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„James Holmes stürmte nicht ,Happy Feet 2‘“

23.07.2012 | 18:24 |  BETTINA STEINER (Die Presse)

Was haben die Taten von Breivik und Holmes mit medialen Vorbildern zu tun? Eine ganze Menge.

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Er sei kurz verunsichert gewesen, meinte Anders Breivik ziemlich zu Beginn der Verhandlung in Oslo – und es war einer jener Momente, in denen selbst Routiniers der Prozessbeobachtung kurz der Atem stockte: Er habe zu schießen begonnen, aber einige der Jugendlichen seien nicht weggelaufen, sie seien vielmehr stehen geblieben wie erstarrt. „Damit“, meinte Breivik, und es klang so vorwurfsvoll wie ratlos, „habe ich nicht gerechnet, das zeigen sie in den Filmen und Spielen nie!“

Amokläufer richten ihre Taten häufig an medialen Vorbildern aus, an Filmen, Games, Serien, sie kopieren die gesehenen oder durchgespielten Abläufe – und identifizieren sich manchmal mit den Charakteren. „Ich bin Joker“, soll James Holmes bei seiner Festnahme gesagt haben. Und zu den Drähten, die er, der Amokläufer von Colorado, quer durch seine Wohnung gespannt hat, und die bei Berührung einen Zündmechanismus in Gang setzen sollten, fallen einem sofort Dutzende Filmszenen ein. Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders. Dann ist das freilich militärisches Programm – und schockt nur, wenn das Ergebnis so erfolgreich ist, dass die Akteure reale Schüsse auf reale Menschen so kommentieren, als agierten sie im Spiel: „Hübsch, gut geschossen“, so der Pilot eines Kampfhubschraubers im Irak.

 

Joker hat keine roten Haare

Wo die Realität sich freilich anders verhält als die Simulation, wo das Spiel als Vorbereitung auf den Ernstfall versagt, entsteht Verunsicherung – siehe Breiviks Reaktion auf die erstarrten Jugendlichen.

In den USA ist eine Debatte darüber entbrannt, was der Joker, was Batman mit dem Amoklauf in Aurora zu tun haben. Auf den ersten Blick: Gar nichts. James Holmes hat „The Dark Knight Rises“ noch gar nicht sehen können, der Joker, jene Figur aus der „Batman“-Reihe, die Holmes so fasziniert hat, dass er ihr zu gleichen wünscht, spielt in diesem Film gar keine Rolle. Der Joker ist außerdem kein blindwütiger Killer, sondern ein Bösewicht, der den Kampf gegen das Gute als – intellektuelles – Spiel betreibt, und der auch keine roten Haare hat, wie James Holmes offenbar glaubte, sondern grüne. Besonders brutal ist „The Dark Knight Rises“ auch nicht. Um unseren Filmkritiker zu zitieren: „Einheitsbrutal.“

Es handelt sich also um ein Missverständnis, aber um eines, das die Filmindustrie keineswegs freispricht: Wenn James Holmes nicht diesen „Batman“ nachspielt, weil er ihn noch nicht gesehen haben konnte, dann eben Passagen aus anderen Filmen. Einleuchtender ist da ein Einwand, den auch die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ vorbringt, wenn sie davon schreibt, Nolans neuer Film sei ein Kunstwerk, das „den Kreislauf von Gewalt und psychotischer Wut verhandelt“: Die Medien spiegeln demnach die Gesellschaft wider, im besten Fall „verhandeln“ sie die Mechanismen, die zu Gewalt führen, im schlechteren bilden sie diese Gewalt einfach nur ab.

„Normale“ Kinogeher können diese Unterscheidung zwischen Realität und ihrem Abbild, zwischen Ernst und Spiel selbstverständlich leisten, meint der bekannte Blogger Tom Shone. Seit drei Jahrzehnten sehe er Filme. Seine tiefere Kenntnis der Materie und das Betrachten einschlägiger Szenen hätten, zum Glück, nicht im Geringsten dazu geführt, dass er abgestumpft wäre.

 

Warum passierte das nicht auf Dana?

