Brüssel. Viele Belgier verstehen die Welt nicht mehr: Michelle Martin, die Exfrau des Kindermörders Marc Dutroux, wird vorzeitig aus der Haft entlassen. Das entschied ein Gericht im belgischen Mons. Die heute 52-Jährige hat die Hälfte ihrer Haftstrafe abgesessen. 2004 wurde sie wegen der Beihilfe an den Morden der Mädchen Julie, Melissa (beide acht), Ann (17) und Eefje (19) zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der Fall hatte damals für weltweites Aufsehen gesorgt: Marc Dutroux, Martins damaliger Ehemann, hatte die Mädchen im Keller ihres gemeinsamen Hauses in Marcinelle eingesperrt, sie regelmäßig sexuell missbraucht und schließlich ermordet. Martin wusste davon, half den Mädchen aber nicht. Mehr noch: Als Dutroux schon in U-Haft saß, ließ Martin zwei Mädchen im Keller verhungern und verdursten anstatt sie zu befreien.
Ausschlaggebend für ihre Haftverkürzung war, dass sie acht Jahre in Untersuchungshaft verbracht hatte, bevor sie verurteilt wurde. Marc Dutroux, von dem sie sich 2003 scheiden ließ, als sie bereits in Haft war, erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Er kann nicht mit einer vorzeitigen Freilassung rechnen und wird wohl bis zum Ende seines Lebens hinter Gittern bleiben. Begnadigen könnte ihn nur König Albert II. von Belgien, doch das wird kaum passieren.
Familien der Opfer protestieren
Angeblich will sich Michelle Martin nach ihrer Freilassung in das katholische Frauenkloster in Malonne bei Namur zurückziehen. Die Nonnen dort haben ihr die Aufnahme angeboten. Martin hat in den vergangenen Jahren mehrmals Anträge auf eine vorzeitige Freilassung gestellt, die bisher alle abgelehnt wurden.
Der Vater eines der von Dutroux ermordeten Mädchen zeigte sich empört. „Es gibt einen Gerichtsbeschluss, in dem es heißt, dass diese Frau unserem Haus nicht näher als 100 Kilometer kommen darf. Das Frauenkloster in Malonne liegt aber nur 60 Kilometer von uns entfernt. Es ist für uns unerträglich, dass Michelle Martin dort wohnen soll.“
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