24.05.2013 12:36 Merkliste 0

Amoklauf: Mehr als 30 Granaten in Attentäter-Wohnung

24.07.2012 | 05:46 |   (DiePresse.com)

Der 24-Jährige soll zwölf Menschen getötet und 58 verletzt haben. Vor Gericht verweigerte er die Aussage. Die Staatsanwältin will die Todesstrafe fordern.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Nach dem Amoklauf bei einer Kino-Premiere des neuen "Batman"-Films im US-Bundesstaat Colorado sind weitere Einzelheiten über das mit Sprengstofffallen gesicherte Apartment des mutmaßlichen Schützen ans Licht gekommen. Wie der Nachrichtensender CNN am Montagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Polizeikreise berichtete, soll der 24-jährige Student James Holmes in seiner Wohnung mehr als 30 selbstgebaute Granaten und Behälter mit insgesamt fast 40 Litern Treibstoff platziert haben. Sprengstoffexperten hätten den Zündmechanismus mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters ausschalten können.

Bei einer Explosion wäre wohl das ganze Stockwerk zerstört worden, mutmaßte ein Behördenvertreter im Gespräch mit CNN. "Die Feuerwehr hätte bei ihrem Eintreffen ein Gebäude vorgefunden, dass vollständig in Flammen gestanden hätte." Die Granaten waren demnach über Drähte mit einem Schaltkasten in der Küche verbunden. Die Box sei mittlerweile zur Untersuchung an Experten der Bundespolizei FBI geschickt worden. Die Polizei hatte am Samstag mitgeteilt, die von der Wohnung ausgehende Gefahr entschärft zu haben.

Staatsanwältin beantragt Todesstrafe

Der mutmaßliche Todesschütze ist am Montag erstmals vor Gericht erschienen. Ein Richter in Centennial konfrontierte den 24-Jährigen erstmals öffentlich mit den Haftgründen. James Holmes soll am vergangenen Freitag bei einem Amoklauf während einer Premiere des neuen "Batman"-Films zwölf Menschen getötet und 58 verletzt haben. Die offizielle Anklage soll am kommenden Montag erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft prüft, die Todesstrafe zu fordern. Diese kann im Bundesstaat Colorado bei besonders schweren Taten verhängt werden. 

Ob es dazu komme, hänge vom Einverständnis der Opferfamilien ab, erklärte Staatsanwältin Carol Chambers. Es sei eine Entscheidung, die "sich viele Jahre auf sie auswirke". Die Todesstrafe müsse innerhalb von 60 Tagen nach der Anklageerhebung beantragt werden. Sie wird in dem Bundesstaat äußerst selten verhängt.

Prozess könnte erst in einem Jahr starten

Fernsehbilder zeigten einen jungen Mann mit grell orange gefärbten Haaren, der während der Anhörung anscheinend Mühe hatte, die Augen offen zu halten. Der Mann trug dunkelrote Gefängniskleidung. Holmes verweigerte jegliche Aussage und ließ seine Pflichtanwältin für sich sprechen. Beim Aufstehen musste sie ihn stützen.

Er ist nach Angaben der Staatsanwältin in Isolationshaft. Sie sagte nach der Anhörung, es könne bis zu einem Jahr dauern, bis der Prozess eröffnet werde. Es gebe eine gewaltige Menge an Beweisen, die genau geprüft würden wie in jedem anderen Fall auch.

Obama besucht Überlebende

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Überlebenden und Angehörigen der zwölf Opfer Trost gespendet. Sie hätten gemeinsam geweint und sich umarmt, sagte Obama nach seinem Besuch im Krankenhaus des Vororts von Denver. "Ich bin zu ihnen weniger als Präsident denn als Vater und Ehemann gekommen", sagte er nach dem mehr als zweistündigen Besuch.

Er habe junge Menschen gesehen, deren Überleben vor 24 Stunden noch unsicher gewesen sei, "und nun sind ihre Augen offen, sie sind wach, sie reden, und dies erinnert einen daran, dass das Leben selbst in den dunkelsten Zeiten weitergeht", sagte Obama.

