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Richtete Texas einen Behinderten hin?

08.08.2012 | 17:43 |  Von unserem Mitarbeiter Ansgar Graw (Die Presse)

Der Texaner Marvin Wilson soll einen Intelligenzquotienten von nur 61 gehabt haben. Das Gericht wies auf frühere Tests mit einem geringfügig höheren IQ hin – und ließ den Mörder am Dienstagabend hinrichten.

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Washington Marvin Lee Wilson konnte schlechter lesen als ein Volksschüler, vom Nobelpreisträger John Steinbeck hat er sicher nie etwas gehört: Aber der 54-jährige Texaner, der im November 1992 einen Mord begangen haben soll, wurde am Dienstag exekutiert, weil er nach Ansicht der Richter dem von Steinbeck erfundenen „Lennie Small“ nicht genügend ähnelte. Denn auch der kräftige, gutmütige Lennie – der in der Novelle „Von Mäusen und Menschen“ von einer Kaninchenfarm träumt – begeht einen Mord. Er ist geistig behindert.

Auch Marvin Wilson war nach Aussage eines Gutachters „geistig behindert“. Der Afroamerikaner kam 2004 in einem Test des vom Gericht seit 22 Jahren als Sachverständigen herangezogenen Doktor Donald Trahan auf einen IQ von 61. Unterhalb von 70 Punkten gilt man in den USA als „geistig behindert“. Das Oberste Gericht hatte 2002 beschlossen, dass diese Menschen nicht hingerichtet werden dürfen. Der 1,80 Meter große Straßendealer, vorbestraft wegen Raubes, wurde 1992 beobachtet, als er mit seinem Kumpan Andrew Lewis in Beaumont, in der Nähe von Houston, auf Jerry Williams einprügelte. Einige Tage zuvor hatte die Polizei bei einer Razzia in Wilsons Appartement 24 Gramm Kokain gefunden. Wilson beschuldigte Williams, er habe der Polizei den Tipp gegeben.

Die beiden Männer sollen den 21-Jährigen in einem Auto entführt haben. Kurz danach hörten Anwohner einen Schuss. Am nächsten Tag wurde Williams Leiche am Rand einer Straße gefunden.

„Andrew hat das nicht getan“

Der am selben Tag verhaftete Wilson bestritt die Tat. Es gab keine Beweise gegen ihn. Aber vor Gericht sagte die Frau seines Komplizen aus, Wilson habe ihr gegenübergestanden. „Sei nicht sauer auf Andrew, Andrew hat das nicht getan“, soll Wilson gesagt haben. „Ich war das.“ Lewis wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt, Wilson selbst 1998 zum Tod.

Der Verurteilte äußert sich seit geraumer Zeit nicht mehr zu dem Verbrechen. Aber auf einer Webpage des Gefängnisses im texanischen Livingston, in dem er einsaß, schrieb Wilson: „Ich versuche nicht mehr, irgendwen zu überzeugen, dass ich nicht schuldig bin im Sinne der Anklage, weil ich begreife, dass ich nicht in diese Situation geraten wäre, wenn ich nicht mit Crack gehandelt hätte.“

Das Oberste Gericht begründete seine Entscheidung, dass Behinderte nicht hingerichtet werden dürfen, mit ihrer eingeschränkten Schuldfähigkeit und ihrem mangelnden Vermögen, sich angemessen zu verteidigen. Zudem bestehe die Gefahr, dass bei einem von mehreren Tätern begangenen Verbrechen ein geistig Zurückgebliebener von den Komplizen die Hauptverantwortung in die Schuhe geschoben bekommt.

Laut dem Psychiater Trahan war Wilson nicht in der Lage, Telefonbücher zu nutzen oder Banküberweisungen auszuführen. Verwandte und Freunde sagten im Prozess aus, der Angeklagte sei schon in Kinderjahren als „Idiot“ verspottet worden. Er konnte lange Zeit nicht seine Schuhe binden und habe bis in die Volljährigkeit hinein nachts den Daumen gelutscht. Wilson besuchte Klassen für Lernschwache, blieb trotzdem der schwächste Schüler, musste die siebte Klasse wiederholen und verließ die Schule nach zehn Jahren. Er konnte als Kind nicht einmal mit simplen Dingen wie Murmeln oder Kreiseln spielen, sagten Weggefährten von damals aus.

