Der Kapitän des vor der italienischen Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" war nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des Unglücks von einem Telefonanruf abgelenkt. "Ich mache mir selbst Vorwürfe", sagte Francesco Schettino am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender Canale 5.
Er bezeichnete die Havarie als einen "banalen Unfall". Zugleich gab der Kapitän an, er habe zum Zeitpunkt des Unfalls nicht die Kontrolle über das Schiff gehabt, sondern andere Crew-Mitglieder hätten die Navigation geleitet.
Geld für Interview
Das Interview sorgte in Italien für heftige Diskussionen. Der Sender der TV-Gruppe Mediaset unter Kontrolle des Ex-Premiers Silvio Berlusconi soll Informationen zufolge 50.000 Euro für das Interview bezahlt haben. Die Gerüchte, die von Mediaset nicht kommentiert wurden, lösten heftige Proteste aus.
"Es ist absurd, dass Schettino 50.000 Euro für ein Interview bekommt. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Passagiere, die ihr Leben riskiert haben, eine Entschädigung von lediglich 14.000 Euro erhalten haben. Wir fragen uns, ob wir die Stimme einer Person hören wollen, die ganz Italien in Verruf gebracht hat", sagte Massimiliano Dona vom Konsumentenschutzverband UNC.
Schettinos Interview, das Canale 5 Rekordeinschaltquoten bescherte, löste auch heftigen Protest bei den Angehörigen der Todesopfer aus. Aus dem Interview gehe klar hervor, dass Schettino den Schmerz der Angehörigen nicht begreife, sagte Susy Albertini, Mutter der fünfjährigen Dayana, dem jüngsten Concordia-Opfer. "Ich verstehe Schettinos Aussagen nicht. Seine Art, von der Tragödie zu sprechen, ist banal und oberflächlich. Es ist, als würde er nicht begreifen, dass er den Tod von 32 Personen verursacht hat", kommentierte Elio Vincenzi, Ehemann der bei der Havarie ums Leben gekommenen Maria Grazia Vincenzi.
Aus Hausarrest entlassen
Der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio, warf Schettino Widersprüchlichkeiten vor: "Alles war seine Verantwortung. Jetzt stellt er sich als perfekter Kommandant dar, der sich nichts vorzuwerfen hat. Das ist unfassbar."
Vergangene Woche hatte ein italienisches Gericht Schettino aus dem Hausarrest entlassen. Ihm wird vorgeworfen, für den Tod von Passagieren verantwortlich zu sein und die "Costa Concordia" verlassen zu haben, als sich noch zahlreiche Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord befanden.
Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Jänner mit etwa 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen gelaufen und gekentert. 30 Menschen kamen dabei ums Leben. Zwei Passagiere werden immer noch vermisst.
(APA/sda)





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