Auch die Familie des mutmaßlichen Todesschützen meldete sich in der Nacht auf Dienstag zu Wort. "Die Familie möchte bekräftigen, dass sie mit dem Herzen bei den Opfern und deren Familien ist", sagte die Anwältin Lisa Damiani im TV-Sender CNN. Zugleich appellierten die Eltern, der Fall solle vor Gericht und nicht in den Medien entschieden werden. Die Familie halte sich an einem geheimen Ort auf, sagte die Anwältin.

Ladehemmung verhinderte noch mehr Tote

Nach einem Bericht der "Washington Post" hätte James Holmes möglicherweise noch mehr Menschen erschossen, wenn sein Sturmgewehr nicht Ladehemmung gehabt hätte. Mit der halbautomatischen Waffe können laut der Zeitung 50 bis 60 Schuss pro Minute abgefeuert werden. Die Polizei bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Tausende Menschen gedachten am Sonntag vor dem Rathaus von Aurora an die Opfer des 24-jährigen Studenten. Das jüngste von ihnen war ein sechsjähriges Mädchen, dessen Mutter schwer verwundet wurde. "Unsere Herzen sind gebrochen, nicht aber unsere Gemeinschaft", sagte Bürgermeister Steve Hogan. Colorados Gouverneur John Hickenlooper weigerte sich, den Namen des Täters zu nennen. Er sprach lediglich von dem "Verdächtigen A", was die Menge mit Applaus quittierte.

Aurora: Kinopremiere wird zum Albtraum

Alle 17 Bilder der Galerie »

Motiv weiter unklar

Der mutmaßliche Täter war kurz nach dem Blutbad hinter dem Kino festgenommen worden. Die Polizei habe ihn erkannt, obwohl er wie ein Mitglied einer Spezialeinheit ausgesehen habe, sagte Polizeichef Dan Oates. Nach Angaben der Behörden bleibt Holmes zu seinem eigenen Schutz derzeit in Einzelhaft. Sein Motiv ist nach wie vor unklar.

Laut den Ermittlern hatte der 24-Jährige in den vergangenen beiden Monaten mehr als 6000 Schuss Munition für Sturmgewehre und Pistolen gekauft. Zudem soll er vor wenigen Wochen versucht haben, einem privaten Waffenclub beizutreten. Weil er jedoch dem Besitzer merkwürdig vorgekommen sei, sei er nicht aufgenommen worden, berichtete der Sender Fox News.

Holmes hatte zudem seine Wohnung mit tödlichen Sprengfallen abgesichert. Nachdem sie entschärft waren, beschlagnahmte die Polizei einen Computer. Berichte des Fernsehsenders CNN, wonach auch eine Batman-Maske gefunden wurde, bestätigte sie zunächst nicht.

 

Zwischenfälle bei "Batman"-Vorführungen

Im US-Staat Maine wurde Polizeiangaben vom Montag (Ortszeit) zufolge ein Mann festgenommen, der "The Dark Knight Rises" gesehen und einen Tag später damit gedroht hatte, einen ehemaligen Mitarbeiter zu erschießen. In Südkalifornien wurde bereits am Sonntag ein Mann während einer Nachmittagsvorstellung des "Batman"-Films in Gewahrsam genommen, nachdem er Augenzeugenberichten zufolge Drohungen geäußert und auf das Blutbad in Colorado verwiesen hatte.

Auf einen Blick

Ein Amokläufer tötete in der Nacht auf Freitag in Aurora (US-Staat Colorado) zwölf Menschen während einer Filmvorführung. Alle zwölf Toten wurden identifiziert.
Unter den Opfern ist auch ein sechs Jahre altes Mädchen, wie die zuständige Gerichtsmedizin mitteilte. Die meisten Opfer waren zwischen 20 und 30 Jahre alt. Der mutmaßliche Amokläufer erschien am Montag erstmals vor Gericht erscheinen.

(APA/dpa/Red. )

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

86 Kommentare
 
12 3

..

Ich glaube nicht dass die Staatsanwältin die Todesstrafe fordern will. Weil es sich um einen Amok handelt. Und wenn Amokläufer die Todesstrafe kriegen, dann wird sich in Zukunft keiner mehr ergeben.Die Leute wollen eine Erklärung für das Ganze. Und wenn man diese Leute hinrichtet, ist das kontraproduktiv, Viele davon gibt es nicht, da fast alle sich umbringen. Also wird es keine Todesstrafe geben.

