USA: Per Waffe „vom Untertan zum Bürger“

23.07.2012 | 18:24 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Nach dem Amoklauf von Denver wird in den USA wieder einmal über strengere Waffengesetze debattiert. Ändern wird sich, wie so oft, nichts. Im Wahljahr wäre es politischer Selbstmord.

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Wien/Washington. Als im Februar im Washingtoner Marriott Hotel die „Conservative Political Action Conference“, das jährliche Klassentreffen des rechten Flügels der Republikaner, stieg, war der Vorwahlkampf der Grand Old Party gerade so richtig heißgelaufen. Die meisten Werbeartikel kamen allerdings nicht von einem der vier Kandidaten, weit gefehlt. Der klare Sieger beim Rennen um Sichtbarkeit war die Waffenlobby NRA, die die Konferenz mit ihren Geschenktaschen geradezu geflutet hatte.

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Wie nach jedem Amoklauf tauchten auch diesmal, nach der Bluttat bei der „Batman“-Premiere im US-Bundesstaat Colorado in der Nacht auf Freitag, Forderungen auf, die liberalen Waffengesetze einzuschränken. Wenn es trotzdem eine sichere Wette ist, dass sich auch diesmal nichts ändern wird, liegt das auch an der unermüdlichen Lobbyarbeit der NRA, einer Organisation, die mit Slogans wie „Nimm eine Waffe in die Hand, und Du wirst vom Untertan zum Bürger“ durchs Land tourt.

„Kein Waffengesetz der Welt hätte diesen Irren von seinem abscheulichen Verbrechen abhalten können“, kocht der republikanische Politstratege Tom Korologos in der Debatte auf der Internetseite der Zeitung „Politico“ ein beliebtes Argument auf. Noch stärker verdeutlicht der Beitrag von Diana Furchtgott-Roth, Ex-Beraterin von Ex-Präsident George W. Bush, die Mainstream-Meinung in den USA: Wären Waffen in dem Kino nicht verboten gewesen, dann hätte jemand aus dem Publikum den Attentäter rasch erschossen.

 

Demokraten gaben auf

Die Demokraten waren einst für strengere Regeln. Sie haben längst die Waffen gestreckt. Die Gesetze verschärfen zu wollen wäre politischer Selbstmord mit Anlauf, zumal im Wahljahr. Ein strenges Gesetz käme nie durch den Kongress, auch viele demokratische Abgeordnete würden aus Angst um ihre Wiederwahl dagegen stimmen. Auf dieser Linie war auch Gabrielle Giffords, die 2011 selbst Opfer eines Attentats wurde.

Präsident Barack Obama, der im Wahlkampf davon gesprochen hatte, Sturmgewehre wieder – wie es bis 2004 geltendes Recht war – zu verbieten, rührte keinen Finger. Und so hatte seine Wahl im November 2008 nur einen Effekt: Der Verkauf von Feuerwaffen stieg in einer Art kollektiver Torschlusspanik sprunghaft an, der NRA rannten Neumitglieder die Türen ein.

Beim Thema Waffenbesitz wird auch klar, was Susan Watson meint, wenn sie ihre „Amerikanische Bürgerrechtsunion“ ACLU als „konservativste Organisation der USA“ beschreibt. An sich vertritt die ACLU durchwegs Positionen, die man im US-Spektrum als links bezeichnen kann. Als Argumentationshilfe beruft sie sich oft auf die Verfassung und die „Bill of Rights“, beide aus dem späten 18.Jahrhundert. Die ACLU legt sie fundamentalistisch aus. Dieses Verfahren, beim Thema Waffen angelegt, ergibt eine klar konservative Position, die laut Umfragen allerdings von jenen 55Prozent der US-Amerikaner geteilt wird, die nichts an den bestehenden Gesetzen ändern wollen. Für viele hat der zweite Verfassungszusatz, der – unter dem Eindruck des Unabhängigkeitskrieges – das „Recht, Waffen zu tragen“, verbrieft, fast religiöse Bedeutung. Zumindest gehört er fest zum amerikanischen Selbstverständnis. Zahlen wie jene des FBI, der zufolge 2010 im Schnitt ein Mensch pro Stunde mit einer Schusswaffe ermordet wurde, können daran nichts ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

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119 Kommentare
 
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vielleicht wird man dem

Bürger bald noch erzählen, es gäbe keine Banküberfälle mehr wenn ja alle Waffen verboten würden...es ist erwiesen, dass es in Gegegenden wo überdruchschnittlich viele Leute bewaffnet sind wie z.B in Texas es eine deutlich geringere Kriminalitätsrate gibt.

