Die Polizei hat am früheren Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel (Bayern) fünf Rechtsextreme festgenommen. Die drei Männer und zwei Frauen hätten am späten Samstagabend auf der früheren Grabfläche ein Porträt von Rudolf Heß und Grablichter aufgestellt, berichtet das Polizeipräsidium Bayreuth am Sonntag. In dem Auto der Gruppe hätten Beamte "weitere gleichartige Bilder" gefunden, heißt es in einer Polizeimeldung. Die Fotos und andere verdächtige Gegenstände seien sichergestellt worden. Die Festgenommenen stammten aus Oberbayern. "Die Leute sind klar der rechten Szene zuzuordnen", sagte ein Polizeisprecher.
Um Aufmärsche von Neonazis anlässlich des Heß-Todestages zu verhindern, hatte die Polizei am Samstag in Wunsiedel und der Umgebung starke Präsenz gezeigt. Der Auftritt der fünf Festgenommenen habe deutlich gemacht, das dies notwendig gewesen sei, betonte das oberfränkische Polizeipräsidium.
Der Leichnam von Heß war im vergangenen Sommer in Abstimmung mit seiner Familie ausgegraben, eingeäschert und auf hoher See verstreut worden. Damit sollte verhindert werden, dass nach Wunsiedel ein neuer Wallfahrtsort für Neonazis entstehe, hatte seinerzeit ein Vertreter des örtlichen Kirchenvorstands erklärt.
Heß hatte am 17. August 1987 im Alter von 93 Jahren im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis Selbstmord begangen. Auf eigenen Wunsch wurde er auf dem Friedhof von Wunsiedel beigesetzt. Seitdem hatten Rechtsextreme die Tage um den 17. August regelmäßig zu Gedenkmärschen in der Stadt genutzt. Da dabei Autonome regelmäßig die Konfrontation mit den Neonazis suchten, kam es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
(APA/dpa)
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