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Venezuela: Das Land des Comandante fällt auseinander

26.08.2012 | 18:42 |  Von unserem Korrespondenten ANDREAS FINK (Die Presse)

Die größte Ölraffinerie explodiert, eine Brücke bricht zusammen, in Gefängnissen kommt es zu blutigen Streitereien: Präsident Hugo Chávez gerät wegen maroder Infrastruktur und Pannen immer mehr unter Druck.

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Caracas. Der Tod kam mitten in der Nacht. Hilario Valdez wurde von einem Knall aus dem Schlaf gerissen, „als hätte ein Blitz neben meinem Bett eingeschlagen.“ Der 60-jährige Mechaniker stand auf und musste feststellen, dass die Fenster seines Hauses in der Siedlung San Rafael de Punto Fijo geborsten waren. Sie konnten der gigantischen Druckwelle aus der nahegelegenen „complejo refinador de Paraguaná“ nicht standhalten. Die größte Erdölraffinerie Venezuelas explodierte am Samstag, auch hing noch eine dicke Rauchwolke über der Benzinfabrik. 39 Menschen wurden tot geborgen, mindestens 80 verletzt.

Allerdings wollten die Behörden nicht ausschließen, dass noch weitere Tote gefunden werden. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Soldaten der Nationalgarde und ihre Familienangehörigen, deren Wohnblocks direkt neben dem Betriebsgelände aufgestellt worden waren. Weil die Soldaten ihre Dienstmarken trugen, konnte die Identifizierung schnell vonstatten gehen. Das war noch die beste Nachricht, die Venezuelas Regierung mitteilen konnte.

 

Angst vor Hamsterkäufen

Der Energieminister und Chef der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA Rafael Ramirez erklärte, dass aus einem Leck Gase ausgetreten seien, die sich wegen einer tief hängenden Wolkendecke nicht verflüchtigen konnten und schließlich durch eine noch nicht identifizierte „Funkenquelle“ explodiert seien. Um Hamsterkäufe zu vermeiden, beeilte sich der Minister zu versichern, dass die unmittelbare Benzinversorgung seines Landes nicht gefährdet sei, das Treibstoffreserven für elf Tage eingelagert habe. Der beschädigte Komplex im nordwestlichen Bundesstaat Falcón werde nach zwei Tagen einen Teil seiner Produktion wieder aufnehmen können.

 

Schlampigkeit und kein Geld

Die Venezolaner wissen aus Erfahrung über den Wahrheitsgehalt derartiger Ankündigungen. Seit Jahren leidet der Energiesektor des Landes unter massiven Problemen, die zumeist auf schlampige Wartung, Desorganisation und vor allem mangelnde Investitionen zurückzuführen sind. Im Jahr 2010 musste der Ölstaat nach einer längeren Trockenperiode die Elektrizitätsversorgung rationieren, weil die veralteten Wasserkraftwerke – fast alle aus der Zeit vor Chávez – trocken lagen. Auch wenn die Regierung die Energiekrise für beendet erklärte, müssen viele Städte im Landesinneren bis heute immer wieder den Strom abstellen.

Der Erdölsektor – die Schlüsselindustrie des Landes mit den laut OPEC größten Ölreserven der Welt – erlebt seit Jahren eine Pannenserie: Die Explosion vom Samstag ist bereits der 19. Zwischenfall in einem PDVSA-Betrieb im Jahre 2012. Das Unternehmen selbst veröffentlicht keine Pannenstatistiken, aber die NGO „Gente de Petroleo“ hat 79 schwere Unfälle gezählt, seitdem Hugo Chávez im Jahr 2003 den Staatsbetrieb politisch säubern ließ. 10.000 der damals 18.000 gekündigten und mit Berufsverbot belegten Mitarbeiter waren Techniker. Seitdem fehlt der Firma fähiges Personal. Auch deswegen musste Venezuela zuletzt in den USA Benzin zu Weltmarktpreisen einkaufen, um es den eigenen Bürgern schließlich zum Schleuderpreis zu verkaufen. Eine Tankfüllung kostet in Caracas immer noch zwei Dollar: so viel wie eine Flasche Mineralwasser.

In seinen 14 Regierungsjahren hat Präsident Hugo Chávez in seinem Land fast alles verändert – von der Verfassung über das Staatswappen bis zur Zeitzone. Aber den Benzinpreis tastete der Comandante nicht an.

 

Dreitägige Staatstrauer

Angesichts der Katastrophe ordnete Chávez eine dreitägige Staatstrauer und eine rigorose Untersuchung an. In sechs Wochen will der Comandante wiedergewählt werden, seit Anfang Juli tourt er durchs Land und überrascht mit wiedererlangter Fitness nach drei Krebs-OPs. Alle Staatskanäle berichten bereitwillig über neu asphaltierte Straßen, fertiggestellte Wohnblocks und das „Weißkittelbatallion“ aus Ärzten und Pflegern in neu eröffneten Kliniken.