Re: vielleicht wird man dem

... und das diese dort wo die Bevölkerung de facto schutzlos ist, sehr hoch ausfällt. Bestes Beispiel: Grossbritannien nach dem Gun Ban nach dem Dunblane Massaker

genau. und weil sie mit ihrer alltagstheorie so unfassbar recht haben, haben die amis folgende statistik rausgegeben:

http://www.us-infos.de/fakten-crime.html

und jetzt raten sie mal, welche staaten tatsächlich am sichersten sind...

Re: genau. und weil sie mit ihrer alltagstheorie so unfassbar recht haben, haben die amis folgende statistik rausgegeben:

Die wo keine Grossstaedte oder extreme Armut gepaart mit Gang-Wesen und aussichtslosem Leben zusammenprallen. Ziemlich unabhaengig vom Waffenrecht.

Antworten Antworten Gast: Callisto
24.07.2012 16:01
6 1

Re: genau. und weil sie mit ihrer alltagstheorie so unfassbar recht haben, haben die amis folgende statistik rausgegeben:

Natürlich sind linke Diktaturen wie Nordkorea am sichersten - dort verhungert die Bevölkerung halt während die roten Bonzen feiern.
Das würde die gefallen was?

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Re: genau. und weil sie mit ihrer alltagstheorie so unfassbar recht haben, haben die amis folgende statistik rausgegeben:

In den USA gibt es die geringste Kriminalität soviel ich weiß New Hampshire und Vermont, beides Bundestaaten mit außerordentlich liberalem Waffenrecht.
Ein kleiner Tipp: Korrelieren Sie die Karte, mit der sie verlinkt haben, mit dem Anteil der weißen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung des Bundesstaats....

welche information versuchen sie daraus zu gewinnen?

wo rassismus am weitesten verbreitet ist? oder armut? wo infrastrukturen nicht funktionieren? oder sozialnetze? oder bildungssysteme? oder wo die jugendarbeitslosigkeit am höchsten ist? oder wo die republicans die local politics dominieren?

fragen über fragen...

Re: welche information versuchen sie daraus zu gewinnen?

Und schon haben sie sich selbst die Antwort auf die Frage nach Kriminalitaetshotspots gegeben. Und nicht der Waffenbesitz, denn der ist gerade in diesen Staedten und Countys auesserst restriktiv.

Gast: SelfDefense
24.07.2012 15:20
5 1

Abschreckende Todesstrafe

In Colorado gibt es noch die Todesstrafe. Bei der Vorbereitung seiner Tat war das dem Täter sicherlich bekannt. Dennoch hat er die Tat begangen. Selbst wenn Waffenbesitz bei Todesstrafe verboten wäre - wie schon die Sozialistischen Anführer des 20. Jahrhunderts, Stalin und Mao (beide real-existierender Sozialismus) und Hitler (national-Sozialismus) mit Millionen Toten vorexerziert haben - wie könnte man den Täter bestrafen. Zweimal exekutieren? Gaskammer und dann Giftspritze? Doppelte Spannung beim elektrischen Stuhl? Oder doch das altmodische Hängen und Vierteilen?

Waffenverbote treffen nur die gesetzestreuen Bürger, die weder vor haben noch dazu neigen, Schusswaffen missbräuchlich zu verwenden. Indessen können Kriminelle ihren Aktivitäten mit größerer Zuversicht nachgehen, da ihnen garantiert kein Ungemach seitens der Opfer droht. "Heisse" Einbrüche (bei Anwesenheit der Bewohner) gibt es in GB viel mehr als in den USA, weil man in ersterem Land die Herausgabe der Wertsachen (inklusive Frau und Tochter) erprügeln kann, während man in zweiterem Land eher erschossen wird.

Die einzige legistische Massnahme gegen solche Taten ist die Einführung von "shall issue" (Waffenpass für qualifizierte, unbescholtene Bürger ohne Bedarfsprüfung), die sowohl Anzahl als auch Opferzahlen nachweislich senkt.

