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Dublins 1,4-Milliarden-Euro-Haus

21.07.2012 | 17:38 |  von Siobhán Geets (Dublin) (Die Presse)

Frank Buckley, ein irischer Überlebenskünstler hat sich ein Haus aus alten Euroscheinen gebaut. Nun lebt er zwischen Wänden, die einmal viel wert waren. Geld hat er keines.

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Frank Buckley hat fast alles, was man zum Leben braucht: Küche, Schlafzimmer, eine gemütliche Couch vor dem Fernseher. Nur das WC benutzt er nicht, denn es befindet sich in einem offenen Raum neben dem Wohnzimmer. Die Klomuschel ist voller zerschredderter Geldscheine – eine symbolische Anspielung auf die verschwenderische Lebensweise der Iren während der „Keltischen Tigerjahre“, jener Phase wirtschaftlichen Wachstums, die durch die weltweite Finanzkrise beendet wurde. „Das Klo soll die Menschen zum Nachdenken bringen“, sagt Buckley, „sie müssen endlich anfangen, Fragen zu stellen.“

Buckleys Haus besteht aus ausgedienten Euroscheinen, zerkleinert, zu Ziegeln gepresst, zu Wänden zusammengefügt. Die Bauteile hat er von der Irischen Zentralbank bekommen, Buckley sagt, mittlerweile würden sie es bereuen, wegen des großen medialen Interesses und der Tatsache, dass die Banken Geld vernichten, während das Land in Armut versinke. Jeder Ziegel war etwa 50.000 Euro wert, insgesamt ergibt das 1,4 Milliarden.

Das Haus ist von außen als solches nicht erkennbar, denn es steht im Foyer eines neuen, aber halb verlassenen Bürogebäudes im Norden Dublins. Von der Straße aus erlaubt eine Glasfront einen Blick auf das Vorzimmer: An einem Baum hängen Geldscheine, auch eine echte Zehn-Euro-Note ist dabei. Der Boden ist mit geschredderten Scheinen übersät, mittendurch hat Buckley einen Weg freigeschaufelt. An den Wänden hängen Bilder, Kunstwerke aus Geld. Buckley hat einige Ziegel aufgebrochen und die Fetzen auf Papier geklebt, hie und da sind auch Ein- und Zwei-Cent-Münzen dabei. „Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, sagt Buckley, an seinem Pullover kleben Euro-Schnipsel, „heute werde ich als Künstler anerkannt.“ Demnächst möchte er Workshops für Schulen anbieten, mit Kindern Bilder aus alten Geldscheinen basteln.


Keine Miete. Buckley steht am Eingang und empfängt freundlich Gäste, führt sie herum, erklärt ihnen alles. „Das ist jetzt mein Job“, sagt er. Geregeltes Einkommen hat er keines, er lebt von den Spenden, die Besucher in einer Box hinterlassen. Das Haus ist zu einem Museum geworden, Buckley träumt von einer Wanderausstellung durch Europa. Immer wieder muss er erzählen, wieso er es gebaut hat, sogar die „New York Times“ berichtete über Dublins „Billion Euro House“. „Ich wollte einfach ein Statement machen“, sagt er „etwas erschaffen. Geld kann auf viele Arten verwendet werden.“

Buckley lebt tatsächlich hier. Tagsüber arbeitet er an dem Haus, vor Kurzem hat er ein Schlafzimmer dazugebaut. In der Nacht schläft er in einem kleinen, fensterlosen Raum, auch hier überall die Überreste wertlosen Geldes. In der Küche herrscht Chaos, alle Gegenstände sind mit Euro-Schnipseln beklebt. Badezimmer gibt es keines, Buckley darf aber in einem nahen Fitnesscenter duschen. Das Haus hat keinen einzigen Cent gekostet, und Buckley zahlt keine Miete für den Raum, den es einnimmt. Das Material kommt von Sponsoren, auch die Stromgebühren werden ihm erlassen. „Ich suchte nach einem Wohnort“, erklärt er. Dann hatte er die Idee mit dem Euro-Haus.

Zuvor arbeitete Buckley bei der NGO „Sports Against Racism Ireland“, die er mitbegründet hatte. Dann war er eine Zeit lang in der Musikbranche. Auch bei einer von Mönchen betriebenen Entzugsanstalt für Drogensüchtige in Thailand hat er sich engagiert.


Merkel und Hitler. Buckley spricht viel über die Wirtschaftskrise, die 2008 über Irland hereingebrochen ist. Er schimpft über die ehemaligen Ministerpräsidenten Bertie Ahern und Brian Cowen. „Als wir um das Geld gebeten haben“, sagt er, „haben wir unsere Seelen verkauft.“ Damit meint er die Bedingungen der Troika, die Irland im November 2010 85 Milliarden Euro an Hilfsmaßnahmen gewährt hat. „Irish Republic, born 1922“ steht auf einem Grabstein aus Marmor im Vorzimmer. Und darunter: „Irish Sovereignty, died 2010“.

Wie viele andere Iren auch ist Buckley der Überzeugung, dass Angela Merkel die Alleinherrschaft über Europa anstrebt. Immer wieder fällt der Vergleich mit Hitler. In seinen langen Reden unternimmt Buckley Ausflüge ins Reich der Verschwörungstheorien. Eigentlich, sagt er, wären es die Deutschen, die in der Patsche säßen: „Sie sind auf die Schuldenrückzahlungen angewiesen. Würden Staaten wie Irland und Griechenland nicht mehr zahlen, wäre Deutschland auch bald pleite.“ Buckley sieht sich als Opfer einer Finanzkrise, die die Politiker jederzeit beenden könnten, indem sie einfach die Schulden erlassen. In Europa, sagt er, herrsche keine Gleichheit mehr, wichtige Entscheidungen würden nicht von allen getroffen: „Wir haben nichts mehr zu sagen.“

Fast alles verloren. Die Wirtschaftskrise ist ein emotionales Thema für Buckley. Da er die Last seiner Schulden nicht mehr ertragen konnte, nahm sich ein guter Freund das Leben. Buckleys Projekt hilft ihm, das alles besser zu verarbeiten. Auch er selbst hat viel verloren. Das Haus, das er sich in der Grafschaft Wicklow südlich von Dublin zusammen mit seiner damaligen Ehefrau gekauft hatte, war auf dem übersättigten Markt auf einmal nichts mehr wert. Die Raten dafür zahlt Buckley bis heute. Auf seiner Homepage fordert er Besucher dazu auf, Geld zu spenden, um seinen Schuldenberg zu verringern. „Bis jetzt null von zweihunderttausend Euro erhoben“, steht auf der automatisierten Anzeige.

In letzter Zeit ist auch sein neues Heim nicht mehr sicher. Zwei Mal brachen Jugendliche ein, weil sie glaubten, dass es hier tatsächlich etwas zu holen gibt. Sie haben Buckleys Spendenbox mit achtzig Euro und den Schlüssel zu seinem Auto mitgenommen. Dabei ist unschwer zu erkennen, dass er kein Geld hat und im Winter nicht heizen kann. Aber das macht nichts, sagt Buckley: „Auch im Winter war es relativ warm. Geld eignet sich hervorragend zur Isolierung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)

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1 Kommentare

ich find das....

....megacool ! Hahaha...