Dana Stevens im Online-Magazin Slate hält dagegen: „Nolans ,Batman‘-Trilogie geht von der Annahme aus, dass das, was auf dem Schirm passiert, auf die eine oder andere Weise das reflektiert, was in der Welt geschieht.“ Nur so funktionieren Filme als politische Allegorien. „Warum sollten wir nicht annehmen, dass der Umkehrschluss ebenfalls wahr ist, dass das, was wir als Gesellschaft konsumieren, nicht auch von der Leinwand in die Realität hinüberschwappt?“ Es sei kein Zufall, schreibt Stevens, dass Holmes nicht die Vorführung von „Happy Feet 2“ gestürmt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

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13 Kommentare
Gast: Steinsemmel
25.07.2012 12:28
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bitte Quelle

"Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

Könnt ihr bitte die Quelle dazu nennen das US-Soldaten mit Spielen das Töten üben.
Die letze Aussage des US-Militärs die mir bekannt ist, war:

"Die Armee der USA überarbeitet zum ersten Mal seit 30 Jahren ihre Grundausbildung für Soldaten, berichten US-amerikanische Medien. Grund sei, so etwa das National Public Radio in einem Beitrag, dass die Rekruten zwar "weit fortgeschritten bei der Verwendung von Technik sind, aber nicht so fortgeschritten in körperlicher Hinsicht oder bei der Fähigkeit zu kämpfen". Grund hierfür sei, dass die jungen Soldaten Kämpfe nur noch aus Computerspielen kennen, was für das echte Leben nicht ausreiche."

http://www.golem.de/1003/73994.html" target="_blank">http://www.golem.de/1003/73994.html

Gast: Finny
24.07.2012 18:25
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Die Oberflächlichkeit der Recherche der Presse

Joker trägt in The Dark Knight in einer Sequenz eine rote Perücke, nämlich in jener, als er sich als Krankenschwester verkleidet, um Gotham ins Chaos zu stürzen. Da ist die Verbindung gegeben. James Holmes selbst mit medizinischem Hintergrund .. das wird alles viel zu oberflächlich abgetan!

Joker hat grüne Haare.
James Holmes rote, rot gefärbte,
aber vergessen wird, dass es eine bestimmte Sequenz im Krankenhaus gibt, in der Joker eine rote Perücke beträgt! Meine lieben, die Verbindungen sind tiefer.

Und dass die Schießerei bei The Dark Knight Rises getätigt wurde, ist die erste Gelegenheit auf The Dark Knight, nach dem Erscheinen und wochenlangen Laufen in sämtlichen Kinos, der Publikation unter den Menschen, zu antworten bzw. im Sinne von The Dark Knight, im Sinne der Rolle Jokers in The Dark Knight zu antworten. Die Vorbereitung braucht ja auch Zeit ..

Ich glaube nicht, dass ein Mensch der einen gezielten und vorbereiteten Massenmord getätigt hat, aufgebaut auf eine fiktive Situation, so banal und offensichtlich denkt, wie ihr! Der ist drin in der Thematik und greift sich Dinge heraus, identifiziert sich mit den tieferen und verborgeneren Ebenen von The Dark Knight/Batman/Joker - dieser Geschichte.

Außerdem sind Filme etwas eigenständiges. Sie sind Kunst, was heutzutage doch auch leider oft vergessen wird, aber ihnen kann keine Schuld gegeben werden. Ein Mensch muss gestört/"vorkrank" sein, um Fiktion für Wirklichkeit zu halten und diese wirklich zu machen!

Gast: Hans345
24.07.2012 09:11
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Leute

könnt ihr endlich verstehen, dass Menschen vielleicht durch die Medien und alles möglich zu beeinflussen sind und darauf reagieren, aber deshalb noch lange nicht alles, was in einem Film vorkommt nachmachen? Der Typ hatte wahrscheinlich einfach Freude am töten, einen Gewissen Knall und keine Angst vor den Konsequenzen.

Wenn es nur Filme wie Happy Feet gäbe...

....wären Amokläufe wie dieser noch viel häufiger.

Antworten Gast: Herr Direktor
24.07.2012 11:26
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Re: Wenn es nur Filme wie Happy Feet gäbe...

Bester Kommentar überhaupt! Diskussion überflüssig, auf den Punkt gebracht! Danke.

Re: Re: Wenn es nur Filme wie Happy Feet gäbe...

