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Organspenden: Nicht auf Herz und Nieren geprüft

06.08.2012 | 17:44 |  Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Der Skandal um manipulierte Krankendaten in Göttingen heizt in Deutschland eine politische Debatte an: Was läuft bei der Zuteilung gespendeter Organe falsch? Der Skandal zieht unterdessen weitere Kreise.

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Berlin. Doktor O. brauchte ein gutes Timing. Dem Transplantationschirurgen wird vorgeworfen, in Göttingen die Blutproben von mindestens 25 Patienten vertauscht zu haben, damit sie in der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rückten – auf Kosten anderer Bedürftiger. Um nicht aufzufallen, meldete er die vom Labor erfassten Daten als „Fehler“. Dann hatte er, bevor das System die falschen Daten löschte, zehn Minuten Zeit, um diese auszudrucken und an die Eurotransplant in Holland zu faxen. Sie ist die Vergabestelle für Organspenden in sieben europäischen Ländern – darunter Österreich. Zuvor dürfte der Arzt schon in Regensburg Daten manipuliert haben.

Für die Aufdeckung dieses Skandals hätte es kaum ein schlechteres Timing geben können. In Deutschland werden weit mehr Organe gebraucht als gespendet. Die Anzahl der Spender (nach Ableben) liegt mit 15 pro einer Million Einwohner unter EU-Schnitt und weit hinter Österreich (mit 24). Der Hauptgrund für die Unterschiede: In Österreich und vielen anderen EU-Staaten kann der Bürger eine Entnahme seiner Organe nach seinem Tod nur ausdrücklich ablehnen. In Deutschland aber muss er durch einen Spendeausweis ausdrücklich zustimmen. Es können zwar auch Hinterbliebene „im Sinne des Toten“ entscheiden – aber weil sie meist nicht wissen, wie ihm der Sinn stand, optieren sie oft aus Gründen der Pietät gegen eine Transplantation.

Der Fall zieht weitere Kreise

Diese „Zustimmungslösung“ steht kaum zur Diskussion. Stattdessen hat der Bundestag erst im Mai mit großer Mehrheit den sanften Druck erhöht: Die Krankenversicherungen fragen künftig immer wieder nach, ob ihre Kunden zu einer Organspende bereit sind. Doch der Skandal verstärkt die Skepsis. Es ist noch nicht geklärt, ob er unmittelbare Opfer forderte: Patienten, die gestorben sind, weil sie weiter nach hinten gereiht wurden. Doch dazu kommen indirekte Opfer, weil die Bereitschaft zum Spenden spürbar sinkt: „Was hier gemacht wurde, wird viele Menschen das Leben kosten“, fürchtet Wolfgang Zöller, der Patientenbeauftragte der Regierung.

Diese bedrückende Aussicht alarmiert Politiker und Ärztevertreter. An Vorschlägen mangelt es nicht, vom Vier-Augen-Prinzip bis zu Stichprobenkontrollen. Boni für eine hohe Zahl an Transplantationen werden als Gefahr erkannt. Nach Unregelmäßigkeiten sollen Ärzte nicht mehr operieren dürfen, die Approbation soll entzogen werden. Welche Maßnahme Erfolg verspricht, daran scheiden sich die Geister – wie auch an der Frage, wer künftig stärker kontrollieren soll: die Ärzte selbst mit ihren Standesvertretungen oder lieber der Staat. Sogar die Kriterien für die Warteliste sind nicht mehr in Stein gemeißelt. Bis jetzt wird vorn gereiht, wer dem Tode am nächsten ist oder die besseren Heilungschancen hat. Sollen künftig Jüngere, die „ihr Leben noch vor sich haben“, mehr Chancen bekommen? Eine ethisch höchst heikle Frage.

Für die Volksmeinung steht derweil längst fest: Die aufgedeckten Fälle sind nur die Spitze eines Eisberges. Tatsächlich zieht der Skandal weitere Kreise: In Göttingen wurde ein möglicher Komplize beurlaubt, in Regensburg der Chirurgiechef, der zumindest seine Aufsichtspflicht verletzt haben soll. Auffällig ist, dass just im Jahr nach dem Umzug des Hauptverdächtigen die Zahl der Transplantationen in Regensburg kräftig in die Höhe geschossen ist. Gab es also Mitwisser, die das Werk fortsetzten?

Unklar ist auch die Motivation. Die Staatsanwaltschaft untersucht auf Bestechung. War wie beim Organhandel Geld im Spiel? Die Begünstigten waren meist nicht sonderlich reich. Ärztekollegen vermuten deshalb eher ein übersteigertes Geltungsbedürfnis oder Allmachtsfantasien. Tatsächlich sehen gerade Patienten, die auf ein Spendeorgan warten, ihre Ärzte als Götter in Weiß. Und diese „Götter“ reihen dann das konkrete Mitleid mit einem Betroffenen vor ihr Unrechtsbewusstsein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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10 Kommentare
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warum wird hier so argumentiert, als ob ein offener Mord vorliegen würde,

ist das nicht eher eine unterlassene Hilfeleistung, und die Bevorzugung bestenfalls eine Ordnungswidrigkeit.
Schließlich ist auch die Wahrscheinlichkeit bei einer Organtransplantation keine 100%ige Sicherheit für ein Überleben.

