

und am höchsten entwickelten (HDI) Länder der Erde. selbst dort versagen Politik und Behörden wenn es wirklich darauf ankommt. um es mit james Dean zu sagen: denn sie wissen nicht, was sie tun.
warum übrigens die osterreicher glauben, bei uns sei es anders (-> siehe obrigkeitshörigkeit) übersteigt meine Logik. ah ja ich weiß schon: ist ja nur a.rschkriecherei. zutrauen tun wir unseren Behörden genauso wenig.

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Re: Japan ist eines der reichsten

Hat die Kumpanei von Kapital und Politik etwas mit dem Entwicklungszustand zu tun?

Re: Japan ist eines der reichsten

Jepp, das ist leider so.

Es gibt eine gute ARTE-Doku über die aktuelle Lage der AKWs in Frankreich, dort sieht die Lage leider auch nicht besser aus.

Re: Japan ist eines der reichsten

Unsere Behörden und Politiker haben zum Glück kein AKW unter ihrer Fuchtel. Irgendwie scheinen sie aber diesen Umstand zu kompensieren und schaffen es trotzdem Schaden anzurichten, sei es nur wenn Steuermillionen in diverse Lobbysümpfe versenkt werden oder hasardierene Unternehmen großzügig gefördert werden um dafür im Gesundheits- und Sozialbereich umso großzügiger den Rotstift anzusetzen.

und

wen meine Tante einen Penis hätte wär es mein Onkel!Dieses immer einen Schuldigen suchen, nach dem etwas pasiert ist ,is immer recht interessant!Was geschehen ist ist nun mal so!

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Re: und

Nur NICHT aus Fehlern lernen!!!!!

Antworten Gast: Br2012
06.07.2012 08:22
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Re: und

Zuerst und "wen" bitte mit nn und ja est ist schon von Interesse zu wissen, dass eine Regierung und deren Kriesensystem komplett versagt hat. Zu ändern ist es nicht mehr, heißt jedoch nicht, dass es ohne Belang ist.

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Re: Re: und

*Krisensystem

Gast: gastnamen
06.07.2012 01:19
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Was kann man glauben?

Reaktor 4 dürfte noch immer Probleme bereiten...

http://www.heute.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/22757012/794be2/Fukushima-Reaktor-4-noch-immer-tickende-Zeitbombe.html

ZT hört sich dies einfach nach Ablenkung an. Einige wissen anscheinend noch immer nicht, was passieren würde, wenn's in Fukushima noch schlimm wird... es gibt Berechnungen wie sich die Radioaktive Wolke ausbreiten würde dann hätten wir und vorallem Amerika ein großes Problem..., und dass Plutonium anders als Uran (kenne die genauen Bezeichnungen nicht) noch gefährlicher ist, dürfte auch außer Frage stehen.

Suchmaschinen sind zum Suchen nach Informationen da, auswerten und hinterfragen wäre generell ein wünschenswerter Ansatz, in allen Bereichen....

Re: Was kann man glauben?

Eine radioaktive Wolke kann nur durch eine schwere Explosion entstehen. Bei Atomkatastrophen kommen solche Explosionen zustande, wenn die Hitze so groß ist, dass Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff reduziert wird und sich der Wassserstoff anschließend entzündet.

Für einen solchen Vorgang fehlt in Fukushima längst die nötige Temperatur, eine radioaktive Wolke kann dort nicht mehr entstehen.

Szenarien, wie in diesem Kommentar geschildert, sind reine Panikmache!

Antworten Antworten Gast: gastnamen
06.07.2012 11:58
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Re: Re: Was kann man glauben?

Keine Hitzeentwicklung mehr?
Woher haben Sie ihre Infos?

Re: Re: Re: Was kann man glauben?

Heiß ist es dort immer noch, aber dass sich eine solche Menge Wasserstoff entwickelt, dass sie eine gewaltige Explosion verursachen kann, müssen sehr große Mengen Wasserdampf auf 1000 Grad und mehr erhitzt werden. Das gibt es dort mit Sicherheit nicht mehr!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gastnamen
06.07.2012 16:46
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Re: Re: Re: Re: Was kann man glauben?

Aber wenn es zu unvorhergesehen Entwicklungen oder einem Erdbeben kommen würde (was ich nicht hoffe), sind doch über dem Reaktor noch glaube über 900 gebrauchte Brennstäbe und sogar neue gelagert. D.h. wenn die Grundstruktur des Gebäudes instabil wird, würde doch die Reaktionen ohne Kühlung wieder von vorn beginnen, damit wäre eine Kühlung der anderen Reaktorblöcke auch nicht mehr möglich...

Re: Re: Re: Re: Re: Was kann man glauben?

Gebrauchte Brennstäbe sind so weit abgeklungen, dass Temperaturen, bei denen sich Wasser zersetzt wohl nicht erreicht werden. Außerdem werden sie niemals in Gebäuden sondern immer im Freien gelagert, sodass eventuell doch entstehender Wasserstoff einfach in die Atmosphäre entweichen und niemals ein zündfähiges Gemisch bilden würde.

Immer noch kein Toter ...

Eine riesige Naturkatastrophe, ein vorher nicht berücksichtigtes Zusammentreffen von Beben und Tsunami, ein ältliches Kraftwerk, suboptimales Krisenmanagement - und immer noch keine Toten, nur Riesensachschaden. Wie deutlich soll man die Sicherheit dieser Technologie denn noch beweisen?

Antworten Gast: Otto I
17.07.2012 19:20
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Doch, es gab Tote

und Sie sind einfach schlecht informiert.

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Re: Immer noch kein Toter ...

Die Deutschen haben sich jedenfalls fast zu Tode erschreckt und alle Werkeln zugesperrt, der Witz dieser Geschichte.


Antworten Gast: Br2012
06.07.2012 08:26
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Re: Immer noch kein Toter ...

Haha, Sie haben von Radioaktivität wohl nicht die geringste Ahnung. Die Sicherheit der Technologie, toller Witz.
Erstens möchte ich nicht wissen, wieviele Tote die jap. Regierung unveröffentlicht lässt (und sagen Sie nicht das würde sie nicht...) und zweitens verursacht Radioaktivität enorme Langzeitschäden. In zehn Jahren die Krebs- und Missbildungsrate vergleichen, dann haben Sie Ihre sichere Technologie.

 
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