Palm beach/Hub. Noch vor dem Massaker in Aurora sorgte der Batman-Film für hysterische Reaktionen in den USA: Als am Montag dieser Woche die ersten Rezensionen zu „The Dark Knight Rises“ online gestellt wurden, gab es Todesdrohungen von Fans gegen Kritiker, die es wagten, den Film zu verreißen. „Rotten Tomatoes“, die bekannteste Aggregator-Seite für Filmkritiken, sperrte zum ersten Mal die Userkommentare: Marshall Fine, der die erste negative Einschätzung publizierte, solle mit einem Gummischlauch ins Koma geprügelt werden oder „in einem Feuer sterben“ hieß es. Weibliche Kollegen erhielten für ihre Kritiken u.a. E-Mails, in denen ihnen mit Vergewaltigung gedroht wurde.
Eine andere erregte Reaktion zu „The Dark Knight Rises“ könnte weitreichendere Folgen für die US-Politik haben. Donnerstag meldete sich der meistgehörte Talk-Moderator der USA zu Wort: Rush Limbaugh, selbsternanntes Sprachrohr der Tea-Party-Bewegung. Dass der Gegenspieler von Batman im Film Bane heiße, könne kein Zufall sein: Der Name klänge genau wie Bain und erinnere die Leute an „Bain Capital“ – die vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney mitgegründete Investorfirma. Seine Tätigkeit bei Bain machte Romney zum Multimillionär, widersprüchliche Angaben zur Dauer seiner Eigentümerschaft trugen ihm schon Vorwürfe ein.
Batman als politisches Instrument
Limbaugh warnt dagegen vor unterbewusster Beeinflussung: Den Leuten solle der Gedanke eingepflanzt werden, Romney sei eine Kraft des Bösen. Besonders unglücklich über diese Einschätzung war ironischerweise der Erfinder der Figur Bane, Comicautor Chuck Dixon. Der ist selbst ein Konservativer und hat die Figur bereits 1993 für DC Comics kreiert (sie trat 1997 auch schon als Nebenfigur im Film „Batman & Robin“ auf). In „The Dark Knight Rises“ ist Bane ein entstellter Schurke, der das Volk zu einem (vage „Occupy Wall Street“-artigen) Aufstand antreibt und eine Atombombe zünden will.
Schon der vorige Batman-Film von Regisseur Christopher Nolan befasste sich mit Terror-Themen und wurde politisch instrumentalisiert: „The Dark Knight“ wurde 2008 je nach Parteistandpunkt als Kritik oder als Glorifizierung von George Bushs „War on Terror“ interpretiert. Der konservative Moderator Glenn Beck verglich Bush mit Batman, andere identifizierten den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain mit dem Superhelden. Kaum war Demokrat Barack Obama im Präsidentenamt, porträtierten ihn Tea-Party-Anhänger als Batmans psychotischen Gegenspieler Joker: ein Motiv, das die Republikaner bei den Halbzeitwahlen 2010 wieder aufgriffen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)
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