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Italien: Hitzehoch „Nero“ und die Brandstifter

10.08.2012 | 18:26 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Die Zahl der Wald- und Buschbrände ist auf Rekordhöhe gestiegen. Die Ursachen: Brandstiftung, Unachtsamkeit, Bauspekulation – und Nachlässigkeit der lokalen Behörden.

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Rom. Als sich am späten Abend der Halbmond über Rom zeigte, leuchtete auf den nachtschwarzen Hügeln östlich der Stadt auch noch ein anderes Halbrund auf, das dort nicht hingehörte. Es wirkte fast lebendig, und fraß sich rasch durchs Dunkel voran: eine Linie lodernder Flammen, vierzig, fünfzig Kilometer weit zu sehen.

In Flammen stand ein ganzer Hügel unweit der Stadt Tivoli, 250 Hektar Olivenhaine und Buschwerk sind zerstört – und das war bei weitem nicht der einzige Brand dieser Tage: Italiens Hauptstadt Rom sieht sich vom Feuer derzeit regelrecht umzingelt. Im Stadtgebiet ist am Donnerstag der Monte Mario wieder aufgeflammt. Dort brennt es seit zehn Tagen, seit Jugendliche nebst einer Parkbank auch verdorrtes Gras und Gestrüpp angezündet haben, und die Feuerwehr – allzu beschäftigt mit einem Brand an der Autobahn vor der Stadt – zu spät gekommen war.

 

Jahrhunderttrockenheit

Am Mittwoch haben Flammen sogar den römischen Zugverkehr nach Norden blockiert, und die Autobahn Richtung Meer. Mehr als sechzig Brände hat Italiens Hauptstadt allein diese Woche registriert – gleichzeitig mit einem Hitze-Hoch, das Meteorologen sinnigerweise nach dem antiken Zündelkaiser Nero benannt hatten, und gleichzeitig mit einer Jahrhunderttrockenheit, die südlich von Rom, in der Toskana sowie in den Marken bereits zur Rationierung von Trinkwasser geführt hat. Sizilien, wo schon in den vergangenen Tagen im Raum Messina schwere Brände gemeldet wurden, war am Freitag erneut besonders betroffen. In der Provinz Enna mussten zwei Senioren gegen ihren Willen aus ihren von den Flammen bedrohten Wohnungen in Sicherheit gebracht werden.

Drei Menschen sind mittlerweile gestorben: ein Waldarbeiter beim Löschen in Sizilien und zwei mehr als 80 Jahre alte Bauern, die – nach dem Motto: das haben wir schon immer so gemacht – das trockene Buschwerk vor ihren Höfen heiß abmähen wollten.

 

Zahl der Brände verdoppelt

Landesweit zählt der Zivilschutz dieses Jahr schon 4700 Wald- und Buschbrände, das sind doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2011. Dabei war schon das vergangene Jahr mit seiner Steigerung von 73 Prozent gegenüber 2010 auf Rekordkurs. „Und alle Brände“, resümiert Marco Pezzotta, Vizechef der Forstpolizei, „sind menschlichen Ursprungs: zum Teil absichtlich entfacht, teils leichtsinnig verursacht, klassisch zum Beispiel durch die weggeworfene Zigarette.“ Sieben Brandstifter hat die Forstpolizei bereits auf frischer Tat ertappt, den bisher letzten am Mittwoch in Tivoli. Italiens Zivilschutz gebietet zwar nach eigenen Angaben über die weltgrößte Flotte von Löschflugzeugen und –hubschraubern, weist aber darauf hin, dass auch er es in den vergangenen Tagen nicht mehr geschafft hat, alle Brennpunkte zu versorgen. Und nächstes Jahr, warnt Behördenchef Franco Gabrielli, werden auch noch die Staatsgelder für dieses fliegende, „überaus teure Heilmittel“ von 130 auf 42 Millionen Euro gekürzt.

 

Vernachlässigte Waldpflege

Der finanzielle Kahlschlag jedoch, fügt Gabrielli hinzu, sei nur „ein kleiner Teil des Problems“: Würden die Regeln zur Vorbeugung eingehalten, „hätten wir auch auf unserem so anfälligen Territorium 80 Prozent weniger Brände“. Gabrielli nennt als Hauptprobleme die vernachlässigte Waldpflege, das viele, wild zugewachsene Gelände in oder gleich neben den Städten, „das sich selbst überlassen und seit Jahrzehnten nicht gesäubert wird“, die fehlenden Feuergassen, die ungenügenden Wachposten, und nicht zuletzt die unwirksame Kontrolle gegenüber Brandstiftern.

Und dann sind da auch noch die Gemeinden, die ein, nach Überzeugung der Zivilschützer, besonders wirksames Mittel zur Vorbeugung systematisch vergessen: Ausgehend von der Beobachtung, dass Ursache so vieler Waldbrände die Bauspekulation ist, hat der Gesetzgeber die Kommunen verpflichtet, ein Kataster der abgefackelten Zonen zu erstellen. Diese dürfen dann nicht in Bauland umgewidmet werden. Nach Angaben des Obersten Rechnungshofs haben sich allerdings von 8100 Gemeinden erst 1500 die entsprechenden Flurdaten besorgt.

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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1 Kommentare
Gast: der wahre Jacob
11.08.2012 12:31
1 0

Hoffentlich brennt nicht ganz Italien ab

Denn billiges Bauland haben doch alle gern!