Wien. Eins zu 37. Das ist die Wahrscheinlichkeit beim französischen Roulette, dass die Kugel auf die getippte Zahl fällt. Im selben Größenbereich liegen auch die Chancen beim Pekinger „Auto-Roulette“. Als Gewinn wartet hier allerdings ein Nummernschild, denn diese werden in der chinesischen Hauptstadt seit 2011 nur mehr per Lotterie vergeben. Monatlich werden auf diese Weise – unter rund 700.000 Antragsstellern – nur mehr 20.000 Schilder ausgespielt, was die Umsatzzahlen der Pekinger Autohäuser stark einbrechen ließ.
Vergangene Woche kündigte die Stadtregierung dennoch an, bis Ende 2013 etwa 110.000 neue Parkplätze schaffen zu wollen. Eine von vielen Maßnahmen, die aufgrund des enormen Bevölkerungszuwachses notwendig wurden. Die ländliche Bevölkerung des Landesinneren zieht es in die wirtschaftlich prosperierenden Küstenregionen im Osten des Landes. Allein in den letzten zehn Jahren wuchs die Einwohnerzahl der Hauptstadt jährlich um 700.000 und liegt damit momentan bei rund 20 Millionen, weitere Millionen Wanderarbeiter noch gar nicht mitgezählt.
Dies bringt für die Stadt enorme Herausforderungen mit sich. Das für einen europäischen Peking-Touristen wahrscheinlich Augenscheinlichste: Selbst an heißen Sommertagen versteckt sich die Sonne hinter einer Smogglocke. Nur an Tagen nach einem Gewitter kommt sie zum Vorschein, innerhalb von 24 Stunden zieht der Smog allerdings wieder zu, und das Einheitsgrau kehrt zurück.
Maßnahmen der Stadtregierung
Wie reagiert die Regierung Pekings auf die Bevölkerungsexplosion? Einerseits versucht sie, Migranten überhaupt erst davon abzuhalten, sich in der Hauptstadt niederzulassen. So installiert sie immer neue Hürden für den Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung („Hukou“). Das gilt selbst für gut ausgebildete, junge Chinesen. „Es ist sehr schwer noch eine Hukou zu bekommen, um die Leistungen des Wohlfahrtssystems nutzen zu können. Wir können kein Haus kaufen, können in den ersten fünf Jahren kein Auto kaufen, unsere Kinder können nicht in öffentliche Schulen gehen und vieles mehr“, so ein 22-jähriger Student der Renmin-Universität in Peking zur „Presse“. Darüber hinaus hat die Stadtregierung vor einigen Jahren begonnen, rund um die Hauptstadt sogenannte Satellitenstädte zu errichten und sie mit einem aufwendigen Zug- und U-Bahn-System mit Peking zu verbinden.
Ein autofreier Tag in der Woche
Neben der Verlosung der Nummerntafeln gibt es auch eine andere unkonventionelle Antwort auf die Verkehrsproblematik: Jedes Auto muss einen Tag pro Woche in der Garage bleiben. Autos, deren Kennzeichen zum Beispiel auf null oder fünf enden, dürfen montags von sieben bis 20 Uhr nicht innerhalb der fünften Ringstraße – also im Großteil des Pekinger Stadtgebiets – fahren, endet deren Nummer auf eins oder sechs, müssen sie dienstags stehenbleiben und so weiter. „Ich finde die Regelung unfair, da ich berufsbedingt auf das Auto angewiesen bin. Reiche Leute kaufen sich einfach ein zweites Auto, um die Regelung zu umgehen“, sagte ein 43-jähriger Pendler aus dem Pekinger Umland. Lokalen Zeitungen zufolge haben Regierungsmitglieder seitdem auch zwei Dienstwägen.
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?