Re: Abschreckende Todesstrafe

letzteres betreibt z.B. die IKG in der BRD möglich auch in AUT

dort wohnen jeder Veranstaltung mindestens 2 bewaffnete Zivilisten (ausgewählte Mitglieder der IKG) bei


Gast: Dilo
24.07.2012 14:55
6 0

Waffen verbieten!

Wenn schon die Amis nicht hören wollen, dann sollten wir wenigstens in Österreich die Schußwaffen verbieten, daß sich diese Amokläufe in Amerika endlich aufhören!

Antworten Gast: Callisto
24.07.2012 16:03
5 0

Re: Waffen verbieten!

Klar - kurz vor ihrem politischen Untergang möchte die Linke die Bevölkerung entwaffnen denn dann könnte man demokratische Wahlen ignorieren mit all den Genossen in allen Positionen von der Justiz bis zum Militär...
Probiert es .......

Antworten Gast: Birnstingl Pepi
24.07.2012 15:20
6 0

genau, - so wie die Deutschen

nach Fukushima ihre eigenen AKW's still gelegt haben. Könnten ja Tsunamis kommen.

Gast: Pensionistenbeobachter
24.07.2012 14:42
9 1

SO funktioniert Verteidigung mit der Waffe

http://www.youtube.com/watch?v=FJdveMMG43Q

tolles video...

alle beteiligten können froh sein noch zu atmen! omg. GENAU das will ich hier nicht!

Re: tolles video...

Zum Glueck tut es nicht allzuviel zur Sache was sie wollen und was nicht.

Antworten Antworten Gast: Pensionistenbeobachter
25.07.2012 04:28
3 0

Re: tolles video...

Was haben sie gegen unsere Pensionisten? Warum sollen die nicht froh sein, noch zu atmen? Auch ihr Namenspatron hat bevorzugt Unbewaffnete fuer seine "Revolution" erschossen. Ist das gut?
http://www.youtube.com/watch?v=HtfEv5kAeyE

Gast: Waffenbeobachter
24.07.2012 14:36
13 0

Das Waffengesetz in Aurora, Colorado, USA

In Aurora ist es VERBOTEN, eine Waffe an seiner Person mitzufuehren, es ist sogar VERBOTEN, eine Waffe im Auto zu haben. Das Abfeuern von Waffen ausserhalb eines genehmigten Schiessstandes (ausgenommen fuer Polizisten) ist EBENFALLS verboten. Aurora, wo diese scheussliche Verbrechen geschah, hatte also all jene Gesetze bereits, die die Neo-Adepten des Groessten Waffenverbieters Aller Zeiten nun fordern. Wie vielleicht noch so manche Presse-Leser, kaum aber Presse-Redakteure wissen, halten sich Verbrecher nun leider mal nicht an Gesetze... Nur die Opfer, die halten sich dran, mit toedlichen Konsequenzen, die immer dann auftreten, wenn man im Ernstfall wehrlos ist. Immerhin verdanken 3 Frauen ihr Leben ihren maennlichen Begleitern, die sich (ihre Waffenlosigkeit mit ihrem Leben bezahlend) schuetzend ueber ihre Freundinnen geworfen haben. Selbstverteidigung, meine Damen und Herren, ist NATURRECHT (gottgegeben), kann daher vom Menschen nicht genommen werden.

Re: Das Waffengesetz in Aurora, Colorado, USA

Ich habs zwar nicht mit Gott, demnach wuerd ich keine Rechte von ihm ableiten, aber ansonsten kann ich diesem Post voll und ganz zustimmen. Das Recht auf koerperliche Unversehrtheit ist universell und ein Menschenrecht, und damit ist auch die Notwehr gerechtfertigt und darf nicht eingeschraenkt werden.

Re: Re: Das Waffengesetz in Aurora, Colorado, USA

Kein Problem, das Naturrecht läßt sich ganz gut nur mit Hilfe der Vernunft ableiten, auch wenn es von katholischen Theologen entwickelt wurde. Siehe auch: http://feuerbringer.com/2011/10/13/woher-kommen-die-menschenrechte/#more-9597

Re: Das Waffengesetz in Aurora, Colorado, USA

Aber anscheinend ist es nicht verboten eine Waffe für jedermann frei zugänglich zu kaufen.

