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Bergarbeiterstreik endet in Blutbad

17.08.2012 | 18:28 |   (Die Presse)

Beim gewaltsamsten Polizeieinsatz seit Ende der Apartheid erschossen Beamte mehr als 34 streikende Minenarbeiter. Die Polizei spricht von "legitimer Selbstverteidigung", Journalisten nennen es ein "Massaker".

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Rustenburg/Wien/Sig/Ag. Die Szenen erinnern an Gewaltausbrüche während der weißen Apartheid-Regierung in Südafrika vor 1994: Auf der einen Seite schwarze Minenarbeiter, auf der anderen Polizisten in Kampfmontur, mit Helmen und kugelsicheren Westen, die das Feuer eröffnen. Als sich der Staub gelichtet hat, liegen Dutzende Arbeiter tot am Boden.

Bei Kämpfen zwischen Bergleuten und der Polizei bei einer Platinmine 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg wurden am Donnerstagabend mindestens 34 Arbeiter erschossen und zahlreiche weitere verletzt. Die Zahl der Todesopfer ist die höchste bei einer Polizeiaktion seit Ende der Apartheid in Südafrika. Lokale Medien und Journalisten vor Ort sprechen von „Schlacht“ und „Blutbad“ in der „Lonmin Marikana“-Mine bei Rustenburg. Beobachter vergleichen den Fall mit Massakern der Polizei an Demonstranten während der Apartheid – freilich waren viele der Polizisten bei den Kämpfen in Rustenburg ebenfalls Schwarze.

 

Kampf zwischen Gewerkschaften

Die Vorgeschichte: Die Arbeiter der Mine hatten bereits vergangene Woche eine Verdreifachung ihres Lohnes verlangt. Bei dem Streik ging es aber vor allem um die Rivalität zwischen zwei Gewerkschaften: Die „NUM“ (National Union of Mineworkers) und die kleinere „Amcu“ (The Association of Mineworkers and Construction Union) stritten darüber, wer mit dem Minenbesitzer über die Löhne verhandeln soll. Die Amcu wirft der nationalen, mit Präsident Zumas Partei ANC (African National Congress) in Verbindung stehenden NUM vor, sich nicht richtig für die Rechte der Arbeiter einzusetzen. Schon vor der Eskalation am Donnerstag waren bei Fehden zwischen NUM und Amcu, die in der Mine neue Mitglieder rekrutieren wollte, zehn Menschen getötet worden, darunter zwei Polizisten.

Wie der TV-Sender al-Jazeera berichtete, hatte die Polizei bereits am Montag bis zu 400 Männer zur Mine geschickt, doch die Streikenden hätten sich verbarrikadiert und es vorerst abgelehnt, mit den Beamten zu sprechen. Laut Polizei wollten sie nicht auseinandergehen und wiesen ein Ultimatum des Bergwerksbetreibers, der ihnen mit Entlassung drohte, zurück. Am Donnerstag setzte die Polizei dann Tränengas und Wasserwerfer ein, um rund 3000 Arbeiter, die sich auf einem Hügel verschanzt hatten, zu zerstreuen.

 

„Polizisten konnten nicht anders“

Augenzeugen berichten, dass die Arbeiter, bewaffnet mit Pistolen, Macheten und Eisenstangen, zuerst geschossen hätten. Während der Minenbetreiber Lonmin das Verhalten der Polizei kritisiert, spricht Polizeiminister Nathi Mthethwa von „legitimer Selbstverteidigung“: „Die Polizisten hätten nicht anders handeln können.“ Für Demonstrationen gebe es Gesetze, illegale Streiks wie dieser führten zu „einer schrecklichen Situation für alle in der Gemeinde“.

Mthethwa wies auch darauf hin, dass die Polizei drei Tage lang versucht habe, mit den Streikenden zu verhandeln.

Präsident Jacob Zuma zeigte sich „geschockt und bestürzt über diese sinnlose Gewalt“. Zu der Vorgehensweise der Polizei äußerte er sich aber nicht.

Die beiden verfeindeten Gewerkschaften schieben einander jetzt gegenseitig die Schuld an dem Blutbad in die Schuhe. Laut NUM nutze die Amcu die mangelnde Bildung der Kumpel aus, um sie anzustacheln und zu radikalisieren. „Sie haben gesagt, sie seien bereit, auf dem Hügel zu sterben“, sagte ein Sprecher der NUM. „Sie sagten auch, sie würden ihre Kinder hierher bringen“.

 

Preisanstieg, Verluste an Börse

Die Unruhen haben wirtschaftliche Folgen: Nachdem Lonmin die Produktion im ganzen Land eingestellt hatte, stiegen die Platinpreise seit Donnerstag um rund vier Prozent, die Aktien des Unternehmens verloren elf Prozent. In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der bekannten Platinvorräte.

Auf einen Blick

Lonmin ist ein Bergbauunternehmen mit Sitz in London. Seine Platinförderstätten im Bushveld-Komplex in Südafrika, darunter die Mine „Marikana“ in Rustenburg bei Pretoria (Karte), tragen zwölf Prozent zur globalen Förderung des teuren Edelmetalls bei. Lonmin hat rund 27.800 Angestellte und verkauft ca. 22.400 Kilogramm Platin pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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3 Kommentare
Gast: elbeastoh
18.08.2012 08:54
1 0

nebensächlichkeiten

interessant wäre wieviele opfer der jeweiligen gewerkschaft zurechenbar sind; als information ob die polizei tatsächlich auf seiten der num steht.

Gast: Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion!
17.08.2012 23:18
0 2

mein Opa hat immer gesagt.....

...was es jetzt in Südafrika und Amerika gibt, das kommt später auch zu uns!....es wird überhaupt wieder "2SortenMenschen" geben, die EINE in Uniform, denen es gut geht und zu essen haben, aber dafür vor nichts zurückschrecken dürfen...und dann die ZWEITE in Zivil, die Hunger haben und die die Opfer sind!
be.es: ich hoffe ich täusche mich!

Gast: Wasserlaeufer
17.08.2012 20:35
3 3

Werd jetzt meinen Chef

um eine dreifache Gehaltserhoehung bitten.

Das ist eh nicht sehr viel wenn man bedenkt,
dass der eh nur den von unserer Sozialpartnerschaft
ausgehandelten Kollektivvertrag zahlt.