Intelligent genug für Führerschein

485 Exekutionen haben in Texas seit 1976 stattgefunden, fast jedes dritte Todesurteil wird im südlichen US-Bundesstaat vollzogen. Die texanischen Gerichte haben einen Interpretationsfreiraum bei der Beurteilung der Entscheidung des Supreme Court: Sie zweifelten das Gutachten an, das Wilsons IQ mit 61 maß, und verwiesen auf frühere Intelligenztests. Dabei soll Wilson 1971 immerhin 73 und 1987 gar 75 Punkte erreicht haben. Beim letzten Test war Wilson 19 Jahre alt.

Das genügte den Richtern: Einen weiteren Intelligenztest führten sie darum nicht durch. Sie argumentierten, Wilson sei immerhin intelligent genug gewesen, den Führerschein zu machen und zu heiraten. Der Vater eines Kindes sei „bauernschlau“ genug gewesen, um sich als Drogendealer auf der Straße Geld zu verdienen.

Zudem verwies das Gericht auf eine Entscheidung des texanischen Berufungsgerichts, des höchsten Gerichts des Bundesstaates. Darin wird auf jenen naiv-gutmütigen Lennie aus John Steinbecks Novelle verwiesen. Kindliche Naturen wie diese fiktive Gestalt, der versehentlich eine Frau tötet, sollten in der Tat von der Exekution ausgenommen werden. Aber auf Wilson treffe das nicht zu.

„Umarmt Mutter und sagt ihr, dass ich sie liebe“, sagte ein weinender Wilson vor seinem Tod zu Angehörigen, die der Hinrichtung in Huntsville beiwohnten. Dann rief er: „Hol' mich heim, Jesus. Hol' mich heim, Lord. Ich bin noch nicht verlassen, das muss ein Wunder sein. Ich bin ein Wunder.“

Am Dienstagabend um 18.27 Uhr Ortszeit wurde Marvin Wilson für tot erklärt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

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27 Kommentare
 
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ja

die frage in der überschrift ist leicht zu beantworten - ja - und sowas macht eigentlich nur noch der Iran - Amerika - Iran = Achse des wirklich Bösen

Gast: Ferros
09.08.2012 04:56
3 1

Texas ??? Wie? IQ von 61 ? Den George W. Bush haben sie hingerichtet ?!


gefangene darf man laut völkerrecht nicht einmal im krieg hinrichten

warum sollte man es dann in friedenszeiten dürfen!

ich finde dass es an der zeit wäre die todesstrafe in den USA (und eigentlich auch global) abzuschaffen,eine lebenslange freiheitsstrafe ohne aussicht auf begnadigung reicht doch völlig aus.

Und das wäre dann humaner?

"Nicht einmal im Krieg" ist im Übrigen etwas verwirrend:

Im Krieg ist der Gefangene mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach ein armer Tropf, der zufällig auf der falschen Seite der Grenze geboren wurde.

In Friedenszeiten handelt es sich jedoch um Personen, die schwere Schuld auf sich geladen haben.


Re: Und das wäre dann humaner?

falsch

im krige handelt es sich bei dem gefangenen um eine feindlich gesinnte person, die extra darauf trainiert wurde, soldaten der anderen nation zu töten, sowie dieser größtmöglichen schaden zuzufügen.


in texas gibts fuer sowat ein drive-thru

da heisst aufpassen und sich an die gesetze halten

dort wird nicht so herum-ge-weicheiert wie in europa, wo es linke beckenrandschwimmende vorwaertseinparkende warmduscher gibt

Das nenne ich gelebte Gleichbehandlung!

Die linken müssten ja eigentlich sehr erfreut sein. Endlich werden auch Menschen mit einer Behinderung gleich behandelt.

Ich bin erfreut, dass es Tötungen bei schwerer Straftaten gibt. Leider ist Österreich noch nicht soweit. Wird aber noch kommen. Damit bleibt der Gesellschaft viel erspart.

Antworten Gast: ido
09.08.2012 02:36
0 0

Re: Das nenne ich gelebte Gleichbehandlung!

kleiner Kurs in Geschichte: Österreich war schon mal "soweit", aber das wurde abgeschafft. Ich würde an deiner Stelle also nicht darauf warten, bis es (wieder) "soweit" ist...

3 1

Re: Das nenne ich gelebte Gleichbehandlung!

Und was machen Sie dann wenn sich ein Urteil als Fehlurteil herausstellt? Deswegen bin ich gegen die Todesstrafe.