Doch Venezuelas Realität lässt sich eben nur schwer ausblenden. Zehn Tage vor der Explosion brach eine Brücke im Bundesstaat Miranda zusammen, ausgerechnet auf der wichtigsten Verbindungsstraße in den Osten des Landes. Kurz drauf starben bei einem Feuergefecht zwischen verfeindeten Clans im Gefängnis Yare 25 Menschen. Vor zwanzig Jahren saß dort der Putschist Hugo Chávez ein.

Auf einen Blick

Der Erdölsektor – die Schlüsselindustrie des Landes mit den größten Ölreserven der Welt – erlebt seit Jahren eine Pannenserie: Die Explosion vom Wochenende ist heuer bereits der 19. Zwischenfall in einem Betrieb der staatlichen Ölfirma PDVSA. Das Unternehmen selbst veröffentlicht keine Pannenstatistiken, aber NGOs haben 79 Unfälle gezählt, seitdem Hugo Chávez 2003 den Staatsbetrieb politisch säubern ließ. 10.000 der damals 18.000 gekündigten und mit Berufsverbot belegten Mitarbeiter waren Techniker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)

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27 Kommentare
 
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Wer glaubt,..

.. dass die CIA unter Obama weniger bombt und mordet als vorher, wartet auch an die Zahnfee.

Gast: Störrisch...
27.08.2012 12:00
1 0

Großes Ölvorkommen...

...alles klar...keine weiteren Fragen.

Dann sind das wohl eher Anschläge (wer bezieht den Großteil des Erdöls aus Venezuela?) als Unfälle, wie immer wenns ums Öl, Waffen und Drogen geht....

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Wenn sozialistische Planwirtschaftler

an der Macht sind,

dann führt das stets zu Misswirtschaft, Korruption, steigender Armut, Verknappung von Gütern,...

Antworten Gast: Störrisch...
27.08.2012 12:18
1 1

Frage...und wo ist jetzt...

...der Unterschied zum (neo-liberalen) Kapitalismus?

1 1

Re: Frage...und wo ist jetzt...

In der Marktwirtschaft wird relativ effrizient der Markt bedient. Fortschritt ist das Ziel. Man hat auch gewisse Freiheiten seine Ideen zu verwirklichen.

Wo viel Licht ist, gibt es aber natürlich immer auch Schatten. Aber deshalb möchte ich nicht im Finstern leben!

2 0

Gelebter Sozialismus

Ein weiteres Beispiel dafür, dass stark linke Ideologien genauso dämlich sind wie rechte.

Was kommt jetzt, wird wieder ein drohender Krieg mit Kolumbien provoziert, damit Chavez seine "Wahl" rechtfertigen kann, so wie beim letzten Mal?

Gast: hannking
27.08.2012 09:20
3 1

heute Südamerika, morgen in Europa

man sieht wohin Sozialismus führt!


naaa!

die amerikaner bereiten dieses land schon vor, damit es ihnen nicht abhanden kommt !

nicht das die venezulaner auf die idee kommen mit den chinesen geschäfte zu machen, oder gar nach demokratie schreien...

das wichtigste ist, dass das öl billigst nach amerika geht....alles andere interessiert nicht !

Unglückliche Zustände oder der Beginn eines neuen Krieges?

Chavez steht im Wahlkampf, außenpolitisch befindet er sich in Konfrontation zu den USA. Venezuela, das Land mit den größten Ölvorkommen hat erst im Vorjahr seine Goldbestände nach Hause geholt. Zugleich bemüht es sich, seine Armee wesentlich zu verstärken um auch auf einen langen Abwehrkampf gegen die USA gerüstet zu sein.
Da explodieren kurz vor den Wahlen wichtige Energiezentren, stürzen Brücken ein. Nur ungebildete Menschen glauben dabei an eine Verkettung unglücklicher Zustände.

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Re: Unglückliche Zustände oder der Beginn eines neuen Krieges?

Der hat alles verstaatlicht und überall seine Parteigünstlinge hineingesetzt. Dass die keine Ahnung haben, ist wohl klar. Das ist dort genauso wie bei uns.


Antworten Gast: Desinformierter
27.08.2012 08:31
7 2

Re: Unglückliche Zustände oder der Beginn eines neuen Krieges?

"10000 der 18000 gekündigten Mitarbeiter waren Techniker!" Der Irre hat diese Stellen mit Parteisoldaten nachbesetzt. Da braucht niemand nachzuhelfen, die Katastrophen sind vorprogrammiert

Antworten Gast: Argesauge
27.08.2012 08:19
4 5

Re: Unglückliche Zustände oder der Beginn eines neuen Krieges?

Es ist offensichtlich!

man lese in den geschichtsbücher nach

dievusa sind eine aggressive und expansive kolonialmacht

das ist unbestrinnen.