Gast: willi1
24.07.2012 20:13
0 0

typische Presseschlagzeile

wie bitte paszt die Ueberschrift, die ein Faktum berichtet
"Staatsanwaeltin beantragt Todesstrafe"
mit den Tatsachen zusammen die im folgenden Paragraph berichtet werden:
"...Ob es dazu komme, hänge vom Einverständnis der Opferfamilien ab"

Das faellt genau in die Reihe mit den ueblichen Presse-Freitagsschlagzeilen "A klagt .....Strabag, Bank Austria.... (Firmenname beliebig austauschbar) nur um dann im Artikel zu schreiben, dasz wieder einmal irgendwer was angekuendigt hat, ohne dasz es jemals umgesetzt wird. Korrekturen von der Presse dazu gibt es natuerlich nie aber irgendwer ist wieder in den Schmutz gezogen worden.

Pretty ugly von der Presse

Re: typische Presseschlagzeile

stimmt !
eine staatsanwälTIN...das ist ja ein völlig schwac hsin nig....diese frau wird bei diesem fall wohl ein wenig überfordert sein !

Gast: pablo2
24.07.2012 17:10
0 1

Kinder bei Mitternachtspremiere

Wieso stellt in der öffentlichen Diskussion zu dem Thema niemand die Frage, warum bei der Mitternachtspremiere eines Actionfilms soviele Kinder (und sogar Babies) anwesend waren?

Ist dies in den USA erlaubt?

Abgesehen davon sollten doch die Eltern soviel Verantwortungsgefühl haben, ihre kleinen Kinder vor solchen angsteinflößenden Erlebnissen (Gewaltszenen, Schießereien, schnell wechselnde Einstellungen, Lärm) zu bewahren.

Die US-Filmindustrie, die ständig neue, noch gewalttätigere Filme mit großem Marketingaufwand in die Kinos bringt, hat Mitschuld an dem Massaker.

Die Verherrlichung der Gewalt und des Tötens kann bei psychisch labilen Menschen offenbar dazu führen, dass sie selbst einmal so ein Super-Bösewicht sein wollen, um dadurch bekannt zu werden.

Antworten Gast: willi1
24.07.2012 20:20
1 0

Re: Kinder bei Mitternachtspremiere

That's America. Wenn ein nackter Hintern fuer 2 Sekunden ueber die Leinwand huscht, darf man vor Erreichen des Penssionsalters nicht in den Film (und dann nur in Begleitung der Eltern), aber wenn die Koepfe runterfliegen und das Blut um Mitternacht spritzt, kann jedes Baby rein.

Gast: Wasserlaeufer
24.07.2012 15:47
0 2

An vielen Haustueren kann man

einen Aufkleber finden der besagt:

"This home is protected by Smith&Wesson"

Nun nach der Ladehemmung der AR 15
wird sich wohl niemand mehr eine
Smith & Wesson kaufen.
Die Qualitaet ist einfach nicht mehr das was sie einmal war.

So wie vieles with Americans who always stand
on "Upper Moral Ground".

http://www.smith-wesson.com/webapp/wcs/stores/servlet/CustomContentDisplay?langId=-1&storeId=750001&catalogId=750051&content=11001

Heutzutage vertrauen die Amerikaner der Glock
Pistole wie ich von vielen Amerikanern gehoert habe. Das Wort Glock hat einen guten Klang in America und hat sich wieder einmal bewaehrt.

Re: An vielen Haustueren kann man

prinzipiell haben sie recht, aber von waffen haben sie keine ahnung !

ist das alles, was ihnen dazu einfällt?


Die Amerikaner sagen außerdem über die Glock, dass die Österreicher...

...sie deshalb Großteils aus Plastik gebaut haben, damit sie ihnen in den Bergen nicht einfriert.

Antworten Gast: Cohimbra
24.07.2012 16:02
0 0

Re: An vielen Haustueren kann man

Ohne mich genauer damit auszukennen, aber wurde/wird die AR-15 nicht von Colt hergestellt?