Wenn es so absolut eindeutig ist wie bei Breivik ist es sicher das Beste, aber zumeist ist die Schuld nicht so absolut zweifelsfrei erwiesen.

Wenn Leben am Mars möglich ist - also Wasser gefunden wird -, dann könnte man die ja alle dort hinschießen.

Re: Re: Das nenne ich gelebte Gleichbehandlung!

Ihre Einstellung ist brandgefährlich, weil mit dieser Einstellung die absolute Überwachung und Kontrolle, Enteignung und Entmündigung statt findet.

Mit diesen geringen Prozentsatz an Fehlurteilen übernehme ich gerne die Verantwortung. Das Motto: Lieber einer zuviel, als einer zuwenig.

Antworten Gast: Fürstenstein
08.08.2012 23:05
0 3

Re: Das nenne ich gelebte Gleichbehandlung!

Sie armer, armer Mensch..!

Gast: Noobie56
08.08.2012 19:34
5 2

Niedriger IQ

Ich bin gegen die Todesstrafe. Stirbt sowieso jeder irgendwann.

Aber wenn ein Staat schon die Todesstrafe hat, warum werden dann solche Unterschiede gemacht? Sie dient ja nicht der Rehabilitation, ob der Hinzurichtende versteht, dass er etwas Falsches gemacht hat, ist daher irrelevant. Irgendwie werden hier Menschen mit höherem IQ diskriminiert.

Abgesehen davon, dass ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass ein Mensch mit einem IQ von 61 auf einer Website Texte verfasst - vor allem, wenn er "schlechter lesen kann als ein Volksschüler".


Gast: b754
08.08.2012 19:32
5 4

Mit einem IQ von 61

gilt man in Texas als hochbegabt. G.W.Bush hat mit Sicherheit auch nicht mehr.

Re: Mit einem IQ von 61

Hach, wie schön wenn es politisch korrekte Wege gibt um seinem Stumpfsinn und Vorurteilen freien Lauf zu lassen, nicht?

Antworten Antworten Gast: polzzer
09.08.2012 04:58
1 1

Re: Re: Mit einem IQ von 61

Wie? Du gestehst hier, dass du Stumpfsinn postest, Austrian? Gute Einsicht.


Die Mörder sind unter uns!

Jetzt gerade in Thal bei Graz ...

Re: Die Mörder sind unter uns!

Wenn Sie das so genau wissen, müssen Sie Anzeige erstatten, sonst machen Sie sich strafbar.

Re: Re: Die Mörder sind unter uns!

Die StPO sieht ein Anzeigerecht jedes Bürgers vor, doch eine Pflicht dazu haben nur bestimmte Personen wie öffentliche Bedienstete ( falls im Zuge ihrer Arbeit festgestellt). Da die Anschuldigung auch nicht spezifisch genug ist, um eine bestimmte Person ( z.B.: einen berühmten Österreicher in der amerikanischen Politik) der Verfolgung durch Behörden auszusetzen, ist mangels ausführungsnaher Handlung auch der Tatbestand der versuchten Verleumdung nicht erfüllt. Somit keine Strafbarkeit.


Da müssen viele hier im Forum froh sein !

Texas wäre für sie ein Heises Pflaster ;D

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Re: Da müssen viele hier im Forum froh sein !

Das hat war. Anderen Leuten Blödheit unterstellen und im selben Satz "heises Pflaster" schreiben.

Antworten Antworten Gast: Konservativer
08.08.2012 21:23
0 0

Re: Re: Da müssen viele hier im Forum froh sein !

Das hat war.

Gast: Der Ahnungslose
08.08.2012 12:14
9 4

MORD bleibt immer MORD...

...mit oder ohne staatlicher Genehmigung.

egal ob verbrecher, bestimmte volksangehörige, hautfarben oder was auch immer.


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Re: MORD bleibt immer MORD...

ja genau so ist es, und der Hingerichtete ist ein Mörder... Mord ist immer Mord, ich befürworte nicht das US-amerikanische Gesetz, doch das ist einfach ein weiterer Unterschied zwischen Europa und den USA, für mich kann allerdings jeder Mörder "egal ob verbrecher, bestimmte volksangehörige, hautfarben oder was auch immer" zusammenpacken, machst du das in einem Land in dem die Todesstrafe ausgeübt wird dann pechgehabt, so schauts aus...


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Der Akkusativ

ist dem Dativ sein Tod!

 
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