Wird eine schwierige Kausalkette bei der Urteilsfindung.

Gast: Melanchthon
06.08.2012 10:15
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Einfach System ändern

In Österreich wird jeder automatisch Organspender, solange er es nicht ausdrücklich schriftlich verbietet. In Deutschland hingegen muss man schriftlich zustimmen, dass man die Organe spenden will, was naturgemäß nur eine kleine Minderheit tut (Die Mehrheit denkt einfach nicht dran). Dadurch hat Österreich viel mehr Spenderorgane, wobei eine große Anzahl der Spenerorgane auch nach Deutschland exportiert wird.

Um den Mangel an Spenderorganen, und den damit einhergehenden naturgemäßen Missbrauch einzudämmen (wo gesetzlich geregelter Mangel herrscht wird es den Versuch des Missbrauchs immer geben), sollten die Deutschen einfach das österreichische System übernehmen. Voila, schon hat man den Mangel beseitigt oder zumindest verringert.

Re: Einfach System ändern

Das österreichische System ist an sich eine Ungeheuerlichkeit. De facto ist hier jeder der nicht widerruft (http://www.goeg.at/de/Widerspruchsregister) automatisch potentieller Organspender!!! . Selbstverständlich wird man darüber auch nicht aufgeklärt. Meine Organe gehören mir - selbst wenn ich tot bin!!! Und die Frage des Todes ist hier ja auch nicht ganz geklärt. Dazu muß man wissen, daß Organe nur von sog. Hirntoten entnommen werden können und der restliche Körper künstlich am Leben erhalten wird. Organe von anderen Toten als Hirntoten sind wertlos da bei Organen sofort nach dem Tod der Verwesungsprozeß einsetzt. Hirntote haben ganz normal Stuhlgang, können urinieren, Männer Erektionen haben etc - ob der nun wirklich so tot ist laß ich mal dahingestellt... Das hieße dann, daß hier Menschen bei lebendigem Leibe und ohne Narkose (er ist ja tot und spürt angeblich nichts mehr) ausgeweidet werden. Angesichts des Mangels an Organen besteht weiters die Gefahr, daß die Diagnose Hirntot vorschnell oder mißbräuchlich erstellt wird. Ich vermute, daß das der Hintergrund ist, warum auch wegen Tötungsdelikten gegen den besagten Arzt ermittlelt wird.

Re: Re: Einfach System ändern

Noch eine Anmerkung: Der sog. "Hirntod" wurde von einer Kommission aus Juristen etc. definiert und rechtlich verankert um Organentnahmen zu gewährleisten. Nach der vorherigen rechtlichen Lage riskierten die Mediziener rechtliche Verfolgung wegen Tötungsdelikten. Wer also nicht Gefahr laufen will, unfreiwillig seine Organe zu "spenden" muß das ausdrücklich widerrufen.

Re: Einfach System ändern

vielleicht haben die deutschen auch so viel würde - auch dem toten gegenüber - dass sie seinen körper nicht industriell ausschlachten ...
und nein ... der zweck heiligt nicht immer die mittel

ach und noch was, in österreich wird es nicht schriftlich verboten .. sondern es wird diese unwürdige gesetzesbestimmun widerrufen .. ein kleiner aber feiner unterschied.

Manchmal denke ich mir

dass ganz einfache Auftragskiller gegenüber solchen Personen die schlichtweg ehrlicheren Menschen sind.

Gast: Argesauge
06.08.2012 09:30
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auch in österreich

wird die gesundheitsversorgung privatisiert?

die kapitalbesitzer zahlen kaum in die kassen ein und genießen privilegierte versorgung !

das ist ASSOZIAL.

es wird mit krieg enden!

ursache werden Gier, Maßlosigkeit und Hochmut gewesen sein!

die Masse wird mittels durch Werbung gekaufte Medien verblödet und die umsetzung des demokratischen willens mittels gekaufter politiker und von diesen beschlossener gesetze sichergestellt.

doch solange die neueste deppensteuermaschine leistbar bleibt und den menschen die erlösung in gestalt von markenprodukten zu wucher!preisen ins hirn getrommelt wird, bleibt die Oligarchen Macht erhalten. champagner, kavier und luxusfrauen werden ungestraft in obszönen mengen konsumiert, während millionen menschen in elend darben!

daher REVOLUTION - jetzt!

weg mit der korrupten elite, die den menschen die lebensgrundlagen rauben!

Gast: b754
06.08.2012 09:09
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wer das nötige geld hat kaufgt sich auch weiter ein organ

auch in österreich glaubt doch keiner dass da nicht missbrauch an der tagesordnung ist wenn ärzte abkassieren können tun sie es auch


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so

ein korruptes bestechliches system belauert und beurteilt das andere, waehrend die leute aus den billigen laendern den preis dafuer bezahlen onanieren die reporter verbal vor sich hin... ich mag da snicht, dass viele leute ihre ziele nicht mehr erreichen aber in den medien wird das als streit zwischen einzelpersonen dargestellt wo es selten zu fehlern kommt, dabei ist bereits jede ernst zu nehmende leistung eingespart, das moechte man nicht sehen... schade!