Die Familie des auf der Nordseeinsel Amrum ums Leben gekommenen zehnjährigen Sebastian aus dem Großraum Wien ist am Donnerstag nach Österreich zurückgekehrt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Nikolaus Lutterotti, am Freitag. Die Leiche des Kindes ist mittlerweile von den Behörden freigegeben und soll demnächst in die Heimat überstellt werden. Der Zeitpunkt ist nicht bekannt.
In Amrum laufen die polizeilichen Erhebungen zur Klärung des Unfallhergangs weiter. Die Frage, wie es überhaupt zu dem Unglück kommen konnte, ist nach wie vor nicht beantwortet. "Die Ermittlungen dauern noch an. Das benötigt Zeit", sagte Polizeisprecher Wolfgang Friedrichsen von der Polizeidirektion Husum. Die Akte wird anschließend an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Wann dies der Fall sein wird, blieb zunächst offen.
Es gibt noch einige offene Fragen. Zum Beispiel, ob der Bub beim Spielen im Sand eine Schaufel benutzt oder nur mit den Händen gebuddelt hat, sagte die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow am Freitag. Auch steht noch nicht fest, ob Sebastian alleine gegraben hat. Nach Erkenntnissen der Ermittler spielte der Zehnjährige im Laufe des Tages mit mehreren Kindern im Bereich des "Piratenschiffs" am Strand von Wittdün. Einer von ihnen sei ein Lukas gewesen. "Der letzte Spielkamerad, von dem wir wissen", sagte Stielow. Lukas habe den Strand aber gegen 16.30 Uhr verlassen.
Polizei weist Kritik zurück
Medial geäußerte Kritik an der Suche der Polizei in Amrum, dass die Trupps nicht tief genug gegraben hätten, kann der Sprecher nicht nachvollziehen. Man habe aufgrund von unbestimmten Hinweisen an der Unglücksstelle gegraben. Nachdem dort nichts zu finden war, wurde die Suche auf andere Gebiete ausgeweitet.
Sebastian, der mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem Ferienhaus auf Amrum Urlaub machte, galt drei Tage lang als vermisst. Am Sonntag war der Bub gegen 17 Uhr zum "Piratenschiff", einem Klettergerüst auf einem Abenteuerspielplatz am Strand der Gemeinde Wittdün, gegangen. Als ihn ein Familienmitglied eine Stunde später abholen wollte, war der Zehnjährige verschwunden. Darauffolgende Suchaktionen auf der nur etwa 20 Quadratkilometer großen Insel mit einer Hundertschaft an Helfern, Hunden und zwei Hubschraubern blieben zunächst vergeblich.
Der Schnappschuss eines Urlaubers lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis: Das Bild zeigte das Kind beim Graben eines Loches. Die Einsatzkräfte begannen daraufhin erneut und diesesmal sehr zielgerichtet zu graben. Mittwochnachmittag war die Suche beendet. Sebastian wurde mehr als einen Meter tief im Sand verschüttet direkt unterhalb des "Piratenschiff"-Gerüsts entdeckt.
Die am Donnerstag durchgeführte Obduktion bestätigte, dass das Kind beim Spielen im Sand verunglückt und erstickt war. Hinweise auf eine Gewalttat gab es nicht.
(APA)
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