Es stimmt, dass sich Verbrecher definitionsgemäß nicht an Gesetze halten.
Man kann es ihnen aber durchwegs erschweren, diese Verbrechen zu begehen.
Der Einwand, er hätte sich die Waffe auch illegal besorgen können zieht nicht, da wahrscheinlich manche jetzt Verbrecher daran gescheitert wären.
Und jeder Mord weniger ist ein Fortschritt.

Selbstverteidigung ist wahrlich ein Naturrecht (und zwar definitionsgemäß von der Natur gegeben, und nicht von einem immaginären Fabelwesen), was jedoch nicht impliziert, dass jedermann bewaffnet sein muss.
Man stelle sich vor, alle Kinobesucher hätten eine Waffe gehabt. In der Panik und dem dadurch folgenden Herumschießen würden nach einem Gemetzel wahrscheinlich die Hälfte der im Kinosaal anwesenden Personen nicht mehr leben!

Antworten Antworten Gast: fischeg3
24.07.2012 15:53
2 0

Re: Re: Das Waffengesetz in Aurora, Colorado, USA

Dass der erschwerte Zugang zu Waffen Menschenleben rettet, kann nicht stimmen.
Sonst müsste ja die Mordrate nach Verschärfung des Waffengesetzes sinken.
Tut sie aber nicht, siehe England.

Die höchsten Mordraten der Welt sind in Russland, Mexiko, Südafrika und in einigen Ländern Südamerikas.
Alles Länder mit sehr strengem Waffenrecht.
Die vielzitierte USA kann da mit ihrer Verbrechensrate nicht mithalten.

Was die Amokläufer betrifft:
Sie sind intelligente Menschen, die ihre abscheulichen Taten genau planen,
oft bis in das kleinste Detail.
Wahnsinn und Intelligenz schliessen einander eben nicht.
Ihnen mit der Verschärfung des Waffenrechts beikommen zu wollen, halte ich für lächerlich.

Was in meinem Kommentar fehlte:

Natürlich sollten diese Gesetze auch exekutiert (soll heißen kontrolliert werden).
das funktioniert in einem westlichen Land im Normalfall.

Damit sind Mexiko, Russland und Südafrika nicht mehr vergleichsfähig....

Und ich stimme Ihnen zu, Wahnsinn und Intelligenz schließen sich nicht aus.
Aber an einer Erschwernis ist trotzdem nichts lächerlich (außer sie meinen ein oder zwei zusätzliche Tote sind lächerlich...)
Vor allem weil die WENIGSTEN Mörder Amokläufer sind. Die meisten sind eher im unteren Bereich der IQ-Skala anzusiedeln!!!!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: fischeg3
24.07.2012 19:06
1 0

Re: Was in meinem Kommentar fehlte:

Ich habe nicht geschrieben, dass 2 zusätzliche Tote lächerlich sind !

Nur die Idee, mit einer Waffenrechtsverschärfung Amokläufe reduzieren zu wollen, halte ich nach wie vor lächerlich.

Waffenrechtsverschärfungen haben noch nie gewirkt.
In vielen westlichen Ländern (Österreich, Deutschland, England, ...) wurden und werden die Waffengesetze verschärft.
Die Mordraten haben sich dadurch nicht verringert.
Das gilt sowohl für Morde durch intelligente als auch durch dumme Täter!
Es gibt eben nicht 2 Tote weniger nach einer Verschärfung.

Und ich stimme ihnen zu: die Verhältnisse in Russland, Mexiko, SA usw. sind tatsächlich anders als bei uns.
Schlechtere soziale Situation, Arbeitslosigkeit, Spannungen zw. verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etc.
Sie sind auch der Grund für die hohen Verbrechensraten.
Die Waffengesetze haben da keinen Einfluss!
Trotzdem sehe ich nicht ein, dass Zahlen aus diesen Länder bei der Diskussion ausgeschlossen werden sollen!

Und generell: Waffengesetze für eine hohe Mordrate verantwortlich zu machen, halte ich für reine Ideologie.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Eschenbach
24.07.2012 16:56
1 0

Re: Was in meinem Kommentar fehlte:

wenn es darum geht - jeder Tote ist einer zuviel - frage ich mich doch, warum das anscheinend immer nur beim Tehma (Schuss-)Waffen gilt: im Autoverkehr sterben pro Jahr ca. 800 Menschen, auf den Bergen in Ö ca. 300 Menschen usw. - da hört man aber kaum den Ruf auch nur nach leichten Einschränkungen ...

 
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