24.05.2013 16:52 Merkliste 0

Minen-Proteste: Polizei zu Verteidigung "gezwungen"

17.08.2012 | 16:59 |   (DiePresse.com)

Die Opferzahlen ist auf 44 gestiegen. Laut südafrikanischer Polizeichefin schossen die Polizisten "zur Verteidigung" gegen eine militante Gruppe.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bei den schweren Ausschreitungen in einer südafrikanischen Platinmine ist die Zahl der Toten auf insgesamt 44 gestiegen. Nach Angaben der nationalen Polizeichefin Riah Phiyega vom Freitag waren allein am Vortag 34 Minenarbeiter ums Leben gekommen. 78 weitere wurden verletzt. "Dies ist eine Zeit der Trauer", sagte Phiyega nach den tagelangen Auseinandersetzungen.

Lange war unklar, ob die Polizei oder die Demonstranten das Feuer eröffneten. Nach Angaben von Phiyega hatten die Ordnungskräfte keine Wahl: Sie mussten sich gegen die mit Schusswaffen und Macheten bewaffneten Bergmänner wehren. "Eine militante Gruppe ist schießend auf die Polizisten zugestürmt, die sich daraufhin zurückgezogen haben. Aber sie waren gezwungen, mit aller Härte zurückzuschlagen, um sich zu verteidigen."

Die Situation war eskaliert, nachdem die Ordnungskräfte vergeblich versucht hatten, die Streikenden zu vertreiben. Zunächst hatten sie Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, dann waren Schüsse gefallen. Lokale Medien sprachen von einem "Massaker".

"Die Polizei hat alles getan, aber die Minenarbeiter haben gesagt, dass sie nicht weggehen würden und bereit seien, zu kämpfen", erklärte Polizeiminister Nathi Mthethwa. "Was soll die Polizei denn in solchen Situationen tun, wenn sie es ganz klar mit bewaffneten und zu allem entschlossenen Kriminellen zu tun hat, die die Ordnungskräfte ermorden?"

Bis zum Wochenbeginn waren bei den gewaltsamen Zusammenstößen bereits zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Polizisten. Einige wurden verbrannt oder zu Tode gehackt. Die Streikenden waren mit illegalen Schusswaffen und Macheten bewaffnet.

Dramatische Szenen am Tag danach

Am Tag nach der Gewaltorgie spielten sich auf dem Gelände des 100 Kilometer westlich von Pretoria gelegenen Bergwerks herzzerreißende Szenen ab. Einige Kumpel wurden noch immer vermisst. In Tränen aufgelöst versuchten die Ehefrauen, Informationen über den Verbleib ihrer Männer zu bekommen. Eine unheimliche Stille lag über der Mine, nur unterbrochen vom Kreisen der Hubschrauber.

Präsident bricht Auslandsbesuch ab

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma kündigte an, einen Besuch bei einem regionalen Gipfeltreffen im Nachbarland Mosambik abbrechen und in die Heimat zurückkehren zu wollen. "Der Präsident ist besorgt über diese gewalttätigen Proteste, zumal die Verfassung und die geltenden Gesetze genügend Wege bieten, um mit solchen Problemen umzugehen", hieß es in einer Mitteilung. Zuma hatte zuvor zum Ende der "sinnlosen Gewalt" aufgerufen und sich "geschockt und bestürzt" über die Geschehnisse gezeigt.

Verdreifachung der Löhne gefordert

Tausende Arbeiter des Bergwerks des britischen Unternehmens Lonmin PLC, das nahe der Stadt Marikana gelegen ist, hatten am Freitag vergangener Woche die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine Verdreifachung ihrer Löhne auf 12.500 Rand (1.234 Euro). Hintergrund der Auseinandersetzungen sind vor allem Differenzen zwischen zwei Gewerkschaften. Beide riefen jedoch die Bergarbeiter dazu auf, die Gewalt zu beenden. Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken, die zwölf Prozent zur weltweiten Förderung des Edelmetalls beitragen, die Produktion ein. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte seit der Eskalation des Streits um mehr als 13 Prozent ab.

Die streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist. Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen. Einige wurden verbrannt oder zu Tode gehackt. Beobachter sprechen auch von einem Kampf zwischen konkurrierenden Gewerkschaften.

In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet.

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web