Rio de Janeiro/Goe. In der Provinzstadt Juazeiro in Brasilien steigen dunkle Schwaden auf: Millionen von Moskitos der Art Aedes aegypti, die Professor Margareth Capurro mit ihren Assistenten vom parasitologischen Institut der Uni São Paulo davonschwirren lässt. Mit mehr Moskitos wollen die Biologen für weniger Stechmücken sorgen und das Dengue-Fieber bekämpfen.
Das klingt nur paradox. Die Moskitos, die Capurro freilässt, sind genetisch verändert. Es sind männliche Exemplare, die einen genetischen Defekt haben und die diesen Defekt bei der Vermehrung weitergeben. Die Larven, die aus den Eiern der weiblichen Moskitos schlüpfen, gehen daran zugrunde. Mit anderen Worten: die Moskito-Population geht nach einer Generation bereits deutlich zurück – und damit auch die Fälle des Dengue-Fiebers beim Menschen.
Dieses fordert jährlich in Brasilien einige hundert Todesopfer, meist unter Alten und Gebrechlichen. Selbst in Rio de Janeiro fahren im regnerischen Sommer regelmäßig Sprühwagen durch die Straßen und nebeln ganze Viertel mit Insektiziden ein. Sanitäter gehen von Haus zu Haus um zu kontrollieren, dass nirgends Brackwasser in alten Autoreifen, Eimern oder Blumentöpfen steht, in dem sich Larven entwickeln könnten.
Die konventionelle Moskito-Bekämpfung konnte gegen die jährlichen Epidemien aber nichts ausrichten. Der nun in Szene gesetzte Großversuch mit den genetisch veränderten Moskito-Männchen ist eine Premiere in ganz Amerika. Erste Ergebnisse aus kleineren Feldversuchen deuten darauf hin, dass bereits 65 Prozent der nächsten Moskito-Generation das Larvenstadium nicht überleben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)
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