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Niederlande: Sterbehilfe nahm zu

13.07.2012 | 20:57 |   (DiePresse.com)

Zehn Jahre nach Verabschiedung des „Euthanasie-Gesetzes“ zieht eine Studie Zwischenbilanz. Inzwischen seien die Ärzte mit den Bedingungen, unter denen sie Sterbehilfe leisten dürfen, vertraut.

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Den Haag/Htz. Als die Niederlande vor zehn Jahren als erstes Land ein sogenanntes „Euthanasie-Gesetz“ einführten, das die aktive Sterbehilfe durch Ärzte regelte, hagelte es weltweit Kritik. Der Papst protestierte ebenso wie konservative US-Politiker, die den Vergleich mit dem NS-Regime nicht scheuten.

Nun wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen: Die Zahl der Fälle von ärztlicher Sterbehilfe ist in der ersten Phase nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zunächst gesunken und lag 2005 bei 1,7 Prozent aller Todesfälle. Seither stieg die Quote aber auf 2,6 Prozent im Jahr 2010 an, als 4050 Menschen in den Niederlanden mithilfe eines Arztes in den Tod gingen. Damit wurden 45 Prozent der Sterbehilfegesuche tatsächlich bewilligt, 55 Prozent wegen der strengen Kriterien abgelehnt. Das geht aus einer Studie der drei Universitäten Amsterdam, Rotterdam und Utrecht hervor.

„Der Trend lässt sich so erklären, dass viele Ärzte direkt nach Einführung des Euthanasie-Gesetzes verunsichert waren. Sie wussten noch nicht, wie sie damit umgehen sollten“, stellt Bregje Onwuteaka-Philipsen von der Freien Universität Amsterdam fest. Inzwischen seien die Ärzte mit den Bedingungen, unter denen sie Sterbehilfe leisten dürfen, vertraut.

Thema wurde enttabuisiert


Und die sind sehr streng: Ein Patient muss unheilbar krank sein und bei vollem Bewusstsein den Wunsch zur Sterbehilfe schriftlich geäußert haben. Der Arzt muss die Meinung eines Kollegen einholen, wenn er aktiv Sterbehilfe leisten will. Und er muss im Anschluss den Fall der Ärztekammer melden.
„Das sind klare Vorgaben“, sagt Walburg de Jong von der „Vereinigung freiwilliges Lebensende“: „Die Sterbehilfe findet nun nicht mehr in einer Grauzone statt.“
Auch einen weiteren Effekt hatte das Euthanasie-Gesetz: Das Thema Sterbehilfe ist seither nicht mehr von einem Tabu belegt.

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3 Kommentare
Gast: habermoser
14.07.2012 11:16
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das klingt ja gut und

schön, stimmt aber mehr als misstrauisch. Kein Gesetz ist ohne Lücken, wo gibt es keinen Missbrauch ? Interessanterweise gibt es anscheinend keine Studie, wie die ältere Bevölkerung das sieht, nämlich ganz anders.

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meist geht der freien entscheidung jahrelange folter voraus... die sterbehilfe selbst ist dann nicht mehr in der grauzone... ich mag das nicht!

Gast: KitzE12
14.07.2012 01:57
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Ich weiss nicht, wie ich dazu stehen soll

Prinzipiell sollte jeder Mensch selber entscheiden dürfen, wann er sterben soll - besonders, wenn er das Leben nur mehr als Qual empfindet. Andererseits - wie kann sichergestellt werden, dass es wirklich der Wunsch des Patienten war?

Ärzte (und auch Krankenschwestern) haben zu viel Macht.

Als meine Mutter vor einigen Jahren im Spital war, "zum Einstellen der richtigen Dosis eines Medikamentes" wurde ich plötzlich benachrichtigt, dass es "mit ihr zu Ende geht". Ich fuhr sofort hin. Sie war "niedergespritzt" und in einem Stuhl fixiert, der vor einem offenen Fenster stand (es war Frühling, nicht wirklich warm).

Das Telefon war in unerreichbarer Höhe abgestellt und Trinkwasser war auch keines da. Der Grund dafür dürfte gewesen sein, dass sie nach Hause wollte und das Spital Vollbelegung braucht, damit es nicht als unrentabel aufgelassen wird.

Ich möchte gar nicht dran denken, wieviele Menschen in Österreich so sterben - nein, ins Spital möchte ich nicht mehr.

Es entscheiden immer die Ärzte, wer sterben muss/darf - und diese Entscheidung wird offenbar aus wirtschaftlichen Überlegungen getroffen.