Danke schön! :-)

Gast: sdafsdfsdf
24.07.2012 06:18
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"Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

Was für ein Schwachsinn dieser Artikel doch ist! Mit einem Spiel kann man natürlich nicht das Töten lernen, es ist ein Spiel (für Erwachsene). Was ist ein Killerspiel überhaupt? Definition? Mit welchen Spiel trainiert noch schnell mal die US-Armee? Ich lasse mich gerne auf eine Diskussion ein, warum wir als Gesellschaft Gewalt so interessant findet, warum Egoshooter (das meint der Nichtwissende wahrscheinlich mit "Killerspiel") so imens erfolgreich sind oder warum es Filme wie SAW zu so viel Teilen bringen. Aber Filme, Bücher und Spiele sind Unterhaltung und für die Mehrheit der Menschen die sie altersgerecht konsumieren ungefährlich. Aus einem Pazifisten macht eine halbe Stunde Battlefield auch keinen Militaristen. Ich verstehe schon, dass etwas, das man nicht versteht, einem Angst macht, aber man muss dieses Unverständnis nicht immer und immer wieder veröffentlichen.

Antworten Gast: arne
30.07.2012 08:16
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Shoot your ego!

Der Mensch lernt vieles anhand von Spielen. Egoshooter sind für Erwachsene gedacht, werden aber größtenteils von minderjährigen gespielt. Ein echter Pazifist würde Egoshooter niemals spielen, das wäre ungefähr so, wie wenn ein Vegetarier gerne in einer Fleischerei arbeiten würde. Es gibt allerdings meiner Meinung nach viele Doppelmoralisten auf diesem Gebiet, die das Gegenteil behaupten. Das Problem besteht nicht nur darin, daß diejenigen die diese Spiele nicht spielen Angst bekommen, weil sie nicht verstehen, was die anderen da machen, viele Spieler verstehen selbst nicht und hinterfragen auch gar nicht, warum sie gerne virtuell töten. Gerade in Anbetracht der ständig realistischer werdenden Technologie (3D usw.) und der Studienergebnisse, die bewiesen haben, daß häufiges Egoshooter spielen die Empathiefähigkeit beeinträchtigt (abtrainiert) bin ich für mich zu der Meinung gelangt, daß diese Spiele ganz einfach Scheiße sind. Man kann echt besseres mit seiner Zeit anstellen, als Leute auf dem Bildschirm abzuknallen oder selbst abgeknallt zu werden. Ich möchte das zwar niemandem verbieten, aber wenn ich ganz ehrlich bin, tun mir die Leute die das toll finden und vor allem viel spielen ein bißchen leid. Warum nicht Musik machen, Texte schreiben oder Bilder malen? An diesem Punkt argumentieren leider die meisten Spielefans ziemlich vorbei.

Antworten Gast: GEFE
24.07.2012 12:30
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Re: "Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

Dass der Spinner aus den USA wahrscheinlich über Ego Shooter zum ballern animiert wurde, zeigt sich schon in der Tatsache , dass er keine Ladehemmung beheben konnte.

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Re: "Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

Beim Prozess in Norwegen hat Breivik gemeint er hat mit (soweit ich mich erinnern kann) Call of Duty einige taktische Züge geübt, was ihm spottendes Gelächter von Experten im Gerichtssaal resultierte.

Was die Presse wohl meint ist der damalige US-Armee Rekrutierungs/Propaganda Ego-Shooter der wohl auch zu Trainingszwecken zum Einsatz kam.

Find den Artikel fast schon präpotent, vorallem die Überschrift... liest sich a bisserl wie a Vorwurd an die Kinogeher die dem Tod doch mit sittlicher Kunst hätten entgehen können... TIEF!

Der Artikel ist von Bettina Steiner.

Das sagt alles. Lesen Sie einmal ihre Bobolinen-Kolumne "Am Herd". Dann wissen Sie alles.

Antworten Antworten Gast: Hans345
24.07.2012 09:14
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Re: Re: "Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

so falsch ist das nicht. hinter den multiplayer gegnern stecken echte menschen. und online kann man ausprobieren, wie die denken und reagieren (auch wenn vieles technisch und physikalisch nicht akkurat ist). da lernt man durchaus taktik.

Antworten Antworten Antworten Gast: Battlefield & CoD Spieler
24.07.2012 10:18
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Re: Re: Re: "Anders Breivik hat anhand von Killerspielen das Töten geübt, das machen US-Soldaten nicht anders."

Ich spiele schon seit Jahren Egoshooter, und einen meiner "Gegner" möchte ich im Spiel sehen, wie der Taktik gegen mich üben will - da ich weiß, dass der Tod rein virtuell ist und keinerlei Konsequenzen hat, stürme ich wild drauf los und versuche einfach soviele "Gegner" abzuschießen wie möglich, lediglich mit einer besseren Kill-to-Death Ratio am Schluss. Und so agieren die meisten Leute in diesen Spielen, wenn man sich das einmal selbst ansieht - praktisch null Taktik, lediglich Geballere - aber unterhaltsam.