PS.: und um menschenrechte gehts dabei - erraten - nie!
evtl. Als Argumentation für die Gutmenschen, die immer wieder darauf hineinfallen!

Gast: panzerknacker
27.08.2012 07:35
2 2

Vielleicht sollte PDVSA in mehrere Unternehmen aufteilt werden

Megaunternehmen sind einfach schwer zu führen egal ob staatlich oder in Aktionärshand. Ansonsten bevor man über El Presidente schimpft, die größeren Ölkatastrophen der neueren Zeit waren in den USA.

Gast: *** Mark Poller ***
27.08.2012 07:00
7 1

Was wird sein Busenfreund und Vergötterer Jean Ziegler dazu sagen?


8 2

Ein wahrer Freund

unseres Herrn Bundespräsidenten - stelle den Antrag auf ein Denkmal zu Lebenszeiten gleich neben dem von Che Guevara unter dem Donauturm. Auf ihr schlummernden Genossen, es lebe das blinde Linke Auge!

1 0

Re: Ein wahrer Freund

Besonders nach Wien würde solch ein Chavez- Denkmal (zu Lebzeiten) sehr gut passen.

Wie man liest, ist Wien jezt nicht nur anders, sondern sogar anders rum.


Gast: yoshi1
26.08.2012 22:59
6 3

Ideologie

Ideologie, Populismus und Umverteilung alleine machen eben keinen funktionierenden Staat. Wirtschaftstreibende meiden dieses Land wie ein Geisterschloss. Kein Wunder, werden doch ausländische Privatinvestitionen regelmäßig verstaatlicht. So gibts halt kaum noch Produkte und eine verfallende Infrastruktur. Das restliche Geld wird mehr und mehr in Propaganda und Zuckerbrot gesteckt. Machterhalt > Zukunft. Ist ja bei unseren hiesigen Sozialisten auch nicht viel anders.

"Damits den Menschen besser geht" hat der Hugo damals gesagt. Aber besser gehts nur den Parteigünstlingen, der Rest des Landes ist in einer Abwärtsspirale.

Es lebe der reale Sozialismus !!!!


Ein Lehrbeispiel von Verstaatlichung. Doch Sozialismus ist schwer heilbar, meint A.F. von Hayek...


Und wie ist das bei dem realen Kaptalismus

wo die Menschen verarmen, weil sie mit ihren hart erarbeiteten Steueraufkommen mittels ESM die Banken stützen müssen, ohne zuvor darüber befragt zu werden?
Der Kasinokaptialismus ist schon heilbar, aber nur dann, wenn eine Revolution die korrupten Regierungen hinwegfegt. Bis dahin werden Armut und Sozialdumping in Europa Realität sein.

2 0

Re: Und wie ist das bei dem realen Kaptalismus

Viele denken noch immer, dass wir im Kapitalismus leben.

Doch wie kann es sein, dass in einem Hochsteuerland wie AT wo fast alles über den Staat zu Tode reguliert wurde, die freie Marktwirtschaft noch funktioniert?

Auch das Finanzsystem ist heute sozialistisch geplant, nämlich über die Zentralbanken und die Politik.

Die Bereicherung von ganz wenigen gibt es bekanntlich besonders im Sozialismus/Kommunismus. Auch das passt zusammen.


Antworten Antworten Gast: Sekundant
27.08.2012 08:53
4 0

Re: Und wie ist das bei dem realen Kaptalismus

wenn das wirklich Kapitalismus wäre, würde es diese Banken längst nicht mehr geben. Sie wären pleite-schluss und aus. In Wahrheit ist das aber auch nichts anderes als Sozialismus, diesmal eben für Banker und Banken. So schauts aus.

8 2

Der Held unserer Linken.

So sieht die Realität aus.

6 2

Venezuela

Das ist sicher alles gelogen !! Es lebe der Sozialismus!

Die CIA ist vor den Wahlen heftig am Werken!!

Und die internationale Presse brav und gelehrig!

Was hier abläuft gab es auch vor der letzten Wahl, diesmal scheint der CIA seine Hausaufgaben besser gemacht zu haben, das timing stimmt und es ist nicht so offensichtlich!

Achja, was machen die Spanier in diesem Spiel, vor kurzen gab es einen hohen Geheimdienstbesuch in Venezua??!! ;-))

Gast: noch einer
26.08.2012 21:28
4 6

Lebensqualität

Tatsache bleibt ,
den Venezuelanern geht es unter Chavez
besser als vorher .
Das Unglück der Gasexplosion wird von den
Gegnern , der alten Ölmafia ,genutzt ,
um Propaganda gegen die Regierung Chavez zu machen .

"Who is John Galt?"

Fragt man sich bald in Venezuela.

Offensichtlich hat Chavez es als Lehrbuch missverstanden...

 
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