Hamburg/Afp/Red. . Im Anfang war Abba: Das Ende 1981 erschienene Album „The Visitors“ war das letzte Werk der schwedischen Band und erschien als erstes Album überhaupt auf CD in Massenproduktion. Am 17. August 1982 lief die Fertigung im Presswerk des deutschen Musikkonzerns „Polygram“ in Langenhagen bei Hannover an und läutete eine Revolution ein, die Schallplatten und Audiokassetten bald zu Nischenprodukten reduzierte. Bis heute dominiert die CD den Musikmarkt.
Die Elektronikkonzerne Philips und Sony hatten seit Mitte der 1970er an neuen digitalen Speichermedien aus Kunststoff mit Metalldampfbeschichtung gearbeitet, 1979 stellte Philips einen Prototyp vor und kooperierte mit Sony, um einen globalen Standard für die „Compact Disk“-Technik zu vereinbaren. 1981 präsentierte das niederländisch-japanische Duo sein CD-System auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, dabei hatte es prominente Unterstützer: Der Dirigent Herbert von Karajan etwa lobte die revolutionäre Wiedergabequalität als „Meilenstein“; die „Alpensinfonie“ von Richard Strauss, gespielt von den Berliner Philharmonikern und dirigiert von Karajan, war auch die erste Testaufnahme auf einer CD.
Der „digitale Urknall“
Die CD-Massenfertigung begann also August 1982 in Deutschland, es dauerte aber einige Monate, bis das Abba-Album so in den Handel kam. Oktober 1982 erschien Billy Joels 1978er-Album „52nd Street“ auf CD, März 1983 folgten 16 weitere Titel (das galt als „digitaler Urknall“), doch es dauerte noch Jahre, bis die CD richtig „rotierte“: In Deutschland stieg der CD-Verkauf von 6,6 Millionen anno 1985 auf 152,8 Millionen 1993; der Plattenverkauf brach in der Zeit von 74 Mio. auf 1,6 Mio. ein.
CD-Spieler galten anfangs als „futuristisch anmutende Apparate“, so schrieb jedenfalls der „Spiegel“, und kosteten in Österreich zunächst mindestens etwa 15.000 Schilling (ca. 1100 Euro), der erste war der CDP-101 von Sony. Die Scheiben selbst kosteten lange Zeit zwischen etwa 200 und 300 Schilling (ca. 14 bis 22 Euro).
Die CD wurde begeistert aufgenommen, gerade wegen der handlichen Größe, der Möglichkeit des Hin- und Herspringens zwischen Aufnahmen und deren kristallklarer Qualität. Letzteres rief auch umgehend Kritiker hervor, die fanden, die CD klinge „kälter“ und „flacher“ als analoge Platten. Trotz Konkurrenz durch MP3-Player und Downloads aus dem Internet ist die mittlerweile zigmilliardenfach erzeugte Scheibe weiter die wichtigste Säule des Musikmarkts: In Deutschland etwa generierte die Musikbranche zuletzt nach eigenen Angaben drei Viertel ihres Umsatzes mit CDs.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)
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