Nach der Schießerei in einem Sikh-Tempel in den USA mit insgesamt sieben Toten und drei Schwerverletzten herrscht Rätselraten über das Tatmotiv. Die Behörden stufen das Blutbad bei ihren Ermittlungen als "eine Art heimischen Terrorismus" ein, wie der zuständige Polizeichef John Edwards in der Nacht auf Montag in Oak Creek mitteilte.
Zeugen sprachen von einem großen, kahlköpfigen, weißen Mann, der am Sonntag in die Küche des Gemeindekomplexes eingedrungen sei und um sich geschossen habe. Nach den Angaben der US-Behörden handelt es sich um den 40-jährigen Wade Michael P., der mehrere Jahre bei der US-Armee gedient hat. Der Mann war ausgebildeter Fallschirmspringer und auf psychologische Kriegsführung spezialisiert, teilte das Pentagon mit. Für seine vorbildliche Führung und seine Leistungen als Soldat sei er mit mehreren militärischen Orden ausgezeichnet worden.
US-Experten: "Frustrierter Neonazi"
US-Experten sprechen von einem "frustrierten Neonazi". Der Ex-Soldat sei der Kopf einer "rassistischen" Rockband" namens End Apathy (Schluss mit der Apathie) gewesen, die die Überlegenheit von Weißen propagiert habe, erklärte das Rassismusforschungsinstitut Southern Poverty Law Center am Montag. Mit der 2005 gegründeten Gruppe sei der ausgebildete Fallschirmspringer Wade Michael Page auf Musikfestivals aufgetreten.
Das Institut veröffentlichte ein Foto des mutmaßlichen Attentäters während eines Konzerts. Darauf ist er mit kahlgeschorenem Kopf und in einem ärmellosen T-Shirt zu sehen, das den Blick auf seine unter anderem mit Keltenkreuzen tätowierten Arme freigibt. Im Internet existieren demnach weitere Fotos der Band, die vor nur einer teilweise sichtbaren mutmaßlichen Nazi-Flagge posierten.
"Hassverbrechen"
"Jeder hier glaubt, dass es sich ganz bestimmt um ein Hassverbrechen handelt", zitierte die "New York Times" einen Sikh aus der Region namens Manjit Singh. "Die Leute glauben, wir sind Muslime." Eine Sikh-Anhängerin namens Ravi Chawla sagte dem Blatt zufolge, die meisten Menschen seien so ignorant, dass sie den Unterschied zwischen Religionen nicht kennen würden. "Nur weil sie einen Turban sehen, denken sie, man sei Taliban."
Der Täter habe mit einer halbautomatischen Neun-Millimeter-Pistole um sich geschossen, erklärte ein Sprecher der für die Verfolgung von Schusswaffendelikten zuständigen Ermittlungsbehörde ATF. Der Angreifer erschoss nach Polizeiangaben vier Gläubige in dem Tempel und zwei weitere außerhalb des Gebäudes. Er habe dann das Feuer auf einen Polizisten eröffnet, sagte der örtliche Polizeichef John Edwards. Ein Kollege des bei dem Angriff schwer verletzten Beamten habe zurückgeschossen und den Mann getötet. Der verwundete Polizist dürfte nach Angaben der behandelnden Ärzte überleben. Zwei weitere Verletzte erlitten nach Angaben eines Krankenhaussprechers Schusswunden in der Bauchgegend, im Gesicht und im Nacken. Ihr Zustand sei "kritisch".
Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney zeigten sich tief betroffen. Die indische Botschaft in Washington entsandte einen Vertreter nach Wisconsin. In Indien wurde am Montag in Trauergottesdiensten der Ermordeten gedacht. Premierminister Singh, ebenfalls ein Anhänger der Sikh, kondolierte den Angehörigen der Opfer und erklärte Indiens Solidarität mit allen friedliebenden Amerikanern, die die Gewalt verurteilten.
(APA/dpa/AFP/Reuters)
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