Die Ausstrahlung der Tonbandaufnahmen von Gesprächen zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei hat in Frankreich für Empörung gesorgt. Der 23-Jährige Mohamed Merah hatte sich im März in seiner Wohnung in Toulouse 32 Stunden lang verschanzt, bevor er von der Spezialeinheit RAID erschossen wurde. Auszüge der vorangegangenen Verhandlungen sind auf den Tonbändern zu hören. Wegen der Ausstrahlung des brisanten Materials ermittelt bereits der Staatsanwalt.
Dass er noch für weitere Morde bereit sei, zählt wohl zu den erschreckendsten Aussagen des Attentäters. Während der 32-stündigen Verschanzung im März dieses Jahres bezeichnet Merah sich in den Verhandlungen mit der Polizei als Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida. Seinen Aussagen zufolge wurden ihm Anschläge in den USA und die Herstellung von Bomben angeboten. Er lehne jedoch ab, da die dafür benötigten Materialien in Frankreich schwer zugänglich sind. Er fürchte das Risiko, deswegen schon vor der Tat auffliegen zu können.
Er sei kein Profi, sondern jemand, der ein wenig Ausbildung erhalten habe. Obwohl hinter ihm eine große Organisation stehe, beteuerte er, in Frankreich alleine gehandelt zu haben. Bei vorangegangenen Anschlägen hatte er insgesamt sieben Menschen getötet, darunter drei Kinder einer jüdischen Schule in Toulouse.
Seine Worte waren rauh, naiv und glassen als er mit der Polizei verhandelte. Er hatte unter anderem den Irak, Syrien und Algerien bereist und seit Monaten nach Gleichgesinnten gesucht, die mit ihm bei Djihad-Unternehmen helfen sollten, berichtet die Französische Tageszeitung Le Monde.
Veröffentlichung stößt auf Empörung
Die Veröffentlichung der Gesprächsschnitte stößt in Frankreich auf Empörung. Sowohl der Innenminister Manuel Valls, als auch die Angehörigen der Opfer kritisieren die Vorgehensweise des Senders TF1. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses.
Anwälte der Angehörigen der Opfer versuchen weitere Veröffentlichungen durch rechtliche Maßnahmen zu verhindern. Wie der Fernsehender zu den Aufnahmen gekommen ist, ist bisher unklar. Insgesamt soll er vier Stunden an Material besitzen, berichtet der Spiegel.
Der Sender TF1 verteidigt sich, nur seinem Informationsauftrag nachgekommen zu sein. Die gesendeten Auszüge umfassen "sehr wichtige Informationen über die Art und Weise, wie die Männer der RAID verhandelt haben", teilte die Nachrichtenchefin Catherine Nayl der Nachrichtenagentur AFP mit. Das Dokument beweise, dass die Polizisten bis
zum Schluss versucht hätten, Merah lebend zu ergreifen.
(Red.)
Chronologie: Zwölf bange Tage in Toulouse




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