Re: Re: An vielen Haustueren kann man

die ar15 wird mittlerweile von "unzähligen" waffenfirmen hergestellt...
es ist ein beliebtes und mittlerweile sher zuverlässiges system...vorausgesetzt man wählt keine amerikanische 15ner sondern ein deutsches !

Amok wird immer wieder vorkommen

die menschliche Psyche kann nun einmal entgleisen. aber dass es möglich ist, sich im Internet legal Militarwaffen zu zu besorgen, begründet die Mittäterschaft dieses Staats. der Jurist nennt die Vorsatzform dolus eventualis (bedingter Vorsatz).

2 2

Re: Amok wird immer wieder vorkommen

Unsinn. Auch in Österreich kann man an Waffen kommen wenn man will. Kein Verbrecher ist scharf darauf einen Waffenschein bei sich zu haben, wenn er irgendwo Leute niederschießt. Sie sind schon erstaunlich naiv.

1 10

Da fällt mir was ein


alle Gewalt-Medien tragen diese SCHULD klar MIT

- Computer/Online Spiele
- Filme
- Zeitungen

Mit diesem ganzen Sch... wird die Jugend vollgestoppt.

Irgendwann möchte so mancher mitmachen.

Antworten Gast: fredl001
24.07.2012 16:01
3 1

Re: Da fällt mir was ein

solche personen wie sie machen sich das leben einfach, nicht?
ego-shooter, gewaltfilme, etc. sind nur eine gefundene ausrede für die personen im umkreis solcher feigen mörder, weil sie sich nicht eingestehen können, dass sich solche personen vor ihren taten verändern und isolieren.
sie werden zu eigenbrötlern und vermeiden kontakt zu anderen mitmenschen bis sie ihren entschluss gefasst haben und es knallt. die täter kommen meißt aus zerütteten falilienverhältnissen und werden von ihrer umwelt nicht ernst genommen und ausgeschlossen. das sind die wahren gründe weil sie bei ihren taten eine art macht über ihre umwelt verspüren.

also schieben sie es nur weiter auf computerspiele, denn die thematik übersteigt ihren horizont bei weitem...

mfg

Antworten Gast: Cohimbra
24.07.2012 15:58
0 0

Re: Da fällt mir was ein

Mitschuld ist relativ... Bei einem psychisch Gestörten reicht oft auch ein schiefer Blick.

Antworten Gast: TT1
24.07.2012 10:01
1 4

Re: Da fällt mir was ein

ich sehe es etwas einfacher: man kommt in den USA einfach zu leicht an Waffen heran. Waffengesetz radikal umbauen und auf europäische Verhältnisse anpassen.

Re: Re: Da fällt mir was ein

Wenn Sie in Europa an eine illegale Waffe gelangen wollen, geht das auch sehr einfach. Blöd nur, daß illegale Waffen bereits verboten sind...

Re: Da fällt mir was ein

Genau!

Denn bis zum 21. Jahrhundert war die Welt nur voller netter und lieber Menschen die weder zynisch noch sadistisch Gewalt an ihren Mitmenschen ausgeübt haben.

Computer beschlagnahmt

Na irgendeinen Shooter werdens schon drauf finden und dann hamma bequemerweise eh gleich den Schuldigen.

Warum

mutmaßlicher Attentäter?

Gibt es noch andere Verdächtige?

Gilt die Unschuldsvermutung?

Re: Warum

Klarerweise ist in einem Rechtsstaat jeder unschuldig bis das Gericht das Gegenteil feststellt.

Zwar handelt es sich in diesem Fall um eine Formsache aber dennoch gibt es noch kein Urteil.

Und warum hat er diese Tat begannen?

Weil er wusste, dass er dadurch Aufmerksamkeit erhält.

Re: Und warum hat er diese Tat begannen?

na wenn sies sagen...

Gast: GNessmann
24.07.2012 01:13
2 7

Ich hoffe

der Staatsanwalt wird die Todesstrafe fuer diesen Massenmoerder fordern!

Gast: DerKlabautermann
24.07.2012 00:15
3 0

Welcome to Jail

"..der während der Anhörung anscheinend Mühe hatte, die Augen offen zu halten. "
"Beim Aufstehen musste sie ihn stützen."

Kann mir schon vorstellen warum ^^ der wird die (verdiente) Gefängnisbegrüßung bekommen haben!

 
12 3